Brudermordgesetz

Dieses Thema im Forum "Das Osmanische Reich" wurde erstellt von Irene, 7. Mai 2006.

  1. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Möchte ich nicht bestreiten. Deshalb schrieb ich ja nach und nach. Die Zeit der Weiberherrschaft fing, aber erst mit der Ermordung des Grosswesirs Sokollu Mehmet an. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde wirklich diskutiert und debattiert, sowie Entscheidungen im Harem getroffen. Ja selbst der Obereunuch konnte zu einer der bedeutendsten Personen im Reich avancieren.

    Hier wich man nach und nach vom Prinzip des fähigsten Herrschers ab zum Senioratsprinzip.

    Ein schwacher Sultan war für die Janitscharen insofern wichtig, um schalten und walten zu können wie sie es für richtig hielten. Deswegen war der Geisteszustand des Sultans vielleicht nicht unerheblich. Auf jeden Fall zogen die Janitscharen Anfang des 17 Jh. den schwachen Sultan einem starken vor.
     
  2. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Ich glaub nicht, dass das für die Janitscharen wichtig war. Sie haben ja nur die Drecksarbeit gemacht, regiert haben andere und die werden sicher an einem schwachen Sultan interessiert gewesen sein.
    Aber bei jeder Thronbesteigung wurde an die Janitscharen eine große Geldsumme verteilt, müsste mal nachschauen wieviel. Also ein lohnendes Geschäft. Und da konnte es schon schnell mal passieren, dass die Janitscharen entgegen den Wünschen der "Machthaber" wieder einen neuen Sultan einsetzten, der eigentlich nicht erwünscht war. Trifft besonders für Mahmud II. zu, der dann letztendlich die Janitscharen auch zerschlug. Sie waren zu einer ähnlich unberechenbaren Gefahr geworden wie in Russland die Strelitzen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Mai 2006
  3. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Hier hast Du nicht ganz recht. Eine Zeitlang war der Janitscharen Aga, ich glaube seit Süleyman dem Prächtigen im Reichsdiwan vertreten, eine der einflussreichsten Personen im Reich der Osmanen, der natürlich um die Privilegien der Janitscharen bedacht war. Letztendlich kreuzten die Jamitscharen ihre Klinge nicht mehr mit äusseren Feinden sondern zückten es vielmehr nach innen.
     
  4. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Oha, kannst du mir bitte mal einen Namen nennen, das würd ich gern mal nachlesen. Janitscharen-Aga im Diwan???:rotwerd: Ich kenne eigentlich nur einen Aga der Janitscharen, der ganz kurz ein wenig Macht besaß, aber nur für die Zeit des Umsturzes - zur Zeit Mahmud I. Danach wurde er beseitigt.
     
  5. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Das habe ich noch nicht gefunden! Sorry, aber:

    S. 155

    Es könnte aber auch sein, was ich jetzt gerade feststelle, dass es sich bei dem von mir benannten Janitscharenaga im Reichsrat auch um den "Kapudan Pascha" Hayreddin Barbarossa handeln könnte, der um 1532-1533 einen Sitz im Grossherrlichen Diwan erhielt und der Beglerbeg von Algerien wurde.

    Wie gesagt zum Janitscharenaga im Diwan muss ich noch lesen. Ich könnte schwören,es gelesen zu haben. :grübel:
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Mai 2006
  6. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Jetzt habe ich es doch gefunden!

    Gut. Es ist nicht die Zeit Süleymans d. Prächtigen, aber hier erfährt meine Behauptung Bestätigung! :winke:
     
  7. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Ich mach mich auch mal auf die Suche, Barbarossa hat die Flotte Suleimans erneuert und wurde dann Kapudan Pascha, er war ein ehemaliger Pirat und brachte außer seiner eigenen Flotte dem osmanischen Reich Tunis, was dann aber wieder verlorenging.
     
  8. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Aber unter Hayreddin Barbarossa, wurde der grösste Teil Nordwest-Afrikas unter osmanische Botmäßigkeit gebracht und wie erwähnt wurde Hayreddin Barbarossa Beglerbeg von Algerien.

    Tunis wurde von Barbarossa zwar genommen, Karl V. konnte aber, in der Sorge vollkommen aus dem Mittelmeer verdrängt zu werden, Tunis zurück erobern.
     
  9. Irene

    Irene Neues Mitglied

    In den historischen Zeitabläufen dürfte es nur eine kleine Episode gewesen sein ohne große Wirkung auf die Reichspolitik, namentliche Nennung eines Janitscharen-Agas mit o. g. Machtausdehnung hab ich nicht gefunden, diese o.g. Zeitspanne wird als eine Zeit der Anarchie angegeben (also keine offizielle Regierungspolitik des osm. Reiches, Sultan Ibrahim gilt als geistig anormal) aber nach Burchard Brentjes "Chane, Sultane, Emire - Der Islam vom Zusammenbruch des Timuridenreiches bis zur europäischen Okkupation" erfolgte bereits ab 1656 die volle Übernahme der Macht durch den Großwesir Mehmed Köprülü, damit begann die Restauration des Osmanischen Reiches.
     
  10. Seldschuk

    Seldschuk Aktives Mitglied

    Nun gut. Nur für kurze Zeit war der Janitscharenaga zur einflussreichsten Person des Reiches avanciert. Aber immerhin, du glaubtest mir doch nicht, dass überhaupt einmal ein Janitscharenaga im Reichrat Platz nehmen durfte? Dies wollte ich untermauern.
    Übrigens nach den Köprülüs ist der desolate Zustand des Osmanenreichs wieder zu Tage getreten. Die Zeit der Herrschaft der starken Grosswesire war zu kurz, um tiefgreifende Reformen durchzuführen.
     
  11. Irene

    Irene Neues Mitglied


    Das sehe ich auch so, die Zeit für Reformen war einmal zu kurz und außerhalb des Reiches kamen ebenfalls politische und strukturelle Veränderungen hinzu. Zudem war auch die wirtschaftliche Struktur im osmanischen Reich weit hinter dem Abendland zurück und das osman. Reich, auf Expansion ausgelegt, stieß auch hier auf seine Grenzen. Es teilte hier das Schicksal mit vielen großen Reichen, der innere Zerfall ging mit dem Erstarken der äußeren Gegner einher.

    Ich hab nochmal bei E. Werner/W. Markow "Geschichte der Türken" von den Anfängen bis zur Gegenwart - nachgelesen. Aber auch hier findet sich keine Aussage dazu, dass ein Janitscharen-Aga Mitglied des Diwans gewesen wäre. Es wird lediglich darauf verwiesen, dass in der Zeit um 1648 bis zur Übernahme der Macht durch Köprülü die innere Sicherheit durch Janitscharenrevolten erschüttert und die ökonomische und gesellschaftliche Krise dadurch verschärft wurde.
     
  12. Irene

    Irene Neues Mitglied

    Nochmal auf die Machtverhältnisse zurückkommend. Der Begriff Obereunuch ist zu differenzieren. Der Kislar Aga war der Oberste der schwarzen Eunuchen, er war der Hüter des Harems aber zugleich auch Nasir – Verwalter der Wakfs und Kurator der heiligen Städte Mekka und Medina sowie Befehlshaber der Baltadschi. Und er stand im Rang eines Paschas. Er konnte also nicht nur unter den späteren Wirren zu Macht gelangen, er verfügte zu allen Zeiten über ein gewisses Machtpotential.
    Der Kapi Aga war der Oberste der weißen Eunuchen. Und hier gab es schon früher Zeitabschnitte, in denen auch der Kapi Aga Macht u. Einfluß besaß, z.B. zur Zeit Mehmed II. Macht bedeutet nicht immer, offizielle Ämter bekleiden.

    Und auch der Begriff Weiberherrschaft:) trifft nicht so ganz zu. Der Kislar Aga war eigentlich Entscheidungsträger, er führte die entsprechende Frau dem Sultan zu, er traf also eine Auswahl, die höchstwahrscheinlich für ihn machtpolitisch gesehen, günstig war. Und er besaß auch ohne die Frauen schon eine große Macht innerhalb der Reichsstruktur, s. oben.
     

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