Hurriter / Mitanni - Was erwartet uns?

Dieses Thema im Forum "Hochkulturen Mesopotamiens" wurde erstellt von Pope, 5. Juli 2006.

  1. Malkibaal

    Malkibaal Neues Mitglied

    die forscher müssen jetzt erstmal (vielleicht weitere) schriftfunde finden um den beweis zu finden um welche stadt es sich hanbdelt, vielleicht findet man ein schriftstück mit einer noch unbekannten sprache und die wissenschaft muss sich neuen herausforderungen stellen
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Juli 2007
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Na ja, vielleicht haben die fleißigen Archäologen die alte Mitanni-Metropole schließlich doch noch gefunden und ich kann bald das Fragezeichen hinter "Wassukanni" in dem hier edierten Geschichtsatlas tilgen!
     
  3. Huri

    Huri Neues Mitglied

    Ihr alle sprecht meistens ueber Sprachenparallele. Ich moechte aber eine interessante Geschichte aus Armenischer Folklore erzaehlen. Es gibt Weihnachtengesaenge, die AVETIS heissen. Eine Art dieser Gesaenge hat so einen Teil:
    Als Jerusalem gebaut wurde, eine wightige Saeule fehlte,
    Petros, Khasar und Baghdasar ging zu SCHAMSCHA Zederwald Khnki Baum (eine Art Juniperus) zu bringen. Als sie das lebendige, shreiende und bluetende Baum hauen, bringen sie SERAM und und Segam. Diese aber gehen nicht zusammen. Dann gehen die Helden nach URFA (Urha, also Edessa) um die Kuh von Urhas Alte Frau zu bringen. Nur diese Kuh kann mit Seri zusammen das Baum zum Dom bringen.
    Als ich dies alles analyzieren musste, kam ich auf die Idee, dass Seram Teschubs Stier Seri and die Alte Frau eine Hurritische Goettin sind. Dann habe ich in Mowses Khorenatsis Geschichte (5te Jahrhundert) gelesen dass Goettin Batnikagh einmal aus Edessa nach Ninive gebracht wurde. Hurritisch haeisst es Bintikalli (=Bit Nin Gal) - Die Grosse Mutter von Urha.
    Ich kann noch viele solche Geschichten erzaelen...
     
  4. hyokkose

    hyokkose Gast

    Sprachverwandtschaft Hurritisch-Ostkaukasisch

    Wie ich schon andernorts erwähnte, wird diese Theorie vertreten von:

    I. M. Diakonoff und S. A. Starostin, Hurro-Urartian as an Eastern Caucasian Language, München 1986


    Dazu hat Rieks Smeets eine ausführliche, kritische Rezension in Bibliotheca Orientalis, Jahrgang XLVI, 1989 veröffentlicht.

    Die für mich interessanten Kritikpunkte möchte so zusammenfassen:

    1. Die Proto-Ostkaukasischen Rekonstruktionen lassen sich nicht verifizieren.
    2. Von den 168 verglichenen Wortgleichungen sind die meisten semantisch zweifelhaft oder lautlich irregulär, es bleiben nur noch ca. 50 Wörter, die für nähere Untersuchungen in Frage kommen.
    3. Anhand des beweiskräftigen Vokabulars läßt sich zwar eine Beziehung zwischen den beiden Sprachgruppen feststellen, jedoch keine Verwandtschaft beweisen. Vielmehr besteht ein beträchtlicher Teil aus sogenannten "Kulturwörtern", die häufig entlehnt werden. (Auch mir ist beim ersten Durchlesen des Büchleins von Diakonoff/Starostin ins Auge gesprungen, daß Begriffe aus der Architektur wie "Kanal", "Bewässerungsgraben", "Becken", "Küche", "Kornspeicher" sich auffallend häufen.)

    Die Ähnlichkeiten im Wortschatz schreibt Smeets einerseits dem Zufall, andererseits der geographischen Nähe zu:

    Das Resümmee lautet:

    "Ich hoffe, klargemacht zu haben, daß es derzeit schwierig für einen Kaukasologen ist, von der Richtigkeit der Behauptungen Diakonoffs und Starostins überzeugt zu sein. Erstens lassen sich die angeblichen ostkaukasischen Rekonstruktionen, so wie sie präsentiert werden - ohne Rechtfertigung und Diskussion und ohne Verweis auf irgendeine zugängliche Quelle - nicht verifizieren. Zweitens stellen uns Diakonoff und Starostin - trotz ihres dritten Kapitels - nichts vor, was einem System regelmäßiger Lautentsprechungen gleicht. Drittens ist man überrascht von der Vertrauensseligkeit, mit der das Hurro-Urartäische Material behandelt wird. Viertens erweist sich bei D&S hauptsächlich der Wunsch als Vater des Gedankens, soweit es den Vergleich grammatischer Elemente betrifft.
    Wie oben gezeigt, könnten wir jedoch eine definitivere und vielleicht positivere Einschätzung formulieren, sollte das Material, auf dem die Annahmen der Autoren über das Proto-Ostkaukasische basieren, einmal publiziert und verifiziert sein."
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 7. Oktober 2007
  5. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Der Norden Mesopotamiens ist geographisch ein interessantes Gebiet, es liegt im fruchtbaren Halbmond, im Norden und Osten umrahmt von gebirgigen Landschaften. Im Süden wurde hochspezialisierte Bewässerungslandwirtschaft in Sumer betrieben. Die Mittelmeerküste und selbst Ägypten war nicht weit.
    In Urkisch liegen unter der, den Hurritern zugeordneten Schicht Tempelreste, die auf ca. 2800 BC datiert wurden, also etwa zeitgleich mit den südmesopotamischen Stadtstaaten. bild der wissenschaft online - Heftarchiv
    Dort wird gegraben Grabungen der DOG in Tall Mozan/Urkesh, Syrien und scheinbar Besiedlungskontinuität bis zum hurritischen Mitanni festgestellt.

    Es wurden dort Reste eines Khan genannten Gebäudes gefunden, dessen Beschreibung an ein siegelgesichertes Lagerhaus denken läßt.
    War Kurkisch eine Handelsniederlassung?
     
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  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    @ rena8: Da hast du wirklich interessante Dinge über die Hurriter ausgegraben! :respekt:

    Man macht sich gar nicht klar, dass die Hurriter erst im 19. Jh. dem Vergessen entrissen wurden, womit sie das Schicksal der Minoer teilen, die ebenfalls erst um 1900 durch Arthur Evans wiederentdeckt wurden.

    Die historische Bedeutung der Hurriter ist viel größer, als man im allgemeinen glaubt. Abgesehen vom bekannten Reich Mitanni, das sie in Symbiose mit einer indoeuropäischen Führungsschicht bewohnten, gab es zahlreiche langlebige Stadtstaaten in Syrien und besonders auch in Palästina/Kanaan, wo bei Ankunft der Hebräer neben semitischen Stadtstaaten der Kanaaniter, Amoriter und Phönizier auch hurritische Bevölkerungselemente aktiv waren (z.B. die hurritische Stadt Hazor).

    In Assyrien gab es andauernde Kämpfe zwischen Hurritern und Assyrern und auch nach der Zerschlagung des hurritischen Staates ist die Anwesenheit einer hurritischen Bevölkerung im nördlichen Assyrien ziemlich sicher.

    Die Hurriter fanden eine Fortsetzung in den ihnen verwandten Urartäern, die vom 9.-7. Jh. das mächtige Reich Urartu im Gebiet des Van- und Urmiasees errichteten und deren Sprache als Fortsetzer des Hurritischen gilt. Ob die hurritisch-urartäische Sprache isoliert ist oder zu den nordostkaukasischen Sprachen zählt, ist umstritten.

    Hurritische Sprache ? Wikipedia
     
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  7. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Vielleicht erfahren wir im Dezember ja mehr, wenn über diese Veranstaltung http://www.arch.unibe.ch/content/e7532/e7615/e9874/Obermesopotamien_HS2011_ger.pdf Ergebnisse ins Netz gestellt werden.
    Besonders spannend finde ich die Punkte 1-3a Landwirtschaft, Viehzucht & Jagd, Urbanisationsgeschichte und den letzten Punkt 15 Nomadisierung am Ende des 3. Jtd.

    In Nordmesopotamien ist, anders als in den südlichen Flusskulturen, Regenfeldbau möglich, so dass die Bevölkerung sich weiträumiger über das Gebiet verteilen konnte. Trotzdem kam es zu Konzentrationen in Städten, die vielleicht eine anders gelagerte Funktion als in Sumer hatten.

    Wird die Phase der ersten Städte und frühen Hochkulturen betrachtet, fällt der Blick sofort auf Ägypten und Sumer. Die Parallelentwicklungen im genannten Urkisch, in Ebla ? Wikipedia mit seinen Archiven, über Hazor könntest du ja noch etwas beitragen, Dieter, gerät erst durch Sargon und die Ausbreitung des akkadischen Einflusses in den Fokus.
    Genauso stiefmütterlich werden die östlichen Nachbarn Sumers, Elam (Altertum) ? Wikipedia um Susa behandelt. Vielleicht liegt das daran, das Elam heute zum Iran gehört und man dessen Geschichte quasi abtrennt, obwohl Sumer und die Susania direkte Nachbarn am persischen Golf waren und beide unter ähnlichen Bedingungen auf einer Schwemmlandebene Landwirtschaft betrieben und zahlreiche Kontakte und Konflikte miteinander hatten.
     
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  8. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ob Ekalte zu Mitanni gehörte, weiß ich nicht genau, es lag südwestlich von Urkesh im heutigen Syrien am Euphratknie und heute am Ufer eines Stausees. Deutsche Orient-Gesellschaft e.V. , das Gebiet wird als syrischer Korridor bezeichnet.

    Bemerkenswert an Ekalte ist, dass kein Palast ausgegraben wurde und nach den Urkunden auf Tontafeln wurde es von einer Art Senat von Ältesten / Brüdern verwaltet. "Tall Munbaqa/Ekalte - Bronzezeit in Syrien"
    Schon mind. 100 Jahre vorher, also während der späten Bronzezeit, muß es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wahrscheinlich durch Kriege, gekommen sein, die man sehr modern zu lösen versuchte. Die Tempel, der Stadtgott verkaufte Grundbesitz an Bürger von Ekalte und diese gaben sich gegenseitig Darlehn, um die moderaten, teilweise symbolischen Kaufpreise zu entrichten.

    Zu Beginn der Bronzezeit dominierte in Mesopotamien die sog. Tempelwirtschaft, das meiste Ackerland gehörte dem Gott, die Vorräte wurden in den Tempeln gelagert und verwaltet. http://www.geschichtsforum.de/f23/w...chaft-im-alten-mesopotamien-40410/#post613372
    Nördlich von Sumer waren die Verhältnisse vielleicht nie ganz so städtisch-spezialisiert aber selbst im weit entfernten minoischen Kreta scheint die Palastwirtschaft der frühen Bronzezeit so ähnlich funktioniert zu haben.
    In http://www.geschichtsforum.de/f27/troia-und-der-untergang-der-stadt-12095/ wird aktuell die Therakatastrophe und der Niedergang des minoischen Kreta diskutiert, ungefähr zeitgleiche Ereignisse.
    Und so frage ich mich, ob sich in der späten Bronzezeit nicht so etwas wie ein Paradigmenwechsel iSv Änderung der Weltsicht vollzogen hat.

    Diesen auf den Ausbruch des Theravulkans und seine Folgen zurückzuführen, ist natürlich hochspekulativ. Für uns ist die religiöse Weltsicht der Menschen damals schwer nachvollziehbar, könnte Enttäuschung über Götterversagen zu einer Besinnung auf die eigenen Kräfte geführt haben?
     
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  9. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wenn man von einem "Paradigmenwechsel" sprechen will, so sehe ich den eher in er Zeit um 1200 v. Chr. Sie markiert den bis heute nicht restlos geklärten Untergang des Hethiterreichs, die so genannte Ägäische Wanderung mit dem Ausgreifen der Seevölker im östlichen Mittelmeerraum, den Untergang der mykenischen Kultur und den Aufbruch der Israeliten ins Land Kanaan.
     
  10. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ein Paradigmenwechsel ? Wikipedia meint nach meinem Verständnis etwas anderes als Veränderungen von außen, wie deine Migrationen oder Katastrophen.
    Er kann auf Katastrophen, Krisen folgen oder diesen vorausgehen und beschreibt eher die innere Auseinandersetzung mit Veränderungen, die dann zu einem Sicht- und Bewertungswechsel führen.
     
  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Eine Änderung des Blickwinkels kann in der Geschichte sowohl durch innere als auch äußere Ereignisse ausgelöst werden. Darauf bezog ich mich mit der radikal veränderten Machtsituation im östlichen Mittelmeer seit etwa 1200 v. Chr.
     
  12. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    "In der späten Bronzezeit, also 1500-1100 vor Christus, war der Ort die Hauptstadt eines Königreichs. Doch welches Königreichs, das wollten die Archäologen herausfinden. Neben Schriften, die die zentrale Rolle von Tell Fecheriye belegten, fanden die Forscher Überreste von Verwaltungsgebäuden. So könnte es sich bei Tell Fecheriye um die bis dato nicht identifizierte Hauptstadt der Mittani-Herrscher handeln. 'Die Entdeckung des Königspalastes stand kurz bevor', sagt Bonatz. (Leiter des Instituts für Vorderasiatische Archäologie, FU Berlin)"
    Syriens Schätze in Gefahr | Kultur | DW.DE | 24.08.2012

    Der Rest des Artikels ist zwar "tagesaktuell", aber vielleicht dennoch für den einen oder anderen interessant...

    Grüße, Ugh
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dezember 2013
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