Geschichte der Drehscheibenkeramik

Dieses Thema im Forum "Archäologie" wurde erstellt von Muspilli, 31. Oktober 2008.

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  1. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Diesen Thread eröffne ich aufgrund eines Ergebnisses einer Recherche im Zusammenhang meiner Frage einer möglichen Siedlungs- oder Ethnoarchäologie. Aber zunächst etwas zur Einführung:
    Die Drehscheibe gilt als Erfindung der "Sumerer", wobei man noch zwischen einer langsam rotierenden Töpferscheibe (Tournette) und einer schnell rotierenden Unterschieden hat. Dadurch wurde aus dem Hauswerk der Töpferei vielleicht ein Beruf und Gordon Wild stellte sich die Verbreitung der entstanden berufshandwerklichen Töpferei dann anscheinend so vor, daß sie vielleicht auf wandernde Lehrlinge zurückzuführen ist, die aufgrund eines Überangebotes auf den lokalen Märkte keine Arbeitschancen hatte, daß diese Technik beispielsweise auch nach Troia gelangte. Hier jedenfalls hat man derartig produzierte Keramik gefunden, und zwar in der (spätbronzezeitlichen) Schicht VI (Mitte bis Ende des 2. Jts. v. Ztr.) als sog. minyische oder anatolische Grauware, später etwa als sog. Tan oder gelbraune Ware und in geringfügigem Maße auch die mykinische Ware.

    Bei Wikipedia unter Stichwort "Töpferscheibe>Geschichte" lese ich allerdings, daß man anscheinend die Benutzung einer schnell rotierenden Drehscheibe schon in der Induskultur nachwiesen haben will. Die fußangetriebene Töpferscheibe könnte eine Weiterentwicklungbei der Alten Ägypter gewesen sein.

    Während in Anatolien nach dem Niedergang des Hethiterreiches zunächst auf die Drehscheibentechnik oder zum Teil wohl verzichtete, dürfte sie sich doch wenigstens durch die kulturelle Traditon in der östlichen Ägäis etwa in Griechenland über die mykenische Zeit hinaus verwendet worden sein? Die minyische Grautonware war ja schließlich nicht nur in Troia, sondern in weiten Gebieten der östlichen Ägäis in Gebrauch. Aber wie entwickelte sich das weiter?

    Vielleicht wäre hier ein Ansatz zu finden: http://hw.oeaw.ac.at/3729-Xtoc - Kennt jemand den Titel und Autor der Arbeit oder wüßte, wie ich das ganze Skript online öffnen könnte?

    Oder etwas vorgreifend: Wie hat man sich die Entstehung der bekannten Terra sigilata (Terra sigillata) und anderer Keramiktypen (Römische Keramik) im Kontext der Verbreitung der Drehscheibe vorzustellen? Wurde etwa die etruskische Bucchero-fine Keramik auf der Drehscheibe hergestellt?

    Wie dem auch sei, kam durch Übernahme aus dem Mittemeerraum eine langsam rotierende Töpferscheibe in der Halltsattzeit auf, sie gilt als nachgewiesen durch die sog. Alb-Hegau-Keramik; zum Ende der Hallstattzeit in den "keltischen" Fürstensitzen dann die schnell rotierende, die sich im Laufe der Latènezeit weiter ausbreitete: Erwähnt werden etwa sog. Linsenflaschen als Siedlungskeramik, Wulst- und Rillenkeramik aus den keltischen Oppida, bemalte Keramik kam zunächst in Fundplätzen der Champagne und Bretagne usw.

    Im keltisch-germanischen Kontaktgebiet der südlichen Jastorfgruppen (Saale-Unstrut, Südniedersachsen, Mittelelbe-Havel) soll Drehscheibenkeramik (z. B. "Braubacher Schalen" oder einförmige Töpfe) ab etwa 300 v. Ztr. zunächst als Import aus keltischen Töpfereien in begrenzter Verwendung gewesen sein. Obzwar im Gebiet von Saale und Unstrut eine Eigenproduktion auf der Handtöpferscheibe bereits für das 2./1. Jh. aufgrund dreier nachgewiesener Töpferöfen als nachgewiesen gilt, setzte sich diese Technologie nicht durch: Nach archäologischen Befunden betrug die Drehscheibenware anteilmäßig höchstens bis zu zehn Prozent, im Mittelebegebiet kamen sogar nur ganz vereinzelte Exemplare vor. Das blieb zum Teil noch so bis nach der Völkerwanderungszeit und da entsteht mein Problem, das ich folgenden Beitrag skizzieren will. Es hängt mit den Fundprovinzen zusammen, wozu es in der Regel nur Regionalstudien gibt.
    Dazu hätte ich beispielsweise die Frage, ob jemand dieses Buch kennt, um daraus vielleicht etwas wieder zu geben:

    R. Schreg, Keramik aus Südwestdeutschland. Eine Hilfe zur Beschreibung, Bestimmung und Datierung archäologischer Funde vom Neolithikum bis zur Neuzeit. Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit (Tübingen 1998. 3. Aufl. 2007)
    I. Rötting, Siedlungen und Gräberfelder der Römischen Kaiserzeit. Studien und Vorarbeiten zur zum Historischen Atlas Niedersachsens 31, 1985
     
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  2. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Jetzt zu meinem Problem:

    Bezüglich der Drehscheibenkeramik im Zusammenhang einer systematischen Arbeit über frühgeschichtliche Gräberfelder von der römischen Kaiser- bis Karolingerzeit konnte Babette Ludowici (2005) feststelllen, daß in ihrem Arbeitsgebiet zwischen dem Harz, der Aller und der Leine eine eigene lokale Produktion mit der sog. Braunschweiger Drehscheibenware im 4. Jh. einsetzte.
    Gemäß ihrer Angabe erscheint Drehscheibenkeramik in ihrem Arbeitsgebiet wie im Hannoverschen Wendland und in der Altmark erstmals auf der Stufe C1b, und zwar eines vom Typ Rebenstorf mit bisher unbekannter Herkunft (das gilt auch für die anderen fünf aus Rebensdorf, Magdeburg und Nordhausen); die Datierung erfolgt aufgrund einer Urne (MBI I 368) aus Rebenstorf mit einer Fibel vom Typ Almgren VII mit hohem Nadelhalter.

    Auf der Stufe C2 erscheint Keramik von sog. Haarhausener Art. Hierbei handelt es sich um ein gewisses Gefäßspektrum, das man mit einer archäologisch nachgewiesenen Töpferei, die im ausgehenden 3. Jh.. produzierte, in Verbindung bringen konnte.

    Schließlich erlaubt sich Ludowic eine aus dem Drehscheibenwarenspektrum ihres Untersuchungsgebietes aus der Braunschweigisch-Hannoverschen Gruppe eine „Braunschweigische Drehscheibenware“ - wie sie schon R. von Uslar beobachtet hatte -, zu isolieren, die sie ins 4. oder 5. Jahrhundert datieren möchte und das ein Gebiet vom Oberlauf der Aller, den Raum Schöningen sowie die Niederung des Großen Bruchs umfassen würde; den Gemeinsamkeiten mit der Hannoverschen Gruppe in formaler Hinsicht und Materialbeschaffenheit, stellt die Autorin den Befund gegenüber, daß in ihrem Arbeitsgebiet gewisse Gefäßformen fehlen würden: Entsprechend erwägt sie für zwei singuläre Gefäßen aus dem Wendland und Braunschweiger Umland eine eigene Produktionsstätte „von Erzeugnissen sehr ähnlicher Machart im Raum südlich von Hannover“ (S.116). Es handelt sich hierbei um die Exemplar aus einer Siedlung am Heitelberg bei Gielde, das mit einer Urne aus Rebensdorf (Lbrg 1672) vergleichbar sei, sowie um eine weitere Rebensdorfer Urne (Lbrg 2343), die ein Vergleichstück in Harkenbeck haben soll.

    Schließlich kommt sie auf die sog. Thüringer Drehscheibenware zu sprechen, die ins ausgehende 5. bis ins 6. Jh. datiert wird, also zu einem Zeitpunkt, als die Braunschweiger Ware ausläuft. Der Angabe der Autorin gemäß umläuft das südöstliche Fundmaterial aber ihr Arbeitsgebiet, denn sie finde „sich vereinzelt auch im nördlichen Sachsen-Anhalt“ (S.117); dabei weist sie auf ein singuläres Exemplar aus Hannover-Ricklingen hin, dabei scheint der Autorin nun aber entgangen zu sein, daß das von ihr angeführte Gefäß aus aus Hannover-Ricklingen ein Gefäß vom Typ Rebenstorf sein dürfte. Hier scheint eine unsichere Datierung vorzuliegen, denn trotz der neueren Datierung seitens I. Rötting der Brandgräberbestattungsplätze zwischen Oker und Leine in die jüngere Kaiserzeit hält die Autorin an der älteren von Nowothnig fest; lediglich beim Fundplatz Laatzen/Graasdorf hält sie eine kaiserzeitliche Belegung – und zwar aufgrund der dort vorkommenden „westgermanischen“ Gefäßform II (C1=Ende 2./Anfang 3. Jh.) - für nachgewiesen.

    Walter Nowothnig (1964) stellte in seiner Beschreibung der in Frage stehenden Ricklinger Schalenurne, die er eindeutig um 500 datierte, fest, daß sie zwar keine Drehwülste aufweise, dafür sei aber zwischen Hals und Schulter eine breite Furche angebracht, was mithin ihrer Beschreibung des Rebstorfer Typus entspricht, demnach es sich um Gefäße handelt, „die durch einen Gerade Gefäßhals gekennzeichnet [sind], der mit einem umlaufenden Grat bzw. einer Furche von der konischen Gefäßschulter abgesetzt ist. Das Gefäßunterteil ist vom Oberteil durch einen kantig scharfen Umbruch getrennt.“ (Ludowici, 2005, S.113) Letzteres ist im übrigen auch von Nowothnig als „Leistenverstärkung“ erwähnt worden und sie ist bei der Ricklinger Gefäß ebenfalls vorhanden.
    Irre ich mich hier? Die Umzeichnung bei Nowothnig läßt den Vergleich nicht unbedingt zu, der Beschreibung zufolge müßte es sich aber um den selben Gefäßtypus handeln. Jedenfalls kann ich auch keinen Unterschied zu Gefäßvariante D4a aus Liebanu sehen, die von Schlicksbier der Gruppe der sog. burgundischen Drehscheibengefäße zugeordnet werden und die seiner Datierung gemäß ins ausgehende 5. Jh. oder in den Anfang des 6. Jh. fällt.
    An Fragen hätte ich noch:
    - Hatte derartige Gefäßvarianten denn nicht eine annähernd längere Laufzeit, als Frau Ludowici vielleicht möchte? Oder irrt sich Herr Rötting mit der Datierung des Ricklinger Gräberfeldes in die frühe Kaiserzeit?
    - Gibt es einen Unterschied zwischen "Burgundischer" und "Thüringer" Drehscheibenkeramik, oder ist letztes nur der ältere Begriff?
    - Handelt es sich vielleicht bei der Ricklinger Schale um eine Imitation einer Drehscheibenkeramikform?

    angegebene Lit.: W. Nowothnig, Brandgräber der Völkerwanderungszeit im südlichen Niedersachsen. Neumünster: Wachholtz, 1964; G. Schlicksbier, Die Keramik des sächsischen Gräberfeldes bei Liebenau. Oldenburg: Idensee, 2003 (=Studien zur Sachsenforschung 5, 7); B. Ludowici, Frühgeschichtliche Grabfunde zwischen Aller und Harz. Materialhefte zur ur- und frühgeschichte Niedersachsens. Bd. 35. Raden: Leidorf, 2005
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2008
  3. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Aufgrund der Beobachtung, daß zunächst die langsam drehende, später die schnell rotierende Töpferscheibe aus dem Mittemeerraum in die hallstattzeitlichen Fürstensitzen gelangte, läßt sich vielleicht annehmen, daß sie über die Handelsbeziehungen etwa zu den Etruskern und vor allem zu den Massalioten eingeführt wurde? Das Stichworte "attische Keramik" brachte mich auf diese Idee, da sie anscheinend auf der Töpferscheibe hergestellt; nicht, daß ich es unter http://de.wikipedia.org/wiki/Attische_Vasenmalerei erfahre, aber die Drehscheibe soll "in Griechenland schon seit dem 2. Jt. v. Ztr. bekannt gewesen sein (so Griechische Vasenmalerei ? Wikipedia ) - hier heißt es denn auch, daß die Ilias (XVII 599-601) auch eine literarische Beschreibung dazu liefere. Auch auf Kreta ist sie etwa für die jüngere Plastzeit (um die Mitte des 2. Jts.) belegt. Wie dem auch sei, auch bei Ulrich Sinn (Athen. Geschichte und Archäologie. München: Beck, 2004) lese ich, daß große Dypilon-Amphora (8. Jh. v. Ztr.) tatsächlich mithilfe der Drehscheibe produziert worden sein soll; außerdem begründet er die Kunstfertigkeit der Athener Töpfer damit, und das ist hier das entscheidende, daß die vorgeschichtliche Bevölkerung der Umgebung Athens eine erstaunliche Siedlungskontinuität aufzuweisen hat und nicht in die Unruhen der "Dunklen Jahrhunderte" miteinbezogen gewesen sein soll. Aber auf welcher der möglichen Drehscheiben wurde produziert?

    In diesem Kurzreferat: Das traditionelle Handwerk in Nord- und Mittelportugal heißt es, daß die Töpferscheibe um 550 v.Chr. über Nordafrika die iberi­sche Halbinsel erreichte und infolge bis zum letzten Jh. v. Ztr. Westeuropa; die dazu gehörige Graphik bezieht sich aber leider auf die Verbreitung der Keramik noch ohne Drehscheibe. Wie dem auch sei, kann ich mir das so gerade nicht vorstellen. Nach Ertrurien z. B. würde ich eher an den direkten Seeweg aus der Ägäis denken.

    Ich habe außerdem noch den Hinweis gefunden, daß die Drehscheibentechnik im 1. Jh. v. Ztr. auch im nördlichen Main- und mittleren Rheingebiet, in der Wetterau und in Hessen sowie im Rheinischen Schiefergebirge erscheint.

    Zum Abschluß noch ein paar Literaturhinweis, die in diesem Thread auch nicht fehlen sollte (gewiß noch nicht von mir konsultiert):
    Adolf Rieth, 5000 Jahre Töpferscheibe. Konstanz, 1960
    Frank Hamer & Janet Hamer, Lexikon der Keramik und Töpferei. Material - Technik - Geschichte. Augsburg, 1990
     
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  4. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Sogar in Nordhessen gibt es einen ausgegrabenen Fundplatz der Spätlatènezeit (Wehren) mit einer Töpferei und dazugehörig dort hergestellte Drehscheibenware.
    Nachzulesen in Fundberichten Hessen 1977/78. Frey/Laumann. Eine spätlatènezeitliche Töpferei bei Wehren.
    Im übrigen gibt es schon seit der Frühlatènezeit Drehscheibenware in den von dir angesprochenen Gebieten, wobei die Frage der Herkunft also selbst hergestellt oder eher importiert, noch immer nicht abschließend befriedigend beantwortet werden konnte.
    Soderle nun ruft die handgemachte Keramik der Eisenzeit mich wieder an den Schreibtisch damit ich sie endlich chronologisch einordne.:winke:

    Insg. sehr interessante Fragestellungen.............
     
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  5. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Weißt du, ich habe ein wenig den Eindruck, daß man entgegen der wissenschatlichen Redlichkeit lieber eine Eigenproduktion erwägt, als einfach vom Import aus Regionen auszugehen, wo eben Töpferwerkstätten nachgewiesen werden. So lese ich über die Töpferei der Vorrömische Eisenzeit über die Drehscheibengefäße aus dem südniedersächsischen Fundort Edesheim (siehe Abbildung), daß diese auf Kontakte zum keltischen Kulturkreis verweisen; während auch Scherben einer gewissen Graphit-Tonware auf Import deuten, müßte man aber bei den Beispielen nicht unbedingt daran denken. Hätte man nur noch mehr gefunden, würde ich diese Überlegung ja noch verstehen, aber der Autor (hier Hans-Jügen Häßler selbst) gibt keinen weiteren Fundort an.

    Eventuell, aber nicht unbedingt anders verhält es sich dann aber mit den spöäteren Drehscheibenprodukten im südlichen Niedersachsen, die hier mit der sog. burgundischen Ware einsetzt. Gemäß Raddatz (1981), der diese Bezeichnung freilich nicht benutzt, ließ sich diese u. a. aus Fundplätzen von Ahrbergen und Norstemmen, Herkenbleck und Jeinsen. Die Abbildung zeigt ein vollständiges Exemplar aus Norstemmen. Da sie gewissermaßen stark verbreitet ist hat man "eine Produktion in der Fundlandschaft" (S.130) angenommen, aber eben nicht nachgewiesen. Auch Hans-Jügen Häßler geht in seinem Beitrag über die Völkerwanderungszeit im südlichen Niedersachsen auf diese Drehscheibenware ein: Bei den Funden aus Harkenbleck handelt es sich um eine Notbergung eines Siedlungsplatzes, die "neben kaiserzeitlicher Tonware unter anderem Bruchstücke von 13 Drehscheibengefäßen [erbrachte]" (S.149) und der aufgrund anderer Funde "sicher in das 4./5. Jh., eventuell sogar noch in die ersten Jahrzehnte des 6. Jhs." (ebd.) datiere. Hier findet sich auch eine weitere Abbildung mit den entsprechenden Keramikscherben. Die einschlägige Studie zur Hannoverschen Drehscheibenkeramik stammt von V. Zedelius (Studien zur Sachsenforschung 1, 1977), demnach wird "diese Drehscheibenkeramik, bei der es sich allgemein um kleine, meist dünnwandige, graue Gefäße aus feinschlämmigem Ton handelt, von verschiedenen Autoren recht einheitlich ans Ende des 4. Jh., mehrheitlich eher ins 5. Jh. [datiert]. Ihre Ableitung von der frühen thüringen Drehscheibenware ist wahrscheinlich." (S.153)
    Ich werde also dort einmal nachlesen müssen, denn ich denke, daß ich bezüglich meines speziellen Problems so nicht weiter komme.
    Die Diskussion bei Nowothnig, was das Hannover-Ricklinger Gefäß betrifft ist nicht nur kompliziert, sondern auch ohne die Verweisabbildung seiner Diskussion nicht nachvollziehbar. Was die Herkunft der Keramik betrifft, wird ein donauländischer Einfluß wahrscheinlich gemacht, wobei die Chronologie aber Probleme bereitet.

    Häßler (Hg.), Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. Stuttgart: Theiss, 1991
    Raddatz, Die römische Kaiserzeit im mittleren Niedersachsen. Im Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern der röm.-germ. Zentralmuseums Mainz, Bd. 48: Hannover - Nienburg - Hildesheim - Alfeld. Teil I: Einführende Aufsätze. Mainz am Rhein: Verlag P. v. Zabern, 1981, S.113-134
    Häßler, Die Völkerwanderungs- und Merowingerzeit im mittleren Wesergebiet und im Bereich der Südniedersächsischen Brandgräbergruppe. In: RGMZ: Bd. 48 (1981), S.148-174
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. November 2008
  6. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Zur Wiederholung, meine Angabe:
    Bei den Töpferwerkstätten handelt es sich namentlich um Oberthau im Kreis Merseburg, Niederroßla im Kreis Apolda, Gotha und Sättelstädt im Kreis Eisenach. Im Raum Gotha setzte sich diese Töpferware bis zu 25 % durch. Was diese angesprochene Region betrifft, habe ich den Eindruck, daß die Erkenntnisse der systematische Erforschung auf ehemaligem DDR-Gebiet eher gegen eine frühlatènezeitliche Eigenproduktion sprechen. Gäbe es hierfür Indizien, hätten die DDR-Forscher das gewiß erwähnt. Oder sind dir neuere Erkenntnisse bekannt?

    Eine Ähnlichkeit der Drehscheibenkeramik aus Großeutersdorf (Kreis Jena) oder aus Wolfen (Kreis Bitterfeld) mit den Edesheimer Exemplaren (vgl. Beitrag 5, angehängte Graphik oben rechts) ist unverkennbar, aber es gibt durchaus Unterschiede.

    Ich scheine das mit der Töpferei im Wehrener Fundplatz wohl irgendwie überlesen zu haben. Ich habe eben einmal die die vollständige Literaturangabe recherchiert: Otto-Hermann Frey & Hartmut Laumann, "Eine spätlatènezeitliche Töpferei bei Wehren, Gemeinde Fritzlar, Schwalm-Eder-Kreis." Fundberichte aus Hessen. Jahrbuch der Abteilung Archäologie und Paläontologie des Landesamtes der Denkmalpflege Hessen: Jahrgang 17/18 (=VIII/ 1980), S. 137-150; hattest du diese Arbeit denn vorliegen oder hast du's gar noch griffbereit?

    Ich lese nämlich bei Arianne Hahner (im Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern (RGZM, Bd. 50, 1982), daß man für die späten Latènezeit in Niederhessen z. T. wenigstens die Eigenproduktion nachgewiesen habe. Insofern dürfte sie sich auf den von angeführten Nachweis beziehen.

    Mich würde nun interessieren: Kommen die eigenproduzierten Gefäße aus dem fritzlarer Gebiet denn den Stücken aus Edesheim/Nordheim näher als denen aus Thüringen?


    Lit. für Abb.:

    Krüger (Hg.) Die Germanen. Berlin: Akademie-Verlag, 1978
    Peschel, "Keltische Latènekultur und deren Randgruppen im Mittelgebirgsraum." in J. Herrmann (Hg.), Archäologie in der DDR. Denkmäler u. Funde 1: Archäologische Kulturen, geschichtliche Perioden und Volksstämme. Leipzig/Jena/Berlin: Urania-Verlag, 1989
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. November 2008
  7. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Ich bleib da mal weiter dran, aber mir bringen Fotos eher weniger etwas hast du denn Zeichnungen von den Fundstücken ?
    Da ich aber gerade übelst erkältet bin wird s ein wenig dauern.
     
  8. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hallo Der (erkältete) Geist, herzlichen Dank für dein Angebot; sehr viel mehr als das, was ich bisher gepostet habe, liegt mir natürlich nicht vor; wenn du mit deiner Frage also auf die Edesheim-Keramik bzw. die "Vergleichsstücke" aus Großeutersdorf/Jena oder aus Wolfen/Bitterfeld, habe ich lediglich noch eine Zeichnung eines in der oben angehängten Graphik zwar ebenfalls abgebildet ist: Es handelt sich um eine auf einer Drehscheibe gefertigte Flasche mit Horizontalrillenband und eingeglätteter Wellenlinie aus einem Grabfund aus Großkorbetha (Kreis Weißenfels) und entspricht der Flasche aus Wolfen (Kreis Bitterfeld); allerdings gibt es auch noch eine Abbildung einer sehr schönen Keramikschale vom Typ Braubach; aber keines dieser Stücke würde gerade mal bei von Häßler (beiläufig publizierten)* Exemplaren aus dem Kreis Northeim weiterhelfen. Wie dem auch sei, hier bin ich insofern weiter, als daß ich deine Literaturempfehlung in der Bibliothek bestellt habe.
    Interessant finde ich allerdings, daß du anscheinend Zeichnungen präziser findest, oder zumindest mehr damit anfangen zu können angibst.

    *Es handelt sich gewissermaßen lediglich um einen Übersichtsband zur Archäologie Niederdachsens.
     
  9. Witege

    Witege Aktives Mitglied

  10. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Nein, aber du: Danke dafür!
     
  11. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Jetzt muß ich noch zu meinem speziellen Problem [siehe Beitrag # 2] noch gewisse Korrekturen mitteilen.
    1. Zunächst was dem im Eingangsbeitrag geposteten Literaturhinweis auf I. Rötting (Siedlungen und Gräberfelder der Römischen Kaiserzeit. Studien und Vorarbeiten zur zum Historischen Atlas Niedersachsens 31, 1985) betrifft: Er hat überhaupt gar nichts mit Drehscheibenkeramik zu tun. Es handelt sich lediglich um eine Zusammenstellung der Gräberfelder und Siedlungen in Niedersachsen zur römischen Kaiserzeit, die für mein in Beitrag #2 skizziertes Problem irrelevant ist, insofern es durchaus sein könnte, daß sich Rötting sich mit der Datierung des Grabfundes von Hannover-Ricklingen irrt, da er als Literatur in seiner Aufstellung auf eine Fundnotiz des Jahres 1926 bezieht. Ich ging in der Auffassung, daß der Autor absolutchronologische Überlegungen getroffen haben müßte - hat er vielleicht auch, aber das ist gewiß nicht aus seiner Vorarbeit ersichtlich. Vielleicht sah er wegen der Ähnlichkeit der Grabkeramiken von Ricklingen, Laatzen und Ahlem zu Siedlungskeramik aus Letter zur entsprechenden Datierung veranlaßt. Im Grunde wäre es vielleicht gar nicht so eine massive Differenz, ob das Gräberfeld von Ricklingen der späten Kaiserzeit – wie Rötting es will – oder eben erst in die Völkerwanderungszeit zu datieren wäre. Ludowici meint dezidiert, daß auch die zwei weiteren Gräberfelder aus Südhannover Ahlem und Miesburg) - von Rötting als spätkaiserzeitlich angegeben – völkerungszeitlich wären. Lediglich beim Fundort Grasdorf-Laatzen sei in der Tat schon von einer kaiserzeitlichen Belegung auszugehen, insofern hier „außer völkerwanderungszeitlichen Beisetzungen auch zwei Urnengräber des 2. und 3. Jhs. nachweisbar sind.“ (Ludowici, 2005, S.61) Als die entsprechenden Leichenbrandbehälter verweist sie auf die westgermanische Gefäßform II nach v. Uslar (1938, S.199/Tafel 43, 1.2) mit der Zeitstufe C1 = 2. Hälfte des 2. Jhs. bzw. 1. Hälfte des 3. Jhs. Bei den anderen Gräberfeldern.
    2. Insofern bleibe ich, wie ich schon in Beitrag # 5 andeutete, auf die Literatur verwiesen, die bei Nowothnig und Ludowici angegeben sind; ich bilde der Übersicht halber das Gefäß aus Hannover-Ricklingen, um das es in meiner speziellen Frage ging, noch einmal mit ab (hier 1. angehängte Graphik: Dg 1). Gemäß Fundkatalog stammt dieses Leergefäß aus Stelle 22: „Schwarzgraue Drehscheibenschale. Im Brand ist die Wandung an verschiedenen Stellen blasig aufgewölbt, das ganze Gefäß schief verzogen“ Jetzt habe ich beim Lesen der Arbeit von Nowothnig (1964) festgestellt, daß Nowothnig auch von einer Thüringer Schale aus dem Gräberfeld Hannover-Ricklingen spricht, aber damit gewiß nicht das anmgesprochene Leergefäß meint: Die Thüringer Schale stammt vom selben Gräberfeld, und zwar aus Stelle 7 – eigentlich nur der Bodenrest eines schwarzgrauen Drehscheibengefäßes, das aber mithilfe weiterer Bruchstücke (Randstücke) so zusammengesetzt werden konnte, daß sich „eine Drehscheibenschale thüringischer Prägung mit Glättmusterverzierung“ ergab (hier Dg 2) und das in seiner Diskussion dann zur Datierung des Fundplatzes herangezogen wird. Schließlich sei noch ein Vergleichsstück zur Ricklinger Drehscheibenschale angeführt (hier Dg 3), das aus einem Siedlungsfund bei Ahrbergen (Kreis Hildesheim) stammt und einseitig Schmauchflecken aufwies: „Graues Drehscheibengefäß, defekt. Boden konisch eingezogen“; Nowothnig (1964) stellt im Vergleich fest, daß der Unterschied in der Fuß- und Randbildung bestehe, „die bei dem eleganter wirkenden Ahrbergener Stück ausgezogen ist“ (S.37)
    Daraus folgt hier nur, daß sich die Verbreitungskarte (s. angehängte Graphik) der Thüringischen Drehscheibenware, die Ludowici bietet, vor allem auf die Thüringer Schale bezieht, nicht auf die von mir in Frage gestellte Ricklinger Schale. Ob diese nicht möglicherweise früher zu datieren wäre, bleibt für mich eine Möglichkeit, da ich, wie in meinem oberen Beitrag #2 behauptet, eine Ähnlichkeit zum Rebensdorfer Typ sehe, der freilich früher angesetzt wird als späte Kaiserzeit oder Völkerwanderungszeit. Aber zur Prüfung dieser These, muß ich wohl noch eine ganze Menge an Verweisliteratur durcharbeiten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. November 2008
  12. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Wieder ein weniger gesünder :winke:

    Jup die Arbeit habe ich in Kopie.

    Das läßt sich dadurch erklären, das ich Vor-und Frühgeschichte studiert habe.
    Da sind eben die Zeichnungen von Keramik eher das Darstellungsmittel, das ganze hat einige Vorteile gegenüber Fotos zum einem lassen sich bei einer Zeichnungen die Verzierungen viel besser erkennen zum anderen ist immer ein Maßstab angegeben usw.
    Zeichnungen sind ja technische Zeichnungen von Objekten.
    Mich interessiert an dem Thema auf jeden Fall die frühe Drehscheibenware.
    Mir scheint es bisher so das sich die Drehscheibenware eigentlich zuerst vor allem in Süddeutschland (Hunsrück-Eifel-Raum aber auch !) dann mit einem kleinen Zeitversatz auch in der Mittelgebirgszone erscheint. Wahrscheinlich ab der Mittellatènezeit. Thüringen scheint hierbei aber eine besondere Rolle gespielt zu haben.
    Ich verweise mal auf die Arbeit von Karl Peschel über den Gleichberg
    K.Peschel Die vorgeschichtliche Keramik der Gleichberge bei Römhild in Thüringen. Veröffentlichungen des Vorgeschichtlichen Museums der Friedrich-Schiller-Universität Jena 1 (Weimar 1962).
    und Thomas Grasselt die Widderstadt bei Jüchsen
    Grasselt Th.: Die Siedlungsfunde der vorrömischen Eisenzeit von der Widderstatt bei Jüchsen in Südthüringen. 1994
    Beide Arbeiten sind äußerst interessant.
     
  13. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Ganz herzlichen Dank noch einmal. Mittlerweile habe ich den von dir empfohlenen Artikel durchgesehen. Eine grobe Ähnlichkeit in der Formgestaltung der Exemplare mit den Skizzen ist vorhanden (siehe angehängte Graphiken): So der erste Vergleichseindruck tendiert bei mir dazu, daß zunächst mehr Ähnlichkeit zwischen der Wehrener Keramik und den Edesheimer Exemplaren zu sehen wären - im Gegensatz zu Edeheim-Thüringen!

    Speziell in diesem Vergleich hast du vollkommen recht: Zum Vergleich auch mit den Exemplaren aus Großeutersdorf und Bitterfeld (siehge ebenfalls angehängte Graphiken) würden hier Skizzen weiterhelfen, auch angesichts der Stempelverzierung, die das rechte Gefäß auf Photo zu Edesheim offensichtlich aufweist. Vielleicht hat man Glück in den entsprechenden Publikation von Jacob-Friesen über "Eine Steinzeitliche Kulttrommel von Edesheim" (Die Kunde 3/1935), O. Höckmann über "Die Steinzeit im südlichen Niedersachsen" (Führer zu vor- u. frühgeschtl. Denkmälern 16, RGZM, 1970), G. Merl über "Eine jungneolithische Tasse aus dem Kiesseegebiet von Northeim (Northeimer Heimatbl. 49/ 1984), die sich mit den Funden aus Edesheim befaßt haben. Zum Fundplatz wird noch das Stichwort der sog. Bernburger Kultur angegeben.

    Ich finde den Rückgang auf die Anfänge ganz allgemein immer spannend, während ich den EIndruck habe, daß in der Literatur in der Regel die Ursprungsfrage sehr oft vernachlässigt wird, was dann an dem Punkt immer problematisch wird, wenn Autoren sehr häufig doch mit impliziten Annahmen zur Herkunftsfrage arbeiten.

    Wenn du vielleicht irgendwann dann einmal die Zeit findest, diese Andeutung etwas genauer darzulegen, würde mich das sehr freuen. Ich kann dazu aufgrund meiner geringen Recherche derzeit noch gar nichts zu sagen.
    Und danke auch für die Literaturhinweise auf Peschel (1962) und Grasselt (1994); es werden aber sicherlich noch ein paar Wochen vergehen, bevor ich dazu die Recherche fortsetze, da ich - wie mein nächster Beitrag gewiß zeigen wird -, noch meiner speziellen Frage nachgehe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2008
  14. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Ich tendiere auch eher dazu das Keramik kein wirkliches Handeslgut war, eventuell kann bei besonders Qualitätvollen Stücken (z.b. sog. Linsenflaschen, Braubacher Schalen etc) möglicherweise davon ausgehen das sie verhandelt wurden.
    Aber eigentlich ist Keramik bei längeren Transporten viel zu anfällig für Bruch. Wahrscheinlich ging es mehr um den Inhalt der Keramikgefäße oder bei bestimmten Stücken (insbesondere Gefäße mit Stempelzier Typ Braubach oder Amöneburg oder Strichverzierung insbes. die sog. Hessisch-Thüringische Strichverzierung) eher um ideelle Werte.

    Gerade der Nachweis von Siedlungsstrukturen gelingt nur bei einer Ausgrabung, die meisten Funde werden aber durch gezielte Begehungen gemacht. Hier gibts meist keine Befunde die eine Analyse der Siedlungsstruktur zulassen.
    Ich geb mal als neuere Bsp. der sog. Keltenhof von Mackenzell bei Fulda. Hier wurde eine Hallstattzeitliche Siedlung mit Töpferöfen ausgegraben. Das ist aber ganz selten.
    Viel wahrscheinlicher ist das man die "Hauskeramik" selbst herstellte, und für qualitätvolle Keramik mglw. auf Wanderhandwerker zugriff (als. Bsp. mglw Sopron-Krautacker).

    Das werde ich gerne tun, aber ganz klar erst nach der Abgabe meiner Abschlussarbeit.
    Das Thema begleitet mich ja im Rahmen meiner Arbeit, wobei es dort um handgemachte Siedlungskeramik der Eisenzeit gehen wird.
     
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  15. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Zur kleinen Graphiksammlung der Drehscheibenware, die mir gleicher Machart der Ricklinger Schale erscheinen – ich würde ihn gerne Ahrbergener oder Ricklinger Typus nennen, allerdings sehe ich ihn ja als der Keramik vom Rebenstorfer Typ an - läßt sich noch mindestens ein weiteres Exemplar aus Ahlem hinzufügen, vielleicht noch ein weiteres aus Reben. Inwieweit die von Ludowici dargebotenen Beispiele vom Rebenstorfer Typus (s. oben Beitrag #2) - tatsächlich mit der Ricklinger und Ahrbergener Schalenurnen zu einer Gruppe gehören, wie ich ursprünglich annahm, kann ich noch nicht entscheiden. Jedenfalls sehe ich aber das Exemplar aus Haldensleben wenigstens als gutes Vergleichstück an und das zweite Gefäß aus Rebenstorf, wobei von der angebotenen Graphik die Zugehörigkeit leidlich nicht zu entscheiden ist. Vielleicht könnte man bei einem Typus Ahrbergen/Ricklingen auch von einer Variation vom Rebenstorfer Typus sprechen?

    Ich hatte in meinem Beitrag # 2 erwähnt, daß Ludowici (2005) in dem Gebiet zwischen dem Harz-Aller-Leine eine eigene lokale Produktion mit der sog. Braunschweiger Drehscheibenware postuliert, deren Beginn sie ins 4. Jh. datiert. Dieser geht die Drehscheibenware vom Rebenstorfer Typs vorher, die aufgrund eines Fibelfundes im Gefäß dieses Typus – nach einem Hinweis auf die Arbeit von Keller handelt es sich um das Gefäß mit der Katalognr. MBI 1 368; wahrscheinlich handelt es sich bei dem Objekt mit der Katalognr. MBI 1 369 um diese wohl von Körner abgebildete Fibel. Das von Ludowici abgebildete erste Gefäß von Rebensdorf trägt wohl die Katalognr. MBI 1 373. Das Drehscheibengefäß aus Haldensleben bei Magdeburg, das Ludowici nach einer Studie von Stahlhofen reproduziert, stammt aus einem dortigen Grab mit der Nr. 39. Diese genannten Studien liegen mir bisher leider noch nicht vor, ebenso wenig die Studie von Seemann, auf die die Autorin betreffs der Beschreibung des Gefäßtyps hinweist. Als ich das Gefäß mit Nowothnig oben beschrieb (http://www.geschichtsforum.de/373247-post2.html), ging ich, wie in meinem letzten Beitrag bemerkt, davon aus, daß sich der Autor auf die von mir in Augenschein genommene Ricklinger Schale beziehen würde, während sich Nowothnig aber auf die Thüringer Schale bezog (vgl. http://www.geschichtsforum.de/378117-post11.html), die bei ihm als ersten Ansatzpunkt für die Datierung des Gräberfeldes von Hannover-Ricklingen um 500 n. Ztr. dient. Ich bemerkte ebenfalls schon, daß die Diskussion der Datierung bei Nowothnig – überhaupt ein Lehrstück zur Deutung archäologischen Materials - sehr kompliziert und ohne Kenntnis der Verweisliteratur und Fundabbildungen schwer nachvollziehbar ist. Was nun „mein“ fragliches Gefäß und das gute Vergleichsstück aus Ahrbergen betrifft, diskutiert der Autor dieses allerdings im Zusammenhang mit der Drehscheibenkeramik, die ich in einem Beitrag kurzerhand als „burgundische Keramik“ bezeichnete. Aufgrund der Diskussion der Vergleichsstücke aus Modrany (Prag), Wikoline (Gurau/ Schlesien) oder vor allem aus ungarischen Gräberfeldern zur Ricklinger und Ahrbergener Schale kommt Nowothnig (1964) zu einer vorläufigen Datierung des ausgehenden 4. und angehenden 5. Jhs. Was die von mir als „burgundische“ Drehscheibenware betrifft, wäre hier übrigens auch eine Frühdatierung möglich.
    Wenigstens eine der von Ludowiki oder auch Häßler rezipierten Arbeiten konnte ich prüfen, nämlich die einschlägige Arbeit von Zedelius (1977) über die sog. Hannoversche Drehscheibenware, auf die Frau Ludowici (2005) inhaltlich eingeht:

    „Ein dieser Fundgruppe zugehöriges Münzschatzgefäß aus Laatzen datiert Zedelius in die erste Hälfte des 5. Jhs.Formale Ähnlichkeiten und teilweise Überteinstimmungen in der Scherbenbeschaffenheit bezeugen eine sehr nahe Verwandtschaftder um Hannover gefundenen Drehscheibenware mit der 'Braunschweiger Drehscheibenware' des 4. /5. Jhs. Allerdings finden sich unter der erstgenannten einige Gefäßformen, die bei der 'Braunschweiger Drehscheibenware' [...] nicht vertreten sind. Sie verweisen auf die Möglichkeit einer eigenen Produktion von Erzeugnissen sehr ähnlicher Machart im Raum südlich von Hannover. Vielleicht sind auch das schon erwähnte Drehscheibengefäß aus der Siedlung am 'Heitelberg' bei Gielde und die ihm vergleichbare Urne Lbg 1672 aus Rebenstorf [...] einer solchen Produktionsstätte zuzuweisen . Diese beiden Gefäße sind sowohl im Wendland als auch in der Braunschweiger Region singulär.“ (S.116)​

    In einer der dazugehörigen Anmerkungen verweist die Autorin auf eine Abbildung 2 b bei Zedelius, die es in der von ihr angeführten Schrift von 1977 allerdings gar nicht gibt. Es gibt dort nur eine Abbildung 2 mit durchnumerierten Lesefunden von Gefäßscherben beim Weißen Berg zwischen Jeinsen/Schliekum, während Zedelius in seiner Arbeit den Münzschatz von Laatzen (Zedelius 1974) tatsächlich eine Abbildung 2 b hat (s. unten), nur scheint die Autorin nicht zu wissen, daß es sich dabei um zwei verschiedene Studien handelt. Solche Fehler entstehen sehr leicht, wenn man Angaben nicht überprüft und vielleicht hat sie diesen Fehler denn auch aus der von ihr rezipierten Literatur schon übernommen. Es wäre also einerseits möglich, daß sich die Autorin bezüglich eindeutiger Unterschiede zwischen der Hannoverschen und Braunschweiger Drehscheibenkramik auf die von mir in der Zusammenstellung aufgenommene Gefäße aus Reben oder Ahrbergen bezieht, denn was das zuletzt angeführte Gefäß betrifft, entspricht das tatsächlich ihrem Verweis einer der Anmerkungen. Andererseits nennt sie aber auch in diesem Zusammenhang die Drehscheibenkeramik aus Harkenbleck, womit sie eindeutig die Gefäßgruppe meint, die ich kurzerhand – wenn auch wohl fälschlich - als burgundische Drehscheibenware bezeichnet habe. Dem gegenüber hat die Autorin Ähnlichkeiten behauptet, die ich gleichermaßen nicht wirklich nachvollziehen kann, die sie sowohl in Hinsicht der Gefäßform als auch in substanzieller Hinsicht angibt. Ihre Anmerkung verweist auf die Abbildung bei Zedelius (1977, Abb. 2), wo die angesprochenen Gefäßscherben aus Jeinsen/Schliekum finden, die zum Teil auch Rippungen aufweisen, worauf sich die Autorin auch explizit bezieht. Allerdings erlaubt das Material in keinster Weise eine stichhaltigen Vergleich. ​

    Zum Abschluß seien daher noch die Arbeiten von Zedelius besprochen: An anderer Stelle hatte ich ja bereits den Fundplatz Liebenau erwähnt, sowie hier die Frage gestellt, daß ich nicht wüßte, inwieweit sich Schlicksbiers Gefäßgruppe D4a aus Liebenau eigentlich von etwa von der Keramik des von Ludowici als Rebenstorfer Typ unterscheidet. Wie dem auch sei, beginnt Zedelius seine Studie über die „Hannoversche Drehscheibenkeramik“ (in: Studien zur Sachsenforschung 1, 1977, S.445-458) mit einem Hinweis auf Genrich, dem der Band zum 65. Geburtstag gewidmet war: Dieser hätte die dort gefundene Drehscheibenkeramik aus dem Rheinland oder aus Thüringen herleiten wollen, während sich Zedelius selbst in seinem Beitrag mit einer älteren Gruppe scheibengeformter Keramik befassen wolle. Drei Jahre zuvor hatte Zedelius erst den Münzfund aus Laatzen veröffentlicht, der sich in einem Gefäß befand, das gewiß nicht der Form des Rebener Gefäßes entspricht, aber nach Angabe von Zedelius durchaus im Ton der Farbe und Härte dem Laatzener Münzbehälter entsprechen solle. Übrigens erwähnt Zedelius, daß schon G. Körner in seiner Publikation des Rebenstorfer Urnenfriedhofes auch das Ahrbergener Gefäß erwähnt hatte; des weiteren wird eine Studie von Schlüter über den Siedlungsplatz bei Harkenbleck erwähnt, die auch Ludowici anführt, worin neben den bereits erwähnten Gefäßscherben auch ein Töpfchen publiziert wurde, das dem Laatzener Schatzfundbehälter entsprechen würde. Schließlich werden die Funde vom Weißen Berg (s. oben) ausführlich besprochen. Unter Hinzunahme der von Nowothnig (1964) und Seemann, der in seiner Publikation der Siedlungsfunde am Hetelberg bei Gielde wohl auch diese „Hannoversche Keramik bespricht, angesprochenen Funde, kommt Zedelius zu einer Kartierung einer Gruppe von Drehscheibenkeramik, die geographisch zwischen einer westfälischen Gruppe mit einem Zentrum um Holzhausen (Osnabrück) oder Lübbecke und im Osten den Anschluß mit der Gruppe im Braunschweiger Raum und Wolfenbüttel anzusetzen sei. Was nun die Datierung der Drehscheibenkeramik aus der Hannoverschen Region betrifft, meint Zedelius jedenfalls eher das 5. als das 4. Jh. annehmen zu müssen, bleibt allerdings spekulativ; damit meine ich die Spätdatierung! Interessant ist die Überlegung, die er bezüglich der Herkunftsfrage der Drehscheibentechnik anschließt, daß nämlich „am ehesten an Mitteldeutschland zu denken [ist], wo z. B. Schmidt die Zeitstellung und Bedeutung der 'Thüringer Drehscheibenkeramik' herausgearbeitet hat. Diese Überlegung gebietet es, auch die Rolle, die das Braunschweiger Land dabei gespielt haben könnte, neu zu überdenken, denn auch von dort sind ähnlich junge Funde bekannt.“ (S.454) Mir scheint, daß Ludowikis Analysen gewissermaßen genau hier ansetzt, aber dabei übersieht, daß die Herausarbeitung einer Gruppe der Hannoverschen Drehscheibenkeramik bei Zedelius lediglich eine Arbeitshypothese war, denn wohlweislich schrieb er: „Wenn es sich hier um tatsächlich um eine im wesentlichen einheitliche Gruppe von Drehscheibenkeramik handelt [...]“ (S.451) Kurz: die Darstellung bei Ludowici erscheint zu schematisch aus der Literatur extrapoliert, wobei es mir scheint, daß sie die entscheidende Arbeit von Zedelius nicht einmal im Original konsultiert hatte. Insofern hat sie mit ihrer Studie nicht mehr belegt als die Existenz einer braunschweigischen Drehscheibenware der (späten) Kaiserzeit, an die R. von Uslar im Jahre 1935 dachte und zu der ebenfalls die Hannoversche gehört.​

    hizuzufügende Lit.:
    Zedelius, Spätkaiserzeitlich-völkerwanderungszeitliche Keramik und römische Münzen von Laatzen, Ldkr. Hannover. Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens 8. Hildesheim: August Lax, 1974; ders., „Hannoversche Drehscheibenkeramik“. Studien zur Sachsenforschung 1, 1977, S.445-458)
     

    Anhänge:

    Zuletzt bearbeitet: 22. November 2008
  16. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Bevor ich in bezug auf meine spezielles Problem irgendwann einmal die komplizierte Argumentation von Nowothnig über die Herkunft der spätrömischen/ völkerwanderungszeitlichen Drehscheibenware aus südniedersächsischen Fundplätzen skizzieren werden können, muß im Grunde eine mehr oder weniger vollständige Fundaufnahme erfolgen, um denn seine sich so kompliziert gestaltende Argumentation nachzuvollziehen, und diese dann im weiteren Schritt anhand der Verweisliteratur zu überprüfen und um schließlich so gewonnene Ergebnisse dann wiederum mit den Behauptungen etwa seitens Zedelius u. a. zu konfrontieren. Schon bei der Fundaufahme zeigt sich merklich, daß extreme Unsicherheiten weniger den allgemein methodischen Datierungsschwierigkeiten, sondern größtenteils schon den Fundumständen geschuldet sind, die heutigen wissenschaftlichen Kriterien gewiß nicht genüge tun können. Aus welchen Gründen im übrigen die im folgenden aufgeführten Fundstellen nicht im Katalog der von Häßler herausgegebenen Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens nicht aufgeführt wurden, ist mir schleierhaft.

    Beim Fundort Ricklingen handelt es sich um ein Gräberfeld, das 1924 bei Erweiterung des städtischen Friedhofs gehoben wurde. Nowothnig (1964) hatte anhand der Fundnotizakten einen Lageplan rekonstruiert. Nebenbei sei bemerkt, daß hier auch Funde zum Vorschein kamen, die einem metallzeitlichen Fundhorizonten zugeschrieben werden. An Drehscheibenkeramik fand sich auf diesem Fundplatz:
    1. das Bodenfragment und Randstücken sowie weiteren Gefäßresten anderer Inventarnummer, die man zu einer ebenfalls schwarzgrauen Thüringer Schale zusammensetzen konnte;
    2. die von mir als Typ Rebenstorf in Frage gestellte schwarzgraue Ricklinger Schale, die ich zunächst mit der Thüringer Schale verwechselte.
    Des weiteren fanden sich Scherben von Drehscheibenwaren:
    3. insgesamt acht scheibengedrehte, hellgraue und sehr weiche Keramikscherben, darunter zwei eines einzigen Gefäßes, das Nowothnig im Fundkatalog als bauchig profiliert und dünnwandig anspricht; zu den Wandungsscherben schreibt er im Text, daß sich aufgrund der oberflächlichen Auswölbungen keine eindeutigen Hinweise auf die Gefäßform ergeben;
    4. eine silbergrau-feintonige Umbruchsscherbe neben (zwei weiteren nicht scheibengedrehten Scherben) als Beigaben im Leichenbrand einer Standring(fuß)schale.
    Ein Teil der Scherben findet sich in der Nowothnig-Tafel 12 (3 a-d und 4) abgebildet. Ohne Abbildung bei Nowothnig scheint zu sein:
    5. hellgraue Scherben eines Drehscheibengefäßes als Beigaben eines Kumpfes mit Leichenbrand. Anhand des letzteren Fundes läßt sich übrigens besonders gut verdeutlichen, vor welchen – nicht zuletzt chronologischen - Schwierigkeiten die Archäologie steht: Nowothnig muß hier nämlich das Problem der Fundmischung ansprechen, denn es handelt sich bei den drehscheibenkeramische Fragmente (Wandungsscherbe und Standfußbruchstück), die zusammen mit Resten eines punktornamentverzierten Knochenkammes in einem Leichenbrand lagen, „der angeblich in einem Gefäß gefunden worden sein soll, das der späten Bronzezeit bis frühen Einsenzeit angehört“ (Nowothnig, 1964, 37).
    Genauso verhält es sich bei einem der Funde aus Laatzen. Unter der Ortsangabe Laatzen II versteht man ein mehrperiodisches Brandgräberfeld, das auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei am Hochufer, südöstlich des Dorfkerns. Erst durch den Hinweis bei Zedelius (1974) folgend (vgl. dazu aber folgenden Beitrag), verstand ich den Verweis von Nowothnig in dessen Übersicht (S.37 auf S.15): tatsächlich spricht Nowothnig hier wenigstens einen Teil der Laatzener Drehscheibenware: Es handelt sich um das sog. Grab B der Fundnotiz von K. H. Jacob-Friesen, der allerdings nicht explizit vermerkt, ob der Inhalt eines als früheisenzeitlich eingestuften Gefäßes mit der Inventarnummer 24228 des Landesmuseums Hannover nun durch die Bauarbeiten ins Gefäß gelangte oder schon durch die Bestattung. Jedenfalls handelt es sich bei diesem Inhalt neben Fragmenten eines punktkreisornamentierten Knochenkammes um zwei Randscherben eines silbergrauen, dünnwandigen Drehscheibengefäßes (Nowothnig-Tafel 14, 10). Im Fundkatalog erwähnt er außerdem weitere Drehscheibenscherben, die ein Leichenbrandbehälter neben Fragmenten eines Knochenkammes als Beigaben aufwies, und zwar eine Scherbe mit dem Ansatz des Randumbruchs eines kleinen grauen Gefäßes mit Drehrillen sowie eine graue Fußscherbe (Nowothnig-Tafel 15, 8b).
    Zum Fundort Laatzen gehört schließlich das in einem anderen Beitrag erwähnte, erst 1967 gefundene Münzschatzgefäß (s. vorhergehenden Beitrag und dort angegehängte Graphik), das sich wohl ursprünglich in einer Abbfuhr von Muttererde "aus dem Neubaugebiet Laatzen-Mitte" (Zedelius, 1974, S.10) befunden haben könnte.

    Bei dem Fundplatz Ahrbergen handelt es sich um 1935 ausgegrabene Siedlungsreste mit Funden sehr unterschiedlicher Drehscheibenware Ton- und Brandkonsistenz, auf der Tafel 4 von Nowothnig abgebildet sind nach Fundkatalog und Text (Numerierung nach Nowothnig-Tafel):
    1. Randstück einer dünnwandigen Drehscheibenschale mit umlaufender abgekanntenten Leiste;
    2. grau, gewulstet;
    3. mehrere silbergraue, gut geschlämmte und hart gebrannte Scherben;
    5. schwarze, dünnwandige Scherbe mit Drehrillen und horizontalen Leisten;
    6. silbergraues Fragment mit waagerechten Drehabsätzen;
    8. graue Drehscheibenscherbe vom scharfen Gefäßumbruch mit Drehrillen.
    Dieses Fundgut erlaube nach Nowothnig (1964) aber „bisher keine Verbindung zur Drehscheibenware der niedersächsischen Brandgräberfelder“ (Nowothnig, 1964, S.37), lediglich das bereits von mir schon in vorhergehenden Beiträgen erwähnte Drehscheibengefäß, das ich mit der Ricklinger Schale gerne als dem Rebenstorfer Typ sehen möchte: Es unterscheidet sich nach Nowothnig (1964) zunächst nur durch die Fuß- und Randbildung, „die bei dem eleganter wirkenden Ahrbergener Stück ausgezogen ist“ (S.37), vom Ricklinger Gegenstück, ist allerdings ein Einzelfund und gehört leider nicht zum angegebenen Fundgut. An anderer Textstelle (S.41) ergänzt er bezüglich der Formenunterschiede, daß sich auch die Schulter- und Bauchumbrüche der jeweiligen Exemplare unterschieden.

    Problematisch ist auch der Fundort Ahlem, dem scheibengedrehten Keramikfragmente zugeordnet werden, denn Nowothnig (1964) muß bedauern, daß sich der ursprüngliche Fundzusammenhang überhaupt nicht rekonstruieren läßt, obzwar es Indizien dafür gäbe, „daß das Gräberfeld am Buchenberg bei Ahlem mit zu den größten des hannoverschen Gebietes zu zählen ist“ (S.13) – Häßler jedenfalls läßt auch dieses nicht in seiner topographischen Zusammenstellung erwähnen, obzwar in Berichten behauptet wird, „daß Hunderte von Tongefäßen bei der Abtragung des Buchenberges, südöstlich des Ortes, gefunden wurden“ (ebd.). Wie es sich nun auch mit diesen Funden Anfang der 1890er Jahre, die teilweise ins Provinzialmuseum Northeims, größtenteils in Privatsammlungen gelangten, verhalten mag; Nowothnig (1964) erwähnt jedenfalls eine silbergraue Scherbe eines Drehscheibenfragmentes, die sich „neben einem einfachen Bronzering und dem verschmolzenden Schenkel einer Bornzepinzette“ (S.37) in einer Standfußschale befunden haben soll; leider findet sich zu dieser Scherbe, die auf der Außenseite eine Querrife und einen Rest des scharfen Umbruchs erkennen lasse und anscheinend Bestandteil eines sehr dünnwandigen Drehscheibengefäßes war, keine Abbildung bei Nowothnig; mit Abbildung stammen aus Ahlem außerdem die zwei Randstücke (Tafel, 3, 14), „die von einem dünnwandigen Becher mit ausladenem Rand stammen“ (S.37) und in den Fundzusammenhang mit den Bruchstücken einer verzierten Knochenwirtel gehören. Dem Fundplatz Ahlem ein erhaltenes Drehscheibengefäß zuzuschreiben (http://www.geschichtsforum.de/378570-post15.html), legte mir eine Abbildung bei Nowothnig nahe, aber ich habe mich – wie nicht selten bei diesem Thema – geirrt, denn es wird nicht als Drehscheibengefäß ausgezeichnet. Ich bitte diesen Irrtum zu entschuldigen.

    Als letzten Fundort aus dem südlichen Niedersachsen bespricht Nowothnig (1964) schließlich den scheibengedrehten Becher von einem Siedlungsplatz Nordstemmen (Tafel 19, 11), „ein kleiner silbergrauer Becher mit abgesetztem Standfuß, konisch aufsteigendem Unterteil und zylindrischem Körper, auf dem zwei plastische Leisten querlaufend angebracht sind“ (S.37 f), den ich in einem meiner Beiträge wohl irrtümlicherweise als „burgundische Drehscheibenware“ bezeichnet hatte und der in den 1960er Jahre wohl noch ein mehr oder weniger singulärer Fund war, denn Nowothnig (1964) erwähnt lediglich, daß das Ahlemer „waagerecht auskragende Randstück“ (S.41; Tafel 3, 14) „wahrscheinlich zu einem dem Becher von Nordstemmen ähnlichen Gefäß gehört.“ (S.41)

    Was die Gefäßform vom Nordstemmener Typ betrifft, hatte ich auch schon neuere Funde erwähnt (http://www.geschichtsforum.de/376802-post5.html), und zwar handelt es sich um Harkenbleck/Reden und die Keramikscherben von Jeinsen/Schlickum. Auch diese Fundorte sind nicht in Häßler Zusammenstellung von ur- und frühgeschichtlichen Fundplätzen verzeichnet, obzwar Harkenbleck im Text über über die Völker- und Merowingerzeit erwähnt wird, und zwar als kaiser- bis völkerwanderungszeitlicher Siedlungsplatz, während Zedelius (1977) von einer Notgrabung spätbvölkerwanderungszeitlicher Siedlungsreste spricht, wobei W. Schlüter dabei Fragmente von insgesamt 13 Drehscheibengefäßen gefunden haben soll, darunter das Redener Gefäß, das ich im vorhergehenden Beitrag bereits nach Zedelius (1974) erwähnt habe. Bei den Funden am Weißen Berg zwischen Jeinsen und Schliekum handelt es sich nur um Lesenfunde, wobei Zedelius (1977) von „Fragmenten von mindestens 35 Drehscheibengefäßen“ (S.448) spricht. Hier sei lediglich seien die Abbildung 1 und 2 ineinandergefügt angehängt. Zu diesen Scherben sei erwähnt, daß auch sie nicht einheitlicher Ton- und Brandkonsistenz sind.

    Ausblick: Da mich, wie in einem anderen Beitrag bereits angedeutet, die von Ludowici im Anschluß an Zedelius vorgelegte Argumentation für die Trennung von Braunschweigischer und Hannoverschen Drehscheibenware nicht überzeugt, bleibt die Aufgabe einer Überprüfung der Literatur zum Thema, beginnend bei dem Beitrag von Rafael von Uslar über die Drehscheibenkeramik bis zur jüngsten Untersuchungen von D. Graedtke-Eckart.
     
  17. DerGeist

    DerGeist Neues Mitglied

    Zu den Wehrener Keramik kann ich auf jeden Fall etwas nachreichen:
    Ich konnte bisher innerhalb der Siedlungskeramik in der Region keine ! weitere Randscherbe bzw. Gefäße dieser Form finden.
    Das könnte bedeuten, das hier nur lokal und nur für kurze Zeit (LT D1) für einen kleinen Raum produziert wurde.
    Mal schauen, wie nach dem Abschluss der Untersuchungen aussieht.
     
  18. Brahmenauer

    Brahmenauer Mitglied

    Hallo Muspilli,

    ich habe mal eine Frage an Dich hinsichtlich Haarhausen. Die Archäologen bezeichnen Haarhausen als germanische Siedlung - in der allerdings die schnell rotierende Töpferscheibe und Brennöfen typisch römischer Bauart vorhanden waren. Was meinst Du, handelt es sich um römische Produktion in Germanien oder um importierte Technologie?
     
  19. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

    Hallo Brahmenauer,
    ich würde gerne wenigstens über deine Frage nachdenken, aber es gibt gibt einige Orte des gleichen Namens: Haarhausen ? Wikipedia

    Jetzt habe ich noch weiter gegoogelt, habe aber hauptsächlich nur Buchlinks bekommen:
    Reallexikon der germanischen ... - Google Buchsuche

    Zwischen Spätantike und ... - Google Buchsuche

    Römisches Heer und Gesellschaft ... - Google Buchsuche


    Da ich kein online-Leser bin, schaue ich mal, was ich - freilich nicht allzu bald - damit anfangen kann.
    Freilich hatten mir Der Geist, wenn ich nicht irre, auch schon diese Buchreihe empfohlen, auf die ich ebenfalls verwiesen werden:
    Thüringisches Landesamt für Archäologische Denkmalpflege: Publikationen

    Habe schließlich noch diesen Link gefunden http://www2008.io-warnemuende.de/projects/sincos/archive/haarhausen_1995.pdf
    Mal schauen, was der hergibt. Aber wird vielleicht etwas dauern, bevor ich antworten kann. Ich hatte mich vom Thema aus Verzweiflung erst einmal zurückgezogen. Aber eine Frage fordert mich dann ja doch heraus!
     
  20. Muspilli

    Muspilli Aktives Mitglied

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