Bronzezeit im alten Ägypten

J. Garner/M. Zeiler, Experimentelle Archäologie - Bau und Betrieb eines Siegerländer Rennofens der Eisenzeit.

"Tatsächlich erbrachten über 100 Jahre archäologischer Forschungen im Siegerland zwar hunderte Eisenzeitfundstellen, jedoch keinen einzigen Hinweis
auf Holzkohleproduktion (Meilerei), wie sie hingegen
für das Mittelalter oder die Neuzeit vielfach archäologisch belegt ist. Folglich wurde nicht Holzkohle, sondern Holz im Experiment als Brennstoff verwendet."

Das war das Sensationelle:
  • Durch Reduktion der Sauerstoffzufuhr im Rennofen wird der Direkteinsatz von Holz statt Holzkohle ermöglicht, quasi ein Zwischenschritt erspart.
  • Meine Interpretation: Der Rennofen übernimmt die Aufgabe des Kohlenmeilers.
  • Der Einsatz eines Blasebalgs oder stärkere Sauerstoffzufuhr führt zu technisch schlechterem Ergebnis, vor allem aber zu erhöhtem Brennstoffverbrauch.

 
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Bei der Verhüttung braucht man ca. 3 Teile Kohle auf 1 Teil Erz. Es ist also günstiger, das Erz zur Kohle zu bringen. Deshalb stehen in D die meisten Hochöfen im Ruhrgebiet und im Saarland. Das wird in Ägypten wohl ähnlich gewesen sein.

Überhaupt braucht man für die Verhüttung ganz schön viel (Holz-)Kohle. Deshalb werden die Ägypter eher das fertige Metall importiert haben.
Die Hochöfen sind aber anachronistisch. Die Verwendung von Steinkohle oder Koks bei der Eisenverhüttung ist ein Thema der Neuzeit. Dabei muss man die Entscheidung treffen, bringe ich den Koks zum Eisen oder das Eisenerz zum Kohlebergwerk. Das wurde unterschiedlich gehandhabt, wie zum Beispiel Lothringen zeigt. Dort gab es zuerst Eisenerzbergwerke. Am Anfang wurde die dort benötigte Kohle aus dem Saarland geholt. Erst später war der Steinkohlebergbau ebenfalls in Lothringen zu Hause.

Ein anderes Beispiel wäre die Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg. Dort gab es Eisenerz, die Steinkohle dafür kam aus dem Ruhrgebiet. Man hatte sich auch ein eigenes Kohlebergwerk in Hamm zugelegt um den Steinkohlebedarf zu decken.

Das Siegerland - schon zu keltischen Zeiten - ein wichtiges Eisenzentrum - hatte keine Steinkohle, aber reichhaltig Holz. Als dann die Eisenbahn erfunden war, brachte man die Steinkohle damit ins Siegerland.
 
bringe ich den Koks zum Eisen oder das Eisenerz zum Kohlebergwerk
Der betriebswirtschaftliche Aspekt der Transportkosten ist zwar ein wesentlicher, aber keineswegs der einzige Einflussfaktor bei der Entscheidung. Hinzu kommen
  • habe ich die workforce vor Ort?
  • Entfernung zur weiterverarbeitenden Industrie
  • politische Gründe (z.B. Prestige, Unabhängigkeit, ...)
  • ...
Und die Transportkosten sind natürlich entfernungsabhängig. Bei Lothringen->Saarland spielen sie eine deutlich geringere Rolle als bei schwedisches Erz -> Ruhrgebiet.

In der Bronzezeit dürfte auch die Geheimhaltung eine wesentlich größere Rolle als heute gespielt haben. Wenn die anderen bislang nur Schmuck und Trinkgefäße aus Bronze herstellen, ich hingegen Schwerter und Streitwagen machen will, dann werde ich das lieber zuhause machen, auch wenns teurer wird.
Es soll ja schließlich eine Überraschung für die Feinde sein ;)
 
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