Deutsche Handelsseefahrt

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von Seebär, 29. September 2010.

  1. Seebär

    Seebär Gast

    Was war die deutsche Rolle auf hoher See zu beginn des Kolonialzeitalters?

    Die Niederlande, England, Frankreich usw. entwickelten sich ja zu Weltmächten, während die mit ungleich weniger Küsten gesegneten Deutschen keine risigen Flotten unterhielten. Doch was war ihre Rolle wirklich?
     
  2. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Gar so kurz waren die deutschen Küsten an Nord- und Ostsee auch wieder nicht und die Länge der Küste hat auch nicht unbedingt mit dem Umfang der Seefahrt zu tun. Die Venezianer hatten nicht viel Küste und trotzdem zeitweise eine große Flotte. Auch muss Handelsseefahrt nicht unbedingt direkt mit Kolonien zusammenhängen.
    Aber zu deutschen Kolonien gibt es da einiges:
    Deutsche Kolonien und Schutzgebiete ? Wikipedia
     
  3. Tekker

    Tekker Aktives Mitglied

    Zu jener Zeit kochte im HRR mehr oder weniger jeder sein eigenes Süppchen; eine überseeische Reichspolitik existierte nicht.

    Übrigens, als die Niederländer nach Übersee aufbrachen, gehörten sie genaugenommen noch zum Reich. ;)
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Was soll denn unter Beginn des Kolonialzeitalters zu verstehen sein?

    Zum 15. bis 17. Jahrhundert siehe auch
    Hanse ? Wikipedia
     
  5. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Die ehemaligen deutschen Hansestädte an den Küsten haben ja nie aufgehört zu bestehen. Wo Kaufleute an der Küste saßen, da wurden auch Schiffe gebaut und Handel getrieben. Nur hatte dieser Handel nicht den Umfang der englischen, französischen, niederländischen oder spanischen Hafenstädte.
    Welche Rolle kann ein einzelner Kaufmann bzw. die Kaufleute einer Stadt spielen, wenn die bestehenden Kolonialhäfen schon in der Hand anderer Nationen sind?
    Neue Niederlassungen gründen bringt nur etwas, wenn man diese und die Handelsschiffe auch gegen Konkurrenten schützen kann. Wie sollte man das ohne eigene Kriegschiffe tun?
     
  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    In dem Zeitraum der 1. Kolonialismus und von 1815 - 1871 gab es bedingt durch ein fehlendes Deutsches Reich keine große Handelsflotte sowie Kriegssflotte.

    Der Versuch eine große Flotte aufzubauen, durch den brandenburgischen Kurfürsten Freidrich Wilhelm I. zum Ende des 17. Jahrhunderts war anfänglich bedingt durch einen Krieg mit Schweden. Deshalb wurde durch Kaperei eine Flotte gechartert und später die kurbrandenburgische Marine gegründet. Damit plante der Große Kurfürst eine Handelskompanie nach holländischen Vorbild aufzubauen (BAC). Dabei spielen die Hafenstädte Pillau und Emden eine wichtige Rolle. Da diese Flotte aber nur als seinen Gönner den Großen Kurfürst hatte, ist nach seinem Tod 1688 die Handelskompanie nur halbherzig weitergeführt wurden. Die politischen Ereignisse jener Jahre und die Lage Preußens in der Ostsee sowie die hohen Kosten für so eine Flotte führten dazu, daß sich diese Flotte komplett auflöste. Eien Seehandelsgesellschaft wird aber auch in Preußen beibehalten, aber im kleinen Rahmen.

    Ab 1815 beschränkte sich im Überseehandel auf die beiden großen Hafenstädte Bremen und Hamburg. Für Hamburg z.B. trugen die engen Verbindungen und der Wettbewerb mit England dazu bei, die Grundlagen für weltweite Handlesverbindungen zu schaffen. So hatte Hamburg im Jahr 1867 279 Konsularvertretungen in der ganzen Welt verteilt. Die Expansion seiner Handelsfotte entsprach dem Wachstum der hamburischen Flotte:

    1830 - 92 Segelschiffe mit 16.400 BRT
    1890 – ca. 300 Dampfschiffe mit 500.00 BRT und 257 Segelschiffe mit 166.000 BRT


    Insgesamt waren in Hamburg und Bremen vor 1914 neun Zehntel der deutschen Reedereien ansässig und es verfügten allein die HAPAG und der Norddeutsche Lloyd 1907 über mehr als 40% der deutschen Tonnage. Die deutsche Seehandelsflotte wuchs von 938.000 NRT 1870 auf 3.300.000 NRT im Jahre 1913.


    Mit der Reichsgründung erfolgte eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs mit wachsenden Exportquoten, die sich auch auf den Wunsch nach Kolonien auswirkte. Auf betreiben Preußens hatte der Zollverein in 1860iger Jahren Anschluß an die geschaffene Freihandelsgebiete durch den Cobdenvertrag gefunden.
    Durch das Befürworten des uneingeschränkten Freihandels der meisten deutschen Handelskammern, wie z.B. der „Kongreß deutscher Volkswirte“, dessen Mitglieder als Abgeordnete der Nationalliberalen und der Fortschrittspartei im Parlament saßen, konnte mit der Wirtschaftsentwicklung die öffentliche Meinung auf ihre Seite gebracht werden. Mit großer Mehrheit wurde im Reichstag 1873 die Aufhebung aller Einfuhrzölle beschlossen (Schutzzollpolitik).
    Mit der Bildung der deutschen Schutzgebiete ab 1884 beginnt die Verflechtung des Überseehandels mit der kaiserlichen Marine.

    Quelle:
    Übersee / V. Plagemann



    Zur Entwicklung kann auch hier nachgelesen werden:
    http://www.geschichtsforum.de/f58/kolonien-und-kriegsschiffe-21136/

     
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  7. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Der Versuch einen lebhaften Seehandel mit einer starken Kriegsflotte gleichzusetzen, entstammt der Propaganda des ausgehenden 19. beginnenden 20. Jahrhunderts.
    Das ist aber so nicht richtig.
    ZB. Hamburg war im 18. Jahrhundert die bedeutendste Seehandelsstaat des Kontinents.
    Und wo gab es da eine Kriegsflotte?
     
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  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Worauf bezieht sich deine Frage?
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied

    War keine Frage, sollte eine Bestätigung sein.

    Hamburg mit dem umfangreichsten Seehandel des europ. Kontinents hatte keine Kriegsflotte.
    Womit die zwingende Notwendigkeit des Besitzes einer Kriegsflotte um Seehandel zu treiben, ausgeschlossen werden muss.
     
  10. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Naja:grübel:, es gab auch Kriegsschiffe der Hamburger Handelsleute.

    Denke an die schöne Wappen von Hamburg.
    Wapen von Hamburg (1669) ? Wikipedia
     
  11. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Nochmal konkreter:

    Um Länder und Völker jenseits der Ozeane auszurauben, den Raub nach Hause zu bringen, braucht es große Seemacht in Form von vielen Kriegsschiffen.

    Um Seehandel, viel Seehandel zu treiben, bedarf es nur sehr geringer Seemacht in Form von nur wenigen Kriegsschiffen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. September 2010
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  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    So würde ich das auch sehen. Die Hanse-"Kriegsschiffe" waren doch eher gegen Kaperei und Piraterie gerichtet, nicht auf die Auseindersetzung mit einer See-Großmacht der Zeit.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich habe eben gelesen, dass Kurbrandenburg mit seiner kleinen Flotte Seekrieg gegen Hamburg und Spanien führte.

    Gut, dabei läuft ein solcher Seekrieg wohl auch auf Kaperkrieg hinaus.:grübel:
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Unter Friedrich Wilhelm I. wurde dann komplett das Projekt der Kolonien an der afrikanischen Küste 1717/18 aufgegeben.
    Zur Unterstützung der Kolonie Groß Friedrichsburg z.B. benötigte man freilich Schiffe.

    Sein Sohn hatte sozusagen als ein Strohfeuer nochmal ein kleines maritimes Projekt, welches auch anfangs gut anlief, dann aber auch wieder aufgegeben wurde.
    http://www.geschichtsforum.de/f288/die-asiatische-compagnie-ab-1751-a-12213/
     
  15. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Gegen Hamburg und Spanien?

    Soweit ich weiß, war im Sommer 1684 im Bunde mit Dänemark und Braunschweig ein Angriff Brandenburgs auf Schweden geplant, der Infolge einer Intervention Ludwigs XIV. unterblieb. Später befand sich Brandenburg mit Frankreich im Kriege. Die meisten Fregatten verlor dann auch die brandenburgische Flotte gegen Frankreich auf den Weg zu der brandenburgischen Kolonie in Afrika.
     
  16. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das
    las ich eben da:

    Rother Löwe ? Wikipedia

    Sicher haben wir noch Marineexperten, die sich mit dem Seekrieg von Kurbrandenburg näher befasst haben, da es ja offenbar wegen der Besonderheit in der kurbrandenburgischen Geschichte, ein interessantes Thema für viele ist. (Habe schon relativ viele Modelle in Modellbaukatalogen gesehen, welche kurbrandenburgische Schiffe zeigen.)
     
  17. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Zu dem Wiki- Eintrag ist zu erwähnen, daß man vorsichtig mit der Bezeichnung kurbrandenburgische Flotte umgehen muß. So wurde die Flotte ja erst 1684 gegründet, alles ander vorab lief zwischen dem Kurfürsten und Benjamin Raule statt, der ihm seine Schiffe zum chartern anbot.
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ja, verstehe ich.

    Und nach 1684 hatte der Gr. Kurfürst nicht mehr lange zu leben und von seinem Nachfolger, wiewohl auch mit der niederländischen Facette der Brandenburger zweifellos in Berührung gekommen, habe ich noch nicht gelesen, dass er ein größeres Interesse an Groß-Friedrichsburg und diese Problematik hatte. Manchmal denke ich gar in den Infos über diese Zeit, dass Friedrich I. irgendwie das Projekt seines Vaters vergessen hätte.:grübel:
     
  19. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wie würdest Du das Thema "Groß Friedrichsburg" ansehen? Hat das nichts mit Handelsseefahrt zu tun?:grübel:
     

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