Buchtipp: Götz Aly - Wie konnte das geschehen?

Ganz aktuell wurde der Wunsch von einem Politiker geäußert, Juden wieder mit Knüppeln durch die Straße zu jagen. Das sind die Parallelen und Mechanismen, die auch bei Aly zur Sprache kommen. Die Tatsache, dass solche Entgleisungen folgenlos bleiben, zeugt von der von Aly angeführten schweigenden Mehrheit (in der betreffenden Partei), vielleicht auch von Opportunismus. Das mag ich gar nicht in jedem Einzelfall beurteilen, aber die Stoßrichtung solcher Geschehnisse ist bedenklich und ist nicht ohne Kontext zu verstehen.
der derzeitige Hang zu rechtspopulistischen bis zu rechtsextremistischen Parteien
zu beachten freilich:
Tagespolitik, dazu gehört das aktuelle Wahlverhalten, diskutieren wir im Geschichtsforum nicht.
der Regierungswechsel im Bundesland Hessen datiert auf den 7. April 1999
und besagte diffuse Feindbilder/Ängste bediente der Wahlkampf 1998/99 in Hessen
ist 1998/99 noch tagespolitisch?

ansonsten:
Andererseits ist es unmöglich, über Alys Buch zu diskutieren, ohne seine Kernthesen zu benennen. Es ist gerade explizit darauf ausgelegt, Lehren für das Hier und Heute abzuleiten.
ich habe nicht den Eindruck, dass in den rund 700 Seiten von Götz Alys "wie konnte das geschehen?" explizit und ausführlich über das aktuelle Wahlverhalten in den neuen Bundesländern gehandelt wird, aber vielleicht habe ich diese Passagen übersehen? (Glaube ich eigentlich nicht)
 
[...] dass der derzeitige Hang zu rechtspopulistischen bis zu rechtsextremistischen Parteien weder eine allein ostdeutsche noch eine deutsche, ja sogar nicht mal eine allein europäische Erscheinung (Stichwort USA) ist.
Ich denke, das ist ein äußerst wichtiger Aspekt dieser Debatte (bzw. derartiger Debatten), weit jenseits von "der dumme Ossi wählt falsch". Ginge wohl weit über das Thema des vorgestellten Buches hinaus, andererseits halte ich den auf Deutschland verengten Blick hier für z. T. irreführend.

These: In den modernen westlichen Gesellschaften ab 1945 (wahlweise 1989) laufen jeweils sehr ähnliche Prozesse, im Kern Progression und Reaktion, was man - unbeschadet konkreter politischer Zuschreibungen - durchaus als Dominanz- und Verteilungskämpfe zu definierender sozialer Gruppen interpretieren könnte. Klassischerweise "gebildete urbane Elite" vs "konservative Landbevölkerung", was (neben der impliziten Wertung) jedoch m. E. im Fall moderner westlicher Gesellschaften wohl auch sachlich deutlich (!) zu kurz greift.
 
Also bis 2000 könnt ihr weiter diskutieren
@ursi sicherheitshalber frage nach: bedeutet das,
dass der derzeitige Hang zu rechtspopulistischen bis zu rechtsextremistischen Parteien
als Diskussionsgegenstand eher vermieden werden sollte?
(unabhängig von der Frage, ob das tagespolitisch ist oder nicht, ich konnte bei Aly keine ausführlichen Textpassagen finden, die sich explizit mit diesem "derzeitigen Hang" befassen - es sei daran erinnert, dass wir uns im Bereich "Drittes Reich" befinden und über ein Fachbuch über dieses, nicht über die neuen Bundesländer oder "brutalstmögliche" Kapriolen diskutieren)
 
@dekumatland du bist schon lange genug im Geschichtsfourm und kannst es sicher einschätzen was tagespolitisch ist und was nicht.

Kommt doch einfach wieder auf das Thema zurück.
 
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Kommt doch einfach wieder auf das Thema zurück.
gerne, darum erneut:
ich habe nicht den Eindruck, dass in den rund 700 Seiten von Götz Alys "wie konnte das geschehen?" explizit und ausführlich über das aktuelle Wahlverhalten in den neuen Bundesländern gehandelt wird, aber vielleicht habe ich diese Passagen übersehen? (Glaube ich eigentlich nicht)
und daran ändert sich nach kurzem nachschauen auch nichts.
 
Die Moderation hat deutlich gemacht, dass sie keine Diskussion über heutige Zustände wünscht, und du stellst mir zum wiederholten Mal eine Frage zum aktuellen Wahlverhalten. Das ist schon ein wenig provokant, weil du genau weißt, dass ich aus obigen Gründen darauf nicht eingehen kann und auch nicht will.

Nur so weit: Bei Aly gibt es zwei Kapitel namens "Was geschah, kann wieder geschehen" und "Der Schoß bleibt ewig fruchtbar doch, aus dem das kroch - nicht nur in Deutschland". Im Zusammenspiel der beiden Kapitel werden Bezüge ins Hier und Heute und die Zukunft hergestellt, ohne dabei fassbare politische Zustände der Gegenwart zu benennen. Offensichtlich überlässt es Aly anderen Kollegen, diesen letzten Schritt zu gehen und Parallelen in unserer heutigen Gesellschaft ganz konkret aufzuzeigen. Die Rezeptur dazu liefert er aber bis ins Detail. Andere Historiker haben dies auch in ihren Studien schon mehrfach getan. Und auch Aly hat sich bereits im vergangenen Jahr in der Presse entsprechend vergleichend geäußert. Aber nach wie vor: Das gehört hier nicht hin.
 
Die Moderation hat deutlich gemacht, dass sie keine Diskussion über heutige Zustände wünscht, und du stellst mir zum wiederholten Mal eine Frage zum aktuellen Wahlverhalten. Das ist schon ein wenig provokant, weil du genau weißt, dass ich aus obigen Gründen darauf nicht eingehen kann und auch nicht will.
oh, so willst du das darstellen?
Mit Verlaub: niemand anderes als du hat hier dergleichen eingebracht, wohlgemerkt ohne im Buch entsprechendes zeigen zu können (aber z.B. mir vorwerfen, ich solle es erstmal lesen...) - eine Geschicklichkeitsmedaille erwirbt man so sicherlich nicht. ;)

...das hier liest sich nun ganz anders:
Offensichtlich überlässt es Aly anderen Kollegen, diesen letzten Schritt zu gehen und Parallelen in unserer heutigen Gesellschaft ganz konkret aufzuzeigen.
und das deckt sich mit meinen unmaßgeblichen Impressionen aus dem Buch.
Ich fand übrigens diese Bemerkung in einer Perlentaucher-Rezension zutreffend:
(...) Eine letztendliche Antwort darauf, wie ein solcher Massenmord unter dem Blick der Bevölkerung möglich wurde, findet der Kritiker allerdings hier auch nicht. Trotzdem: Wie Aly hier "politische, wirtschaftliche, militärische und mentale Geschichte" zusammenführt, ist mehr als gelungen.
 
Mit Verlaub: niemand anderes als du hat hier dergleichen eingebracht, wohlgemerkt ohne im Buch entsprechendes zeigen zu können (aber z.B. mir vorwerfen, ich solle es erstmal lesen...) - eine Geschicklichkeitsmedaille erwirbt man so sicherlich nicht.
Richtig, ich habe den Ball von Aly aufgegriffen und die Geschichte weitergesponnen. Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass Aly in seinem Buch (an anderer Stelle aber sehr wohl) ganz konkrete und fassbare Parallelen zur Gegenwart zieht. Das ist etwas, was du mir in den Mund zu legen versucht hast. Da die Moderation den Wunsch geäußert hat, diese Aspekte nicht weiter zu beleuchten, werde ich das auch nicht vertiefen. Meinetwegen kannst du daraus einen Vorwurf konstruieren.
 
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