Handel in der Frühzeit - Austausch oder Fernreisende?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von balticbirdy, 5. Juni 2011.

  1. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Weil es unter Umständen gefährlich war, sich in das Gebiet fremder Gruppen zu begeben. Die Alternative ist ein Handel mit benachbarten, bekannten Gruppen. Auch so können Waren, über mehrere Stationen weitergegeben, über größe Entfernungen gehandelt werdfen.
     
  2. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Es ist ja kein ent oder weder. Einige Waren können durch kleinräumigen Nachbarschaftshandel, andere durch Fernhändler ihren Weg gefunden haben. Aber wenn eine Achtzehnjährige den Weg mehrmals zurücklegen konnte, warum dann nicht auch ein paar Lasttiere mit ihr? Die Sicherheit bei der Reise ergibt sich dann (wie in späteren Zeiten auch) aus der Erkenntnis, dass man einmal rauben könnte oder zigmal handeln. Beide Möglichkeiten kamen immer wieder zur Umsetzung.
     
  3. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Hallo

    @Reinecke
    Dessen waren sich "fahrende" Händler, Handwerker durchaus bewußt, siehe Hortfunde der Bronzezeit, mit Spangenbarren, was als Rohmaterial für oder von Schmiede(n)-Händlern interpertiert wird. Die haben diese Sachen also vergraben, bevor sie in ein Gebiet xyz gegangen sind um dort handel zu treiben, oder ihre Dienste anzubieten, weil sie wußten, das sie ev. beraubt wurden.


    mfg
    schwedenmann
     
  4. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Diese junge Frau ist um 1400 v. Chr. gereist, also in der Bronzezeit. In dieser Zeit scheint es ja ein ausgedehntes Handelsnetzwerk gegeben zu haben. Man kann aber nicht davon ausgehen, dass die Situation im Neolithikum genau so war. Gab es damals schon "fahrende Händler"? Ich würde das für Spekulation halten; möglich, aber nicht gesichert.
     
  5. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Ich schätze, die Wege waren im Neolithikum nicht viel anders als in der Bronzezeit. Und gehandelt wurde mit den gleichen Sachen - natürlich noch nicht mit Metallen - oder wie sonst sollten z.B. Bernstein, Feuerstein und/oder Obsidian an Orte gebracht, wo sie gebraucht wurden.

    Deine Idee ist offenbar: Warten, bis ein Verwandter/Bekannter aus dem Nachbardorf die Sachen von einem Verwandten/Bekannten aus dem etwas weiter entfernten Nachbarsdorf bekommt etc. und mir davon was abgibt? Bei Bernstein waren 1000 km und mehr zurückzulegen, eine Bestellung hätte nur in Ausnahmefällen funktioniert, dauerte sicher zu lange und wäre zu teuer, weil alle „Zwischenhändler“ was verdienen wollen – ich meine, bis dahin wäre die Frau schon weg oder gar nicht zu bekommen. :D
     
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Die gesellschaftlichen Verhältnisse könnten sich sehr unterschieden haben; hab ich auf Seite 7 dieses Threads was zu geschrieben.

    Bei einer Weitergabe von Gruppe zu Gruppe wären "Bestellungen" wohl nicht möglich. Diese sind aber auc nicht notwendig, um einen Handel in Gang zu halten. Auch das Argument, dass die Ware dann zu teuer wird, kann ich mich nicht anschließen. Es gab immer wieder Handelsbeziehungen, bei denen die Ware durch zahlreiche Hände ging, und am Ende immer noch Abnehmer fand, auch in Zeiten, in denen Fernhandel sicher schon existierte.

    Wir wissen mE schlicht zu wenig über das Neolithikum (und man müsste natürlich auch gucken, von welchem Abschnitt wir sprechen). Gab es überhaupt die Notwendigkeit, Handel zu betrieben? Für die Bronzezeit muss man dieses mE annehmen, da Bronze sich zu einem wichtigen Material für alltägliche Werkzeuge entwickelte, und Kupfer und Zinn mWn nur selten an einem Ort gefunden werden. Um also überhaupt eine weite Verbreitung von Bronze zu bekommen, ist Handel (auch über größere Entfernungen) unabdingbar. Galt das schon in der Jungsteinzeit? Oder waren es da primär Statussymbole, die gehandelt wurden?

    Gibt es bspw aus dieser Zeit Funde, die als Hort gedeutet werden können und auf eine Konzentration von Reichtum in den Händen weniger hindeuten? Nicht, dass man Handel über weite Gebiete nicht auch ohne haben kann, aber es wäre ein mE deutlicher Hinweis.
     
  7. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Was für Bronze in der Bronzezeit galt, galt für Feuerstein und Obsidian in der Jungsteinzeit – Zitat aus der Wikipedia:

    In der Steinzeit, besonders ab dem Neolithikum, wurde Obsidian wegen seines scharfkantigen, muscheligen Bruchs und seines glasigen Gefüges ebenso wie Feuerstein als Material für Werkzeuge geschätzt. Seine mediterranen Vorkommen sind bekannt und die Verbreitung des Obsidians kann über weite Distanzen (mehr als hundert Kilometer) nachgewiesen werden.

    (Fettschreibung von mir.)
     
  8. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Hundert Kilometer sind wenig, verglichen mit dem Handel in der Bronzezeit. Auch ist es nicht notwendig, Obsidian von weit her zu beziehen, andere brauchbare Steinsorten wird es auch in näherer Entfernung geben. Um Bronze zu bekommen, muss man mit größerer Wahrscheinlichkeit Handel treiben, da es die bötigen Rohstoffe vermutlich nicht alle in der Nähe gibt.

    Man müsste mich schon überzeugen, dass der Gebrauch von erhandeltem Obsidian ähnlich weit verbreitet war, wie der Gebrauch der Bronze in der Bronzezeit, um mich zu überzeugen, dass es schon damals ein vergleichbares Handelsnetzwerk gab. Wie gesagt, vielleicht war im Neolithikum schon ein Fernhandel möglich, aber einen Nachweis sehe ich noch nicht unbedingt als erbracht an.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was hältst du von liparischem Obsidian in der Türkei? Obsidian ist nebenbei schon noch ne Spur interessanter als Silex.
     
  10. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Guter Punkt. Ich war gedanklich beim Überlandhandel, bei dem diverse Territorien verschiedener Gruppen durchquert werden müssen. Handel über See erfolgt unter anderen Bedingungen.

    Dabei fällt mir ein "Handelsvolk" in Neuguniea oder einer benachbartehn Inselgruppe ein, über das ich mal etwas gehört/gelesen habe. Diese machten mit Booten Handelsrundfahrten, bei dem sie verschiedene Stationen anfuhren, um Waren zu tauschen (ausgehend von Keramik), um am Schluss mit einer anständitgen Menge Schweine nach Haus zurück zu kehren, die dann in einem großen Fest verzehrt wurden. Leider ist mir der Name des Volkes entfallen.

    Solcher "Überseehandel" hat denm Vorteil, dass man die Handelspartner erreichen kann, ohne andere Territorien zu durchqueren, aber auch nicht wirklich eine Grenze mit diesen hat, an der Streitigkeiten entstehen können.
     

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