Eigenbezeichnung der Karthager

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Zethos, 22. Juli 2011.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ugarit war keine phönizische Stadt, wenngleich es sprachlich und kulturell verwandt war.

    Homer (850 v. Chr. ist schon eine sehr frühe Datierung) ist mit seiner poetischen Fremdbezeichnung natürlich ebensowenig eine zuverlässige Quelle für die Eigenbezeichnung der Karthager wie der Römer Silius Italicus.
     
  2. Pags

    Pags Neues Mitglied

    Dann bleibt uns nichts weiter übrig als weiter zu suchen.

    So Mancher datiert Homer noch früher, so um 1200 vuZ.

    Was war Ugarit dann? (ehrliches Interesse) War doch weder Hethitisch noch Ägyptisch. Auch die Assyrer kamen erst später vorbei.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    (Das Autorenkonglomerat) Homer wusste sehr wohl Phönizier und Sidonier zu unterscheiden:
    Hier geht es um einen silbernen Kelch (ἀργύρεον κρητῆρα), den die Sidonier hergestellt hatten, der aber von den Phöniziern gehandelt* (über das Meer gebracht) wurde:
    ἓξ δ᾽ ἄρα μέτρα
    χάνδανεν, αὐτὰρ κάλλει ἐνίκα πᾶσαν ἐπ᾽ αἶαν
    πολλόν, ἐπεὶ Σιδόνες πολυδαίδαλοι εὖ ἤσκησαν,
    Φοίνικες δ᾽ ἄγον ἄνδρες ἐπ᾽ ἠεροειδέα πόντον
    Ob dem Verfasser klar war, dass die Sidonier eine Teilmenge der Phönizier waren, lass ich mal dahingestellt.
    *Eigentlich ist hier sogar von einem Geschenk die Rede.
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    An der Levante gab es noch mehr als Ägypter, Hethiter und Phönizier. Es lebten hier verschiedene zur semitischen Sprachfamilie gehörende Völker, u. a. die Phönizier, die Hebräer und die Aramäer. In Ugarit wurde eine semitische Sprache gesprochen, die mit den kanaanitischen (eine Untergruppe des Semitischen) Sprachen (zu denen das Phönizische gehörte) verwandt war, und die Religion entsprach im Wesentlichen der der Phönizier.

    Zu Homer und den Sidoniern: Homer wusste zumindest, dass Sidon eine Stadt war, und er erwähnte in der Odyssee zweimal einen König der Sidonier Phaidimos. Eine Stelle im 15. Gesang (415 ff.), in der Phönikier eine Frau aus Sidon bezirzen, legt zumindest nahe, dass die Phönikier die Sidonierin als eine der ihren ansahen. Denkbar wäre, sofern Homer nicht ohnehin korrekt zwischen Sidoniern und Phönikiern differenzieren konnte und erstere als Teilmenge der letzteren sah, allenfalls, dass er Sidon für die Hauptstadt der Phönikier hielt, annahm, dass Phaidimos über alle Phönikier herrschte und Sidonier und Phönikier als Synonyme verwendete.
     
  5. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Um 1400 v. Chr, erlebte Ugarit durch seinen Handel mit Zypern einen Aufschwung. Zunächst gehörte es zur ägyptischen Einflusszone und geriet 1350 v. Chr. unter die Kontrolle des Hethiterreichs. 1180 v. Chr. gerier Ugarit in militärische Turbulenzen, die von der Seevölkerinvasion ausgingen, und wurde zerstört.

    Die archäologischen Funde zeigen starke Einflüsse der ägyptischen, nordsyrisch-anatolischen und hurritisch-babylonischen Kultur. Die Tontafelarchive in freigelegten Palast-, Tempel- und Privatbauten enthielten Texte in ugaritischer Sprache und Schrift. Ugaritisch war danach eine Variante der nordwestsemitischen Sprachen und dem Phönizischen am engsten verwandt. Die in Texten genannten Gottheiten gehören meist dem kanaanäischen Pantheon an, wie z.B. El, Baal, Hadad, Aschera usw. Die Personennamen belegen einen starken hurritischen Einfluss
     

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