Die Shoa als Rechtfertigung

Die Existenz des Staates Israel hat herzlich wenig mit der 'massiven juedischen Einwanderung aus Europa'zu tun, jedoch alles mit Diplomatie.
Die Diplomatie mag wichtig gewesen sein für den Weg zur Gründung Israels, aber letzten Endes wurde Israel Existenz ja nicht durch Diplomatie, sondern durch den Unabhängigkeitskrieg gesichert. Für einen Krieg benötigt man Soldaten und für den Unabhängigkeitskrieg rekrutierten sich die auf jüdischer Seite kämpfenden Soldaten ja überwiegend aus der jüdischen Bevölkerung Palästinas, die es ohne Einwanderung so nicht gegeben hätte, jedenfalls nicht in ausreichender Anzahl.

Churchill gab sein 'go ahead', die neue Methode Schiesspulver relativ schnell und in grossen Mengen herzustellen, it turned out to be a great success und somit rettete Weizmann das UK vor eine fuerchterliche Niederlage.
Das hört sich etwas übertrieben an. Aceton, um dessen Herstellung mit Hilfe von Bakterien es ging, konnte man damals auch schon anders herstellen. Ich denke, dass Weizmanns Methode zur Herstellung von Aceton für den Krieg sicher nicht ganz die Bedeutung hatte, die das Haber-Bosch-Verfahren zur Synthese von Ammoniak hatte. Ohne dieses Verfahren hätte Deutschland kaum die Möglichkeit gehabt, Sprengstoffe in ausreichender Menge herzustellen, da man der Import von Salpeter, das bisher dazu diente, nicht mehr möglich wahr.
 
Der Beitrag ist mindestens missverständlich, weil du zwischen Kolonialismus und Zionismus hin und her wechselst.
Was du außer acht lässt sind drei Dinge:
a) der Zionismus war eine Bewegung von Juden, die sich als Juden rassistisch diskriminiert fühlten, sie war aber nicht religiös, im Ggt. sie widersprach dem orthodoxen Dogma, welches die Ankunft des Messias als Anlass zur Rückkehr ins Heimatland annahm
b) bis 1938/41 war die Aliyah eine Minderheitenbewegung, die Siedlungsbewegung wurde als Massenbewegung erst durch den WKII/die Shoa in Gang gesetzt
c) für die Juden gehört die Rückkehr nach Israel (nachdem der Messias gekommen ist) zum religiösen Background, das ist eben nicht erst in der Kolonialzeit entstanden sondern ist ein kulturelles und historisches Erbe aus der Zeit der Vertreibungen aus Iudaea/Palaestina (70/132).
Das würde ich so nicht unbedingt sehen. Erstens ist Antisemitismus im Kern keine rassistische Ideologie. Der frühe Zionismus ist dem Kolonialkatholizismus und dem Kolonialprotestantismus sehr ähnlich. Bei Leibe nicht alle Juden waren bestrebt, nach Israel auszuwandern.
Doch es gab auch solche die für eine Einwanderung nach Israel waren. Man kann das mit der deutschen Communities in Namibia, Australien, den USA oder eben auch in Palästina gut vergleichen, die für heutige Begriffe ja auch vielfach in religiösen Gemeinden organisiert waren und sich gerade in konfessioneller Hinsicht sehr bewusst zu ihrem Deutschtum bekannten. Das Politische lässt sich hier kaum vom Religiösen trennen. Wie alle Menschen waren auch die Juden dieser Epoche Kinder ihrer Zeit. Muskeljudentum – Wikipedia

Schon Jahrzehnte vor Herzl legten zwei Rabbiner das theoretische Fundament für den religiösen Zionismus:

  • Zwi Hirsch Kalischer (1795–1874): In seinem Werk Derischat Zion argumentierte er, dass die Erlösung nicht plötzlich durch ein Wunder geschehen müsse. Stattdessen sei die Ansiedlung von Juden in Israel ein notwendiger erster Schritt, um den messianischen Prozess einzuleiten.
  • Jehuda Alkalai (1798–1878): Er sah in der nationalen Einheit und der physischen Rückkehr nach Palästina eine Form der kollektiven Buße (Teschuwa), die Gott wohlwollend stimmen würde.
  • Es gab zur Zeit Herzls durchaus religiös motivierte Zionisten (wie den Rabbiner Abraham Isaak Kook), für die die Rückkehr nach Israel ein göttlicher Auftrag und der Beginn der messianischen Erlösung war. Herzl arbeitete mit diesen Gruppen zusammen, um eine breite Basis für die Bewegung zu schaffen, aber seine eigenen Motive blieben säkular-nationalistisch.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ob der Zionismus als eine Form von Kolonialismus angesehen werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt.
Ich wage zu behaupten: Weil es eine argumentative Abkürzung zu dem negativen Urteil ist, das heute mit dem Kolonialismus verbunden wird. Weil es eben nicht mehr um Fakten geht, sondern darum, im politischen Diskurs obenauf zu bleiben. Man könnte den Zionismus kritisieren, und trotzdem konstatieren, dass er nichts mit Kolonialismus zu tun hat. Bedeutet halt Arbeit.

Blicken wir auf verschiedene Definitionen:

Das 'Cambridge Dictionary', kurz und knackig:
control by one country over another and its economy, or support for such control
Der 'Duden', bereits wertend:
auf [gewalttätigen] Erwerb und Ausbau von Kolonien gerichtete Politik unter dem Gesichtspunkt des wirtschaftlichen, militärischen und machtpolitischen Nutzens für das Mutterland bei gleichzeitiger politischer Unterdrückung und wirtschaftlicher Ausbeutung der abhängigen Völker
Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt (bzw.) zitiert:
K. bezeichnet die Ausdehnung der Herrschaftsmacht europäischer Länder auf außereuropäische Gebiete mit dem vorrangigen Ziel der wirtschaftlichen Ausbeutung. Zwar waren im Zeitalter der Entdeckungen auch missionarische Gründe und der Handel für den K. maßgeblich (seit der industriellen Revolution – Industrialisierung – v. a. der Bezug billiger Rohstoffe); im Vordergrund stand jedoch immer die Mehrung des Reichtums der Kolonialherren und Mutterländer. 1914 befand sich über die Hälfte der Weltbevölkerung unter direktem kolonialen Einfluss.
Diese Definition ist meines Erachtens falsch, weil sie z.B. den japanischen und amerikanischen Kolonialismus völlig ausblendet, aber jedenfalls lässt sie sich nicht auf den Zionismus übertragen, nicht mal auf den Zionismus in seiner heutigen Form.

Ich finde keine einzige Definition, die ohne die Existenz eines Mutterlandes oder Suzeräns auskommt. Israel ist jedoch ein unabhängiger Staat, seine Gründung basiert (formell und m.E.n. auch faktisch) auf einem Beschluss der Weltgemeinschaft.
Das würde ich so nicht unbedingt sehen.
Wieso?
 
Als persönliche Anmerkung am Rande:
Ich bin niemals auf die Idee gekommen, der Zionismus hätte etwas mit dem Kolonialismus zu tun. Für mich waren das immer zwei grundverschiedene Sachverhalte, ( sind es immer noch).
 
Als persönliche Anmerkung am Rande:
Ich bin niemals auf die Idee gekommen, der Zionismus hätte etwas mit dem Kolonialismus zu tun. Für mich waren das immer zwei grundverschiedene Sachverhalte, ( sind es immer noch).
Respektiere ich, aber wie schon gesagt, man könnte den Zionismus in seiner heutigen Form für Kolonialismus halten; nämlich dann, wenn man die israelische Landnahme in den Palästinensergebieten unter der Cambridge-Definition einordnet.

Wobei ich damit ganz konkret die Siedlungspolitik meine, nicht jedoch die Besetzung von Ost-Jerusalem und den Golanhöhen, die meines Erachtens schon deshalb nicht als Kolonialismus verstanden werden können, weil es sich um Gebietsverluste infolge verlorener Angriffskriege gegen Israel handelt.

Wenn der Begriff irgendeinen tieferen Sinn haben soll, dann muss er ja ein Machtgefälle beinhalten, eine Landnahme zum eigenen Vorteil durch einen mächtigeren Staat, der sich irgendwie berechtigt glaubt (und sei es durch die Kraft des Faktischen), sich einen schwächeren Staat einzuverleiben und auszubeuten.

Wären die Golanhöhen eine israelische "Kolonie" in diesem Sinne, dann müsste z.B. Schlesien eine polnische Kolonie sein.
 
Ich bin nun wirklich nicht historisch belesen in diesem Thema, aber ich weiß das "Zionismus" heute sehr sehr vielfältig ist.

von liberalen Juden, die darunter lediglich verstehen das es ein Land geben soll in dem Juden leben und der jüdische Glauben Staatsreligion ist, der aber auch selbstverständlich hebräisch uind arabisch als Amtssprache hat und dort auch jeder Nichtjude leben darf - bis zu den aufgepeitschten Rechtsradikalen, die Nichtjuden das Menschsein absprechen und von einem Großisrael durch Vertreibung träumen.

Selbstredend kann man den Zionismus erst als kolonialistisch oder nicht einordnen wenn man vorher definiert hat welchen Zionismus man meint.
 
Erstens ist Antisemitismus im Kern keine rassistische Ideologie.
Was sollte es deiner Meinung nach sonst sein?

Man kann das mit der deutschen Communities in Namibia, Australien, den USA oder eben auch in Palästina gut vergleichen, die für heutige Begriffe ja auch vielfach in religiösen Gemeinden organisiert waren und sich gerade in konfessioneller Hinsicht sehr bewusst zu ihrem Deutschtum bekannten.
Nein, das kann man nicht miteinander vergleichen, weil die Auswanderung aus dem deutschsprachigen Raum, zumindest ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie zum Massenphänomen wurde primär wirtschaftlich motiviert war, nicht durch gesellschaftliche Ablehnung, Repression oder gar Verfolgung.

Respektiere ich, aber wie schon gesagt, man könnte den Zionismus in seiner heutigen Form für Kolonialismus halten; nämlich dann, wenn man die israelische Landnahme in den Palästinensergebieten unter der Cambridge-Definition einordnet.
Die Frage in dieser Hinsicht wäre, denke ich, eher kann man die Ideologie, derer, die aktiv den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten betreiben und die Haltung der israelischen Regierungen die das zummindest zulassen, noch in sinnvollen Zusammenhang mit dem Zionismus als politischer Idee des 19. Jahrhunderts bringen?

Da muss ich ehrlich sagen, bin ich etwas unzufrieden damit, ähnlich wie damit z.B. die politischen Ideen von 1848 genau so unter "Nationalismus" zu subsummieren, wie die Vorstellungswelt der 1920er-1940er Jahre.

Wenn der Begriff irgendeinen tieferen Sinn haben soll, dann muss er ja ein Machtgefälle beinhalten, eine Landnahme zum eigenen Vorteil durch einen mächtigeren Staat, der sich irgendwie berechtigt glaubt (und sei es durch die Kraft des Faktischen), sich einen schwächeren Staat einzuverleiben und auszubeuten.
Ich würde Staatlichkeit und zwischenstaatliches Handeln aus der Definition für Kolonialismus rauslassen.

Die historische koloniale Realität hat ja oft genug so ausgesehen, dass Kolonien eher von privaten Gruppen/Unternehmungen aufgebaut und nachträglich staatlicher/obrigkeitlicher (Kronkolonien) Protektion/Kontrolle unterstellt wurden.

Und das Problem bei zwischenstaatlichem Handeln als Bedingung ist einfach, dass das Modell der Binnenkolonisation dann unter den Tisch fiele.
 
Erstens ist Antisemitismus im Kern keine rassistische Ideologie.
Sicher, dass Du hier nicht Antijudaismus gemeint hast? Antisemitismus ist nämlich definitiv eine rassistische Ideologie. Das unterscheidet ihn ja gerade vom (v.a. christlichen) Antijudaismus. Der Antijudaist knüpft am Glauben bzw. (angeblichen) Verhalten des Juden an; für den Antisemiten hingegen ist das Jüdische etwas unabstreifbar Angeborenes. Deswegen verfolgten die Nazis auch konvertierte Juden oder Abkömmlinge von Juden ohne jedwede Verbindung zur Religion ihrer Vorfahren, während für katholische Eiferer der Jude (oft, aber nicht immer) aufhörte, ein "Problem" darzustellen, sobald er konvertiert war.
 
Selbstredend kann man den Zionismus erst als kolonialistisch oder nicht einordnen wenn man vorher definiert hat welchen Zionismus man meint.
Ich persönlich würde dazu neigen heutige politische Strömungen überhaupt nicht mehr als "zionistisch"/"Zionismus" zu behandeln und das mehr als ein historisches Konzept zu betrachten, dass sich durch Faktizität überlebt hat.

Eine politische Strömung, die eine Eigenbezeichnung sinnvollerweise verdient, müsste für mich als Grundbedingung mindestens mal qualitative Änderungen am Status Quo anstreben.
Das Fehlen solcher Bestrebungen charakterisiert für mich einfach nur Konservatismus.
Insofern hielte ich es für ähnlich unsinnig heute das Bestehen auf der Existenz eines israelischen Staates als "zionistische Idee" zu charakterisieren, wie es im 21. Jahrhundert unsinnig wäre die Idee eines geeinten Deutschlands als "nationalistisch" zu beschreiben.

In Zeiten, in denen es diese Staatsgebilde nicht gab und sie tatsächlich nur politische Ideen waren, waren solche Zuschreibungen sinnvoll, in Zeiten, in denen es politische Realität ist, ist es keine politische Vision oder ein Streben auf etwas hin mehr, sondern mehr Verwaltung des Status Quo und Verwaltung ist eigentlich keine Ideologie oder politische Idee.


Bei den radikaleren Strömungen in Israel, die de facto, auf Territorialerweiterungen als politisches Ziel aus sind, fällt es mir schwer, das noch mit dem ursprünglichen Konzept von "Zionismus" aus dem 19. Jahrhundert in sinnvollen inhaltlichen Zusammenhang zu setzen, weil die Zionisten des 19. Jahrhunderts eben Personen waren, deren Ziel war Repressionen zu entkommen, nicht Repressionen über andere zu bringen.

Von dem her würde ich persönlich dafür votieren Zionismus (soweit wir vom Aspekt der Staatlichkeit reden) schlicht nicht als Gegenwartsphänomen zu betrachten, sondern als etwas, dass mit der Gründung des modernen Israel eigentlich abgeschlossen ist.
 
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Die Diplomatie mag wichtig gewesen sein für den Weg zur Gründung Israels, aber letzten Endes wurde Israel Existenz ja nicht durch Diplomatie, sondern durch den Unabhängigkeitskrieg gesichert.
Der Unabhängigkeitskrieg began, nachdem Israel ueberhaupt erst in der politischen Lage gewesen war seine 1948 Unabhängigkeit zu deklarieren. Und das war es, denn bis zu dem Zeitpunkt gingen seit 1917 zahllose private Gespraeche mit fuehrenden Politikern voraus:
Churchill z.B. hatte durch seinen Vater ein sehr gutes Verhaeltnis mit Juden, Cassell , Rothchild, Weizmann u.v.m.seien erwaehnt.
David Lloyd George sei erwaehnt, dieser war tiefglaeubig, er konnte seitenlang die Bibel zitieren, Weizmann traf sich sehr oft mit ihm und natuerlich er dem zionistischem Ziel, eine eigene Heimstaette in Palaestina zu reetablieren voellig zu. Er war so begeistert darueber dass er sich zum Ausruf "I am a Zionist" hinreissen liess.
Kommen wir zur 1917 Balfour Declaration. Bevor diese verlautet wurde, stimmte sich die britische Regierung erst mal mit der amerikanischen, italienischen und franzoesischen Regierung ab, ob jene etwaige Einwuerfe gegen die vorgesehene britische Deklaration haetten. Keines dieser angesprochenen Regierungen meldeten keinen Einwand an, im Gegenteil befuerwortete das Vorhaben.
Die 1920 San Remo Conference legitimierte die Balfour Deklaration, liest man sie durch, handelt es sich dort auschliesslich um das Recht der Juden sich in Palestine anzusiedeln. Von Arabern kein Wort imText.
Wir heute sollten uns in den 'mindset' und Wertevorstellungen der damaligen eminenten Personen hinein versetzen, welches Geistes Kind sie geewesen waren. Kaum zu vergleichen mit der heutigen.

Anlaesslich der arabischen Delegation die 1922 den damaligen Colonialsekretaer Churchill in St.James Palast dazu bewegen wollte, die Balfour Declaration rueckgaengig zu machen, stellte die britische Regierung ein sog. Command Paper aus, das beruehmte "THE CHURCHILL WHITE PAPER -- Palestine.1922. Correspondence with the Palestine Arab Delegation and the Zionist Organisation. [Cmd. 1700.] London: HMSO [His Majesty's Stationary Office.
Es ist ein langer Text, doch hier nur ein Ausschnitt der die Geisteshaltung der Mehrheit der damaligen intern. Politikern gegenueber Zionisten wiederspiegelt. Hier der wichtigste Ausschnitt:

British White Paper of June 1922 on Palestine
Command Paper 1700
[...] So far as the Jewish population of Palestine are concerned it appears that some among them are apprehensive that His Majesty's Government may depart from the policy embodied in the Declaration of 1917. It is necessary, therefore, once more to affirm that these fears are unfounded, and that that Declaration, re affirmed by the Conference of the Principle Allied Powers at San Remo and again in the Treaty of Sevres, is not susceptible of change.
During the last two or three generations the Jews have recreated in Palestine a community, now numbering 80,000, of whom about one fourth are farmers or workers upon the land. This community has its own political organs; an elected assembly for the direction of its domestic concerns; elected councils in the towns; and an organization for the control of its schools. It has its elected Chief Rabbinate and Rabbinical Council for the direction of its religious affairs. Its business is conducted in Hebrew as a vernacular language, and a Hebrew Press serves its needs. It has its distinctive intellectual life and displays considerable economic activity. This community, then, with its town and country population, its political, religious, and social organizations, its own language, its own customs, its own life, has in fact "national" characteristics.
..... When it is asked what is meant by the development of the Jewish National Home in Palestine, it may be answered that it is not the imposition of a Jewish nationality upon the inhabitants of Palestine as a whole, but the further development of the existing Jewish community, with the assistance of Jews in other parts of the world, in order that it may become a centre in which the Jewish people as a whole may take, on grounds of religion and race, an interest and a pride. But in order that this community should have the best prospect of free development and provide a full opportunity for the Jewish people to display its capacities, it is essential that it should know that it is in Palestine as of right and not on the sufferance. That is the reason why it is necessary that the existence of a Jewish National Home in Palestine should be internationally guaranteed, and that it should be formally recognized to rest upon ancient historic connection.
This, then, is the interpretation which His Majesty's Government place upon the Declaration of 1917, and, so understood, the Secretary of State is of opinion that it does not contain or imply anything which need cause either alarm to the Arab population of Palestine or disappointment to the Jews.


"Jewish people is in Palestine as of right and not on the sufferance" = 'Juden sind in Palästina mit Recht und nicht aus Gnade.'

Dies ist der Knackpunkt: Europaeer und Amerikaner damals - nicht heute - anerkannten diese historische Tatsache, Araber hingegen, mit Unterstuetzung von Europaern, wollten sie partout nicht erkennen, spannen unzaehlige absurde Maerchen die das Gegenteil beweisen sollten, mehr noch sie zettelten einen Krieg an mit der Absicht alle Juden in's Mittelmeer zu treiben um sie dort zu ersaeufen. Klappte nicht. Vergleiche das mit Israel's Unabhaengigkeitserklaerung : "We extend our hand to all neighbouring states and their peoples in an offer of peace and good neighbourliness, and appeal to them to establish bonds of cooperation and mutual help with the sovereign Jewish people settled in its own land."



Für einen Krieg benötigt man Soldaten und für den Unabhängigkeitskrieg rekrutierten sich die auf jüdischer Seite kämpfenden Soldaten ja überwiegend aus der jüdischen Bevölkerung Palästinas, die es ohne Einwanderung so nicht gegeben hätte, jedenfalls nicht in ausreichender Anzahl.
Sicher, das stimmt wohl. Doch im Vorfeld zum Krieg steht immer gescheiterte Diplomatie bzw boeser Willen.
In diesm Zusammenhang mag man sich an zwei Sprichworte erinern: 'Bleeders are no rulers' , und 'Man kann nicht in Frieden leben ,wenn es dem boesen Nachbar nicht gefaellt."
Das hört sich etwas übertrieben an. Aceton, um dessen Herstellung mit Hilfe von Bakterien es ging, konnte man damals auch schon anders herstellen. Ich denke, dass Weizmanns Methode zur Herstellung von Aceton für den Krieg sicher nicht ganz die Bedeutung hatte, die das Haber-Bosch-Verfahren zur Synthese von Ammoniak hatte. Ohne dieses Verfahren hätte Deutschland kaum die Möglichkeit gehabt, Sprengstoffe in ausreichender Menge herzustellen, da man der Import von Salpeter, das bisher dazu diente, nicht mehr möglich wahr.
Du hat bestimmt Recht damit, doch wird eben vom 'Weizmann Prozess' in Geschichtsbuechern und Chemiebuechern gesprochen. Was im Genauen das sein mag, ist fuer unwissende Simpletons wie mir boehmische Doerfer und recht egal. Hauptsache das Zeug kracht :).
Simpletons
 
Als persönliche Anmerkung am Rande:
Ich bin niemals auf die Idee gekommen, der Zionismus hätte etwas mit dem Kolonialismus zu tun. Für mich waren das immer zwei grundverschiedene Sachverhalte, ( sind es immer noch).
Den Begriff 'Kolonialismus' mag man nicht in ein politisch korrektes Korsett einschnueren, man solte es flexible betrachten ,im Zusammenhang mit Texten und Zeitepochen in Verbindung bringen. Worte aendern ihre Bedeutung mit der Zeit.
Frueher gab es das 'Colonial Office', 'German colonists' und andere 'Kolonisten' wurden dringend ihrer Faehigkeiten wegen schon vor und im Mandat gebraucht und willkommen geheissen. Siehe dazu Faisal und Weizman Abkommen und die Fuersprache des Emirs, Faisals und Abdullah's daddy.
Maharadjahs in Indien baten England um Kolonisten um Eisenbahnnetze zu bauen, Schulwesen, Krankenhaeser eizurichten usw . Man kann sagen, dass Colonisten gebraucht wurden, um ein Land dessen Zivilisation vor Jahrhunderten stecken geblieben war,in's 19te Jahrhundert zu bringen, in der Tat ein formidables, undankbares und resouceverschlingendes Unterfangen. Doch Undank is der Welten Lohn. Heute wird das als Ausbeutung und aller moeglichen anderen Beschreibungen dargestellt..... "No good deed gets unpunished".
 
Maharadjahs in Indien baten England um Kolonisten um Eisenbahnnetze zu bauen, Schulwesen, Krankenhaeser eizurichten usw . Man kann sagen, dass Colonisten gebraucht wurden, um ein Land dessen Zivilisation vor Jahrhunderten stecken geblieben war,in's 19te Jahrhundert zu bringen, in der Tat ein formidables, undankbares und resouceverschlingendes Unterfangen. Doch Undank is der Welten Lohn. Heute wird das als Ausbeutung und aller moeglichen anderen Beschreibungen dargestellt..... "No good deed gets unpunished".
Nun, also Indien ist da eher das typische Beispiel des von den europäischen Großmächten geschaffenen Kolonialsystems.

Man muß auch klar zwischen Kolonisten wie z.B. deutschen und ungarischen Siedlern im Banat, Transsylvanien, deutschen Siedlern im damaligen Zarenreich usw., und Kolonisten/Siedler zur Gründung einer Siedlungskolonie (Neuengland, französisch Kanada) unterscheiden.

Als Beispiel für ein rückständiges nicht koloniales Land, das es aus eigener Kraft geschafft hat den Schritt in die "Moderne" zu tun, steht ja Japan.
 
Kommen wir zur 1917 Balfour Declaration. Bevor diese verlautet wurde, stimmte sich die britische Regierung erst mal mit der amerikanischen, italienischen und franzoesischen Regierung ab, ob jene etwaige Einwuerfe gegen die vorgesehene britische Deklaration haetten. Keines dieser angesprochenen Regierungen meldeten keinen Einwand an, im Gegenteil befuerwortete das Vorhaben.
Die 1920 San Remo Conference legitimierte die Balfour Deklaration, liest man sie durch, handelt es sich dort auschliesslich um das Recht der Juden sich in Palestine anzusiedeln. Von Arabern kein Wort im Text.
Bevor das falsch verstanden wird: In der Declaration heißt es:

it is being clearly understood that nothing shall be done which may prejudice the civil and religious rights of existing non-jewish communities in Palestine​
Damit sind natürlich die muslimischen und christlichen Gruppen (Armenier, Griechen) in der Region gemeint, ggf. auch Drusen und Bahai.
Die Balfour-Declaration sollte also weder die Juden zwingen, nach Palästina zu gehen (nothing shall be done which may prejudice [...] the rights and political status enjoyed by Jews in any other country) noch negierte sie die Existenz und die Rechte der bereits in Palästina ansässigen Gemeinschaften.
Das Problem ist auch, dass die Briten nicht nur auf einer Hochzeit, sondern gleich auf mehreren tanzten (Balfour-Declaration, Sykes-Picot-Abkommen, Ḥusain-Mc Mahon-Korrespondenz). Das war miteinander unvereinbar. Gleichzeitig, wie Ḥusain Versprechungen gemacht wurden, teilten die Briten und die Franzosen unter sich die arabischen Gebiete des osmanischen Reiches untereinander auf und Balfour garantierte Rothschild Rechte für die Zionisten, welche in Widerspruch mindestens zu den Versprchungen McMahons gegenüber Ḥusain standen. MIt zunehmenden Konflikten zwischen Arabern und Juden verabschiedeten sich die Briten auch immer mehr von den Versprechungen, die von Balfour gegenüber Rothschild gemacht wurden. Am Ende haben die Briten (ich zitiere aus anderem Kontext den König von Sachsen mit seinen Worten von 1918) sinngemäß gesagt: "Ach, macht doch euren Scheiß alleine!"
 
Was sollte es deiner Meinung nach sonst sein?


Nein, das kann man nicht miteinander vergleichen, weil die Auswanderung aus dem deutschsprachigen Raum, zumindest ab der Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie zum Massenphänomen wurde primär wirtschaftlich motiviert war, nicht durch gesellschaftliche Ablehnung, Repression oder gar Verfolgung.


Die Frage in dieser Hinsicht wäre, denke ich, eher kann man die Ideologie, derer, die aktiv den Siedlungsbau in den Palästinensergebieten betreiben und die Haltung der israelischen Regierungen die das zummindest zulassen, noch in sinnvollen Zusammenhang mit dem Zionismus als politischer Idee des 19. Jahrhunderts bringen?

Da muss ich ehrlich sagen, bin ich etwas unzufrieden damit, ähnlich wie damit z.B. die politischen Ideen von 1848 genau so unter "Nationalismus" zu subsummieren, wie die Vorstellungswelt der 1920er-1940er Jahre.


Ich würde Staatlichkeit und zwischenstaatliches Handeln aus der Definition für Kolonialismus rauslassen.

Die historische koloniale Realität hat ja oft genug so ausgesehen, dass Kolonien eher von privaten Gruppen/Unternehmungen aufgebaut und nachträglich staatlicher/obrigkeitlicher (Kronkolonien) Protektion/Kontrolle unterstellt wurden.

Und das Problem bei zwischenstaatlichem Handeln als Bedingung ist einfach, dass das Modell der Binnenkolonisation dann unter den Tisch fiele.
Punkt 1: Wer den Antisemitismus als Rassismus definiert, steht vor dem Problem, Wahnvorstellungen wie die jüdische Weltverschwörung oder die Wahnidee vom angeblich gierigen Geldjuden erklären zu müssen. Der Antisemitismus hat definitiv christliche Wurzeln. Diese Wurzeln merkt man selbst dem Antisemitismus des 21. Jahrhunderts immer noch an. Der Antisemitismus funktioniert auch ohne Juden, man nennt das dann strukturellen Antisemitismus. Antisemitismus ist eine bestimmte Form des Antikapitalismus. Im 21. Jahrhundert hat man ihn noch mit rassistischem Gedankengut angereichert, das macht aber seinen inneren Wesenskern nicht aus.

Punkt 2: Auswanderung aus den deutschen Ländern erfolgte mitunter auch aus religiösen und politischen Gründen (1848er Revolution!), nicht allein aus ökonomischen. Die deutsche Geschichte ist voll von solchen Beispielen. Man denke nur an die Mennoniten, Schwarzenauer Brüder, Schwenkfelder, Pietisten und Böhmische Brüder. Auch die protestantischen Templer in Palästina stehen in gewisser Weise in dieser Tradition (wenn auch unter anderen Vorzeichen). Religion und Kolonialismus sind im 19. Jahrhundert kein Widerspruch. Das geht Hand in Hand über. Auch Christen wollten der Tochter Zion nahe sein. Schau nach Jerusalem und Du wirst überraschend viele protestantische Kirchen finden.

Punkt 3: Die Ideen von 1830 und 1848 waren nicht frei von Antisemitismus. Auch hier irrst Du Dich.
 
Wer den Antisemitismus als Rassismus definiert, steht vor dem Problem, Wahnvorstellungen wie die jüdische Weltverschwörung oder die Wahnidee vom angeblich gierigen Geldjuden erklären zu müssen.
Die Antisemitismusforschung hat keine allgemeingültige Definition des Phänomens aufgestellt, unterscheidet aber zumindest vier Hauptformen:

In allen Hauptformen treten religiöse, soziale, politische, kulturelle und verschwörungstheoretische Motive neben- oder miteinander auf. Zudem unterscheidet die Forschung latente und manifeste, oppositionelle und staatliche Ausdrucksformen.[2] Aktuelle Forschung ordnet Antisemitismus als spezifische Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ein.[3]
 
Wenn Du Bücherverbrennungen nicht als Antisemitismus bezeichnen willst, weil es den Begriff damals noch nicht gab, ändert das nichts am Grundproblem.

Ich zitiere Wikipedia:

"Die moderne Antisemitismus-Forschung sieht die Verbrennung des Buches „Germanomanie“ des jüdischen Schriftstellers Saul Ascher unter dem Ausruf „Wehe über die Juden […]“ in der Traditionslinie des religiös motivierten Antijudaismus. Dieser habe in Studentenverbindungen spätestens in den 1920er Jahren zum Rassenantisemitismus und zum Ausschluss von Juden geführt[36] und stehe damit im Kontext zu den Verbrechen des Nationalsozialismus. Auch der zeitgenössische Satz Heinrich Heines „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen“ wird oft in diesem Zusammenhang zitiert, obwohl er sich nicht explizit auf die Bücherverbrennung beim Wartburgfest bezog. Nach dem Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer ist die „ganze Zeitspanne zwischen 1814 und 1848 […] nicht umsonst und nicht zufällig zentrale Fundquelle für die Nazis gewesen“."
 
Die Wahnvorstellung vom Juden als raffender Kapitalist, der sich durch "dunkle" Machenschaft an den Börsen angeblich bereichert, hat mit "Rassismus" nichts zu tun. Die verschiedenen Ausprägungen des Antijudaismus/Antisemitismus/Antizionismus ändern nichts an der Tatsache, dass alle auf denselben Kern zurückgehen. Man findet noch heute Elemente des mittelalterlichen Antisemitismus im modernen.
 
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