Galeeren im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Bdaian, 13. Mai 2013.

  1. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Bdaian, ich zweifle die schriftlichen Berichte gar nicht an aber offenbar machte man ein ziemlich großes Gewese um ein paar Zentimeter Unterschied in der Höhe. Was die Anzahl bildlicher Quellen betrifft so finde ich diese gar nicht so gering. Es gibt jede Menge Gemälde und Stiche von Galeeren ab dem 15. Jh.. Sehr schlecht dagegen ist die Quellenlage für das Mittelalter bis ins 14. Jh.. Da sind die Schiffe derart stilisiert dargestellt, dass es eigentlich unmöglich ist, eine mittelalerliche Galeere zu rekonstruieren.

    Wenn Du aber die Dauphine aus dem frühen 18. Jh. als Beweis bringst so hinkt der Vergleich etwas. Zwischen ihr und Lepanto liegt ein anderthalbes Jh. Im 17. Jh. sahen auch venezianische Galeeren anders aus. Hier ein Plan einer Galea Bastarda von 1650. Bastarda wurden bei den Italienern und Osmanen die größten Galeeren, die Flaggschiffe genannt. Der Begriff hat nichts mit einem Bastard aus verschiedenen Schiffstypen zu tun.
    http://www.veniceboats.com/images/Galea-pe-un-capo-da-mare-P506.jpg
    Der Decksprung war auch bei den Venezianern größer geworden. Besonders das Heck stieg höher an. Am Bug gab es keine größeren Veränderungen. Der einzige Unterschied zu französischen Galeeren ist die Lage der Kranbalken für die Draggenanker. Bei den Venezianern waren diese parallel zum Bug angeordnet bei den Franzosen schräg.
    Die Galeeren des Malteserordens waren nach französischem Vorbild gebaut. Hier die Capitana nach Chapman.
    http://www.themodelshipwright.com/news/wp-content/uploads/2013/02/chapman_Galley_Malta.gif
    Die Bilder zeigen mein Modell der "Grande Reale" aus der Epoche Ludwigs XIV. Man sieht dass auch hier der Bug sehr niedrig gebaut war. Besonders gut kann man auf dem Plan von Edmond Paris sehen wie flach eine gerüstete Galeere über der Wasserlinie lag.
     

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    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 28. November 2013
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Eine interessante Information!

    Aber was war, wenn ein Land seine Galeerenflotte im Winter zwecks Eroberung einer Region aussandte? Im Mittelmeer gibt's zuweilen milde Winter. Haben die eine solche Flottenexpedizion erlaubt?
     
  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Im Winter wurde i.d.R. kein Krieg im Mittelmeergebiet geführt. Die Seeschlacht von Lepanto war eigentlich schon zu spät im Jahr und viele der Kommandeure waren der Ansicht lieber auf das Frühjahr zu warten. Die osmanische Flotte hatte sich schon zum Überwintern in den Hafen von Lepanto zurückgezogen. Nach der Schlacht gerieten die Galeeren der hl. Liga, auf der Heimfahrt in heftige Herbsstürme und einige gingen dadurch auch verloren.
    Auch einige Feldzüge Karls V. begannen zu spät im Jahr was zu einer Katastrophe bei dem Versuch Algier zu erobern führte. Ein großer Teil der Flotte wurde bei einem heftigen Sturm vernichtet.
    Die Osmanen brachen u.A. die Belagerung von Malta am 8. September ab weil sie wegen des bevorstehenden Winters nach Istanbul zurück mussten. Andere Eroberungen ,wie die von Zypern unterbrachen sie vor Winterbeginn und setzten sie im darauffolgenden Frühjahr fort. Berühmt, berüchtigt wurde auch die Überwinterung der Flotte Chaireddin Barbarossas im Hafen von Toulon ,nachdem er zahlreiche christliche Städte geplündert und deren Bewohner in die Sklaverei verschleppt hatte.
    Die Venezianer mussten im Jahr 1379 mit ihren Galeeren, wegen der Blockade der Stadt durch die Genuesen, im Winter in der Adria bleiben. Das kostete zahlreiche Ruderer das Leben. Der Winter war ungewöhnlich kalt und da Kriegsgaleeren keine Unterkünfte für die Seeleute boten, mussten diese an Deck übernachten. Viele erfroren dabei.
    In Frankreich kam meist im September der königliche Befehl zur Abrüstung der Galeeren und im Mai zur Aufrüstung.
     
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  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Da fragt man sich als interessierter Laie, warum im Verlauf vieler Jahrhunderte - von der Antike bis zur frühen Neuzeit - kein findiger Konstrukteur auf die Idee kam, wintertaugliche Kriegsschiffe im Mittelmeer zu entwickeln.
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Vielleicht saß man gern im Winter gemütlich zu Hause.
    Es gab ja einige Schiffstypen, die auch im Winter fuhren. Alle hochbordigen Karacken, Galeonen und auch venezianische Handelsgaleeren und Galeassen verkehrten zu allen Jahreszeiten. Nur die flachen Galeeren, die als die Kriegsschiffe des Mittelmeeres galten, waren nur auf Schnelligkeit getrimmt, für das Abreiten von Stürmen aber nicht gut geeignet.
     
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  6. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Wie kommst Du darauf?
    Es gibt eine ganze Reihe von Gefechten bis Seeschlachten im Mittelmeer von Oktober bis März.
    Nachgeschlagen in Band 1 Seeherrschaft von H.Pemsel, Die Seekrieg im Mitelmeer (11. - 14. Jh. und 15.-16. Jh.)
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Ich schrieb ja "in der Regel". Es gab natürlich auch einige Seeschlachten im Winter, dann wurden sie aber weniger mit Galeeren geführt. Die Frage von Dieter betraf auch mehr Eroberungszüge in denen Heere überführt werden mussten. Besonders die Osmanen scheuten das im Winter da ihre Flotte bis ins 17. Jh. überwiegend aus Riemenschiffen bestand. Auch die Malteserritter stellten ihre, Karawanen genannten Kaperfahrten gegen die muslimische Seefahrt, im Herbst ein und begannen damit wieder im Frühjahr. Der Rudersträfling j. Marteillhe schildert in seiner Biografie auch, dass alle Waffen und das Pulver im Winter von den Galeeren gebracht und Masten und Riemen eingelagert wurden. Im Frühjahr wurden die Rümpfe vom Bewuchs befreit, neu kalfatert und eingefettet.
    Die Spanier begannen zahlreiche Feldzüge viel zu spät im Jahr, da sie zu lange gebraucht hatten Söldner in ausreichender Zahl anzuwerben.
     
  8. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Wenn ich so Recht drüber nachdenke, auch die Segelkriegsschiffe wurden i.d.R. als "schönwetter" Schiffe nur in kleinen Zahlen gefechtsbereit gehalten. Ach noch zur Zeit der Wooden Walls.
    Da gibt es so ein schönes Gemälde, wie baltische Flotte in St.Petersburg komplett abgetakelt vom Eis eingeschlossen im Hafen liegt ...

    Sorry, ich schweife ab ...
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch an Land wurden Kriege wegen der Jahreszeit abgebrochen. Z.B. die erste Belagerung von Wien durch Syleyman d. Prächtigen.

    „Sultan Süleyman Chan kam von Ofen aus in Wien an; nachdem er die Vorstadt erobert und unterworfen hatte, kehrte er wegen des hinderlichen Winters zurück.“
     
  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Da heißt dieser Thread "Galeeren des Mittelalters und ich diskutiere mit Bdaian ständig über spätere Epochen.
    Die Bezeichnung "Galea" taucht erstmals ca im 10. Jh. auf. Als erste bauten offenbar die italienischen Republiken Venedig, Genua, Amalfi und Pisa derartige Schiffe. Wahrscheinlich stellten sie eine neue Art der byzant. Dromone dar. Allerdings sind die bildlichen Quellen zu Galeeren dieser Epoche so spärlich und qualitativ ungenügend, dass man eigentlich nichts über sie weiß. Es ist auch spekulativ zu behaupten, dass der Name vom griechischen Wort für Schwertfisch (Galeos)abgeleitet wurde. Möglich wäre es aber da der Bug mit dem Überwassersporn diesem Tier nicht unähnlich ist.
    Erste einigermaßen aussagekräftige Bilder vom Aussehen einer Galeere des Hochmittelalters stammen aus Schriften um 1200.
    Auf einigen dieser Reichnungen sind noch zwei übereinanderliegende Ruderreihen, wie in der Antike zu erkennen. Sie treten durch Riemenluken, ebenfalls nach antiken Vorbild, durch die Bordwände nach außen. Unterwassersporne gibt es nicht mehr. Die Schanzkleider enden in zwei gebogenen Hörnern, wie bei Segelschiffen der Epoche. Ob als praktisches Bauteil oder nur Schmuck ist unbekannt. Der Bugsteven steht noch höher als der Sporn. Ein Bugkastell bietet Platz für Bogen-oder Armbrustschützen, eventuell auch für kleine Katapulte. Der Rammsporn, welcher jetzt über der Wasserlinie liegt dient als Enterbrücke.
    Auf dem anhängenden Bild habe ich versucht eine solche Galeere zu skizzieren.

    Ab dem 14. Jh. ist die zweite Riemenreihe verschwunden. Statt dessen befinden sich die Ruder nicht mehr unter sondern auf dem Deck. Das bot den Vorteil den Rumpf komplett mit einem durchgehenden Deck abschließen zu können. Dieses erhöhte die Seefestigkeit, da überkommendes Wasser nicht ins Schiffsinnere eindringen sondern ablaufen konnte. Zwischen den Ruderbänken wurde eine stabile Längskonstruktion, die Corsia eingebaut. Sie diente nicht nur den Aufsehern und Matrosen als Brücke sondern reduzierte auch die Verwindungskräfte, die auf den langen, schlanken Bootskörper einwirkten.

    Fortsetzung folgt
     

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  11. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Hier ist eine Galeerendarstellung die in Barcelona auf den Deckenbalken einer Kirche aufgemalt war angeblich aus dem 14. Jahrhundert:
     

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  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Bdaian, das Bild war mir noch nicht bekannt. Man sieht auch hier die beiden Hörner am Heck. Aber sonst ist es ebenso wenig aussagekräftig wie Bilder aus dem 13. Jh.
     

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