Das Römerlager Aliso

Handel nicht vergessen. Die Münzen findet man von Island bis Oc Eo in Südvietnam.
Wobei die römischen Münzen in Island sehr selten sind und wohl (nach gängiger Hypothese) meist mit den Norwegern nach Island gekommen gesehen werden, das Problem ist, dass sie teils isoliert, teils zwar im Umfeld von wikingischen Gräberfeldern, aber nicht von Archäologen gefunden wurden, die Fundumstände also schlecht dokumentiert sind.
 
Absolut EQ! Es sollte nur Deine Aussage verstärken, das es viele Gründe geben kann, warum man Münzen und nicht nur Einzelstücke finden kann.
 
Vielen Dank, El Quijote! Harald Meller zeigt in dem Video Die Erfindung der Germanen in Minute 5:54 eine Karte, auf der bzgl. des Tiberius-Feldzuges in 5 n.Ch. nur zwei Punkte als Münzfundstellen ausgewiesen sind (siehe Anhang). Das könnten - so wie es Hermundurus schreibt - tatsächlich Schöningen und Alleringersleben sein. Von da aus zeigt ein Pfeil nach Nordosten, ohne dass weitere Fundstellen angedeutet sind. Ich werde mal das vorgeschlagene Buch Geldgeschichten aus Sachsen-Anhalt versuchen ausfindig zu machen. Sicherlich hatte Tiberius die Langobarden an der Unterelbe zum Ziel, welche Route er aber eingeschlagen hat, scheint mir sehr wenig bis gar nicht belegt zu sein, oder hat da jemand weitere Hinweise???
 

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Guten Morgen,

@Liudgerus

ich hatte die Karte der Republik-Denarfunde vor gut 10 Jahren erstellt, um mögliche Marschrouten zur Elbe zu rekonstruieren. Warum gerade die Republik-Denare? Diese wurden von den Germanen wegen ihres sehr hohen Silbergehaltes thesauriert. Bereits Tacitus schreibt darüber. Des weiteren gelangten sie u.a. en bloc ins Barbaricum für politische Zwecke (Bestechung, Bündnisse). Das Interessante daran ist, dass es keine großen Ausreißer der Fundorte gibt und diese ziemlich linear verlaufen. Zieht man das Soldatengeld der Augusteischen Epoche mit ein, ergibt sich ein sehr homogenes Bild. Das diese alten Aufmarschrouten für römische Heere noch in späterer Zeit genutzt wurden, zeigen die neu entdeckten römischen Lager bei Aken und Calbe (Barkowski 2020 Aken l; Freudenreich 2024 Aken ll und Calbe). Vor allem das Lager bei Calbe ist in seinen Dimensionen (63-70 ha) einzigartig in der Germania Magna.
 

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Danke Hermundurus!
Deine Karte erklärt jedoch nicht ganz deine Aussage von 2015:
"Tiberius zog mit dem Landheer über Hildesheim - Schöningen - Alleringersleben - Bebertal - Wolmirstedt - Tangermünde in Richtung Stendal"
.
Schöningen = Esbeck und Tangermünde sind klar! Hast du den Verlauf dazwischen nur geschätzt oder gibt es von Alleringersleben, Bebertal, Wolmirstedt ebenfalls Funde?
Meine Frage resultiert aus dem Fund römischer Sandalennägel bei Schwanefeld durch einen Bekannten. Wenn diese zu Tiberius' Route gerechnet würden, käme eine Route Schöningen, Schwanefeld, Letzlingen, Tangermünde heraus. Diese Route wird auch angezeigt, wenn ich bei Google Maps als Fußweg Schöningen - Tangermünde eingebe.
 
@Liudgerus

es gibt noch zwei weitere Fundorte zwischen Alleringersleben und Tangermünde (Detektorfunde durch Ehrenamtliche nicht publiziert). Ich hatte damals nur publizierte Fundorte wegen den Quellennachweisen nehmen können. Eine „genaue“ Berechnung ist schlussendlich nicht möglich. War auch nie meine Absicht gewesen. Wichtig ist nur das es bisher 2 Aufmarschrouten zur Elbe und 1 zur Saale gibt. Wobei eine mögliche 4. Route vom Nordharz über die Bode zum Elbe-Knie auch sehr wahrscheinlich ist (Detektorfunde). Meine Berechnungen führten schließlich zum Auffinden des 1. römischen Lager in Sachsen-Anhalt (Aken l) durch mich. Ich habe evtl. ein weiteres kleines Lager am Hochufer der Saale an einer alten Furt entdeckt, jedoch muss ich bis zum Sommer warten. Wenn ich Glück habe gibt es vielleicht Keramikstücke.
 
@Liudgerus

wurden die Schuhnägel, wenn es denn welche sind, evtl. in der Nähe am Wall und jetzigen Hohlweg gefunden (siehe Anhang)? Wenn dem so ist, kann eine Landwehr - wie von P. Grimm aus dem Jahr 1958 vermutet, ausgeschlossen werden (Reste eines Römerlagers an der Aller ?).
 

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Ja, die Nägel wurden dort in der Nähe des Hohlweges gefunden und liegengelassen. Kennst du die Örtlichkeit? Habe mit dem Finder vereinbart, dass er mich dahinführt, wenn wieder offenes Wetter ist.
Die Notiz von 1958 ist sehr interessant. Woher stammt sie und wer ist P. Grimm? Das darin beschriebene Wallsystem glaube ich zu kennen. Muss ich bei passender Gelegenheit nochmal genauer besichtigen.
 
Warum gerade die Republik-Denare? Diese wurden von den Germanen wegen ihres sehr hohen Silbergehaltes thesauriert. Bereits Tacitus schreibt darüber. Des weiteren gelangten sie u.a. en bloc ins Barbaricum für politische Zwecke (Bestechung, Bündnisse). Das Interessante daran ist, dass es keine großen Ausreißer der Fundorte gibt und diese ziemlich linear verlaufen. Zieht man das Soldatengeld der Augusteischen Epoche mit ein, ergibt sich ein sehr homogenes Bild. Das diese alten Aufmarschrouten für römische Heere noch in späterer Zeit genutzt wurden, zeigen die neu entdeckten römischen Lager bei Aken und Calbe (Barkowski 2020 Aken l; Freudenreich 2024 Aken ll und Calbe). Vor allem das Lager bei Calbe ist in seinen Dimensionen (63-70 ha) einzigartig in der Germania Magna.
Deine Argumentation wirkt auf den ersten Blick schlüssig. Ich sehe aber nach wie vor Probleme.
  1. Du selbst erwähnst Bestechung und Bündnisse und dass die Germanen bestimmte römische Münzen - laut Tacitus zumindest - bevorzugten: die Bigati (Münzen mit einer Darstellung eines Zweispänners) und Serrati ("stern"förmig "angesägte" Münzen, bei denen man den Silbergehalt gut erkennen konnte). Anzumerken ist hier, dass Tacitus etwa um 100 im Präsens schreibt, wobei man immer berücksichtigen muss, dass gewesene Verhältnisse durchaus als aktuell dargestellt werden können, da Klischees sich halten, auch wenn sie nicht mehr wahr sind. Es kann also durchaus sein, dass Tacitus einen vergangenen Zustand als Ist-Zustand beschreibt. Also: Wenn du erwähnst, dass Germanen bestochen/finanziert wurden, dann gibst du zu, dass Geld eben nicht zum Zeitpunkt des Verlustes/der Niederlegung in römischen Händen ge wesen sein muss.
  2. Damit sind wir - einmal mehr - beim terminus post quem (tpq). Wir können einer Einzelmünze eben immer nur den tpq ansehen, aber nicht den tatsächlichen Verlust/Niederlegungszeitpunkt. Erst im Zusammenhang mit anderen Funden engt sich die Datierbarkeit ein. Nicht umsonst ist Keramik das "Leitfossil" der Archäologen. (Stammt nicht von mir!) Münzhorte und ähnliche Funde sind besser zu datieren, da hier Schlussmünze und häufige vorkommene Münzen zeitlich meist eng beieinander liegen, wohingegen ältere Münzen seltener vorkommen.
  3. Eine statistische Verzerrung liegt in der Häufigkeit von Münzen. In der Republik und in der augusteischen Zeit wurden außerordentlich viele Münzen geprägt, mehr als in späteren Zeiten. Sprich es waren mehr republikanische und augusteische Münzen im Umlauf, als z.B. Münzen Tiberius' oder Caligulas, ergo ist auch die Wahrscheinlichkeit republikanische oder ältere julisch-claudische Münzen zu finden höher als jüngere julisch-claudische.
  4. Wenn jüngere Münzen - da sie nicht ins Bild passen - ausgeklammert werden (ich unterstelle hier keine Absicht, sondern einen leider sehr naheliegenden methodischen Fehler), werden sie natürlich auch nicht berücksichtigt. Daher wird dann eine "Münzspur" (wenn es sich denn tatsächlich um eine handelt) fälschlich Tiberius zugeordnet, weil post-tiberische Münzen (die man, siehe Punkt 3, eh viel seltener findet, auch im Reichsgebiet) gar nicht in Betracht gezogen wurden.
 
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