Caspar, Melchior, Balthasar und ihr Segensspruch

Linde

Aktives Mitglied
Was war wohl zuerst da? Diese drei Namen oder der Segen Christus Mansionem Benedicat?

Ich plädiere für die Namen.

Und darf einer der drei schwarz sein? Ich meine ja.
 
Seltsam... Bei der Suche nach lateinischen Abkürzungen kam ich gestern auch auf das Thema. Ich denke, zuerst war der Segensspruch, dann die Eselsbrücke.

Man muss auch fragen, wo zuerst die Namen Caspar, Melchior und Balthasar auftauchen.

Im Kölner Stadtanzeiger stand, dass seit Helmut Kohl im Jahr 2006 die Sternsinger im Kanzleramt singen. Also Jubiläum 2026! Wurden sie vorher weggeschickt?

Nodda, dann ist es ein Haus mehr das göttlichen Segen hat, und braucht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Bei Missio.ch gab es 2012 einen Artikel, in dem folgendes zu lesen war:

2.2. Was bedeutet C-M-B?​
Die Sternsinger schreiben mit gesegneter Kreide die Buchstabenfolge C-M-B, mit Kreuz und​
Jahrzahl verbunden, auf die oberen Türbalken. Dafür gibt es zwei unterschiedliche​
Interpretationen:​
1. Abkürzung für die Königsnamen Caspar, Melchior und Balthasar;​
2. „Christus mansionem benedicat“ – lat., Christus segne dieses Haus;​
Im dritten Band des Lexikons für Theologie und Kirche von 1958 deutet A. Dörrer das​
Zeichen als die „Anfangsbuchstaben der Drei Könige“. Auch E. Hoffmann-Krayer​
interpretiert 1940 das C-M-B bzw. K-M-B (!) allein als Abkürzung der Königsnamen.​
Ähnlicher Meinung ist das Lexikon der Namen und Heiligen. Der Autor bemerkt, die​
Buchstaben würden „in volkstümlicher Katechese bisweilen auch umgedeutet in ‚Christus​
Mansionem Benedicat‘“.​
Entgegen der häufig geäusserten Meinung, C-M-B bedeute ursprünglich „Christus​
mansionem benedicat“ und gehe zurück auf einen frühchristlichen Segensspruch, dürfte diese​
Deutung aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammen, als der Sternsingerbrauch in​
der heutigen Gestalt kreiert wurde. Ein Beleg für ein früheres Vorkommen liegt mit grosser​
Wahrscheinlichkeit nicht vor.​
Auch wenn es zutrifft, dass das C-M-B ursprünglich „nur“ als Abkürzung für die Vornamen​
der Heiligen Drei Könige steht, kann die Formel dennoch als „Christus mansionem benedicat​
– Christus schütze dieses Haus“ gedeutet werden. Schliesslich wird bei der Segnung eines​
Hauses der Segen Christi erbeten, der allen Menschen, die darin wohnen, zuteil werden soll.​
​
So ganz glauben, dass C-M-B oder K-M-B "in volkstümlicher Katechese .... umgedeutet" wurde, kann ich allerdings nicht. Volkstümlich und Latein will mir nicht so recht zusammengehen.
 
Volkstümlich geworden. Hier wird aber im Ggt. davon ausgegangen, dass vox populi die Initiale der drei Heiligennamen zu einem sinnvollen lateinischen Spruch umgedeutet habe. Nun will ich nicht ins "vox populi, vox Rindvieh"-Horn stoßen, aber vox populi sind ja nicht gerade die Lehrer der Realgymnasien....
 
Seltsam... Bei der Suche nach lateinischen Abkürzungen kam ich gestern auch auf das Thema. Ich denke, zuerst war der Segensspruch, dann die Eselsbrücke.

Man muss auch fragen, wo zuerst die Namen Caspar, Melchior und Balthasar auftauchen.

Im Kölner Stadtanzeiger stand, dass seit Helmut Kohl im Jahr 2006 die Sternsinger im Kanzleramt singen. Also Jubiläum 2026! Wurden sie vorher weggeschickt?

Nodda, dann ist es ein Haus mehr das göttlichen Segen hat, und braucht.
Und wann tauchte der lateinische Spruch zuerst auf?
 
Was meint ihr zu meiner Frage, ob einer der Drei Könige schwarz sein darf?
Manche meinen, das sei nicht politisch korrekt.
Ich meine das nicht.
 
Was meint ihr zu meiner Frage, ob einer der Drei Könige schwarz sein darf?
Manche meinen, das sei nicht politisch korrekt.
Ich meine das nicht.
Wer sind manche?

Die Antwort ist uns wohl allen klar.

Deshalb zur Erinnerung unser Forenregeln;
Für Diskussionen über aktuelle politische Themen ist das Geschichtsforum nicht der richtige Platz. Ebensowenig ist das Forum eine Plattform für politische, religiöse und sonstige weltanschauliche Glaubensbekenntnisse.
 
Zuletzt bearbeitet:
ad linde:
Natürlich darf er schwarz sein. Bei der Betitelung "3 Könige aus dem Morgenland" wäre ohnehin anzunehmen, daß die anderen beiden auch so dunkelbraun waren, daß der Unterschied kaum merklich war...

Auf was du wahrscheinlich anspielst: Ja, es gibt die "moderne" (aus meiner Sicht bestenfalls ulkige) Anschauung, daß "Sternsinger", bei denen sich einer (um als schwarzer König durchzugehen) das Gesicht schwarz anschmiert, im Kerne rassistische Praktiken vollführten ("Blackfacing", eine in Nordamerika offensichtlich "beliebte" Diffamierungstechnik).
Mangels entsprechender Diskriminierungsschemata in Zentraleuropa (wie diskriminieren derzeit lieber Südeuropäer, besonders vom Balkan, und - hautfarbenunabhängig - neuerdings gerne Muslime generell; schwarzhäutige Menschen sind bisher - wegen geringer Anzahl - noch "nicht so unser Ding") und zeitlicher Inkongruenzen (der schwarzbemalte König lief schon lange herum bevor der belesentste europäische Intellektuelle "Blackfacing" überhaupt buchstabieren konnte) halte ich persönlich das für blanken Unsinn.
 
ad linde:
Natürlich darf er schwarz sein. Bei der Betitelung "3 Könige aus dem Morgenland" wäre ohnehin anzunehmen, daß die anderen beiden auch so dunkelbraun waren, daß der Unterschied kaum merklich war...

Auf was du wahrscheinlich anspielst: Ja, es gibt die "moderne" (aus meiner Sicht bestenfalls ulkige) Anschauung, daß "Sternsinger", bei denen sich einer (um als schwarzer König durchzugehen) das Gesicht schwarz anschmiert, im Kerne rassistische Praktiken vollführten ("Blackfacing", eine in Nordamerika offensichtlich "beliebte" Diffamierungstechnik).
Mangels entsprechender Diskriminierungsschemata in Zentraleuropa (wie diskriminieren derzeit lieber Südeuropäer, besonders vom Balkan, und - hautfarbenunabhängig - neuerdings gerne Muslime generell; schwarzhäutige Menschen sind bisher - wegen geringer Anzahl - noch "nicht so unser Ding") und zeitlicher Inkongruenzen (der schwarzbemalte König lief schon lange herum bevor der belesentste europäische Intellektuelle "Blackfacing" überhaupt buchstabieren konnte) halte ich persönlich das für blanken Unsinn.
Genau auch meine Meinung.
 
Wo kommt die Idee überhaupt her, wie die drei genau aussahen, wann taucht das zum ersten mal auf, und welcher ist schwarz? Ich bin nur sehr begrenzt bibelfest, aber mWn steht da nicht mal, dass das drei waren, von der Farbe ganz zu schweigen.

Ich muss befürchten, dass meine erste und immer noch wichtigste Quelle zu dem Thema (Endes Jim Knopf) nur begrenzt historisch aussagefähig ist...
 
Volkstümlich geworden. Hier wird aber im Ggt. davon ausgegangen, dass vox populi die Initiale der drei Heiligennamen zu einem sinnvollen lateinischen Spruch umgedeutet habe. Nun will ich nicht ins "vox populi, vox Rindvieh"-Horn stoßen, aber vox populi sind ja nicht gerade die Lehrer der Realgymnasien....
Zumindest ehemalige Ministranten konnten ja ein wenig Latein, und zum "Kirchenvolk" mochten in dieser Zeit auch "Studierte" wie ein Gymnasiallehrer oder der örtliche Apotheker zählen.
 
Wo kommt die Idee überhaupt her, wie die drei genau aussahen, wann taucht das zum ersten mal auf, und welcher ist schwarz? Ich bin nur sehr begrenzt bibelfest, aber mWn steht da nicht mal, dass das drei waren, von der Farbe ganz zu schweigen.

Ich muss befürchten, dass meine erste und immer noch wichtigste Quelle zu dem Thema (Endes Jim Knopf) nur begrenzt historisch aussagefähig ist...
Nach der biblischen, nur im Mt-Evangelium bezeugten Erzählung handelte es sich um eine nicht näher bestimmte Gruppe von Magoi, häufig als "Sterndeuter" übersetzt. Ihre Zahl schwankt bis ins Frühe Mittelalter noch ein wenig, wobei sich die Westkirche wohl früher als der Osten auf drei Verehrer des göttlichen Kindes festlegte. Isidor von Sevilla - ein für das Mittelalter äußerst wirkmächtiger Gelehrter - geht bereits von der bekannten "Tatsache" aus, dass es Könige gewesen seien, während man im Osten manchmal noch eine Zwölfergruppe nannte - die aber meist ebenfalls als Könige angesehen wurden. Dreizahl und Rang mögen durchaus von Zahl und Wert der Gaben abgeleitet worden sein, auch wenn sie sicherlich ursprünglich eine Art Glaubensbekenntnis des Matthäus (bzw. des Evangelisten) darstellten.

Seit dem Hohen Mittelalter wurden die Sterndeuter-Könige - die nun nicht zuletzt die bereits an der Krippe präsente Kirche "aus allen Völkern" symbolisieren konnten - häufig als Vertreter der drei Lebensalter und der drei bekannten Erdteile dargestellt, wobei der älteste König vielfach vor Maria und dem Kind kniet. Zu der Zeit waren die Namen Caspar/Kaspar, Melchior und Balthasar aber bereits seit einigen Jahrhunderten eingeführt. Die dunkle Hautfarbe eines Königs macht ihn nochmals deutlicher zum Repräsentanten Afrikas, auch wenn sie keinesfalls immer verwendet wurde. Auf dem Kölner Dreikönigsaltar aus dem 14. Jh. sind die Könige beispielsweise in drei Lebensaltern, aber alle mit heller Hautfarbe dargestellt.

Ein Gemälde, das die Repräsentation der drei Lebensalter und der drei Kontinente - wenn auch bereits nach der "Entdeckung" Amerikas - deutlich zum Ausdruck bringt, stammt beispielsweise von Albrecht Dürer. Es entstand meiner Erinnerung nach kurz nach 1500.
 
In einer Predigt des 18. Jh. mutet der Prediger seinen Zuhörern ganz schön viel Latein zu. Er setzt in seiner Predigt C.M.B. gleich mit:
Contra Mala Beati
Contra Maleficia Beneficia
Caedunt Magi Beati
allerdings nur rhetorisch.
Einfältiger doch Wohlgemeinter Bauern-Prediger, Placidus Taller, 1723

Lustig fand ich die Anekdote, dass in Schlesien nach dem 2. Schlesischen Krieg das C.M.B. an den Türen einige Verwirrung gestiftet haben soll, weil es für "Chur-Mark Brandenburg" gehalten wurde.
dürfte dieseDeutung aus den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts stammen, als der Sternsingerbrauch inder heutigen Gestalt kreiert wurde. Ein Beleg für ein früheres Vorkommen liegt mit grosserWahrscheinlichkeit nicht vor.
Ein paar Jahre können wir das noch vorverlegen:
cmb Christus mansionem benedicat, lateinisch, Christus segne dies Haus (Inschrift über alten Türstürzen)
ABC Der Abkürzungen, Siegfried Fassbender, 1949, Seite 29

Zumindest ehemalige Ministranten konnten ja ein wenig Latein
Dazu ist vor allem das Stufengebet zu erwähnen. Eine Art Zwiegespräch zwischen Ministranten und Priester zu Beginn der Messe. Vielleicht mussten wir das sogar noch lernen. Das "Introibo ad altare Dei" ist noch irgendwo in den Tiefen meiner Erinnerung.
 
ad linde:
Natürlich darf er schwarz sein. Bei der Betitelung "3 Könige aus dem Morgenland" wäre ohnehin anzunehmen, daß die anderen beiden auch so dunkelbraun waren, daß der Unterschied kaum merklich war...

Auf was du wahrscheinlich anspielst: Ja, es gibt die "moderne" (aus meiner Sicht bestenfalls ulkige) Anschauung, daß "Sternsinger", bei denen sich einer (um als schwarzer König durchzugehen) das Gesicht schwarz anschmiert, im Kerne rassistische Praktiken vollführten ("Blackfacing", eine in Nordamerika offensichtlich "beliebte" Diffamierungstechnik).
Mangels entsprechender Diskriminierungsschemata in Zentraleuropa (wie diskriminieren derzeit lieber Südeuropäer, besonders vom Balkan, und - hautfarbenunabhängig - neuerdings gerne Muslime generell; schwarzhäutige Menschen sind bisher - wegen geringer Anzahl - noch "nicht so unser Ding") und zeitlicher Inkongruenzen (der schwarzbemalte König lief schon lange herum bevor der belesentste europäische Intellektuelle "Blackfacing" überhaupt buchstabieren konnte) halte ich persönlich das für blanken Unsinn.
Politisch korrekte deutsche Eltern bringen ihren Kindern, bei dass man sich nicht als Schwarzer oder als Indianer verkleiden darf, weil man das in den USA nicht gern sieht.
 
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