Die Rückkehr des Adels an der Wende vom 17. zum 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von Brissotin, 9. Oktober 2006.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hallo!
    Ich will einmal ganz ungewöhnlich einen Thread anfangen, nämlich mit dem Verweis auf einen anderen (von mir erstellten:red: ): http://www.geschichtsforum.de/showthread.php?t=12543

    Womit nämlich die Orden untrennbar verbunden sind, ist mit der Neudeffinition des Anspruchs des Adels. Hatten im 15./16. Jh. die Bürgerlichen zusehends den Adel auch politisch auf das Abstellgleis geschoben, denke ich daran wie Fugger und Welser in die Politik eingriffen, so traten nun die Adeligen als Träger des Herscherwillens erneut auf und gewissermaßen völlig modernisiert. Schon Oliver Cromwell hatte u.a. den Adel als Grundstütze der englischen Regierung erkannt. "Ironischer Weise war Cromwell unter den bedeutenden europäischen Staatsmännern des 17. Jahrhunderts der einzige von "bürgerlicher" Abstammung."*

    Die Adeligen wurden in sogenannten Ritterakademien auf ihren "Job" im Staat als funktionierendes Rädchen im Räderwerk des Staatsapperates vorbereitet. Wallenstein besuchte solch eine Schule, ebenso Tilly und andere Feldherren der Liga des 30-jährigen Krieges. Was vom Adeligen solcher Ausbildung erwartet wurde, war umfangreich und kaum gänzlich zu schaffen. Das 18. Jh. mit der neuen Bevorzugung des Adels ging mit einer gewissen Bildungsoffensive einher, welche den Adeligen für seine Aufgaben im Staate sei es als Beamter oder Offizier vorbereiten sollte. Der stufenweise Aufstieg des Adeligen durch die Bildung (zu sehen in: "Der Adeliche Hofemeister, Frankfurt 1693) zeigt als Etappen "Humaniora, Theologia, Historia Universalis, Mathesis, Lingua Exotic, Geographia, Oratoria, Doctrina Moralis, Militica..." dazu Reiten und Fechten und die Grundlagen der Agronomie.
    Als ein Beispiel einer solchen "Ritterakademie" gilt das Theresianum.
    1746 überließ Maria Theresia dem Jesuitenkolleg das Schloss Favorite, welches daraus ein Seminarum Nobilium machten, was heute mit Ritterakademie übersetzt wird.

    Nach dieser Ausbildung sollte eine Karriere in Heer oder Staat anstehen. Aus Reichsrittern und Grafen des lokalen Adels rekrutierten sich die Kabinette. Kurfürst Friedrich Christian von Sachsen galt dann schon 1763 als ein Außenseiter, da er fast ausschließlich Leute des Großbürgertums in sein Kabinett holte.

    Daneben nahm der Adel als Träger der Hofhaltung in verschiedensten Posten wichtige Funktionen ein. Man mag sagen, der Potentat verminderte durch diese Bindung des Adels an den Hof auch die Opposition "im Land", aber hatte der Herscher des Barock/Rokoko nicht auch diese Repräsentation als Verherrlichung eigener Legitimation vielleicht auch nötig?

    Selbst die Turniere schloss diese Adelsrenaissance noch immer nicht aus. Dabei galt August II. von Polen schon als ein erstaunlicher Exzentriker, der anlässlich des Fest des Mars 1719 wieder Pallienrennen und Fußturniere durchführen lassen wollte, was seine Hofleute dann doch etwas überforderte. Jedenfalls wurden Rüstungen aus der Rüstkammer in Dresden geholt und wo nötig neue hergestellt. Ich würde, so fragwürdig auch der Nutzen erscheint, diese "ritterlichen" Spiele des Barock/Rokoko doch durchaus als ein interessantes Relikt aus vergangener Zeit sehen. Die Mordernisierung, sprich Abwandlung, dieser Prozedere versinnbildlichen für mich, wie wenig diese Aufzüge zeitgemäß waren und wie sie mehr und mehr sich zu einem puren Vehikel der Macht- und Prunkpräsentation als Element herscherlicher Selbstdarstellung wandelten.

    Die veränderte Rolle des Adels in der Kalkulation des Potentaten und dem Staate finde ich ein spannendes Gebiet. Vielleicht hat ja noch jemand Ergänzungen zu dem Thema.

    Weiterführende Literatur bzw. Quellen:
    "Eine gute Figur machen - Kostüm und Fest am Dresdner Hof" (Kupferstich-Kabinett Dresden anlässlich der Ausstellung 10.09.-03.12.2000)
    "Der Mensch des Barock" 1997 Magnus Verlag, * Zitat aus dem Aufsatz daraus: Der Staatsmann (Henry Kamen)
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Oktober 2006
  2. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Interessantes Thema. Man muss sich einmal fragen, wie ein Souverän seinen Staat organisieren soll. Er braucht dazu viele Leute, die kompetent und loyal sind.

    Damit scheiden bereits die meisten "einfachen Leute" der damaligen Zeit mangels Bildung aus. Das Bürgertum steht nicht in den Diensten des Königs sondern geht eigenen Geschäften nach, das gleiche gilt für den Klerus.

    Es bleiben zwei Möglichkeiten. Die erste ist, eine existierende, aber nutzlos gewordene Machtelite (Adel, Rittertum) mit neuen Aufgaben zu versehen, die zweite, einen Beamtenapparat neu aufzubauen. Interessanter Weise ist zweiteres parallel Mitte des 18. Jahrhunderts in Preußen geschehen.

    Da beide Machteliten nach völlig unterschiedlichen Mechanismen funktionieren, entstehen Verwaltungssysteme verschiedenartiger Prägung, die wiederum ein ganz anderes Staatsverständnis wiederspiegeln.

    Zum Adel (vgl. "edel") gehört man durch Geburt. Man fühlt sich als Mitbesitzer des Staates mit der Verantwortung eines Teilhabers, andererseits auch dem gottgegebenen Recht, von dessen Erträgen zu profitieren.

    Der Beamte hingegen wird eingestellt, um ohne eigene Interessen und Überzeugungen Gesetze der Obrigkeit umzusetzen, als "Funktionär" zu funktionieren. Dafür erhält er eine feste Besoldung (vgl. "Sold"at).

    Ich frage mich jedoch : Welches System kann überhaupt einem Abstraktum wie den "Interessen des Staates" dienen ? Welches System ist anfälliger für die Entwicklung einer Eigendynamik des Apparates ? Welches ist anfälliger für Machtmissbrauch durch den Souverän ?
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Preußen ist ein sehr gutes Beispiel!
    Das Militär:
    Hierüber kontrollierte der König neben seinem eigenen Adel auch den fremden.
    1. Während es der Erbprinz von Bayreuth bisweilen als unter seiner Würde empfand, auch wenn er dem Waffenhandwerk zugetan war, als Offizier unter einem anderen Reichsfürsten, nämlich seinem Schwiegervater Friedrich Wilhelm I. in Preußen zu dienen, bewarben sich viele Prinzen um ein Kommando in der preußischen Armee, so der glühende Verehrer der preußischen Armee der Erbprinz von Hessen-Darmstadt, der spätere Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (der Gemahl der Großen Landgräfin).
    2. Ein solcher Einsatz des Adels in der Armee wie in Preußen war europaweit etwas unerhörtes, ich meine unbekanntes. Zum einen konnten die jungen Adeligen durch den Aufstieg aus dem Stand eines Freikorporals das Kriegshandwerk von der Pike auf lernen, zum anderen beweist dieser spezielle Rang, auch das Bedürfnis möglichst viele Adelige in der Armee zu binden. Nicht von ungefähr waren die Verluste in den adeligen Familien Preußens so unter den von Marwitz zum Bsp. enorm. In den Stand eines Offiziers der Infanterie oder Kavallerie aufzusteigen, war somit fast ausschließlich den Adeligen vorbehalten (vielleicht ermogelten die Steubens auch deswegen ihr "von").

    Der Beamtenapperat war hingegen schon eher für den Bürgerlichen zu erklimmen, wobei man hinzu sagen muss, dass vor einem Aufstieg in höher Ämter schon die Erhebung in den Adelsstand in der Regel folgen musste. Ein Beispiel hatte ich schon erwähnt: http://www.geschichtsforum.de/showpost.php?p=200477&postcount=4 So zu sagen holte man die Mitarbeiter im näheren Umfeld des Potentaten ja dann schon zumeist mit in die privilegierte Gesellschaft der Adeligen.
    Vielleicht sollte man ohnehin zu einer Neubetrachtung des Begriffes von Adel reifen, wenn man sich näher damit beschäftigt. Nimmt man den typischen (preußischen) Landjunker aus, wurde ein gewisser Hofadel geschaffen, den man unabhängig von der Herkunft, als eine Art Club ansehen könnte. Aus dem quantitativ beachtlichen Potenzial der Noblesse bot sich eigentlich an, zu schöpfen, machte diese Erlesenheit der Glieder des Staatsapperates auch eine gewisse Exklusivität aus, welche unbedingt auch bindend für die Beamten, Minister usw. wirkte.

    Die gegenteiligen Erscheinungen sehe ich zumeist dort, wo reichsunmittelbare oder selbstständige Adelige für einen Potentaten arbeiteten. Ein Friedrich Graf von Seckendorf ( http://en.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Graf_von_Seckendorf ) hielt schon mal nach allen Seiten Ausschau. Manch ein Abenteurer wie Carl Ludwig von Pöllnitz oder Friedrich Freiherr von der Trenck überschätzten vielleicht auch ihre Libertät von ihrem eigentlichen Landesherren, aber so berühmt solche Figuren des 18.Jh. auch sind, stellen sie doch eher die Ausnahme von der Regel da. Selbst ein Haugwitz und andere, die in die höchsten Würden in Österreich und anderswo gehoben wurden, vergaßen ihre Gönner zumeist nicht.

    Ich denke diese Adelige Clique, die sich als funktionierender Staatsapperat etabliert hatte, war ideal den Bedürfnissen der Herschaft dieser Epoche angespasst. Das würde ich als einen Kennwert sehen, höchstmögliche Effizienz. Wo der Herscher mit diesem Räderwerk nicht umgehen konnte, mögen Probleme für den Staat aufgetreten sein, aber das lag nicht unbedingt an der Clique, höchstens an einigen Vertretern derselben, welche eben jene Schwächen des Fürsten ausnutzten.
    :fs:
    Ich hoffe, ich habe damit Deine Fragen, Klaus, beantwortet, natürlich nur soweit ich konnte. Vielleicht hat jemand eine Einschätzung von Ranke zu dem Thema parat.
    :grübel:
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    In anderen Staaten wie in Frankreich geriet der Adel allerdings auch in Erklärungsnöte, weshalb er seine Privilegien behalten sollte. Ich werde in den nächsten Wochen etwas näher darauf eingehen.
    Mit der Aufklärung hatte der Adel zu kämpfen, da diese auch die Berechtigung des Adels zur Führung in der Gesellschaft anzweifelte.

    Ich hänge mal gleich noch eine Frage daran. Ich habe zwar schon gelesen, dass das Adelsprädikat nicht unbedingt für finanziellen Reichtum stand, obgleich es sich natürlich auch gut "vermarkten" ließ (Führungsrollen im Staate waren leichter zugänglich bei Herkunft aus altem Adel.), aber weiß noch nicht wie sich das genau auswirkte. In Frankreich gab es ja von alters her, die Bestimmung, dass dem Adel fremde Einnahmequellen, das heißt die Ausübung einiger Berufe, das Adelsprädikat kosten konnte. Dadurch dass zusehends mehr Berufe auch den Adeligen zugänglich wurden, ohne diesen Verlust befürchten zu müssen, wurde zum einem dem Wandel Rechnung getragen, dass immer wieder Bürgerliche aus manchen solchen "Berufen" adelig wurden, zum anderen, dass dem Adel in seiner reinen Funktion als Landbesitzer und Offizier zum Teil die Existenzgrundlage entzogen wurde. Weiß jemand ungefähr wieviele Adelige denn real ihren Titel etc. mangels Vermögen und Wechseln in ein unadeliges Betätigungsfeld in Frankreich verloren?
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Februar 2007
  5. wufi

    wufi Gast

    Frankreich:
    Das Vermögen hatte nichts mit dem Adelsstand zu tun (gemeint Geburtsadel). Der Hofadel war meist über beide Ohren verschuldet. Auch der Landadel war vielfach nicht alzu besitzend. Alein der Amtsadel (noblesse de robe) verfügte zumeist über gesunde Finanzen.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Es geht mir auch primär nicht darum, wie verschuldet sie waren sondern eben um den Teil des Adels, der keinen anderen Ausweg sah, als für den Adel inakzeptable Tätigekeiten nachzugehen, welche dann zum Verlust des Titels führten und wie oft das tatsächlich geschehen ist.
     
  7. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    Soweit ich das weiß, kam das praktisch niemals vor. Nur der König konnte ja Adelstitel wieder annullieren, aber wieso hätte es den interessieren sollen, was irgendein Graf oder Baron irgendwo in Frankreich treibt ? Wenn der König keinen direkten Grund hatte jemanden auf diese Weise zu "vernichten", dann hat er dessen Tätigkeiten wohl eher ignoriert und nicht bestraft.

    Aber was siehst du denn als für den Adel inakzeptable Tätigkeit an ? Mir fällt spontan keine Tätigkeit ein, der der frz. Adel seit dem 16. Jahrh. nicht nachgegangen wäre: Angefangen von Handel und Geldverleih, bis hin zur Betreibung von Bordellen und Sklavenmärkten.
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich kann erst übernächste Woche antworten, beziehe mich allerdings auf die Aussagen in dem Essay "Der Adelige" in dem Buch "Der Mensch der Aufklärung".
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hier die Textstelle aus Pierre Serna "Der Adelige" in "Der Mensch der Aufklärung":
    Sicherlich wurde nicht umsonst erst in Frankreich eine Öffnung dieser Erwerbszweige forciert entsprach das doch einer gewissen Notwenigkeit, mit den Bürgerlichen zu konkurieren, die mittlerweile ja auch über zusehends mehr Grundbesitz verfügen konnten, was zuvor eine Domäne des Adels gewesen war.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Februar 2007
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  10. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    In Verbindung mit dem jeweiligen Datum klingelt es bei mir. Soweit ich es immer in Büchern über Colbert und die merkantilistisch-absolutistische Wirtschaft gelesen habe, hat all das eher wenig mit bürgerlicher Konkurrenz zu tun. Es ging der Krone darum, den merkantilfeindlichen frz. Hochadel zu mehr wirtschaftlichen Unternehmertum zu bewegen, also dem Bürgertum mehr Konkurrenz zu machen, vornehmlich dem holländischen und englischen Bürgertum.

    Sich mit Finanzen und Handelsgeschäften zu befassen, war, meines Wissens nach, schon vor 1669 für den Hochadel möglich, aber er tat es nicht, da es vom sozialen Selbverständnis des Schwertadels her, als unangemessen empfunden wurde. Zum großen Ärger Colberts und des Königs. Nur der Amtsadel beschäftigte sich von alters her mit Seehandel und Finanzen (soweit ich weiß).

    Ich würde es eher so interpretieren, dass das Hindernis der Deroganz-Bestimmung auch deshalb rechtlich ausgeschaltet wurde, um so den Hochadel endlich zu mehr Unternehmertum zu animieren.

    Es gibt die schöne Geschichte der frz. Handelskompanien, die Colbert gründete, in der Absicht, den holl. Handelskompanien den Rang abzulaufen. Hauptaktionär war Louis XIV. höchst selbst. Der König ließ bei Hofe immer wieder durchblicken, dass derjenige Höfling, der es dem König gleichtut und große Summen in die Handelskompanien investiert, sich der Gunst des Monarchen sicher sein kann. Das gleiche galt für die Manufakturen. Aber letzlich investierte nur das frz. Bürgertum und der daraus stammende Amtsadel. Der Hochadel verweigerte sich konsequent, was schließlich zum Bankrott der meisten frz. Handelskompanien führte.

    Der frz. Handel wurde von der Krone, dem Bürgertum und dem niederen Adel getragen, während der Hochadel in Grundbesitz investierte und lieber den Handel mit daraus resultierenden Produkten betrieb, besonders Brennholz und Lebensmittel dürften eine große Einnahmequelle gewesen sein. Aber an einer wirklichen Kapitalakkumulation war der Hochadel völlig dessinteressiert, was aber wiederum überhauptnicht dem Interesse der Krone entsprach.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Louis le Grand
    Mich hatten diese Aussagen auch verwundert, deswegen frage ich ja nach. Andersrum hatte der König ja auch ein Anliegen, dass der niedere Adel nicht sozial absackte, meinst Du nicht? Eine Änderung in der Gesellschaft wurde schließlich von fast allen Monarchen der Bourbonen versucht aus verständlichen Gründen abzuwehren. Was hälst Du übrigens von dem Buch?
     
  12. Louis le Grand

    Louis le Grand Neues Mitglied


    Würde ich nicht ganz so sehen. Änderungen im Herrschaftssystem (Ancien Régime) wurden abgewehrt, aber bei den gesellschaftlichen Strukturen kann man schon einen Wandel beobachten. Augenfällig ist, dass die Bourbonen immer wieder versuchten Ständeprivilegien des Hochadels zu beschneiden. Angefangen bei Richelieu und Louis XIV., bis zu Louis XVI. am Vorabend der Revolution. Nur letzterer scheiterte am Widerstand des Schwert- und Amtsadels, was mächtig Pech für ihn war.


    Das Buch kannte ich noch nicht. Aber aus der Reihe kenne ich das Buch Der Mensch des Barock. Fands ganz nett erklärt, aber etwas zu sehr pauschalisierend und oberflächig. Was auch das Problem von Der Mensch der Aufklärung zu sein scheint. ;)
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Februar 2007
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Stimmt eigentlich ist die Politik gegenüber dem Adel vielschichtiger, wobei man das Verhalten der Boubonen gegenüber dem Adel differenzieren muss. Am Ruin des kleinen Adels hatte man kein Interesse, was vor allem Louis XVI. äußerte. Zugleich stand man dem Hochadel reservierter gegenüber, der ja jederzeit hoffte, wieder eine alte mächtige Position im Staat einzunehmen.

    Ich denke mal bei besagtem Buch "Der Mensch der Aufklärung" kommen schon echte Wissenschaftler also Historiker zu Wort. Das Problem ist halt die Verkürzungen, die es geben muss. Dennoch ist es teilweise nicht unbedingt leicht lesbar, auch wenn die Autoren bemüht sind trockene Fakten und Zahlen mit kleinen Anekdoten am Rande zu würzen. Bei "Der Mensch der Aufklärung" reichen viele Beispiele sogar bis tief ins Empire oder Biedermeier, während es zum Bsp. zum Geschäftsmann keine Beispiele gibt, welche die Zeit vor ca. 1770 behandeln. Also wird eigentlich teilweise nicht die Lücke zum Vorgänger "Der Mensch des Barock" geschlossen, an welches direkt die Protoaufklärung um 1710 anschließen müsste. Ansonsten kann man die beiden Bücher halt schon als Nachschlagewerke nutzen, da sie recht sauber geschrieben sind und, das muss man auch sagen, eben zu dem Wenigen gehört was aktuell im allgemeinen Buchhandel zu dem Thema erhältlich ist.
     
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zu meinem Erstaunen, fand ich in dem interessanten Buch "Lions of Fashion"
    (An English Catalouge
    Lions of Fashion
    Male Fashion of 16th 17th 18th century)
    noch eine Rüstung für das Turnier, welche von Gustav III. (1746-1792 reg. 1771-1792, ermordet) noch in den 1770ern getragen und auch in dieser Zeit speziell für ihn angefertigt wurde. Obgleich nicht ausschließlich mit dem Thema des Threads verwandt, würde mich schon interessieren, ob noch jemand so späte Beispiele des Turnierwesens in Europa kennt?
     
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Habe jetzt das Buch nochmal durchgesehen, es muss ein anderes Buch aus Stockholm gewesen sein, wo eine richtige Rüstung Gustav III. drin war. Einen falschen Literaturtipp, auch wenn das Buch dennoch höchst spannend ist, kann ich nicht so stehen lassen.
    Entschuldigt bitte.
    :red:
     
  16. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Wenn eine Handelskompanie erst einmal genug Investoren gefunden hat (was wohl der Fall war, sonst hätten keine weiteren aufgemacht), kann es diese eigentlich nicht stören, wenn eine Bevölkerungsgruppe nicht mitmacht.

    Bankrott ist ja eine Folge von wirtschaftlichen Mißerfolgen. Eine ordentlich geführte Kompanie sollte Erfolge genug haben, um eine gewisse Quote an Mißerfolgen ausgleichen zu können.

    Es ist für eine Kompanie auf jeden Fall kein gutes Zeichen, wenn sie immer noch auf weitere Investitionen angewiesen ist, das wäre dann mehr ein unseriöses Schneeballsystem.


    Soll heißen: Die Investitionsverweigerung des Hochadels kann nicht Grund für das Scheitern der Handelskompanien gewesen sein.
    Aber wenn es wirklich so war, daß die alle irgendwann Bankrott gingen, dann war diese Verweigerung sehr vernünftig.
     
  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Wenn man von der Wiederkehr des Adels im 17. und 18. Jahrhundert spricht, muss ich allerdings auch an Preussen und die preussische Armee im Kontext der Sozialdisziplinierung denken. Friedrich Wilhelm I. gelang es, den häufig noch selbstbewussten und frondierenden Adel einzubinden und auf das Königshaus auszurichten. Das preussische Offizierskorps war dann auch fast reine Adelsdomäne, und die preussische Armee wurde auch von ausländischen Fürsten als recht attraktiv angesehen. Die Herzöge von Braunschweig, die Landgrafen von Hessen- Kassel waren stolz darauf, Generale der preussischen Armee und Ritter des Schwarzen Adlerordens zu sein.
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sicherlich kein geringer Aspekt. Ich hatte ihn nicht weiter ausgedehnt, da ich eigentlich eine Verdrängung des Adels aus der Heeresführung nicht erkennen kann. Eigentlich war das Kriegshandwerk bei dem Disput um die Selbstlegitimation des Adels an der Wende vom 17. zum 18.Jh. aber auch durch das ganze 18.Jh. hindurch ein ganz wichtiger Standpunkt. Der Schwertadel verlor in der Hinsicht ja nie seine Rolle, auch die Feldherren des Dreißigjährigen Krieges bspw. sind doch deutlich vor allem Adelige. Dass hierbei schon der Niedere Adel mitmischte und in bedeutende Positionen aufsteigen konnte, verdeutlicht besonders gut die Verlockungen einer militärischen Laufbahn.
    aus "Der im Irrgarten der Liebe herumtaumelnde Kavalier" (gekürzter Titel!) von Johann Gottfried Schnabel (1692-1752) - 1738 anonym erschienen aber durch eine Bemerkung in einem anderen Buch Schnabels deutlich ihm zuzuschreiben - veränderte Ausgabe von Wilhelm-Heyne-Verlag - München - 1972.
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kleiner Hinweis: Schnabels Todesdatum ist laut Wikipedia nicht bekannt und soll zwischen 1751 und 1758 liegen, ein letztes bekanntes Werk erschien 1750, als er schon einige Jahre nicht mehr in den Diensten des Grafen von Stolberg war. Die Angabe und auch die Aussage, dass Schnabel in Stolberg auch gestorben sei, entnahm ich lediglich dem Nachwort des zitierten Büchleins. Johann Gottfried Schnabel - Wikipedia
     
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Auch wenn hier schonmal aus dem Text von Serna von mir zitiert wurde, ein kleiner Nachtrag:

    Der Chevalier d’Arcq wurde mit seinem Buch „La noblesse militaire“ um die Jahrhundertmitte zum Vertreter der Verteidigung des Adels gegen die Angriffe derjenigen, welche die Legitimation des Adels untergraben wollten. Der Hauptgegenstand der Verteidigung lag in dem Beharren der Adel sei der wahre Waffenführer und die militärische Laufbahn die Hauptaufgabe des Adels. Der Chevalier selbst schien diesem Bild des militärisch aktiven Adeligen vor allem am Anfang seiner Karriere zu entsprechen.

    Weitere Werke von ihm findet man hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Philippe-Auguste_de_Sainte-Foix

    Bemerkenswert ist wohl auch seine Karriere, welche etwas beispielhaft für Männer seines Schlages und seiner Herkunft zu sein scheint.

    S. 74/75

    Auszug aus:
    Pierre Serna: „Der Adlige“ in M.Vovelle (Herausg.): „Der Mensch der Aufklärung“ Magnus Verlag, Essen, 2004
     

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