mir gefällt diese Theorie am besten:
1)
Historie Kanaans vor der Babylonischen Gefangenschaft
Kanaan und damit die späteren Reiche "Israel" und "Judah", waren immer schon von anderen Konflikten in Mitleidenschaft gezogen worden.
Mal liefen Armeen durch Ihre Gebiete, mal wurden Sie besetzt. Das liegt an der speziellen Geografie Kanaans, da westlich davon das Mittelmeer liegt und östlich die großen Wüsten. Man musste eben da durch. Alle möglichen Gegner in Richtung Ägypten gingen durch Kanaan nach Süden, die Ägypter in Expansionslaune durch Kanaan nach Norden.
Aber: auch wenn Kanaan fremdkontrolliert war: man befand sich stets auf eigenem Gebiet und konnte seine Kultur und Religion weiterführen
2)
Assyrische Deportationen und Babylonischen Gefangenschaft
ca. 720 v. Chr. - das Nordreich Israel wird von den Assyrern erobert. Bevölkerung wird deportiert.
ca. 597 v. Chr. - Das Südreich Judah wird von den Babyloniern erobert. Geistige Elite wird deportiert.
Nun aber hatte sich etwas entscheidend geändert: die Bevölkerung wurde deportiert
D.h. für die jüdische Elite in der Babylonischen Gefangenschaft stand
alles auf dem Spiel:
die Existenz ihres Volkes, Ihre Kultur, Ihre Religion, Ihre Identität.
3)
Exodus-Geschichte als Rettungsidee und der Monotheismus
Es mussten extreme Maßnahmen her:
* Ein Ein-Gott-Glaube (Monotheismus) - als maximale Abgrenzung zu dem babylonischen Polytheismus
* Eine Geschichte, die den Menschen zeigt, dass wenn man an den einen Gott glaubt, es Wunder gibt und einem geholfen wird (Exodus Geschichte)
* Eine Messias Figur, die in dieser Geschichte das Volk leitet: Moses
die Motive sind klar: den Zusammenhalt des Volkes stärken - gerade in der Fremde -, den weiteren "Verlust" von Gläubigen an andere Religionen stoppen (diverse Regeln in der Thora, die das sicherstellen sollen) und
eine Idee in die Welt setzen, die den Gläubigen eine mögliche Rettung und ein Wunder in Aussicht stellt.
Die Geschichte musste so konstruiert sein:
- Das Volk der Juden war schon einmal in Gefangenschaft
- Aber der eine Gott hat damals geholfen
- Der eine Gott schickte damals den Messias
- Am Ende kam das Volk ins gelobte Land
4)
Inversion der Geschichte
Nun hatte man aber ein großes Problem:
In der Vergangenheit eine ähnliche Situation zu finden - es gab sie nicht. Gar nicht.
Immerhin gab es eine Situation, in der Kanaaniter - also Vorfahren des Volkes Judah/Israel - mal in Ägypten waren.
Das kennen wir heute als die Zeit der Hyksos in Ägypten. Da die Zeit der Hyksos aus sich der Schreiber der Exodusgeschichte aber schon ca. 900 Jahre her war, wusste man, dass in der Bevölkerung nur noch minimales Wissen vorhanden war. Die Elite der Juden hatte vermutlich detailliertes Wissen.
Und diese musste beim Studieren der alten Texte entsetzen feststellen, dass die Zeit der Hyksos überhaupt keine Deportation als Grundlage hatte. Diese kamen selbst nach Ägypten (vermutlich als Folge einer Dürre) und baten darum, dort bleiben zu dürfen - und brachten Geschenke mit, um die Ägypter dafür zu begeistern. Und in Ägypten wurden die Fremden tatsächlich freundlich empfangen, durften dort leben und eine eigene Stadt (Avaris) gründen. Das war alles OK, bis man eine Notlage der Ägypter (vermutlich durch den Ausbruch des Vulkans auf Thera ca. 1630 v. Chr.) ausnutzte. Die Hyksos übernahmen die Macht in Nordägypten. Ca. 100 Jahre später waren die Ägypter wieder stark genug und vertrieben die ehemaligen Handelspartner endgültig. Soweit klar.
Aber für die jüdische Elite ein Problem, nun waren Sie in Gefangenschaft, die Geschichte, die Sie nun schreiben wollten orientierte sich an der Zeit der Hyksos in Ägypten.
Die Lösung sah so aus: einen neue Geschichte, aus Teilen der Hyksosgeschichte in Ägypten, aber
invers: man hatte einfach alles in Gegenteil verkehrt. Wusste doch eh kaum noch einer, was da vor 900 Jahren genau passiert ist - so das Kalkül der Schreiber. Und man brauchte etwas und schnell.
So lief die Inversion:
| Geschichte der Hyksos in Ägypten | Inversiv in der Exodusgeschichte |
| Hyksos sind in Ägypten gedudelt, treiben Handel und helfen den Ägyptern als Fachkräfte | das Volk der Juden sind Sklaven |
| die Namen der Pharaonen sind dokumentiert | man wollte einen konkreten Bezug bewusst vermeiden und spricht nur von "Pharao" |
| Die Hyksos sind ein loses Bündnis von Kaanitern und Mitanni und ggf. anderen Völkern, die alle vor der Dürre flohen | die Juden sind ein Volk |
| die Hyksos hätten jederzeit gehen können | der Pharao lässt die Juden nicht gehen |
| die eigentliche Heimat Kanaan ist unattraktiv, es herrscht Dürre | Gott/Moses leiten das Volk ins "gelobte" Land, wo Milch und Honig fließen |
| Die Folgen des Vulkanausbruchs auf Thera (Santorini) ist eine schreckliche Naturkatastrophe | Gott schickt die 10 Plagen |
| die Folgen des Vulkanausbruchs auf Thera (Santorini) schwächen Ägypten sehr stark | die Ägypter sind stark und der Pharao hat die absolute Kontrolle |
| Die Hyksos nutzen die Notlage der Ägypter aus und übernehmen in Nordägypten die Macht, sie sind die Bösen | die Ägypter sind die Bösen, das Volk der Juden die Guten |
| Ahmose "begleitet" das Volk der Juden aus Ägypten raus - er vertreibt sie mithilfe des Militärs | Mose begleitet das Volk aus Ägypten raus, hier aber wird es als Rettung dargestellt |
| es gibt keinerlei Wunder | diverse Wunder geschehen |
| die Rückkehr der Hyksos nach Kanaan war in kurzer Zeit vollzogen | der Exodus dauert Jahre |
| Ahmose lebt weiter | der Pharao stirbt im Meer |
| Die Ägypter haben wieder ein starke Streitmacht | die Soldaten des Pharao sterben auch im Meer |
| Ahmose verfolgt die Hyksos auch weiter auf kanaanitischem Gebiet | das Volk der Juden kommt ohne Störung im gelobten Land an |
Vielleicht habe ich sogar weitere Punkte vergessen, aber das Schema ist klar.
Und so konnte man nun den verzweifelten Juden etwas anbieten:
Eine angeblich alte Geschichte, bei der die Juden vor Jahrhunderten in einer ähnlich misslichen Lage waren, aber Gott hat geholfen.
Und damit gab es eine klare Botschaft: bleibe bei den jüdischen Tradition, glaube an JHWH und es werden wieder Wunder geschehen.
Paradoxerweise ist das dann tatsächlich geschehen: die Perser eroberten Babylon und ließen die Juden nach Hause gehen. Vielen jüdischen Gläubigen muss das wirklich wie ein Wunder vorgekommen sein und die religiös-geistige Elite und Ihre Geschichten (Exodus & co.) erlebten einen enormen Imagegewinn. Ihr Plan ging auf.
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Ja, das ist alles eine nur eine Theorie, aber letztlich ist jeder Versuch eine Erzählung aus einem theologischen Werk (hier Thora) mit der echten Weltgeschichte zu verknüpfen "wackelig" und somit angreifbar.
Das Interessante ist nicht nur, dass die Autoren die reale Geschichte per Inversion völlig verdreht haben, sondern dass man trotzdem Fragmente der realen Hyksoszeit in der Exodusgeschichte wiederfindet. Die Autoren hatten in der babylonischen Gefangschaft tatsächlich Zeitdruck. Täglich nahmen Juden die Bräuche der Babylonier an. Täglich verlor der jüdische Glaube Anhänger. Jeden Tag wuchs die Zahl derer, die auch bei der Möglichkeit Babylon zu verlassen, es vorzogen in Babylon zu bleiben, statt nach Kanaan zurückzukehren. Diesem Zeitdruck sind sind jene kleinen Fehler geschuldet, die den Autoren bei der Exodusgeschichte unterliefen. Zum Glück für alle, die heute versuchen den realen geschichtlichen Kern der Exodusgeschichte zu finden.
Beispiele:
Der Hyksos "Vertreiber" ist Asmose, der Messias heißt Mose. Der "Pharao" verfolgt die fliehenden Juden in der Exodusgeschichte (Schilfmeerpassage), Ahmose verfolgte die fliehenden Hyksos bis nach Kanaan.
Die Exodusgeschichte greift das Thema der biblischen Plagen auf, die Forscher mit den Ereignissen verbinden, die die Ägypter selbst auf dem Ipuwer-Papyrus dokumentiert haben. Und da der Vulkanausbruch von Thera als Ursache der Plagen häufig genannt wird, wären wir wieder in der Hyksoszeit, genau da gab es den Vulkanausbruch.