Nun gut, ich bin begeistert von den archäologischen Funden in Hessen. Aber: Die Überlegungen hierzu sind schon sehr alt.
Ich finde es eigentlich sehr schade, dass auch nach der Entdeckung von Waldgirmes und Dorlar wenig weiter reichende Folgerungen gemacht wurden. Oder habe ich sie nur nicht mitbekommen?
- Warum ist die Schiffbarkeit der Lahn in der Latènezeit nicht vorher archäologisches Thema gewesen?
- Warum sind alle von dem Fund der großen keltischen Hafenanlage in Aschaffenburg überrascht?
- Warum ist die latènezeitliche Besiedelung des rechts- wie linksseitigen Rheinischen Schiefergebirges nicht primär unter wirtschaftsgeographischen Gesichtspunkten diskutiert worden? Ist das nicht ein überraschend homogener Wirtschaftsraum?
- Und warum sollte das nicht für die römische Expansion in Germanien nicht motivierend gewesen sein, in einer schon erschlossenen Landschaft?
Natürlich werden
@El Quijote,
@Sepiola,
@Biturigos und
@Ravenik, die viel mehr archäologische und historische Lektüre hinter sich haben, ganz gelassen kontern: "Steht doch alles da, muss man nur lesen..."
Lieber
@Pardela_cenicienta , soweit ich mich erinnere ist die Schiffbarkeit der Lahn Thema bei der Ausgrabung Waldgirmes gewesen.
Die Fundamente der Augustusstatue bestanden aus Muschelkalk aus Lothringen (um Norroy-les-Pont-à-Mousson/Dép. Meurthe-et-Moselle).
"Waldgirmes. Eine augusteische Stadtgründung im Lahntal", Armin Becker und Gabriele Rasbach, 2001
Auch die Bronzestatuen sind sehr wahrscheinlich in einem Stück auf dem Flussweg transportiert worden (alleine der Pferdekopf wiegt 14 kg).
Gabriele Rasbach schlägt die Buntmetallwerkstatt des Doppellegionslagers von Mainz als Herstellungsort der Statuen vor.
"Bronzene Reiterstatuen aus der augusteischen Stadtgründung von Waldgirmes – ein herausragender Neufund frühkaiserzeitlicher Großplastik",2014
Auch im Zusammenhang mit der Ausgrabung der cäsarischen Marschlager bei Limburg-Eschhofen wird von Angela Kreuz die Versorgungslogistik diskutiert, und dabei auch die Schiffbarkeit der Lahn. Eine hypothetische Route Cäsars verlief von Lahnstein, der Mündung der Lahn bis Bad Ems, und von dort über die Hochebene des südlichen Westerwalds auf dem historisch belegten Halfterweg. Angela Kreuz bezieht sich in der Diskussion der Schiffbarkeit auf Bremer, 2003, "
Zur Nutzbarkeit der Lahn zwischen Marburg und der Mündung in den Rhein als Wasserweg in der Frühen Römischen Kaiserzeit", Unpubl. Studie im Auftrag des Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Abt. Hessenarchäologie."
Bremer geht von einer Schiffbarkeit der Lahn mit größeren römischen Prahmen (20-34 m Länge, Kapazität von 15-80 t) nur für die ersten 12 Kilometer von der Mündung in den Rhein aus. Der folgende Lahnabschnitt wurden von Einbäumen, Nachen, und Lastkähnen von ca. 11 m Länge und 1,7 m Breite befahren. Vor dem Ausbau der Lahn im 16.Jahrhundert verkehrten die historisch bekannten Lastkähne nur auf der unteren Lahn bis Diez (d.h. bis zum Eingang des Limburger Beckens), und hatten ein Ladungsvolumen von 5 t. Zwei solche Flachboote konnten den Tagesbedarf für 7000 römische Soldaten transportieren (A.Kreuz geht von 6.370 kg Getreide und Hülsenfrüchten/pro Tag aus). Eine weitere Schiffbarkeit, wahrscheinlich nicht ganzjährig, ist bis Waldgirmes/Dünsberg sehr stark anzunehmen. Bremer geht davon aus, dass die einheimische Bevölkerung den Verkehrsweg Lahn auch in vorgeschichtlicher Zeit durch regelmäßige Arbeiten, wie die Beseitigung von Hindernissen, sowie Anlegen und Unterhalt von Treidelpfaden pflegte. Im steilen Lahnabschnitt zwischen Bad Ems und Diez ist ein Überwechseln beim Treideln (50 Wechsel) erforderlich, Bremer schildert als weitere Probleme Sand- und Kiesbänke, zerklüftete Felsenpartien, an denen sich Stromschnellen bildeten, und Geröllschüttungen in das Fahrwasser bei starken Niederschlägen durch die zufließenden Bäche.
Weitere Schiffbarkeit der Lahn bis Marburg? Dazu finde ich im Artikel von Frau Kreuz nichts, der Titel der Studie von E. Bremer lässt jedoch vermuten, dass er sich damit beschäftigt hat.
Aus Sonderband 4 hessenarchäologie, Archäologie am Greifenberg bei Limburg, 2020, Seite 240, A.Kreuz: Überlegungen zur Versorgung der Soldaten in römischen Marschlagern, S.240