Ich weiß nicht, woher der Beitrag stammt, den du zitierst, ich habe ihn nicht gefunden, aber ich habe den Eindruck, dass du an der Aussageabsicht des Verfassers vorbei argumentierst. Die Gründung des Staates Israel ist eine Konsequenz der Shoa, der (ursprünglich linksgerichtete, laizistische) Zionismus hatte vorher kaum eine nennenswerte Anhängerschaft. Erst mit dem zunehmenden Verfolgungsdruck bekam er Relevanz.
Somit ist der europäische Antisemitismus, der sich aus dem christlichen Antijudaismus entwickelt und von diesem emanzipiert hat und in der Shoa mündete der Auslöser für die Alija.
Einen muslimischen Antijudaismus hat es auch immer gegeben. Er ist begründet in der Ambivalenz des Propheten Muḥammad gegenüber den Juden, die sich im Qurʾān widerspiegelt. Einerseits sind sind als ahl al-kitāb (Leute des Buches, auch Christen fallen in diese Kategorie) geschützt, andererseits wird ihnen (und den Christen) vorgeworfen, Gottes Offenbarungen verfälscht zu haben. Anders, als bei den Christen, waren die Juden aber weder Gottesmörder noch ritualmordverdächtig, oder Südenböcke für die Pest o.ä.
Ein erstes antijüdisches Pogrom gab es 1066 in Granada. Dies lag darin begründet, dass man den Juden vorwarf, die Macht im Königreich an sich reißen zu wollen und den Thronfolger vergiftet zu haben. Ich persönlich habe den Eindruck, dass sie da als Sündenböcke herhalten mussten. Prominentes Opfer war Jehoseph Ben Shemu'el ben Nagrela, der Wezir des Königs und angebliche Mörder des Thornfolgers.
Der moderne muslimische Antijudaismus (Antisemitismus finde ich da schwierig als Begriff) ist aber vor allem durch die Alija und die subsequente Gründung des Staates Israel gefördert worden. Dabei bedient sich der muslimische Antijudaismus teilweise bei europäischer antisemitischer Propaganda, u.a. aus dem Stürmer.
Ich weiß es auch nicht, von wem der Beitrag stammt. Ich weiß nur, dass der von Anno-Dunnemal datiert und dass mir ganz sicher keiner antworten wird weil die Mtglieder schon lange nicht mehr aktiv sind. ich habe einen Beitrag zitiert, den
@Leopold Bloom zitiert hat.
Mir ging es dabei um die These, dass die Shoa sozusagen conditio sine qua non für die Gründung eines Judenstaats in Palästina war. Sie hat die Entwicklung beschleunigt, hat die Gründung einer Heimstätte für Juden alternativlos gemacht und die ganze Entwicklung so wie sie dann sich ereignet hat wäre undenkbar gewesen ohne die Verwerfungen des NS und des 2. Weltkriegs. Auch die Gründung von Organisationen wie der Moslembruderschaft wären ohne die propagandistischen Aktivitäten des Großmufti Al Husseini und Versatzstücke der NS-Ideologie. Soweit gehe ich mit.
Mir ging es darum, dass jüdische Einwanderung nach Palästina nicht erst nach 1945 stattfand. Die aus Spanien vertriebenen Juden, die im Osmanischen Reich Asyl fanden, siedelten sich teilweise in Palästina an, und schon im 17. Jahrhundert versuchten Juden nach Palästina auszuwandern. Jesaja b. Abraham Horowitz war Talmudist, Kabbalist und Rabbi in Prag. Er wanderte 1621 nach Palästina aus. Bei ihm waren es nicht die Pogrome im Zarenreich oder die Dreyfus-Affäre, auch nicht die Pogrome in der Ukraine während des großen Kosakenaufstands, sondern der Fettmilch-Aufstand in Frankfurt 1613, der ihn erst nach Prag, dann nach Palästina führte. Schabtai Zvi war ein Kabbalist, den einige seiner Anhänger als Messias verehrten.
Jehuda he Chassid erreichte im Jahr 1700 mit mehr als 1000 Anhängern Palästina, wo sie die Churva-Synagoge in Jerusalem bauten.
1655 erlaubte Oliver Cromwell den Juden die Rückkehr nach England. wo sie 1290 ausgewiesen wurden. Die Idee einer jüdischen Besiedelung Palästinas war nach Cromwells Tod recht populär, und John Locke und Isaac Newton waren dafür aufgeschlossen.
In der Schweiz setzte sich Henri Dunant, der Begründer des Roten Kreuzes für Ansiedelung von Juden in Palästina ein.
Der Konsul der USA in Tunis bis 1815, Mordechai Imanuel Noah vertrat die Idee einer Judenstadt in Palästina als Heim- und Zufluchtsstätte.
Die Balfour-Declaration von 1917 sah vor, in Palästina eine Heimstätte für Juden zu schaffen. Ein Judenstaat in Palästina war seit der Jahrhundertwende im Werden, und eine Reihe von israelischen Politikern war schon in Palästina geboren. Moishe Dajan, der Mann mit der Augenklappe wurde 1915 in Palästina geboren und auch "King Bibi" Benjamin Netanjahu *1928 in Palästina.