Capital and Labour - Karikatur

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Kiba, 2. Januar 2012.

  1. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Die Türen der damaligen Zeit waren bestimmt nicht so perfekt gezimmert, wie es heute üblich ist (besonders in weniger noblen Behausungen. Von daher kein Widerspruch.

    Ich gehe mal davon aus, dass der Zeichner keine technische Zeichnung erstellen wollte und dass man daher nicht sooo akribisch den Augenmerk auf Ungereimtheiten im Detail (Darstellung des Schlosses, Türspalt) legen sollte.
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das ist eine Karikatur. Eine Karikatur ist keine Abbildung der Realität, sondern sie soll eine Botschaft transportieren.
     
  3. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Ich wage nicht zu widerprechen! :still:

    Aber hast du dich nicht auch an Details "festgebissen"?
    " ... ist die Tür ja nicht verschlossen, die Bolzen schließen Plan ab ..." ;)
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es ist zwar zwischenzeitlich geklärt, dass es sich bei diesem "Kind" um einen Affen handelt, aber genau das, zusammen mit Schosshund und Papagei eröffnet ja noch viel weitere Interpretationsmöglichkeiten - wenn man mal bedenkt, dass der Tierschutzbund in Dtld. mit 800.000 Mitgliedern um ein vielfaches größer ist, als der Kinderschutzbund mit 50.000 Mitgliedern, dann scheint - zumindest bei oberflächlicher Betrachtung - das menschliche Herz über die Artgrenzen hinweg besser zu funktionieren, als innerhalb der eigenen Art.


    Das glaube ich dagegen nicht. Wie schon schön herausgearbeitet wurde, dürfte es sich bei der Dame mit dem Anker um die Hoffnung handeln. Für Philomena würden dahingegen andere Attribute fehlen. Siehe auch:
    Der Typ sieht zwar tatsächlich sehr "john-bullig" aus, aber eine Union-Jack-Weste kann ich nicht erkennen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich die Interpretation John Bull wirklich teile.

    Das lasse ich als Alternative zu meiner Interpretation (unbeabsichter Absturz bei einem Besuch in der "Unterwelt") mal gelten. Wenn man jedoch meine Interpretation zugrundelegen würde, könnte man die Karikatur als einen Warnruf eines Bürgerlichen an das Bürgertum interpretieren: "So, wie wir unseren Reichtum produzieren und nicht bereit sind, diesen mit denen, die die eigentliche Arbeit leisten teilen, so produzieren wir auch einen Hass auf uns, den wir noch mal teuer - nämlich mit unserem Leben - werden bezahlen müssen." Ich sehe nach wie vor die Bedrohung der beiden feisten Kinder eher durch die Armen. Erinnert mich ein wenig an ein Gedicht von Baudelaire aus dessen Anthologie Les Fleurs du Mal (Die Blumen des Bösen), welches ich leider nicht rezitieren kann. Ich muss es suchen.
    Aber eigentlich - so viel zu als Alternative gelten lassen - ist deine/Eure Interpretation wohl doch die zu bevorzugende.

    Wie gesagt, mit John Bull kann ich mich nicht recht anfreunden, ansonsten würde ich deiner Interpretation zustimmen.





    Eure Diskussion finde ich interessant. Für mich war die Tür zweifelsohne geöffnet, als Rahmen hatte ich die Pergola mit den Blumen (Kletterrosen?) interpretiert, inzwischen zweifele ich an der geöffneten Tür. Dennoch würde ich eher für die geöffnete Tür plädieren, weil man den Schließzylinder doch eigentlich nur in diesem Falle sieht.
     
  5. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Das halte ich durchaus für eine der markigsten Aussagen der Karikatur, was ich ja schon mal angedeutet habe.

    Eine mir nahe stehende Deutschlehrerin hat mir mal den Tip gegeben eine schwarz-weiß-Karikatur in Gedanken auszumalen, wenn ich mir mit der Interpretation nicht sicher bin. Versuche dich mal an der Weste, die zugegebenermaßen durch den Arm davor schlecht zu erkennen ist.

    Das ist eigentlich auch ein Argument (war wohl zu nahe liegend für mich :red:)

    @Xander: bei Karikaturen kommt es ja auch auf die Details an um sie zu erschließen. Karikaturisten malen weder etwas zufällig, weil ihnen gerade nichts besseres einfällt noch bemühen sie sich um eine größtmögliche Realitätsnähe. Und wieso "auch"?
     
  6. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    wenn die Tür bereits offen ist, warum will das kleine Flügelwesen anklopfen?

    auch der Ausdruck der Frau macht für mich, in diesem Fall, keinen Sinn.
    Sie steht vor einer halb, geöffneten, durch Geldbeutel verbarikadierten Tür, will hinein, aber lehnt entspannt auf dem Anker?

    wäre es perspektivisch so gemeint, daß die Tür halb offen ist hätte sie ganz unten, von der Tür bis zum Bildrand, Platz hineinzugehen
     
  7. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Zustimmung!

    Aber eben aus diesem Grund ist es für mich nicht schlüssig, warum ein Karikaturist eine offene Tür darstellt und sich gleichzeitig die "Mühe" macht Schlösser mit deren namhaften Herstellern zu zeichnen!
     
  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Sie hat doch die Hand an der Tür, als wolle sie sie aufschieben. Wäre die Tür geschlossen gäbe das keinen Sinn.
     
  9. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    wenn es so ist, dann will sie aber wie eine coole Sau im Türrahmen stehen, lässig zurückgelehnt auf den Anker, sich zum Raum hin präsentierend

    wär heftig angesichts des Elends innen


    naja, sie will sie aufschieben, d.h. die Tür ist nicht (komplett) offen; ihre haltung wirkt auf mich eher wartend, verharrend

    so wie sie auf dem Anker steht kann sie keinen Schritt nach vorne gehen
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Januar 2012
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  10. flavius-sterius

    flavius-sterius Aktives Mitglied

    Ich rätsele noch darüber, ob der Zeichner mit der Darstellung eines farbigen Dieners in dem oberen rechten Bild dem Betrachter ebenfalls eine Mitteilung geben will.
    Wie muss es im Augen des damaligen Betrachters wirken, wenn es einem farbigen Diener offensichtlich besser geht als dem britischen Arbeiter?
     
  11. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied

    Was die Türschlösser angeht - geht man dem Wikilink des Bildes nach, so steht darunter für die Bezeichnungen der Schlösser das Wort "Tresorschlösser".

    Geht man also davon aus, dass es sich hierbei nicht um eine einfache Tür, sondern um eine Tresortür handelt, gibt das nochmal eine Verschärfung hinzu: obwohl der "Tresor" bereits geöffnet ist, kommen Hoffnung und Liebe nicht hindurch, weil der Weg durch das Geld versperrt ist - soll heißen: obwohl es vielleicht sogar Menschen gäbe, die die Arbeiterklasse nicht einsperren/ausbeuten wollen würden, wird auch deren Blick durch das erwirtschaftete Geld verblendet. (Wäre jetzt mein Ansatz)

    Der Dicke auf dem Geldberg wäre für mich schlicht (den vorigen Ausführungen folgend) der Geist des Kapital(ismu)s, der diese Sperre errichtet hat.
     
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  12. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    @Kiba

    Kannst du deinen Lehrer mal fragen, wenn ihr mit dem Thema durch seit, warum, nach seinem Kenntnisstand, Hamerton zwei Schlösser zeichnete und diese beschriftete?

    ich würd das echt gerne wissen
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Hast Du den Hinweis übersehen, nach dem im Begleittext der Karikatur 1843 der Bezug auf Menschen wie Hunde, die das Tageslicht nie sehen werden, gegeben wird? - "Hunde für immer"

    Ich habe Deinen Beitrag so verstanden, dass es da eine Verbindung zu den Kurzbezeichnungen der Schlösser gibt.
     
  14. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    muß nicht sein; im selben Zeitraum veröffentliche Punch eine Karikatur von Hamerton welche eindeutigen Bezug auf/zu/für Irland nimmt

    The Punch Project: July-Dec 1843, p89 - King O'Connell at Tara

    der damalige Bürgermeister von Dublin, Daniel O´Connell in Tara
     
  15. Rephaim

    Rephaim Neues Mitglied

    sorry, ich versteh nicht, was für einen Begleittext?

    meinst du den aus #35?

    falls die Sprachidee zutreffen sollte, glaube ich nicht, daß die Arbeiter gemeint sind. warum etwas leidvolles (Hundeleben) kompliziert verschlüssen, wenn es eh schon brutal, naturgetreu dargestellt wird?

    ich dachte eher an eine Beleidigung der Kapitalisten (Schloß= Kapitalist = Hund/immer)

    könnts mir vorstellen bei jemandem der sein Pseudonym "Shallabala" nennt; das Derbe ist ihm nicht fremd
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Januar 2012
  16. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    #36.

    Ich meinte den Text, der im Punch 1843 unmittelbar zur Karrikatur abgedruckt ist. Ich hab den Link wieder gelöscht, aber nach Erinnerung: Hundeleben, auf allen Vieren, für immer.
     
  17. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Zunächst möchte ich ein Lob auf Eure Bemühungen aussprechen. Das Ding ist sicher eins der anspruchsvollsten seiner Klasse.

    Wir haben das heute auch besprochen. Neben vielen bereits diskutierten Dingen kamen noch folgende Fragen auf:

    - Was hat das Seil (in anderen Interpretationen: die "Schlange") um das Ankerkreuz der Britannia zu bedeuten?

    - Wie sind die scheinbar aus dem Stollen am rechten Bildrand kommenden Personen zu deuten? Der im Vordergrund abgebildete Mann scheint zwar abgetragene, aber dennoch eher gehobene Mode zu tragen (EDIT: und geht darüber hinaus auch an Krücken). Folgt hinter ihm seine Frau und eine ältere Tochter? Und gehören die im Korb sitzenden wohlgenährten Kinder möglicherweise auch zu diesem Personenverband? In dem Fall würde auch die Gefahr eines rapiden sozialen Abstieges in der Karikatur angesprochen werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2012

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