Ich habe jetzt endlich geschafft "Miss Austen" auf arte komplett zu sehen.
"Miss Austen" (UK 2025, Regie: Aisling Walsh)
Handlung: Als Rahmenhandlung erleben wir die gealterte Cassandra Austen (Keeley Hawes), die 1830 versucht bei ihren Verwandten nach dem Tod des Pastors Fulwar Fowle (Felix Scott) an die Briefe ihrer Schwester Jane zu kommen von denen sie jene, welche ein ungünstiges Licht auf sie werfen können, vernichten will. Derweil trifft ihre Schwägerin Mary (Jessica Hynes) ein, die auch die Briefe von Jane an Elizabeth Fowle sucht in der Hoffnung aus ihnen Profit zu schlagen, da Mary an sich Jane und Cassandra eigentlich verachtet. Isabella Fowle (Rose Leslie), die hinterlassene und noch im Pfarrhaus lebende Tochter des Pastors, muss sich Cassandras Vermittlungsversuchen widersetzen, da sie keine Lust hat mit einer ihrer beiden schwierigen Schwestern zusammen zu wohnen, die beide allein wohnen, aber eine eigene Existenz bekommen haben. Den aus einfachen Verhältnissen stammenden Arzt Dr. Lidderdale (Alfred Enoch) betrachten einige durch ihren Standesdünkel mit Abscheu; er ist auch als Gemahl für Isabella vor Jahren von ihrem Vater zurückgewiesen worden...
Parallel sehen wir wie sich aus den von Cassandra aufgefundenen Briefen die Vergangenheit für sie darstellt. Manche Dinge, die Jane (Patsy Ferran) an Elizabeth Fowle (Madeleine Walker) schreibt, lässt auch die um 1800 noch junge Cassandra (Synnove Karlsen) nicht im besten Licht erscheinen - insbesondere, wenn sie nicht nur ihre eigene sondern auch die Zunkunft ihrer Schwester verbaute indem sie Männer zurückwies oder auch Janes Verbindung mit einem Gentlemen hinterfragte. Im Vordergrund hier steht die Beziehung der Schwestern zueinander und der Einfluss der bösartigen Mary (Liv Hill), deren Verbindung zu ihrem Bruder James (Patrick Knowles) sie ja selber gefördert haben, um danach von ihr aus dem Pfarrhaus ihres Vaters gedrängt zu werden. Schließlich sehen wir wie Jane und Cassandra gut in der Nähe ihres reichsten Bruders unterkommen, aber auch Jane durch Krankheit dahin siecht und den Lebenswillen verliert...
Die vierteilige Serie hat ihre größte Stärke in den fantastischen Settings. Es gibt unzählige Gebäude von denen man insbesondere das Haus von Familie Bennet aus "Stolz und Vorurteil" (BBC 1995) auch wiedererkennt. Hier hat man sich deutlich mehr Mühe gegeben, als es oft in deutschen Verfilmungen ist, wo unzählige Handlungsorte im selben Gebäude runtergedreht werden, was einfach nur unmotiviert und teils unfreiwillig komisch wirkt (man denke an dem Vorlesungssaal in Jena, der mal im Festsaal der Heidecksburg gedreht wurde!!!). Es gibt auch immer wieder sich wiederholende Stellen, aber das führt eher dazu, dass man sich beispielsweise lernt im Umfeld des Pfarrhauses der Rahmenhandlung zu orientieren. Herausragend sind auch zahlreiche Schauspieler - für mich allen voran Mirren Mack als Dienstmagd Dihan und Rose Leslie als Isabella Fowle. Und man glaubt es nicht - aber es gibt sogar einen absolut glaubhaft dargestellten Konflikt mit dem Arzt, der für mich als Inder oder Sohn einer Inderin gelesen wurde, was auch irgendwie plausibel eingebaut wurde.
Ich habe mich anfangs sehr schwer getan mit dem etwas drögen Thema. Man sieht im Prinzip fast nur Frauen über vergebene Chancen im Leben streiten oder weinen. Deswegen habe ich, als es auf arte erschien, auch nur eine Folge geschafft, weil ich einfach keine Motivation für mehr empfand. Das Kostümdesign ist etwas sonderbar. Innerhalb der in der Vergangenheit liegenden Passagen sieht man keine Entwicklung, obwohl sich die Handlung über mehrere Jahrzehnte erstreckt. D.h. dass wir auch die Upperclass in den späten 1790ern dieselbe Mode wie in den 1810ern sehen. Selbst Mr. George Austen hat mit 70 Jahren eine topmodische Frisur, wobei wir wissen, dass auch Jane Austens Brüder noch in den 1810er gepuderte Haare hatten - kein Wunder, da sie ja auch Kinder des 18. Jh. sind. Vielleicht war das so billiger, wenn man die Vergangenheit praktisch in einem Jahr modetechnisch spielen lässt - es wirkt nur gewöhnungsbedürftig, wenn das Jahr dann sogar eher als NACH Reverend George Austens Tod aussieht(!), obwohl er mehrere Folgen auftritt.
Wer gutes Schauspiel sehen will und über meine Probleme hinweg sehen kann und dem das nicht zu langweilig ist, wenn die größte Action darin besteht, dass sich Jane einmal beim Klavierspiel verspielt, dem sei das empfohlen. 6 von 10 Tränen. Gut gemacht.