hatl
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Die herrschende Lehre der Psychologe geht sogar davon aus, dass es gegen die ärztliche Sorgfalt verstößt, Menschen aus der Ferne analysieren zu wollen. Die American Psychiatrists Association z.B. sanktioniert Mitglieder, die öffentlich Mutmaßungen über den Gesundheitszustand von Prominenten und Politikern äußern. Denn ohne eine fachgerechte Untersuchung haben solche Äußerungen keine Grundlage.
Das gilt für den US-Berufsverband der Psychiater aber nicht für den der Psychologen.
Dies geht zurück auf den Goldwater-Skandal mit der folgenden "Goldwater rule".
Was war passiert?
Nachdem die Republikaner 1964 Barry Goldwater als Präsidentschaftskandidaten nominierten geschah folgendes:
Ralph Ginzburg, Herausgeber des Magazins "Fact" versendete Fragebögen an 12.356 Psychiater mit der Frage: "Glauben Sie, dass Barry Goldwater mental für das Präsidentenamt geeignet ist?"
Beigefügt war ein suggestives Framing über Nervenzusammenbrüche des Goldwater.
Lediglich 2.417 Psychiater antworteten und Ginzburg bastelte daraus eine Kampagne welche den Kandidaten diffamierte.
Darauf hin definierte die APA (American Psychiatrist Association) die Goldwater rule welche ihren Mitgliedern Ferndiagnosen verbietet mit der Drohung des Ausschlusses aus dem Berufsverband in dem lediglich 6% der US-Psychiater organisiert sind.
Lee, S19ff.
Und freilich @muck, wenn Du einen Arzt fragst, wird er wahrscheinlich sagen: Ja, das ist eherne Regel, kein Befund ohne den Patienten selbst in Augenschein genommen zu haben.
Nur stimmt das halt nicht, wenn es um Personen geht die von geschichtlicher Bedeutung sind oder waren.
Da scheint das ja gängige Praxis zu sein. Bereits die Vorläuferorganisation der CIA, die OSS, gab ein solches Gutachten in Auftrag, welches durch den Psychoanalytiker Walter Charles Langer erstellt wurde.
Man mag davon halten was man will, doch hat der Langer das Ende des Hitler richtig vorausgesehen.
Der Psychiater Jerold Post, der im Auftrag der CIA und als Regierungsberater Ferndiagnosen verschiedener Staatschefs durchführte, hat gar ein sehr lesenswertes Buch darüber geschrieben.
Die Psychiaterin Bandy X. Lee weist darauf hin, dass z.B die Fülle an Informationen die zu Trump verfügbar ist, jene übersteigt die man üblicherweise über einen Patienten hat, den man persönlich untersucht.
Es ist also nicht so, dass "Ferndiagnosen" per se gegen eine Sorgfaltspflicht verstoßen würden.
Vielmehr sind sie durchaus berechtigte Praxis der Zunft, sofern es sich nicht um den Gesundheitszustand eine Privatperson handelt.
Lee, Bandy X. (2020): Profile of a Nation. Trump's Mind, Americas Soul. New York: World Mental H Coalition, Inc.ealth.
Walter C. Langer: The Mind of Adolf Hitler
the mind of adolf hitler : walter c. langer : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
Post, Jerrold M. (2014): Narcissism and Politics. Dreams of Glory. Cambridge: Cambridge University Press.