Die französische Bündnispolitik in Deutschland 1715-1774

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 25. Juni 2008.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ergänzend zu dem anderen Thread zu den französisch-polnischen Beziehungen soll es hier um die Versuche während der Regierung von Louis XV gehen, auf das HRR Einfluss zu nehmen. Ich bin darin noch nicht sehr sattelfest, weshalb ich mich vorerst mit einer großen Gesamtdarstellung wie im anderen Thread zurückhalten möchte.

    Ich eröffne den neuen Thread v.a., um den anderen zu den polnischen Beziehungen nicht zu überlasten.
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Die Wittelsbacher

    Die Kurpfalz im Netz der französischen Außenpolitik

    Zur Vorgeschichte der kurpfälzischen Politik des 18. Jh. findet man etwas hier: http://www.geschichtsforum.de/f58/warum-zur-ckfallen-der-kurpfalz-im-reich-im-17-18-jh-12673/
    Grundsätzlich beabsichtigte die französische Regierung nach dem Spanischen Erbfolgekrieg wiederum einen bedeutenden Einfluss im Reich zu gewinnen, schließlich aber ohne wieder so erfolgreich zu werden, ein ähnliches Netzwerk wie den Rheinbund zur Zeit von Louis le Grand zu erreichen.
    Die ersten dauerhafteren Fortschritte in der Hinsicht, stellten die Allianzabkommen Frankreichs mit Kurbayern, Kurpfalz und Kurköln in der zweiten Hälfte der 1720er und ersten Hälfte der 1730er dar. Zu dieser Zeit bestimmte André-Hercule de Fleury (1653-1743) maßgeblich die französische Politik, auch wenn Louis XV nach eigener stolzer Aussage, keinen Premierminister mehr nach der Entlassung von Louis IV Henri de Bourbon, Prince de Condé haben wollte. Die französische Außenpolitik insbesondere war Germain Louis Chauvelin, Marquis de Grosbois (1685-1762) zugeordnet, der von 1727 bis 1737 als „secrétaire d’État aux Affaires étrangères“ auftrat.

    Zwar bedeutete das Bündnis zwischen Frankreich und der Kurpfalz von 1729 einen gewissen diplomatischen Erfolg für Frankreich im Reich, aber blieben die Ergebnisse und die Ursachen für dieses Bündnis ernüchternd. Karl III. Philipp von der Pfalz (1661-1742, ab 1716 Kurf.) hatte ehedem eine lavierende Haltung zwischen Frankreich und dem Reich eingenommen. Dass Kurbayern unter Karl I. von Bayern (1697-1745, ab 1726 Kurfürst) wiederum wie schon im Vorfeld des Spanischen Erbfolgekrieges auf den französischen Kurs einschwenkte, tangierte den kurpfälzischen Potentaten eher weniger. Vielmehr sorgte er sich um die Jülich-Bergische Erbfolgefrage. Denn Kaiser Karl VI. (1685-1740) versprach sowohl dem Kurfürsten von der Pfalz als auch Friedrich Wilhelm I. in Preußen Unterstützung in dieser Frage, im Falle dass die jeweilige Seite der Pragmatischen Sanktion zustimmte. Dies ließ Karl III. Philipp wohl stutzig werden, er musste von dem gleich lautenden Angebot des Kaisers an den brandenburgischen Konkurrenten gehört haben, und so suchte Karl III. Philipp sein Heil in einer Allianz mit Frankreich, welches eventuell als Garantiemacht im Bezug auf die Sukzession durch die pfälzischen Wittelsbacher in Jülich und Berg auftreten sollte.

    So war die Allianz weniger von Frankreich selbst, als von den innerhalb des Reiches sich herausbildenden Konstellationen bestimmt worden und schließlich nutzten die Bündnisse Frankreich vorerst nichts, denn im Polnischen Erbfolgekrieg (1733-38) stellten die drei Wittelsbacher Herrscher, mit denen eben koaliert worden war, die Treue zu Kaiser und Reich über die Abmachungen mit Frankreich.

    Die Phase der Entspannung nach diesem Waffengang währte denn auch nicht eben lang. 1740 rief der Tod Kaiser Karl VI. erneut Frankreich, aber v.a. Preußen auf den Plan, welches sich in Schlesien zu bedienen beabsichtigte. Um den Rücken frei zu bekommen verzichtete daraufhin Friedrich II. in Preußen 1741 auf Jülich und Berg. Obwohl Bayerns Kurfürst scheinbar Frankreich in den Krieg gedrängt hatte und die Kurpfalz nach außen hin, weiterhin die innerfamiliäre Loyalität gegenüber den bayerischen Verwandten zur Schau trug, bestand Karl III. Philipp bis zu seinem Tode im Dezember 1742 auf einer Neutralität im ausbrechenden Österreichischen Erbfolgekrieg.

    Und dies obwohl man in Mannheim im Januar 1742 die große Doppelhochzeit zwischen Carl Theodor und Elisabeth Auguste, dem späteren kurfürstlichen Ehepaar in der Pfalz, und Clemens von Bayern und Maria Anna von Pfalz-Sulzbach gefeiert hatte, wobei der Kurfürst Clemens August I. von Kurköln (1700-1761) die Trauung vollzog und der Kurfürst Karl I. Albrecht von Bayern anwesend war, der zu dieser Zeit nach der Kaiserkrone griff.

    Der Tod Karl III. Philipp 1742 veränderte die Lage kaum, nur dass sich nun der völlig unerfahrene und 18 Jahre junge Carl II. Theodor den Herausforderungen seiner Zeit gegenüber sah, der sich sogleich

    *
    wähnte.

    * Zitat nach Carl Theodor selbst.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Leider habe ich bis jetzt keinen Zeitpunkt gefunden, wann genau die Pfälzer militärisch in den Österreichischen Erbfolgekrieg eingriffen.

    In der Kurzbiographie von Hans und Marga Rall zu Karl Philipp heißt es:


    *

    Währenddessen erwähnt Wilhelm Kreutz in „Außenpolitik und diplomatische Beziehungen bis 1789“:

    **

    4700 Mann zu entsenden klingt mir alles andere als neutral, sondern eher nach der Handlung einer eindeutigen Kriegspartei.

    Allerdings marschierten die Truppen der pragmatischen Armee um die Zeit der Kaiserwahl Karl VII. in Bayern ein und daraufhin auch, die Neutralität der Pfalz scheinbar ignorierend in Jülich, Berg, Neuburg und Oberpfalz, während die französische Armee in die Kurpfalz eindrang.

    Zu den französischen Unterstützungen der schließlich einstimmigen Kaiserwahl Karl VII. vom 12. Februar 1742 habe ich hier etwas gesagt: http://www.geschichtsforum.de/318656-post3.html . Man beachte dabei die Rolle von Belle-Isle, der auch als Kommandeur der französischen Truppen eine bedeutende Rolle einnahm.

    Damit waren scheinbar die Fronten zwischen der Pfalz und den Habsburgern geklärt, aber auch der Frankfurter Unionsvertrag, den Kurbayern, die Kurpfalz, Frankreich, Preußen und Schweden am 22. Mai 1744 abschlossen ging über ein Defensivbündnis nicht hinaus. Die Ziele des Bündnisses waren die Rückeroberung Bayerns, die Wiederherstellung des Reichsfriedens und die Wiedereinsetzung des Kaisers in seine vollen Rechte. Von nahem betrachtet fällt wohl auf, dass diese hehren Ziele eher ein Deckmantel für eine kriegerische Haltung gegenüber der habsburgischen Partei bedeuteten. Jedenfalls wurde auch wiederum ein Subsidienabkommen zwischen Frankreich und der Pfalz abgeschlossen, denn Kurbayerns Kurfürst war vollständig von Frankreich abhängig und auf solche Unterstützung aus Versailles angewiesen.

    Das Vorgehen der nun geformten Allianz wurde aber durch zwei Einschnitte gestoppt. Zum einen durch den Frieden von Füssen vom 22.04.1745, der auf den Tod Karl VII. in München gefolgt war, zum anderen durch den Frieden von Dresden vom 25.12.1745. Durch den Tod Karl VII. vom 20. Januar 1745, der eben wieder in seine Hauptstadt zurückkehren durfte, hatte sich die Lage Bayerns komplett verändert. Max III. Joseph als neuer Kurfürst lenkte nicht nur in einen Frieden ein und verzichtete auf eine Kandidatur bei der nächsten Kaiserwahl, wobei er für Franz I. stimmen wollte, sondern wechselte sogar ganz ins Lager Österreichs und Englands.
    Die Entwicklung der Ereignisse entzog dem Vertrag von Frankfurt seine Grundlagen und so verhielt sich die Pfalz wiederum neutral in Folge. Weder die profranzösische Partei um den Marquis d’Ittre und den Baron Wachtendonck am Mannheimer Hof, noch das Werben Österreichs für eine Parteinahme für diese Seite konnten etwas an den Entschlüssen Carl Theodors ändern. Immerhin verweigerten Carl Theodor von der Pfalz und Friedrich II. in Preußen bei der Kaiserwahl Franz I. ihre Stimmen. Jedoch fiel auch Preußen für die Bestätigung des Besitzes von Schlesien im Frieden von Dresden im Dezember 1745 um und die Pfalz sah sich nunmehr in der isolierten Position, indem eine der beiden Garantiemächte abgefallen war. So fügte sich Carl Theodor ins unvermeidliche und schloss sich dem Frieden an, erkannte wie ehedem Friedrich II. den neuen Kaiser an, erhielt dafür aber wenigstens die Zusicherung der Befreiung von Kriegslasten und Entschädigungen für die Schäden.
    Nichts desto minder ließ sich Carl IV. Theodor von der Pfalz auf keine Parteinahme für Österreich ein. Im Gegenteil: am 19. Februar 1746 wurde ein neuerliches Abkommen mit Frankreich abgeschlossen, welches die Wahrung der pfälzischen Neutralität ebenso vorsah wie Subsidiengelder in Höhe von 600.000 Livres von Seiten Frankreichs jährlich. Das Bündnis aus dem Vertrag von Marly von 1729 wurde somit erneut bekräftigt. Durch das Ausscheiden Kurbayerns stand nun die Kurpfalz an der Spitze der profranzösischen Fraktion im Reich. Die Pläne der Mannheimer Regierung sahen eine Art von antiösterreichischer Barriere gegen das habsburgische Assoziationsstreben vor, wobei eine Allianz mit Kurpfalz - Kurköln - Württemberg geschlossen werden sollte, andererseits wurde eine Herauslösung Bayerns aus dem englischen Lager angestrebt. Über die Pfalz erhoffte sich Frankreich ein Wiederaufleben der Einflussnahme auf Kurbayern, wobei mit der Erneuerung der Hausunion 1746/47 ein Etappenerfolg erzielt wurde. Für die außenpolitischen Bemühungen erhoffte sich Carl IV. Theodor eine Unterstützung der eigenen Gebietsansprüche auf Limburg, Falkenstein und Österreichisch-Geldern.

    Letztlich beendete jedoch der Frieden von Aachen vom 18. Oktober 1748 die hochfliegenden Pläne Carl IV. Theodor.

    Eine Einschätzung der Leistungen der pfälzischen und französischen Diplomatie ist von den begrenzten Möglichkeiten der Pfalz gekennzeichnet. Selbst am Beginn des Krieges hatte sich die Pfalz zu keinem eindeutigen Kurs durchringen können, sondern beharrte auf eine weitesgehende Neutralität, die bisweilen durch die Verpflichtungen gegenüber Kaiser und Reich im Sinne Karl VII. aufgegeben wurde. Grundsätzlich änderte dies aber nichts an dem Problem der Pfalz, dass für eine entschlossene Kriegsführung scheinbar die Mittel fehlten. So orientierte es sich an den großen Alliierten um sich herum, folgte z.B. Friedrichs Preußen, da dessen Einlenken die Haltung Carl Theodors unhaltbar machte. Selbst der vorsichtig lavierende Kurs der Pfalz verlangte einiges Geschick, die Entscheidung zur Neutralität beruhte sowohl auf den Verbindungen zu Frankreich, als auch auf der Verlagerung des Kriegsschauplatzes in den Westen. Frankreich hätte die kleine Kurpfalz unmöglich schützen können und eine offensivere Haltung gegenüber Österreich hätte wohl zu einer ähnlichen Besetzung der Kurpfalz durch die Österreicher einerseits geführt, während es eine Annäherung Bayerns an die Pfalz verhindert hätte.

    * Hans und Maga Rall: "Die Wittelsbacher in Lebensbildern" Dietrich 2000
    ** Essay in: "Lebenslust und Frömmigkeit, Kurfürst Carl Theodor zwischen Barock und Aufklärung", Handbuch und Ausstellungskatalog, Pustet, Regensburg 1999 (S. 218 im Essayband)
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Auch nach dem Aachener Frieden gelang der französischen Diplomatie, welcher der Vicomte de Plusieulx vorstand ein Achtungserfolg, indem am 1. April 1749 und nochmals am 17. Januar 1751, bei letzterem Mal auf sogar acht Jahre, Subsidienverträge mit der Kurpfalz ausgehandelt wurden, welche die Pfalz verpflichteten im Ernstfall 6.000 Mann an Hilfstruppen zu stellen.
    Dies änderte allerdings nichts daran, dass Carl Theodor von der Pfalz im Interesse der gemeinsamen Wittelsbacher Politik von Kurbayern und Kurpfalz, auf einen Ausgleich mit dem Wiener Hof hin arbeitete. Dieser grundsätzliche Kurs wurde auch nicht dadurch zu Fall gebracht, dass der pro kaiserliche Minister Wrede im April 1756 u.a. durch die Vermittlung des französischen Gesandten Zuckmantel entlassen wurde. Immerhin verdeutlicht dieser Erfolg den Einfluss, welchen der französische Diplomat zu dieser Zeit noch am Mannheimer Hof inne hatte.

    Der Ausbruch des Siebenjährigen Krieges versetzte Carl Theodor und dessen Außenpolitik in eine schwere Lage, da durch diesen Krieg und den eindeutigen pro französischen Bindungen Preußen drohte, die noch 1741 verlauteten Vereinbarungen bezüglich des Jülicher Erbes für null und nichtig zu erklären.

    Darüber hinaus kam es zu ersten ernsthaften Hinweisen auf ein künftiges endgültiges Zerwürfnis mit dem Versailler Hof. Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken hatte in Louis XV einen entschiedenen Gönner und darüber hinaus die besten Beziehungen zu Madame de Pompadour. Diese enge Bindung des Herzogs zu Versailles führte zu einem Zwiespalt in welchen das Außenministerium unter Antoine Louis Rouillé (1689-1761) geraten musste, da Carl Theodor eine Erweiterung der französischen Garantien auf eine Erbregelung innerhalb des wittelsbachischen Hauses vorsah. Diese sollte das Erbe auch auf weibliche nähere Mitglieder der Familie ausdehnen, womit Carl Theodor offensichtlich den weiterhin protestantischen Herzog Christian IV. (1722-1775) von der Erbfolge ausschließen wollte. Das anfängliche Hadern der Versailler Außenpolitik sorgte für ein Ärgernis bei der pfälzischen Kurfürstin Elisabeth Auguste, die eigentlich einer pro Frankreich ausgerichteten Außenpolitik positiv gegenüber stand, aber eindeutig von der neuen Erbregelung zu profitieren schien, zumal der Kurfürst in den ersten Jahrzehnten mehrfach ernsthaft erkrankt war, was die Sache nicht wenig dringlich machte. Schließlich wurde diese Krise von 1756/57 aber überwunden, indem Frankreich einlenkte. Vielleicht sollte noch erwähnt werden, dass Louis XV daraufhin 1758 Christian IV. dahin brachte, zum katholischen Glauben zu konvertieren. Dies schien zwar eine Barriere der Bedenken seiner kurbayerischen und kurpfälzischen Verwandten aus dem Weg geräumt zu haben, änderte aber nichts an dem Wunsch derselben, den Pfalz-Zweibrücker Verwandten vom Erbe möglichst fern zu halten.

    Nachdem sich diese Streitigkeiten vorerst gelegt hatten, traten im Zuge des Krieges neue hinzu. Nachdem Düsseldorf, das von den Kurpfälzern verteidigt worden war, von der Armee des Herzogs Ferdinand von Braunschweig-Lüneburg (1721-1792) genommen worden war, kam es zu Vorwürfen von Seiten der Franzosen. Darüber hinaus zogen die Kurpfälzer ihre Truppen im November 1758 aus dem Krieg zurück, da der Vertrag mit Frankreich auslief. Mit einem erneuten dreijährigen Subsidienvertrag vom 30. April 1759 versicherte sich Frankreich allerdings in der Folge wiederum der kurpfälzischen Hilfstruppen. Noch während des Krieges lief dieser Vertrag aus. Weder der Außenminister Wachtendonk, der besonders darauf drängte, noch der französische Vertreter erreichten eine Verlängerung des Subsidienvertrages 1762. Der Präsident des Hofrates Zettwitz, welcher zusehends Wachtendonks Einfluss verringerte und pro kaiserlich eingestellt war, der französische Hof käme ohnehin nicht den Zahlungsverpflichtungen nach.

    Zwischenfälle an der französisch - pfälzischen Grenze erhöhten den Druck auf den Vertreter Frankreichs in Mannheim 1762/63. So wurde im Herbst 1763 O’Dunne zum Gesandten Frankreichs in Mannheim ernannt. Der Friede von Hubertusburg von 1763 brachte keine weitreichenden Folgen für die französisch-pfälzischen Beziehungen, welche überdies während des Siebenjährigen Krieges eher abgekühlt waren, dass selbst das Außenministerium des César Gabriel de Choiseul, Duc de Praslin (1712-1785), der ein Cousin des leitenden Ministers Frankreichs Étienne-François, Duc de Choiseul (1719-1785) war,darauf verzichtete weiterhin auf Subsidienverträge mit der Kurpfalz zu drängen. Die Lage der pfälzisch-französischen Beziehungen war auch schon heikel genug. 1766 konnten sich Frankreich und die Kurpfalz immerhin in einem Vertrag über die Queichgrenze einigen. Darin wurden die Ämter Selz und Hagenbach dem Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken zugesprochen, während Germersheim vorerst bei der Kurpfalz blieb. Damit wurde eine Einigung über strittige Fragen erzielt, die schon seit 1680 ungefähr offen waren. Dies zeigt die Komplexität von Grenzstreitigkeiten, da schon längst das Reich in den Friedensverträgen solche Detailfragen nicht mehr klären konnte, kam es zu solchen extremen Verschleppungen gerade bezüglich der Grenzstreitigkeiten an der französischen Grenze.

    Während die Kurpfalz von Frankreich immer entschiedener abrückte, suchte Pfalz-Zweibrücken einen stärkeren Anschluss an den starken Partner, was sich durch eine Reihe von extrem profitablen Subsidienverträgen abzeichnete. Die Choiseul Regierung verabredete mit Christian IV. 1766 eine Aufstockung der Zahlungen auf 300.000 Livres.

    Diese Anlehnung Christian IV. an Frankreich verursachte eher noch empfindlicheren Argwohn bei Carl Theodor und sorgte eher dafür, dass die französische Partei in Mannheim noch deutlicher dahin schwand. Nachdem der Außenminister Wachtendonk ohnehin schon gänzlich seinen Einfluss eingebüßt hatte starb er 1768, womit der Anführer der pro österreichischen Partei, der ohnehin schon mächtige Zettwitz, Außenminister wurde. Neben Zettwitz spielte noch Beckers, der ehemalige kurpfälzische Diplomat am Wiener Hof, eine hervorragende Rolle in der österreichischen Partei in Mannheim. Zettwitz sprach sich mehrfach bei Carl Theodor für einen Ausschluss der Einmischung Frankreichs in die Fragen der Erbfolge in der Kurpfalz und Kurbayern aus. Während Choiseul in seinem unverwüstlichen Optimismus hoffte mit Bayern und Kurpfalz zu Garantieverträgen über die Erbfolge in den Ländern zu kommen und Choiseul vehement O’Dunne darauf hinweisen ließ, dass es dringlich sei, dass Kurbayern und Kurpfalz darüber in Verhandlungen einträten, hatten Carl Theodor und Max III. Joseph längst Abmachungen begonnen. Dabei nützte es Choiseul nichts, dass der französische Diplomat am bayerischen Hof Christian Friedrich Pfeffel über seine Tätigkeit in der kurbayerischen Akademie Einblick in die bayerischen Archive bezüglich der Erbfragen bis 1767 gewonnen hatte. Das Drängen der Regierung Choiseul auf einen Vertragsabschluss zwischen Max III. Joseph und Carl Theodor unter französischen Einflüssen entzog Frankreichs Vertreter O’Dunne, der von Zettwitz in den 1760ern geschickt über die wirklichen Absichten der Mannheimer Regierung getäuscht wurde, alle Möglichkeiten.

    Hinzu kam, dass die Kurfürstin Elisabeth Auguste seit dem Tode des Kurprinzen 1761 weiterhin entmachtet wurde, was seinen Abschluss in der Abschiebung der Kurfürstin nach Oggersheim ab 1768 fand. Von da an büßte sie zusehends jegliche tragende Rolle im Hofleben in Mannheim ein.

    Die Versuche O’Dunnes, den gefährlichen Zettwitz 1765 zu entfernen, wovon man durch eine Täuschung des Außenministers Zettwitz 1766 dann wieder absah, erbitterten eher die Position Mannheims gegenüber Versailles. Seit 1768 gab es in Mannheim mit dem besagten Tod Wachtendonks keinen pro Versailles eingestellten Minister mehr in Mannheim. Vielmehr führte der unaufhaltsame Aufstieg Beckers in den 1770ern sowie der sich anbahnende Streit um den Ländertausch Bayerns gegen die Österreichischen Niederlande dazu, dass die Beziehungen Frankreichs zu Carl Theodor einen Nullpunkt erreichten. Karl III. August Chriistian von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld (1746-1795), der auf Christian IV. ab 1775 folgte, wollte 1778/79 von einem Ländertausch nichts wissen, worin er zweifellos von seinem französischen Partner entsprechend bestärkt wurde. Auch 1784/85 scheiterte das selbe Projekt Joseph II. und Carl Theodors erneut. Insgesamt verdeutlichen die Widerstände und die neue eindeutige Ausrichtung Carl Theodors in den 1770er und 1780er Jahren wie weit sich dieser völlig neu außenpolitisch orientiert hatte. Die Absetzung Choiseuls aus seinen leitenden Funktionen in der französischen Regierung 1770/71 hatte an dieser Entwicklung letztlich nichts ändern können, da dies zu keinem Abrücken der französischen Außenpolitik, deren Minister v.a. langzeitig Emmanuel-Armand de Vignerot du Plessis de Richelieu, duc d'Aiguilon (1720-1782) und Charles Gravier Comte de Vergennes (1717-1787) waren, von der pfalz-zweibrückischen Seite führte.

    Ich habe mir erlaubt, etwas über das Jahr 1774 hinaus zu greifen, da sich dann bedeutende Ergebnisse der langzeitigen französischen Außenpolitik einstellten. Die Federführung des Duc de Choiseul und seine oft positivistische Einschätzung seiner Beziehungen zu den deutschen Mittelstaaten erscheint mir grundsätzlich markant. Neben dem frühen Abwandern Kurbayerns war im Zuge dieser Politik der späten 1750er bis in die 1770er mit stetigen Steigerungen statt einer Annäherung des letzten bedeutenden Verbündeten Frankreichs im Reich eher das Gegenteil gelungen. Die Kurpfalz und Kurbayern stimmten sich grundsätzlich schon traditionell und durch eine Hauspolitik außenpolitisch mehr oder minder erfolgreich ab. Die Früchte waren letztlich der Ausschluss Frankreichs aus den Verhandlungen der beiden Partner. Die Kurpfalz folgte Kurbayern in einem Kurs, welcher sich mehr und mehr an das Kaiserhaus anschmiegte. Wahrscheinlich kam dies zu einem guten Teil durch die personelle Besetzung der beiden letzten wittelsbachischen Kurstaaten. Beide, Max III. Joseph, wie Carl Theodor mussten die, durch die ausgreifende Außenpolitik der kurbayerischen Vorgänger zerrütteten, Verhältnisse ordnen. Dies schien sich am ehesten an der Seite des verlässlicheren östlichen Nachbarn realisieren zu lassen. Die österreichisch-französische Bündnispolitik, welche zur Zeit von François-Joachim de Pierre, Kardinal de Bernis, Comte de Lyon (1715-1794) in der Außenpolitik Frankreichs einsetzte, und erstmalig im Siebenjährigen Krieg ab 1756 zu einem Bündnis gedieh, mag manchen Einfluss auf die Abkühlung der kurpfälzischen Beziehungen zu Versailles gehabt haben.
     
    3 Person(en) gefällt das.
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kursachsen

    Zur Kursächsischen Politik findet man natürlich recht viel hier: http://www.geschichtsforum.de/f288/die-polnisch-franz-sischen-beziehungen-unter-louis-xv-20937/
    Jedoch endet hier der Faden ein bisschen mit dem Verzicht des Kuradministrators Xaver auf die polnische Krone für seinen Neffen Friedrich August III. in den 1760ern. Also von daher wäre es schön, wenn man noch über das, was ich in dem Thread zu den polnisch-französischen Beziehungen schrieb, hinaus etwas erklären könnte. Wie verhielt es sich mit der Außenpolitik Friedrich August III. bis 1774? Gibt es noch mehr Details zu den Versuchen Xavers in Versailles, eine Vermählung von Louis Auguste mit einer Sächsin zu Stande zu bringen?
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Oh, hier war ich in letzter Zeit etwas eingeschlafen. :pfeif:

    Aus dem Thread zu den polnisch-französischen Beziehungen übernehme ich mal folgende Passage:

    Hat jemand zur außenpolitischen Haltung Kurtriers eindeutige Informationen?

    Franz Georg von Schönborn war ja sowohl der Bruder des Fürstbischofs von Speyer und Konstanz Friedrich Karl Reichsgraf von Schönborn, als auch des Fürstbischofs von Würzburg und Bamberg Damian Hugo Philipp Reichsgraf von Schönborn-Buchheim. Franz Georg von Schönborn galt als eng an Habsburgs Pläne gebunden. Die Schönborns an sich sind ja ein fränkisches Adelsgeschlecht. Karl VII. war Zeit seines Kaisertums bemüht die fränkischen Reichsstände für sich zu gewinnen. Gab es da Erfolge und Auswirkungen auf die Haltung der drei Schönborns und v.a. auf die des Trierer Kurfürsten Franz Georg?

    Gelang Karl VII. überhaupt etwas auf dem Immerwährenden Reichstag für sein Kaisertum? Immerhin war ja Bayern von den Österreichern rasch besetzt worden und der Kaiser musste in Frankfurt ein Schattendasein fristen.
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Charles Louis Auguste Fouquet duc de Belle-Isle soll sich um die Stimmen der geistlichen Kurfürsten 1741 bemüht haben. Ich glaube, gerade von Kurtrier in der Hinsicht gelesen zu haben.
    Für Kurköln im Speziellen soll sich Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade verantwortlich gezeichnet haben. Er war der Vater des späteren berüchtigten Literaten Marquis de Sade. Jean-Baptiste-François-Joseph de Sade ? Wikipedia
    Wobei es mir so scheint, als würde die Rolle der Unterhändler grundsätzlich oft eher überschätzt. Auch unabhängig von ihnen, entschieden doch die Fürsten aus machtpolitischem Kalkül.
     
    1 Person gefällt das.
  8. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Das ist aber auch kompliziert. Ist dieser Unionsvertrag nun für den Kaiser "Einsetzung in seine vollen Rechte" oder gegen ihn "Rückeroberung Bayerns" (das war doch von den Österreichern besetzt?)?
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ja, klar. Der Vertrag ist ganz im Sinne des Kaisers. Da die Ziele recht moderat waren, war es damit wohl am ehesten möglich auch vor der Reichsöffentlichkeit nicht als Agressor dazustehen.
    Ob der Vertrag überhaupt die böhmische Problematik berührte, kann ich aus dem ff jetzt nicht sagen. Pro forma war ja Karl VII. auch böhmischer König.
    Derzeit saß er aber, wie den Großteil der Zeit seiner "Herrschaft" als Kaiser in Frankfurt fest.

    Bayern war von den Österreichern bis 1745 besetzt.
     
  10. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Die Frage verstehe ich jetzt nicht. Zur der Zeit war Karl VII. Kaiser, seines Zeichens auch Kurfürst von Bayern.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Das Komplizierte in den Beziehungen zwischen Frankreich und den Wittelsbacher Staaten liegt für mich in:
    1. Dem Widerspruch zwischen Treue zum Kaiserhaus als Vasallen und dem Liebäugeln mit Frankreich (zumindest zwischen 1715-1740 ein Problem).
    2. Den unterschiedlichen, v.a. zwischen den Zweibrücker Wittelsbachern und denen in München und Mannheim, Einstellungen zwischen den verschiedenen Linien gegenüber Frankreich.
    3. Die Einschränkungen innerhalb der Bündnisverträge, welche diese dann teilw. unwirksam im Sinne Frankreichs werden ließen.
    4. Die Tücken, die man immer innerhalb der Geheimdiplomatie findet. Bisweilen hob ja die Geheimdiplomatie die Abmachungen der "öffentlichen" Diplomatie quasi wieder auf.
     
  12. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Ich bezog mich auf diese beiden Sätze:

    1. Allerdings marschierten die Truppen der pragmatischen Armee [Österreich] um die Zeit der Kaiserwahl Karl VII. in Bayern ein ...

    2. Die Ziele des Bündnisses waren die Rückeroberung Bayerns, die Wiederherstellung des Reichsfriedens und die Wiedereinsetzung des Kaisers in seine vollen Rechte.

    Aber noch während ich dies schreibe, kommt mir ein Gedanke, und siehe da: Karl VII ist ja Bayer und gar kein Österreicher. Und ich dachte, im 18 Jh. seien alle Kaiser Habsburger. Mein Fehler, :red: :oops:dann ist ja alles klar.
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zur Verdeutlichung eine Chronologie:
    22. Mai 1744 Frankfurter Unionsvertrag
    Jahreswechsel 1744/45 Rückeroberung großer Teile von Bayern durch Bayern und Verbündete
    Jan. 1745 Karl VII. kehrte nach München zurück
    20. Jan. 1745 Tod Kaiser Karl VII. in München
    Frühjahr 1745 erfolgreicher Vorstoß der Österreicher in Bayern
    15. April 1745 Niederlage von Bayern, Kurpfälzern und Franzosen bei Pfaffenhofen
    22. April 1745 Präliminarfrieden von Füssen zwischen Bayern und Österreich
     
  14. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied


    Als kleiner Römer muß ich erstmal nochmal nachfragen: Wird im 18. Jh. noch von Vasallen gesprochen? Und ist das im Reichsrecht irgendwie geklärt, ob ein Reichsteil gegen seinen "Lehnsherrn (?)" einen Vertrag mit einem auswärtigen Souverän schließen kann. Oder ist das alles Grauzone?
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wenn ich mich recht entsinne, ist das eigentlich untersagt. In den meisten Bündnissen wurde auch der Kampf gegen den Kaiser ausdrücklich ausgeschlossen, was für Frankreich die Bündnisse freilich entwertete, da ja die Habsburger zumeist Kaiser und Feinde Frankreichs waren.

    Aus: Westfälischer Friede ? Wikipedia
    Ich glaube diese Betonung auch schon mehrfach gelesen zu haben.
    Wer sich gegen Kaiser und Reich mit Ausländern zusammen tat, handelte damit als Reichsfeind. Eigentlich war dann eine Strafmaßnahme durch die Institutionen des Reiches in solchen Fällen vorgesehen, ließ sich nur eben nicht immer in dem Maße verwirklichen. Als schönes Beispiel hast Du den Einzug der bayerischen Kur durch den Kaiser durch den Spanischen Erbfolgekrieg und die antikaiserliche Haltung Kurbayerns darin. Lange wollte Karl VI. den Fauxpas dem Bayern nicht verzeihen und er kam ganz klein wieder zurück unter des Reiches schützenden Mantel (um das mal pathetisch auszudrücken).
     
  16. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Und wann sind aus den sieben Kurfürsten neun geworden?
     
  17. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    1623 wurde die pfälzische Kurwürde an Bayern übertragen. (Der pfälzische Kurfürst hatte bekanntlich versucht, die böhmische Königswürde zu ergattern, war dabei letztlich gescheitert und wurde nun dafür bestraft.) 1648 erhielt der Pfalzgraf am Rhein seine Kurwürde aber wieder, ohne dass sie dem Herzog von Bayern genommen wurde, also waren es nun acht. 1692 wurde dann Hannover Kurfürstentum, macht neun. 1777 wurde die Pfalz mit Bayern vereinigt, da waren es wieder acht.
     
  18. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ich würde den Zeitraum früher ansetzen und später enden lassen, dann ist er womöglich auch nicht mehr ganz so widersprüchlich. Ansetzen würde ich 1698 beim Testament Karls II. von Spanien. Danach war der Thronfolger Kurprinz Joseph Ferdinand von Bayern. Nachdem dieser aber noch vor Karl II. verstarb, setzte er nach entsprechendem diplomatischen Druck und nachdem Leopold I. den Teilungsvertrag nicht akzeptierte, der immerhin eine Thronfolge von Erzherzog Karl in den spanischen Erblanden vorsah, Philipp von Anjou als Thronerben ein. Nachdem Ludwig XIV. das Testament annahm, und Philipp von Anjou den spanischen Thron bestieg, war nicht nur klar, dass es Krieg geben würde, es war auch klar wie eines der Bündnisse aussehen würde: Bayern würde sich zur Durchsetzung des Testaments Karls II. auf die Seite Frankreichs stellen. (Und naja, eigentlich fühlte sich Bayern damit auch nur gut 30 Jahre an das HRR gebunden, der Schwenk richtung Habsburg und weg von Frankreich lag ja nicht sooo weit zurück). Nach Höchstätt ging Max Emmanuel ins Brüsseler Exil. Nachdem Leopold I. verstarb hauste sein Sohn Joseph I. - mit Verlaub - wie ein Wilder in Bayern. Die Folge waren zahllose Volksaufstände ("lieber bairisch sterben als kaiserlich verderben"), die ihren Höhepunkt in der Sendlinger Mordweihnacht fanden, in der kaiserliche Truppen Revolutionäre, die ihre Waffen bereits niedergelegt hatten, niedermetzelten. Gerade die Mordweihnacht prägte die bairisch-österreichischen Beziehungen entsprechend einschneidend. Eine kurzfristige oberflächliche Zuwendung unter Karl Albrecht liegt weniger in der erneuten ehelichen Verbindung mit Habsburg begründet (auch Max Emmanuel war mit einer Habsburgerin verheiratet), sondern vielmehr darin, dass die Habsburger dabei waren im Mannesstamm auszusterben. Karl Albrecht verzichtete zwar formell auf habsburger Thronansprüche, die Pragmatische Sanktion Karls VI. zugunsten seiner Tochter Maria Theresia erkannte er allerdings nicht an, da bei einer weiblichen Erbfolge im Haus Habsburg ohne die Pragmatische Sanktion, mit der weiblichen Erbfolge, die zwischen Joseph I. und Karl VI. vereinbart war, normalerweise zuerst Maria Josepha (mit Friedrich Augst II von Sachsen verheiratet) und dann Maria Amalia, die Frau Karl Albrechts, die Thronfolge inne hatten. Mit dem Erbfall schlossen diejenigen, die die Pragmatische Sanktion nicht anerkannt hatten, nämlich Bayern und Sachsen, ein Bündnis. Auch die alten Verbündeten Frankreich und damit auch Spanien, sowie das auf Schlesien spekulierende Preußen (Preußen hatte der Pragmatischen Sanktion allerdings zugestimmt) schließen sich entsprechend an und schließen die Nymphenburger Verträge, deren Abschluss wesentlich zum Ausbruch des österreichischen Erbfolgekrieges beitrugen. There we are...

    Da kann ich jetzt nicht ganz folgen. Warum sollten denn die wittelsbacher Linien eine einheitliche Politik fahren?

    Welche genau?

    Ja, wobei ich derartige Dinge eher so lese, dass sie nach dem Günstigkeitsprinzip ausgelegt werden, siehe bspw. die Habsburger Erbfolge. Hast du einen konkreten Bezug?

    Nun ja, so kann man es zwar auch sagen, der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass Maximilian I. von Bayern die Kurwürde für die Hilfe beim Sturz des Winterkönigs erhielt und nicht nur, weil Friedrich V. bestraft werden sollte.

    Das allerdings auch nicht "einfach so", die so genannte causa palatina war einer der Verhandlungsbestandteile des Westfälischen Friedens (Bayern = katholisch - Pfalz = protestantisch). Die Pfalzgrafen der Unterpfalz erhielten auch nicht "ihre" Kurwürde wieder, diese verblieb bei Bayern, für die Unterpfalz wurde eine neue achte Kurwürde eingerichtet, die Unterpfalz bildete damit auch die letzte Stelle des Kurkollegs.
     
    1 Person gefällt das.
  19. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Kein Widerspruch. Der Vollständigkeit halber möchte ich aber anmerken, dass es mir nicht darum ging, exakt darzustellen, warum wer wie die Kurwürde erhielt oder verlor, sondern nur kurz hjwiens Frage zu beantworten, wieso es plötzlich 9 Kurfürsten gab.
     
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Ich habe ihn mit 1715 anfangen lassen, weil dies das erste Jahr ist, welches in den Thread hier passt. Ansonsten wäre ich mit Dir ja auch ganz d'accord.
    Nach 1740 sehe ich den Widerspruch zwischen den bayerischen und pfälzischen Wittelsbachern gegenüber dem Kaiser nicht mehr. Zuerst einmal gab es keinen Kaiser mehr, wobei dabei die Rolle des Reichsvikariats sicher nicht ganz unwichtig war. Dann war der Kaiser ein Vetter und es von daher nicht schwierig für den Pfälzer zum Kaiser zu stehen. Nach dem Füssener Frieden schwenkten zumindest Bayern und später auch zunehmend die Pfalz auf einen prokaiserlichen Kurs ein. Wo da noch Frankreich sich was vormachte - vonwegen "Statthalter im Reich" als Rolle des pfälz. Kurfürsten - war das doch eher eine Einbildung.

    2.
    Weil das schon damals recht usus war, dass die wichtigste Linie die anderen auf Kurs brachte. Man denke an die österreichischen Linien oder die albertinischen Nebenlinien.
    Ein Harmonieren der verschiedenen Wittelsbacher Linien, welches zu einer gemeinsamen Außenpolitik führen sollte, wurde aber immerhin mit manchen Besuchen mit dem Charakter von Gipfeltreffen versucht.

    3.
    Ausschluss des Kampfes gegen den Kaiser.
     

Diese Seite empfehlen