Deutsch oder romanisch: Der Fall ursus > Irschenberg

Das Reich der Westgoten übertraf an Größe die dem Kloster Schäftlarn geschenkten Territorien um ein Vielfaches, und trotzdem könnte man aus den in den Schäftlarner Traditionen genannten Zeugen eine größere Namenliste als die oben gezeigte erstellen. Ich vermute mal (könnte das sicher auch nachschlagen), dass die Westgoten nicht in gleicher Weise beurkundet haben wie die Leute im Frankenreich, und dass die Datenlage insofern schlechter ist.
Ich denke, dass da verschiedene Probleme bestehen. Einmal historische. Aber das Problem, was wir hier haben ist, dass ich die Liste oben der Wikipedia-Seite Kategorie:Westgote entnommen habe. Da sind also nur Personen gelistet, die a) einen Wikipedia-Artikel haben und b) dort als Westgote getaggt sind. (Roderich ist vergessen worden, den habe ich hinzugefügt, dafür ist Bernhard, der gar kein Westgote war, als solcher geführt worden.) Außerdem habe ich die lateinischen Namen rausgenommen, da sie im Zusammenhang unwichtig waren. Also: die Liste nimmt nicht für sich in Anspruch, alle urkundlich bezeugten Westgotennamen zu beinhalten und vermutlich (siehe Fall Roderich) enthält sie nicht einmal alle Westgoten mit germanischen Namen, die einen Wikipedia-Artikel haben.
 
"Im Romanenort Walchstadt war eine Adlige namens Genia begütert, zugleich saß auf den adligen Besitzungen eine ancilla namens Tunica. Fußnote{TS Nrn. 15, 24; Walchstadt ferner TS Nrn. 7,8,14,18.}"

Die Urkunde 24 war in Deiner ersten Liste nicht enthalten, dabei ist sie sogar die ergiebigste, was Walchstädter Namen betrifft (1 romanische, 10 germanische):
Genia, ihr Ehemann Erchenolf und ihre Untergebenen Richart, Richfrid, Uunnimar, Eberhart, Erchnolt, Hliumunt, Cundbirc, Deotheit, und Adelhait.

Die "starke romanische Präsenz" im "Romanenort" Walchstadt lässt sich also, soweit nachweisbar, mit 1 Person mit romanischem Namen und 22 Personen mit germanischen Namen beziffern.

Mich würde interessieren, ob man sprachgeschichtlich etwas zu den von Joachim Jahn genannten romanischen Namen Maio, Urso, Baganza, Alpuni und Genia sagen kann.

Tatsächlich, da steht: "Die Palatinierung von ti zu tzi, die in romanischen Randgebieten wohl erst dem 7. Jahrhundert angehört, ist durchweg durchgeführt: ... Bagantia > Baganta..."

Auch zu "Maio" findet sich etwas: Die Namenform gibt Jahn korrekt mit Meio wieder, das ist die eingedeutschte Form des romanischen Namens Maio. (Haubrichs S. 421: "Sie zeigen auch andere althochdeutsche Lautveränderungen des 8. Jahrhunderts, so den Wandel von germ. [ai] > [ei]: [...] Maio > Meio").
Der taucht in oben zitierter Zeugenliste auf:

Im Fall Schäftlarn vermittelt die Zeugenliste der Urkunde vom 1. November 762 einen Eindruck:

"Atto, frater eius Pippi, Alprich, Cundhart, Reginhart, Madelker, Isenker, Meio, Erchanolf, Oadalker, Adalgart, Starcholf, Toto, Altolf, Deotmar, Fritilo, Helmker, Herideo, Urso, Sundarhere, Egino, Altrich, Oasrich, Sicco, Richbald, Deotmar, Perhtolt, Icho, Ezzilo, Fricho."

Das sind 30 Namen, zwei davon sind romanisch.

Ein Indiz dafür, dass die beiden Träger romanischer Namen romanisch gesprochen haben oder einer abgrenzbaren "romanischen Bevölkerungsgruppe" zuzurechnen sind, haben wir nicht.

Im Fall eines der beiden Träger haben wir also zumindest ein klares Indiz dafür, dass er nicht romanisch, sondern altbairisch gesprochen hat.
 
Auch zu "Maio" findet sich etwas: Die Namenform gibt Jahn korrekt mit Meio wieder, das ist die eingedeutschte Form des romanischen Namens Maio. (Haubrichs S. 421: "Sie zeigen auch andere althochdeutsche Lautveränderungen des 8. Jahrhunderts, so den Wandel von germ. [ai] > [ei]: [...] Maio > Meio").
Der taucht in oben zitierter Zeugenliste auf:


Im Fall eines der beiden Träger haben wir also zumindest ein klares Indiz dafür, dass er nicht romanisch, sondern altbairisch gesprochen hat.
Oder dass der Schäftlarner Schreiber den Namen auf seine altbairische Art niedergeschrieben hat?
 
Oder dass der Schäftlarner Schreiber den Namen auf seine altbairische Art niedergeschrieben hat?

Na ja, entweder gehen wir davon aus, dass der Schreiber die Namen so notiert hat, wie er sie gehört hat.
Oder wir vermuten, dass es auch bei Namen orthographische Konventionen gab (diese sollten sich dann allerdings auch belegen lassen).

Beweisen kann ich nicht, dass der Meio altbairisch gesprochen hat. Die bairische Lautform ist allerdings ein Indiz dafür. Ein Indiz fürs Gegenteil lässt sich daraus nicht konstruieren.
 
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