Hitlers Europa-Pläne nach dem "Endsieg"

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von Menelor, 2. Dezember 2014.

  1. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Da ich komischerweise nicht mehr im Unterforum fürs dritte Reich posten darf:

    Über die Zeit hat sich bei mir beim Querlesen im Internet einiges an, ich denke auch skurrilem :D, Halbwissen über das dritte Reich angehäuft. Ich bitte um Klärung.

    1. Hitlers Pläne nach dem "Endsieg"

    • Deutschland solle Europa und die Welt als Hegmonialmacht dominieren. Großbritannien darf ihre ehemaligen Kolonien verwalten, Japan darf als "2. Macht" Asien beherschen und Italien Afrika.
    • Moskau soll zerstört und durch irgendetwas (Staudamm?) ersetzt werden.
    • Unliebsame Menschen sollen nach Madagaskar gebracht werden. (oder ist das eine Legende um den Holocaust zu verharmlosen?)
    • Teile in Hitlers Führungsriege haben wieder mit dem germanischem Götterkult angefangen.
    • Man führte die "Arier" auf eine gemeinsame Herkunft mit den Samurai zurück.

    Vielleicht schiebe ich noch was nach wenn mir was einfällt.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wie kommst du denn auf die Samurei?! Also ich will nicht ausschließen, dass irgendwelche Nazi-Sektierer (nicht) auch das geglaubt haben, sicher aber nicht der Nazi-Mainstream.
     
  3. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Keine Ahnung, das schwirrte irgendwie in meinem Kopf rum. Deshalb fragte ich ja;)
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ja, naja, so ungefähr. Es gab sowohl nationalsozialistische Europapläne, mehrere nicht nur einen, die sich auch im Zeitablauf immer wieder änderten. Es gab sogar eine spezielle SS-Sonderabteilung "Vorbereitung und Ordnung", die sich der Planung des Sollzustandes im Nachkriegseuropa widmete. Leiter war Gustav Schlotterer. Hierzu dürftest du mit den Stichpunkten auf jeden Fall einiges an seriösem Lesestoff finden. Japan kreierte die sog. "Großostasiatische Wohlstandssphäre" zur Nachkriegsplanung. Auch unter diesem Stichwort müsstest du für den Einstieg fündig werden.

    Den Madagaskarplan gab es, er wurde allerdings schnell wieder verworfen. Kern der Überlegungen war es, mehrere Millionen Juden nach Madagaskar zu deportieren (was in antisemitischen Kreisen keine neue Idee war, sie wurde durch die nationalsozialisten lediglich adaptiert).

    Jein, der Neopaganismus war unter anderem in der völkischen Strömungen durchaus präsent, nicht erst im Dritten Reich, auch schon deutlich davor, "den einen" germanischen Götterkult gibts allerdings nicht. Zudem ist zu den Kulthandlungen der germanischen Stämme schlicht viel zu wenig bekannt, um einen "Götterkult" vollumfänglich zu beschreiben oder gar nachzuahmen.

    Das höre ich zum ersten Mal.
     
  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Es wurden allerdings auch weitreichende Pläne für ein großes deutsches Kolonialreich vor allem in Zentralafrika diskutiert, wobei das allerdings Hitler selbst kein besonderes Anliegen war (ihm ging es primär um den "Lebensraum im Osten") und mit fortschreitendem Kriegsverlauf immer weiter in den Hintergrund trat.
    Deutsch-Mittelafrika ? Wikipedia
     
  6. Menelor

    Menelor Neues Mitglied

    Vielen Dank soweit, ich gucke mal ob ich irgendwo was zu der Samuraigeschichte finde.:)
     
  7. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Das mit den Samurai habe ich auch noch nie gehört. Diese Annahme scheint mir auch nicht gerade besonders sinnvoll oder nachvollziehbar zu sein.

    Die Samurai waren ja der japanische Krieger- und Verwaltungsadel und nicht etwa eine Volksgruppe oder eine Ethnie, die man irgendwie mit den Ariern in Verbindung bringen könnte. Zumidest ist mir nichts darüber bekannt, dass die Samurai z. B. von außerhalb kommend Japan unterworfen hätten und dann innerhalb Japans eine ethnisch abgegrenzte Oberschicht gebildet hätten.

    Wenn man die Samurai aber als "ganz normale" Japaner ansieht, dann müsste man eigentlich eine gemeinsame Herkunft der Arier mit den Japanern konstruieren.

    Außerdem würde ich aus dem Stegreif annehmen wollen, dass es die Arier bereits gab, bevor sich in Japan die Institution der Samurai herausbildete.

    Viele Grüße

    Bernd
     
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  8. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Zu den Samurai ist mir doch noch was eingefallen, was aber evtl. sehr weit hergeholt sein könnte. In der Himmler-Biografie von Longerich habe ich gelesen, dass Himmler von den Samurai sehr begeistert war und wohl auch ein Buch unter den SS-Mannschaften verteilen ließ, das die Wertehaltung der Samurai als Vorbild beschrieb. Ich finde nur leider die Stelle nicht mehr, so dass ich dir den Titel des Werks schuldig bleiben muss.

    Das wäre aber jetzt selbst mit intensivem Nachdenken die einzige Verlinkung die mir im weitesten Sinne zu den Samurai einfällt.
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Ja, die Samurai als Kriegeradel entstanden etwa im 8. Jhdt. n. Chr.

    Im Übrigen kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass die NS-Rassentheoretiker wirklich eine gemeinsame Herkunft von "Ariern" und Japanern herstellen wollten, da letztere nach der Rassentheorie zu einer anderen "Rasse" gehören.

    Allerdings gab es durchaus eine gewisse Faszination für Japan und insbesondere die Samurai, vor allem seitens Himmlers.

    @ Lili: Das Buch hieß "Die Samurai, Ritter des Reiches in Ehre und Treue".

    Nachtrag: Das Buch habe ich nicht gelesen, aber der Titel lässt mich vermuten, dass darin die historischen Fakten etwas zurechtgebogen wurden. Die Samurai standen in den meisten Zeiten großteils in den Diensten eines Daimyo, also eines Lokalfürsten, und waren somit in der Regel nicht etwa dem Tenno oder Shogun direkt unterstellte "Ritter des Reiches".
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Dezember 2014
  10. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    ich sach nur: "Skythisch-russische Weltgeschichte nach Formenko". Thread hier im Forum im Smalltalk.

    Da wird eindeutig bewiesen, dass die Samurai, die Eskimos, die Inkas und die Nazis Skythen waren. Die Beweisführung läuft irgendwie über Termitenhügel, ich krieg´s nicht mehr so ganz zusammen, es war auf jeden Fall sehr eindrucksvoll.
     
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  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    mag sein, dass ich mich täusche, aber ein Exempel für nazi-neopagane Gestaltung und Kult-Tamtam dieser Provenienz scheint mir das monströse Grab Heinrichs des Löwen im Braunschweiger Dom zu sein Braunschweiger Dom ? Wikipedia
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied


    Den überwiegenden Teil dieser obskuren Pläne findest Du komprimiert in diesem Buch beschrieben:

    Ralph Giordano, "Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte: Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg", derzeit als TB bei KiWi.

    Dort sind alle diese Pläne recht unterhaltsam beschrieben.

    Das mit den Samurai allerdings fehlt. Entweder hat Himmler & Co. da 1868 (1872) in der japanischen Geschichte "verpennt" oder in ihrer Obskuranz ihre eigenen Rassetheorie nicht richtig rezipiert.

    M.
     
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  13. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    Nein, der Madagaskarplan ist keine Legende. Derartige Ideen und Pläne zu Lösung der "Judenfrage" bestanden auch schon lange vor der Machtergreifung der NSDAP.

    1940 wurde der Plan, die europäischen Juden in Madagaskar anzusiedeln ernsthaft von der NS-Führung ganz konkret diskutiert und verfolgt. Die Juden sollten dort unter deutscher Aufsicht eine Art eigenen Staat errichten können. Der Plan wurde praktisch von der ganzen NS-Führung befürwortet.

    Der Plan ist dann aber letztlich daran gescheitert, daß Frankreich seine Kolonie Madagaskar nicht für diesen Zweck abtreten wollte und daß England die See beherrschte und keinen Frieden schließen wollte, weswegen der Plan nicht umsetzbar war.
     
  14. Beaker

    Beaker Aktives Mitglied

    Wie konnte man das nur bisher übersehen, die Franzosen sind Schuld am Holocaust.
     
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  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Zum Madagaskarplan.

    Der Madagaskarplan entstand im Referat D III des Auswärtigen Amtes. Im Juni 1940 machte sich das Referat Adolf Eichmann im RSHA an die detaillierte Planung. Ziel war es ca. 4 Millionen Juden auf die Insel Madagaskar zu deportieren. Frankreich (eigentlich die Vichy Regierung) hatte dazu die Insel als Mandat an Deutschland abzugeben und unter der Führung eines Polizeigouverneurs sollten die Juden auf einem abgesteckten Territorium "agrarisch tätig" werden.

    Den Plan muss man in den Kontext der Judenverfolgung einbeziehen. Seit der "Machtergreifung" wurde ein stetiger Druck auf die Juden in Deutschland ausgeübt um sie zur Auswanderung zu veranlassen. Mit dem Beginn des zweiten Weltkrieges wurden die Auswanderungsmöglichkeiten immer schwerer und schlechter. Deshalb diskutierten die zuständigen Dienststellen unterschiedliche Pläne, die Auswanderung und Vernichtung der Juden als Inhalt hatten. Ein Plan war die "Ostjuden" in ein "Judenreservat" bei Lublin abzuschieben. Hand Frank der Generalgouverneur von Polen verhinderte dies, weil dies die Ernährung im gesamten Generalgouvernement gefährdet hätte.

    Der Madagaskarplan reiht sich in diese Planung mit hinein. Dieser wurde dann aber 1942 mit der Begründung abgetan, dass die Juden nicht nach Madagaskar, sondern in den Osten abgeschoben werden und dass die Insel nicht mehr für die "Endlösung" vorgesehen wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2014
  16. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    "Die Franzosen" sind sicher genauso wenig Schuld wie "die Deutschen".

    Eine interessante Frage wäre aber schon, inwiefern der Holocaust realistisch verhindert worden wäre, wenn die Westmächte dem Madagaskarplan zugestimmt hätten.

    Wurde der Madagaskarplan nicht auch auf der Konferenz von Evian international diskutiert, nachdem die Westmächte eine Aufnahme von deutschen Juden bei sich ablehnten und auch die osteuropäischen Staaten eine Möglichkeit suchten "ihre" Juden irgendwo hin abzuschieben?
     
  17. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Rassismus wird nicht dadurch akzeptabler, dass er von anderen geteilt wird. Und der Madagaskarplan nicht weniger pervers, weil die letztliche "Endlösung" der "Judenfrage" ihn mit ihrem fabrikmäßigen Massenmord in unvorstellbaren Ausmaße übertraf.

    Edit: Deine Darstellungen lesen sich so, als wären solche wahnwitzigen Pläne wie der Madagaskarplan normal und der Holocaust angesichts des Kriegsverlaufs alternativlos. Das ist inakzeptabel!
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Dezember 2014
  18. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Der Madagaskarplan war einer der Pläne für die "Endlösung". Der Madagaskarplan gehört zum Holocaust wie Auschwitz. Der einzige Unterschied der Madagaskarplan wurde nicht ausgeführt, Auschwitz schon. Denn anstelle nach Madagaskar wurden die Juden nach Auschwitz deportiert.

    Einfach noch zum allgemeinen Verständnis. Die "Endlösung" ist ein nationalsozialistsches Tarnwort mit dem die Deportation und Ermodrung aller Juden im nationalsozialistischen Machtbereich umschrieben wurde.
     
  19. Iceman

    Iceman Mitglied

    Aus Sicht der Nazis war es doch Alternativlos?
    Aus unserer Sicht ist natürlich alles in die Richtung undenkbar und unmenschlich.
     
  20. Parsifal

    Parsifal Gesperrt

    Der Madagaskarplan sah die Umsiedelung der europäischen Juden nach Madagaskar vor. Wikipedia zitiert in seinem Artikel aus dem Goebbels-Tagebuch:

    Und Himmler wird zitiert:

    Madagaskarplan ? Wikipedia

    Der Holocaust, also der systematische Völkermord an den Juden war zum damaligen Zeitpunkt offenbar in der NS-Führungsriege noch nicht vorgesehen. Man wollte die Juden aus dem NS-Machtbereich entfernen, aber damals noch nicht durch Völkermord, sondern durch Umsiedelung auf die Insel Madagaskar, wo die Juden in ihrem eigenen Staat leben sollten, unter deutscher Aufsicht und Kontrolle. Der Entschluß zum Holocaust erfolgte dann erst nach dem Scheitern der Luftschlacht um England, der unmöglichen Realisierung des Madagaskarplans aufgrund der britische Seeherrschaft und dem Steckenbleiben des Blitzkrieges in der Sowjetunion im Herbst 1941.

    Ich bin nicht sicher, aber ich meine mal gelesen zu haben, daß der Madagaskarplan in ähnlicher Form auch auf der Konferenz von Evian international diskutiert wurde, weil in Evian eben nicht nur keine Bereitschaft zur Aufnahme von jüdischen Flüchtlingen bestand, sondern einige Staaten auf der Konferenz einen Weg suchten "ihre" Juden loszuwerden. Der Antisemitismus war damals in ganz Europa stark verbreitet. Täusche ich mich oder wurde in Evian nicht auch derartige Pläne zur Umsiedelung der europäischen Juden nach Madagaskar oder irgendeine andere Kolonie erörtert?

    Bei wikipedia stehen nur vage Informationen:

    Konferenz von Évian ? Wikipedia
     

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