Dauerte die Varusschlacht nur einen Tag?

Kann manches erklären und nachvollziehbar machen.
Leider nicht, nein. Es mag eine Begründung sein, Cassius Dio teilweise oder ganz zu verwerfen, betrifft aber weder zeitgenössische Autoren wie Velleius noch die grundsätzlichen Regeln der Quellenkritik. Man kann und sollte in bestimmten Fällen Heeresgrößen gewiss in Zweifel ziehen, aber dann sollte eine schlüssige Begründung erfolgen.

Wenn die erhaltenen Quellen von drei Legionen, drei Alen und sechs Kohorten Hilfstruppen sprechen, die bei der Varusniederlage verloren gingen, darf man sicherlich davon ausgehen, dass die Sollstärke nicht ganz erreicht wurde. Meinetwegen kann man auch annehmen, dass es sogar weniger als 20000 Mann gewesen sind. El Quijote hat darauf ja auch bereits hingewiesen.

Es ist aber wenig plausibel, dass "die Römer", wenn sie angeblich die Unbesiegbarkeit ihrer Legionen nicht in Zweifel ziehen wollten - ob diese Interpretation der Quellen nun richtig ist oder nicht - die Zahl der besiegten römischen Truppen entgegen der Realität noch erhöhten. Das ist schlicht widersprüchlich.
 
Kann manches erklären und nachvollziehbar machen.
aber diese Suada pro domo (kann man auch als captatio benevolentiae auffassen) erklärt uns nicht, wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt usw usw.
"Alles wird nur sozusagen anders, als es in Wahrheit aewesen ist, in Form von Gerüchten verbreitet." (Dio)
dieses Zitat weckt nicht unbedingt so viel Vertrauen, als dass man den klassischen Verdacht "die Wahrheitsbeteuerung ist das erste Anzeichen der Lüge" a priori verwerfen könnte: Dio behauptet indirekt von sich bzw seinem Werk, er käme mit den Schwierigkeiten zurecht (was dann stutzig macht, wenn man Baumkronen-Witterungsunbill genauer anschaut)
 
aber diese Suada pro domo (kann man auch als captatio benevolentiae auffassen) erklärt uns nicht, wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt usw usw.

dieses Zitat weckt nicht unbedingt so viel Vertrauen, als dass man den klassischen Verdacht "die Wahrheitsbeteuerung ist das erste Anzeichen der Lüge" a priori verwerfen könnte: Dio behauptet indirekt von sich bzw seinem Werk, er käme mit den Schwierigkeiten zurecht (was dann stutzig macht, wenn man Baumkronen-Witterungsunbill genauer anschaut)
Wenn ich dich recht verstehe ordnest du meinen Satz, "Kann manches erklären und nachvollziehbar machen.", als das Erlangen von Wohlwollen in eigener Sache meinerseits ein.
Ohne Erklärung wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt, usw..

Kann ich konkret erklären wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt, usw..
Nein natürlich nicht, denn dann hätte ich neben ihm sitzen müssen, ihn fragen.

Nun, meine Frage hier im Forum ist:
Müssen, sollen und können wir das Überlieferte zur Varusschlacht "wortgetreu" glauben?

Und es passiert etwas erstaunliches.

Die antiken Truppeneinheiten des Varus sind bekannt, die dahinterstehenden Zahlen (optimale Truppenzahlen) ebenfalls.
Und jetzt melden sich gestandene Foristen, die locker relativieren:

Nein, die 20.000 müssen nicht stimmen.
Vielleicht hatte Varus auch deutlich weniger.
Und von dieser deutlich kleineren Streitmacht hat er möglicherweise auch noch Kontingente in die "germanische Pampa" geschickt!
Und nein, das mit dem "grausigen Wetter" könnte ja auch anders abgelaufen sein!

"Kann ich konkret erklären wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt, usw..
Nein, denn dann hätte ich neben ihm sitzen müssen, ihn fragen."

Aber der Wirkmechanismus, das System ist doch erkennbar:

Hier - im Forum des Jahres 2026
"...können auch weniger gewesen sein!"
Aber das aus der Antike überkommende "Gesamtbild Varusschlacht" soll erhalten bleiben.

Damals - Dio am Schreibpult
Die gewünschte Wirkung sollte (und, vielleicht, musste) erreicht werden.
Das "Gesamtbild mit Wirkung" für die nachfolgenden römischen Generationen.
 
Nun, meine Frage hier im Forum ist:
Müssen, sollen und können wir das Überlieferte zur Varusschlacht "wortgetreu" glauben?
...du hast doch sicherlich schon einmal den Begriff Quellenkritik bemerkt...
Hier - im Forum des Jahres 2026
...das soll irgendwie Kritik beinhalten? Na ja, im Forum, zu dem du selber doch infolge deiner Teilnahme gehörst, finden sich zu offenen bzw teilgelösten Fragen verschiedene Ansichten.
 
Zu den Quellen eine bescheidene Feststellung:
Die verlässligste Quelle sind die Überlebenden der Varus-challenge.
Deren Aussagen landeten vermutlich in Senatsakten oder nicht öffentlich einsehbaren Akten
Aus diesen entnehmen "unsere Quellen" (Tacitus, Sueton, Dio, etc) ihre Beiträge.
Teilweise übernehmen sie Beiträge ihrer Kollegen.

Wenn die Überlebenden nie mehr italischen Boden betreten durften, könnte das für mangelnde Transparenz sprechen.
Das heißt, was die Überlebenden berichtet haben, ist möglich nicht das, was wir heute lesen.

Und damit einstweilen wieder weg.
 
Nun, meine Frage hier im Forum ist:
Müssen, sollen und können wir das Überlieferte zur Varusschlacht "wortgetreu" glauben?

Und es passiert etwas erstaunliches.
Was "erstaunlich" sein soll, erschließt sich mir nicht. Unter den aktiven Forenmitgliedern kenne ich niemand, der das Überlieferte wortgetreu glaubt.

Zu den Quellen eine bescheidene Feststellung:
Die verlässligste Quelle sind die Überlebenden der Varus-challenge.
Deren Aussagen landeten vermutlich in Senatsakten oder nicht öffentlich einsehbaren Akten

In den Senatsakten werden sie kaum gelandet sein. In den Senatsakten landete das, was der jeweilige Kaiser wünschte, im Senat verhandelt zu sehen.

Woher Tacitus, Dio und Sueton ihre Angaben schöpften, wird sich in den meisten Fällen nicht mehr rekonstruieren lassen. Dass sie noch Augenzeugenberichte zur Varusschlacht vorliegen hatten, halte ich für sehr unwahrscheinlich.
 
Die verlässligste Quelle sind die Überlebenden der Varus-challenge.
Deren Aussagen landeten vermutlich in Senatsakten oder nicht öffentlich einsehbaren Akten
Die „Senatsakten“ waren Sitzungsprotokolle der Senatssitzungen.
Also sofern nicht Überlebende der Varusschlacht im Senat befragt wurden, landeten ihre Aussagen auch nicht in den Senatsakten.
 
Kann ich konkret erklären wo Dio erfindet, hinzuerfindet, entschuldigend erklärt, usw..
Nein natürlich nicht, denn dann hätte ich neben ihm sitzen müssen, ihn fragen.
Du könntest versuchen, mögliche Erfindungen und Hinzufügungen, die Du bei ihm vermutest, plausibel zu machen. Man kann beispielsweise schon darüber reden, ob er wirklich so genaue Informationen über das Wetter hatte und ob die Mannen des Arminius noch zielgenau Speere schleudern konnten, wenn der Sturm so stark war, dass man sich kaum auf den Beinen zu halten vermochte.

Wenn wir darüber reden, dass drei Legionen auf ihrem Weg durch Westdeutschland unweigerlich verhungert und verdurstet wären, wird es hingegen etwas weniger plausibel. Dann müssten nämlich nicht nur seine 'Angaben, sondern auch die aller anderen antiken Autoren weit übertrieben sein, die von ähnlich starken oder noch deutlich größeren Heeren berichten.
 
Die antiken Truppeneinheiten des Varus sind bekannt, die dahinterstehenden Zahlen (optimale Truppenzahlen) ebenfalls.
Und jetzt melden sich gestandene Foristen, die locker relativieren:

Nein, die 20.000 müssen nicht stimmen.
Vielleicht hatte Varus auch deutlich weniger.
Und von dieser deutlich kleineren Streitmacht hat er möglicherweise auch noch Kontingente in die "germanische Pampa" geschickt!
Und nein, das mit dem "grausigen Wetter" könnte ja auch anders abgelaufen sein!
Verzeihung, was du da "relativieren" nennst, nennt man anderswo Quellenkritik.

Wie nah ist die Quelle an den Ereignissen, drann, welche Informationen hatte der Schreiber, welche möglicherweise eher nicht, was waren die Absichten des Geschichtsschreibers, was passt im logischen Zusammenhang nicht zusammen, was darf im Verdacht stehen eher rhetorisches Stilmittel als tatsächlich greifbarer Umstand zu sein, usw.

Das will, insbesondere bei Quellen, die gar nicht beabsichtigten einen nüchternen Tatsachenbericht zu liefern berücksichtigt sein, was nunmal auf die antiken Geschichtsschreiber zutrifft.
Der Zweck von deren Schaffen war i.d.R. das Produzieren von entwerder unterhaltender oder belehrender Literatur.
Für beide Genres ist nüchterne, stumpfe Faktentreue (sofern sich das überhaupt nachvollziehen lässt) manchmal eher hinderlich.

Hier - im Forum des Jahres 2026
"...können auch weniger gewesen sein!"
Aber das aus der Antike überkommende "Gesamtbild Varusschlacht" soll erhalten bleiben.
Bevor du solche Verschwörungserzählungen in die Welt setzt, denk vielleicht einfach mal darüber nach, ob das überhaupt irgendeinen Sinn ergibt.

Hätte irgendwer auf diesem Planeten irgendeinen Vorteil davon, wenn die Varusschlacht nun einen oder zwei Tage länger oder kürzer gedauert hat?
Offensichtlich nicht, also warum sollte irgendjemand ein Interesse daran haben eine bestehende Betrachtungsweise auf keinen Fall in Zweifel zu ziehen, wenn die Argumente dafür plausibel sind?
Das Problem bei deiner Betrachtung ist einfach, dass vieles daran nicht plausibel ist und wenn du darauf hingewiesen wirst, vermeidest du regelmäßig Diskussionen darüber.
 
Du könntest versuchen, mögliche Erfindungen und Hinzufügungen, die Du bei ihm vermutest, plausibel zu machen. Man kann beispielsweise schon darüber reden, ob er wirklich so genaue Informationen über das Wetter hatte und ob die Mannen des Arminius noch zielgenau Speere schleudern konnten, wenn der Sturm so stark war, dass man sich kaum auf den Beinen zu halten vermochte.

Wenn wir darüber reden, dass drei Legionen auf ihrem Weg durch Westdeutschland unweigerlich verhungert und verdurstet wären, wird es hingegen etwas weniger plausibel. Dann müssten nämlich nicht nur seine 'Angaben, sondern auch die aller anderen antiken Autoren weit übertrieben sein, die von ähnlich starken oder noch deutlich größeren Heeren berichten.
"Du könntest versuchen, mögliche Erfindungen und Hinzufügungen, die Du bei ihm vermutest, plausibel zu machen. Man kann beispielsweise schon darüber reden, ob er wirklich so genaue Informationen über das Wetter hatte und ob die Mannen des Arminius noch zielgenau Speere schleudern konnten, wenn der Sturm so stark war, dass man sich kaum auf den Beinen zu halten vermochte.

Über all das kann man sicherlich reden, doch pardon, es ist der Mühe nicht Wert.
Warum?
Weil es mit grösster Wahrscheinlichkeit eine Ausschmückung ist um die Dramatik zu steigern.
Und sollte es tatsächlich so gewesen sein, ein Wirbelsturm, einTornado hätte im germanischen Wald zugeschlagen, dann hätten beide Seiten, die Römer und die Germanen, die Kampfhandlungen wohl pausieren lassen müssen.


Wenn wir darüber reden, dass drei Legionen auf ihrem Weg durch Westdeutschland unweigerlich verhungert und verdurstet wären, wird es hingegen etwas weniger plausibel
. Dann müssten nämlich nicht nur seine 'Angaben, sondern auch die aller anderen antiken Autoren weit übertrieben sein, die von ähnlich starken oder noch deutlich größeren Heeren berichten."

Es geht nicht um Verhungern und Verdursten.
Ich habe mich auf die Maultiere und Pferde bezogen.
Die benötigte tägliche Menge an Futter und Wasser benannt.

Eine Antwort im Stil, das werden die Römer schon gekonnt haben, ist keine Antwort oder Erklärung sondern ein Glaubensbekenntnis.

Und ja, auch wenn es jetzt wieder nervig wird, möge sich ein jeder kundig machen, vielleicht glaubt er es dann:

Pferde und Maulesel.
Die tägliche Futter und Wassermenge.
Die Art der zeitlichen Verteilung der Futteraufnahme zwecks Verdauung ohne negative Auswirkungen.

Aber wie ich hier von einem ganz forschen Forist erfahren habe, egal.
Luna, das treue römische Maultier frisst und säuft entweder tagelang nichts, oder es nimmt alles was es vor die Nüstern bekommt auf Ex!
Achtung, Kolik - die treue Luna ist (dann) nicht mehr!
 
Es geht nicht um Verhungern und Verdursten.
Ich habe mich auf die Maultiere und Pferde bezogen.
Die benötigte tägliche Menge an Futter und Wasser benannt.
Auch weitaus größere Heere sind mit mehr Tieren als der Varuszug weitaus grössere Strecken gereist und haben sich aus dem Land ernährt.
Hannibal Barkas lief drei Jahre lang geschätzt 2.000km durch Spanien/Frankreich/Italien und hatte alleine 9.000 Pferde der Kavallerie dabei. Sicherlich auch noch Packtiere.

Soweit ich weiß (hier lasse ich mich gerne korrigieren) bekam er während der zwei Jahre in Italien keinen Nachschub aus Karthago; seine Armee und Pferde konnten sich sich also offensichtlich "aus dem Land heraus" ernähren.


Alexander der Große lief mit Kavallerie im Heer jahrelang nach Indien; Nachschublinien gabs da wohl nicht; auch er ernährte seine Tiere "aus dem Land heraus".


Ein Vercingetorix hat Cäsar fast besiegt, indem er gezielt die eigenen Vorräte zerstörte und somit Cäsars Verpflegung verhinderte.


Das Spartacus-Heer hat sich auch "aus dem Land heraus" ernährt. Gut, hier weiss ich nicht, ob nennswert Tiere dabei waren.


Und ich wette, dass die Geschichte, über Antike bis zur Industriealisierung voller Beispiele ist, wo sich Armeen mit Tieren aus dem Land heraus versorgten.

Es werden tausende Beispiele sein.
============================================================
Das alles ist dir eigentlich auch schon x mal gesagt worden.
Von x Forenmitgliedern.

Und zurück zu Varus: Es ist immer noch völlig abwegig, zu behaupten, dass sich römischer Reitere nicht irgendwie von den eigenen Nachschubwegen weg bewegen konnte.
Im Zuge der Germanicusfeldzüge und der Emslandung hat sich auch Reiterei alleine entlang der Nordsee bewegt, um dir dortigen Stämme "zurück ins Bündnis" zu zwingen.


Quellen lesen!
 
Zuletzt bearbeitet:
Auch weitaus größere Heere sind mit mehr Tieren als der Varuszug weitaus grössere Strecken gereist und haben sich aus dem Land ernährt.
Hannibal Barkas lief drei Jahre lang geschätzt 2.000km durch Spanien/Frankreich/Italien und hatte alleine 9.000 Pferde der Kavallerie dabei. Sicherlich auch noch Packtiere.

Soweit ich weiß (hier lasse ich mich gerne korrigieren) bekam er während der zwei Jahre in Italien keinen Nachschub aus Karthago; seine Armee und Pferde konnten sich sich also offensichtlich "aus dem Land heraus" ernähren.


Alexander der Große lief mit Kavallerie im Heer jahrelang nach Indien; Nachschublinien gabs da wohl nicht; auch er ernährte seine Tiere "aus dem Land heraus".


Ein Vercingetorix hat Cäsar fast besiegt, indem er gezielt die eigenen Vorräte zerstörte und somit Cäsars Verpflegung verhinderte.


Das Spartacus-Heer hat sich auch "aus dem Land heraus" ernährt. Gut, hier weiss ich nicht, ob nennswert Tiere dabei waren.


Und ich wette, dass die Geschichte, über Antike bis zur Industriealisierung voller Beispiele ist, wo sich Armeen mit Tieren aus dem Land heraus versorgten.

Es werden tausende Beispiele sein.
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Das alles ist dir eigentlich auch schon x mal gesagt worden.
Von x Forenmitgliedern.

Und zurück zu Varus: Es ist immer noch völlig abwegig, zu behaupten, dass sich römischer Reitere nicht irgendwie von den eigenen Nachschubwegen weg bewegen konnte.
Im Zuge der Germanicusfeldzüge und der Emslandung hat sich auch Reiterei alleine entlang der Nordsee bewegt, um dir dortigen Stämme "zurück ins Bündnis" zu zwingen.


Quellen lesen!
Wenn schon, denn schon!
Für Deine Auflistung:

Xerxes I.
5 Millionen Mann

Dareios III.
1 Million Mann

Von antiken Schreibern überliefert; einfach nur glauben.
 
Auch weitaus größere Heere sind mit mehr Tieren als der Varuszug weitaus grössere Strecken gereist und haben sich aus dem Land ernährt.
Hannibal Barkas lief drei Jahre lang geschätzt 2.000km durch Spanien/Frankreich/Italien und hatte alleine 9.000 Pferde der Kavallerie dabei. Sicherlich auch noch Packtiere.

Soweit ich weiß (hier lasse ich mich gerne korrigieren) bekam er während der zwei Jahre in Italien keinen Nachschub aus Karthago; seine Armee und Pferde konnten sich sich also offensichtlich "aus dem Land heraus" ernähren.
Der Vergleich hinkt insofern etwas, als dass Hannibal in Italien durchaus Verbündete unter den von Rom abgefallenen Bundesgenossen fand, die ihn bei der Versorgung seiner Truppen unterstützt haben werden, dass er in Italien immer recht nah an der See war und somit ein Teil des Ernährungbedarfs ggf. auch aus Fischerei gedeckt werden konnte und der Mittelmeerraum im Allgemeinen eine etwas weiterentwickelte und ergibigere Landwirtschaft hatte, als die Regionen nördlich der Alpen, was ja das Wachstum der großen antiken Städte in Griechenland und Italien erst ermöglichte.

Das waren um fair zu bleiben schon etwas andere Bedingungen.

Welchen Unterschied die Gegend und ihre Entwicklung für eine militärische Vorgehensweise machen, die darauf abzielt, aus dem Land zu leben, kann man sehr schön bei Napoléon sehen.

So lange seine Armeen sich dadurch versorgen konnten, die reichen und gut entwickelten Städte und Provinzen in Nordiatlien und Süddeutschland zu plündern oder ihnen Kontributionen aufzuerlegen, war seine Kriegsführung extrem erfolgreich, weil das Aufkommen dieser Gegenden genügte um seine Armeen hinreichend zu versorgen.
In Polen, Ostpreußen und Russland, teilweise wohl auch in bestimmten eher dünnbesiedelten Teilen der iberischen Halbinsel stieß das aber massiv an seine Grenzen, weil die Gegenden das notwendige Maß an Versorgung einfach nicht hergaben, was die Kampfkraft der Armee massiv einschränkte und in Russland auch zu massiven Verlusten führte.

Insofern wird man Germanien und den Italienzug Hannibals nicht gleichsetzen können, was die Verpflegung oder zummindest den festen Teil davon angeht.
Man kann es aber durchaus als Beispiel dafür anführen, dass die Versorgung in wesentlich wasserärmeren Gegenden, als Norddeutschland im Hinblick auf Trinkwasser ohne weiteres geleistet werden konnte.
 
Man kann es aber durchaus als Beispiel dafür anführen, dass die Versorgung in wesentlich wasserärmeren Gegenden, als Norddeutschland im Hinblick auf Trinkwasser ohne weiteres geleistet werden konnte.
Auch konnte ein Varus mit Sicherheit seine Tiere mit Futter im Zuge des von Dio beschriebenen geplantn Abstecher gegen Aufständische versorgen.

Zur Erinnerung:
Das leugnet Westfale ja, und darauf folgert er irgendwie, die Varusschlacht müsse einen Tag gedauert haben.
 
Auch weitaus größere Heere sind mit mehr Tieren als der Varuszug weitaus grössere Strecken gereist und haben sich aus dem Land ernährt.
Hannibal Barkas lief drei Jahre lang geschätzt 2.000km durch Spanien/Frankreich/Italien und hatte alleine 9.000 Pferde der Kavallerie dabei. Sicherlich auch noch Packtiere.
Man könnte auch noch den Feldzug des Germanicus nur sechs Jahre nach der Varusniederlage anführen. Er hatte dabei offenbar acht Legionen unter seinem Kommando, die zwar nicht den ganzen Weg gemeinsam heranrückten und zurückmarschierten, aber zeitweilig doch im selben Raum operierten. Die Heimkehr in die Winterquartiere am Rhein unternahmen dann immerhin jeweils vier Legionen in Richtung Westen bzw. an die Emsmündung. Das ist sogar dieselbe Region, und es gelang offenbar trotz einer sehr kritischen Situation an den pontes longi, das Heer wieder zurückzuführen. Selbst wenn Velleius und alle anderen erhaltenen Quellen die Stärke der Varusarmee aus unbekannten Gründen übertrieben hätte, zeigt sich hier deutlich, dass Heere dieser Größenordnung zu dieser Zeit und in dieser Region agieren konnten.
 
Man könnte auch noch den Feldzug des Germanicus nur sechs Jahre nach der Varusniederlage anführen. Er hatte dabei offenbar acht Legionen unter seinem Kommando, die zwar nicht den ganzen Weg gemeinsam heranrückten und zurückmarschierten, aber zeitweilig doch im selben Raum operierten.

Beim Feldzug des Tiberius gegen Marbod (6/7 n.C.) trieben sich insgesamt 15 Legionen in Böhmen herum.
Das sollen 70.000 Mann gewesen sein.
Die Zahlen während des pannonischen Aufstandes waren nicht viel kleiner.
 
Auch konnte ein Varus mit Sicherheit seine Tiere mit Futter im Zuge des von Dio beschriebenen geplantn Abstecher gegen Aufständische versorgen.

Zur Erinnerung:
Das leugnet Westfale ja, und darauf folgert er irgendwie, die Varusschlacht müsse einen Tag gedauert haben.
"Zur Erinnerung:
Das leugnet Westfale ja, und darauf folgert er irgendwie, die Varusschlacht müsse einen Tag gedauert haben."

Völlig falsche Wiedergabe, DerNutzer!
Aber das machst Du gerne; es sei dir gegönnt.
 
Der Vergleich hinkt insofern etwas, als dass Hannibal in Italien durchaus Verbündete unter den von Rom abgefallenen Bundesgenossen fand, die ihn bei der Versorgung seiner Truppen unterstützt haben werden,
Allerdings legte Hannibal zumindest in den ersten Kriegsjahren großen Wert darauf, seine Bundesgenossen möglichst wenig zu belasten. Schließlich erhob er den Anspruch, sie von der römischen Herrschaft zu befreien und ihnen ihre Freiheit wiederzugeben. Daher fouragierte er z.B. nach Möglichkeit in Rom loyal gebliebenen Gebieten.
dass er in Italien immer recht nah an der See war und somit ein Teil des Ernährungbedarfs ggf. auch aus Fischerei gedeckt werden konnte
Das bezweifle ich. Wie soll das funktionieren? Gingen Hannibals Krieger an der Küste angeln? Sie waren in der Masse weder Fischer noch hatten sie Fischerboote.
In welchem Umfang Küstenbewohner selbst tatsächlich Fischfang betrieben, ist auch noch einmal eine andere Frage. Kürzlich wurde bekannt, dass Fisch für die Ernährung der Bewohner Pompejis anscheinend nur eine geringe Rolle spielte. Also auch Küstenbewohner konnten wohl nicht unbedingt als Fischlieferanten dienen.
 
Beim Feldzug des Tiberius gegen Marbod (6/7 n.C.) trieben sich insgesamt 15 Legionen in Böhmen herum.
Das sollen 70.000 Mann gewesen sein.
lieber @Stilicho du wirst einsehen müssen, dass deine üppige Darstellung aus westfälisch karger Perspektive nun wirklich nicht ernst genommen werden kann... ich bitte dich: Böhmen! Ja. Böhmen, ich wiederhole es. Da warten Riesenwelse in der Eger darauf, Legionen zu sättigen, da findet Maultier Luna alle paar Meter und zu besten Futter/Tränkezeiten frisch sprudelndes Moldauwasser, da mästet sich das Offizierscorps deiner 15 Legionen im Schwejk*) mit Knödeln, Kraut & Wild ein Wänstlein an alswie der Doktor Luther, accompagniert von halbekrugweise Pilsner Urquell vom Faß - - das ist doch ganz was anderes als die kulinarisch unergiebigen Gebiete zwischen Weser und Kalkriese...
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*) den gibt es heute noch, auf Nachfrage gern die Adresse und Speisekarte; die Generäle werden freilich die kostspieligere Bastion XXXI wählen
 
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