Interessante deutsche Grafengeschlechter!

Epic

Mitglied
Hallo, zu Zeit interessieren mich umtriebige Grafen- Geschlechter!
Ich meine damit die, die überall etwas mit gemischt haben!
Z. B. bei einer Teilnahme an einer Verschwörung gegen den König oder Kaiser,
an Teilnahme eines Kreuzzug's egal ob nach Osten, Westen oder Nordosten!
Mitglieder des Grafenhauses sind in einen Ritterorden eingetreten,
haben viel Besitz angehäuft,
haben auffällig viele Fehden geführt usw.
Haben sich durch etwas besonderes hervorgetan????!!!!
Würde mich über einige Links am Wochenende freuen, zum Einlesen!
Dankeschön
Bis zum 16. Jahrhundert
 
Interessante Fragestellung, aber kaum handlich einzugrenzen—selbst wenn Du mit "deutsche Grafengeschlechter" bloß solche meinst, die innerhalb der Grenzen des heutigen Deutschland begütert waren, und nicht auch die deutschsprachigen und/oder dem römisch-deutschen König lehnspflichtigen Grafen jenseits der heutigen deutschen Grenzen (zu denken wäre bspw. an die Grafen von Cili im heutigen Slowenien oder die Urslinger, die das italienische Herzogtum Spoleto erlangten).

Allein im deutschen Reichsteil existierten fast zweihundert Grafschaften, zwar nicht alle zeitgleich, aber dafür mit wechselnden Inhabern, und da sind die Burg-, Pfalz-, Mark- und Landgrafschaften nicht einmal eingerechnet. Die Gesamtzahl der Häuser, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Mittelalter dem Grafenstand angehörten, könnte durchaus hoch dreistellig sein.

Spontan als besonders nennenswert fallen mir ein:
  • die Babenberger, auf dem Gipfel ihrer Macht Herzöge von Österreich; Leopold V. ließ den heimkehrenden Richard Löwenherz gefangennehmen und baute mit dem Lösegeld von 23 Tonnen Silber Wiener Neustadt
  • die Vögte von Plauen, zeitweise Burggrafen von Meißen, stellten zwei Hochmeister des Deutschen Ordens und zahlreiche Deutschordensritter; außerdem heißen in dieser Familie bis heute praktisch alle Männer Heinrich
  • die Waldburg-Zeil, ab dem Spätmittelalter Grafen von Sonnenberg, 1525 maßgeblich an der Niederschlagung der Bauenheere beteiligt
  • die Dohna (ebd. Burggrafen), nahmen an den Hussitenkriegen teil, zuvor (1385-1402) lieferten sie sich mit dem Markgrafen von Meißen eine blutige Fehde
  • die Hanauer, ab 1429 Grafen von Hanau, lieferten sich einen fast fünfzigjährigen Kleinkrieg mit der Reichsstadt Frankfurt, 1389 schlugen sie die Frankfurter und den Rheinischen Städtebund in der Kronberger Fehde
  • die Sponheimer (sog. Hintere und Vordere Grafschaft Sponheim), die sich lange erfolgreich der Territorialisierung ihrer mächtigen Nachbarn widersetzten und so interessante Köpfe hervorbrachten wie Loretta von Sponheim, die 1328 den Kurfürsten von Trier gefangen und ausnahm wie eine Weihnachtsgans
An Deiner Stelle würde ich nicht nur auf die Grafengeschlechter blicken. Es gibt viele interessante Familien auch aus dem übrigen niederen Adel, teilweise sogar mächtiger als manche Grafen. Hier zu nennen wären bspw. die Biberstein, die zeitweise die mächtigste Familie im heutigen Sachsen und Böhmen waren; die Kauffunger, die 1455 die kursächsischen Prinzen entführten; oder die Herren von Eltz (die erst in der Neuzeit Grafen wurden, aber trotzdem eine bewegte Geschichte vorweisen können.)
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo, Recht herzlichen Dank! Ja stimmt ,man kann das in der Tat auf europäische Adelshäuser des niederen Adels ausweiten!
Auch in Bezug von niederen Adel bei den Kreuzzügen!
Ich lese sowas gerne!
 
Familien, die viele Teilnehmer der Kreuzzüge ins Heilige Land hervorbrachten:
  • das Haus Blois (erlangte später das Königreich Navarra, starb im 14. Jahrhundert aus)
  • das ältere Haus Boulogne (Zweig des Hauses Flandern), stellte mehrere Könige von Jerusalem und Grafen von Edessa
  • natürlich das normannische Haus Hauteville
  • die Châtillon aus der Champagne, nicht zuletzt bekannt durch den durch Saladin höchstpersönlich geköpften Rabauken Rainald
  • die ebenfalls zwischen Glück und Unglück changierenden Lusignan, zeitweilig Könige von Jerusalem und Zypern
Ab dem 13. Jahrhundert überwiegen zeitweise die Engländer, aber insgesamt fand die Kreuzzugsbewegung die meisten Anhänger in Frankreich.

Aus Deutschland fällt mir spontan keine Familie ein, die bis zum Verlust des Heiligen Landes besonders viele Kreuzfahrer hervorgebracht hätte. Diese Kriege hatten nicht nur eine religiöse Komponente, sie waren vor allem auch Kriege um Besitz, deswegen kamen Kreuzfahrer meist aus Familien, die in Outremer Güter hatten, oder mit solchen Familien verschwägert oder verbündet waren. Und das waren seit dem ersten Kreuzzug eben vor allem Geschlechter aus Frankreich (inklusive Flandern).

Absolut lesenswert (und im deutschsprachigen Raum kriminell unterbewertet) sind die Schicksale der Teilnehmer der (manchmal nicht zu den "eigentlichen" Kreuzzügen gezählten) Türkenkriege des späten 14. und 15. Jahrhunderts. Besonders nennenswert:
  • Johann II. Boucicaut ('der Tapfere'), Marschall von Frankreich; er kämpfte in der iberischen Reconquista gegen die Muslime, auf mehreren Preußenfahrten des Deutschen Ordens gegen die heidnischen Litauer, und schließlich im Barbareskenkreuzzug sowie dem Kreuzzug von Nikopol gegen die Osmanen
  • der polnische Ritter Zawisza Czarny z Garbowa, schon zu Lebzeiten eine Legende
  • Filippo Scolari, besser bekannt als Pippo Spano, ein Condottiere und Duzfreund des römischen Königs und Königs von Ungarn Sigismund, der mit diesem gen Nikopol zog und später in die Kreuzzüge gegen die Hussiten
  • und, natürlich, Johann Hunyadi, einer der wenigen europäischen Heerführer, der die Osmanen in offener Feldschlacht besiegen konnte (und zwar mehrmals), wodurch er vom miles mediocris zum Regenten Ungarns aufstieg
Falls Dich dergleichen interessiert, in dem verlinkten Faden sammle ich Kurzbeschreibungen des Lebens berühmter (oder berüchtigter) Ritter.

@El Quijote kann vielleicht noch ein paar Namen aus der Reconquista beisteuern, mangels Spanischkenntnissen bin ich da nicht bewandert. Aus Sicht der Geschichtsschreibung waren die Kriege gegen die sogenannten Mauren zwar keine Kreuzzüge, andererseits weist die Reconquista schon gewisse Parallelen auf. Immer wieder machten sich Ritter und Knechte aus anderen Ländern nach Spanien auf, ganz wie Kreuzfahrer, und aus Sicht der Kirche konnte man ein Kreuzzugsgelübde auch einlösen, wenn man gegen die Mauren kämpfte.

Korrektur:
so interessante Köpfe hervorbrachten wie Loretta von Sponheim, die 1328 den Kurfürsten von Trier gefangen und ausnahm wie eine Weihnachtsgans
Irreführende Formulierung meinerseits, Loretta war eine gebürtige Salm und nur durch Heirat Regentin von Sponheim.
 
Zuletzt bearbeitet:
@El Quijote kann vielleicht noch ein paar Namen aus der Reconquista beisteuern, mangels Spanischkenntnissen bin ich da nicht bewandert. Aus Sicht der Geschichtsschreibung waren die Kriege gegen die sogenannten Mauren zwar keine Kreuzzüge, andererseits weist die Reconquista schon gewisse Parallelen auf. Immer wieder machten sich Ritter und Knechte aus anderen Ländern nach Spanien auf, ganz wie Kreuzfahrer, und aus Sicht der Kirche konnte man ein Kreuzzugsgelübde auch einlösen, wenn man gegen die Mauren kämpfte.
Die Schlacht von Las Navas de Tolosa 1212 war tatsächlich ein Kreuzzug, Alfonso VIII. hatte sich extra zuvor an den Papst gewandt, auch, damit ihm seine Cousins aus Aragón und Navarra nicht in den Rücken fielen, während er gegen die Almohaden zog. Stattdessen kämpften sie an seiner Seite. Auch Ritter aus Frankreich (die allerdings Probleme bereiten, weil sie die kastilischen morerías plünderten und sogar aus Kärnten. Das kärtner Kontingent kam allerdings erst nach der Schlacht an.

Auch die Belagerung von Teba 1330, woran ein schottisches Kontingent mit dem Herzen von Robert the Bruis/Bruce teilnahm, das unter der Führung von James Douglas/the Black Douglas auf dem Weg nach Jerusalem war, muss in den Kreuzzugskontext eingebettet werden.
 
Zu den Threadthemen: da ist wohl besonders der Investiturstreit oder früher die inner-ottonischen Konflikte von Interesse.
Bzgl. Kreuzfahrten die Kreuzfahrt des Landgrafen von Thüringen, das mittelalterliche epische Gedicht dazu hat aber der Hrsg. Hans Naumann (1923) für (ereignis)historisch wenig wertvoll erachtet.
 
  • die Babenberger, auf dem Gipfel ihrer Macht Herzöge von Österreich; Leopold V. ließ den heimkehrenden Richard Löwenherz gefangennehmen und baute mit dem Lösegeld von 23 Tonnen Silber Wiener Neustadt
Und zeitweise (nicht alles zugleich) auch Herzöge von Schwaben und Bayern sowie Pfalzgrafen am Rhein sowie später Herzöge der Steiermark.
Aus Deutschland fällt mir spontan keine Familie ein, die bis zum Verlust des Heiligen Landes besonders viele Kreuzfahrer hervorgebracht hätte.
Von den Babenbergern nahm Heinrich II. Jasomirgott am Zweiten Kreuzzug teil, Leopold V. am Dritten Kreuzzug. Friedrich I. war beim von Kaiser Heinrich VI. initiierten Kreuzzug dabei. Leopold VI. war gemeinsam mit dem ungarischen König Andreas der Anführer des Fünften Kreuzzugs.
 
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  • die Châtillon aus der Champagne, nicht zuletzt bekannt durch den durch Saladin höchstpersönlich geköpften Rabauken Rainald

Wobei Rainald von Châtillon eben kein Angehöriger der Herrenfamilie von Châtillon-sur-Marne in der Champagne war. Er gehörte der Familie derer von Donzy in Burgund an, zu deren Besitzungen auch Châtillon-sur-Loing (heute Châtillon-Coligny) gehörte, nach dem Rainald genannt wurde. Offenbar hatte die Familie es ihm als Erbe gegeben, bevor er nach Outremer abgegangen war.
 
Familien, die viele Teilnehmer der Kreuzzüge ins Heilige Land hervorbrachten:
  • das Haus Blois (erlangte später das Königreich Navarra, starb im 14. Jahrhundert aus)
  • das ältere Haus Boulogne (Zweig des Hauses Flandern), stellte mehrere Könige von Jerusalem und Grafen von Edessa
  • natürlich das normannische Haus Hauteville
  • die Châtillon aus der Champagne, nicht zuletzt bekannt durch den durch Saladin höchstpersönlich geköpften Rabauken Rainald
  • die ebenfalls zwischen Glück und Unglück changierenden Lusignan, zeitweilig Könige von Jerusalem und Zypern
Ab dem 13. Jahrhundert überwiegen zeitweise die Engländer, aber insgesamt fand die Kreuzzugsbewegung die meisten Anhänger in Frankreich.

Seit etwa zwölf Jahren schreibe ich an einem Namenslexikon zu allen Orientkreuzfahrern in der Zeit von 1095 bis 1291, mit dem Augenmerk auf ihre geografische und familiäre Herkunft. Bisher habe ich etwa 2900 Personen erfasst. Etwa 80% davon stammten räumlich aus Frankreich nördlich der Loire bis ins heute Belgien (Flandern, Hennegau) hinein. Der Rest sind Südfranzosen, Deutsche und Engländer. Ein paar Italiener und Spanier und dann noch ein kaum nennenswerter Teil aus Osteuropa.

In Frankreich gibt einige Familien mit teils Generationen übergreifender Kreuzzugsbeteiligung. Die von Châtillon, Joinville und Brienne natürlich, oder die Herren von Chacenay und Béthune. Die Lusignan sind natürlich sehr bedeutend, da sie dadurch auch zu königlichen Würden gekommen sind. Das sind so die prominentesten, die mir als erstes einfallen. Aber es gibt noch duzende weitere.

... Aus Sicht der Geschichtsschreibung waren die Kriege gegen die sogenannten Mauren zwar keine Kreuzzüge, andererseits weist die Reconquista schon gewisse Parallelen auf. Immer wieder machten sich Ritter und Knechte aus anderen Ländern nach Spanien auf, ganz wie Kreuzfahrer, und aus Sicht der Kirche konnte man ein Kreuzzugsgelübde auch einlösen, wenn man gegen die Mauren kämpfte.

Der Kreuzzugsbegriff ist neuzeitlichen Ursprungs, auch wenn im Mittelalter natürlich schon vom crucesignatus (Kreuzgezeichneter) gesprochen wird, der im Begriff war, auf eine iter Hierosolymam (Jerusalemfahrt) zu gehen. Dafür erhielten sie kirchliche Ablässe und Schutzgarantien. Ab dem 13. Jahrhundert erhielten Ritter diesen Ablass auch, wenn sie sich für den Kampf gegen die Mauren auf der iberischen Halbinsel entschieden. Las Navas de Tolosa ist ein Beispiel. Auch die Feldzüge Jakobs I. von Aragón (Mallorca, Valencia) wurden mit solchen Ablässen ausgestattet. Ihre Teilnehmer galten im weiteren Sinne damit als Kreuzritter.

Angefangen hat diese Neudeutung des Kreuzzugsgedankens mit dem militärischen Kampf gegen die Albigenser in Südfrankreich zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Erstmals wurden hier Ritter, die bereit waren nach Südfrankreich zu ziehen, mit den selben Ablässen priviligiert, die bis dahin den Jerusalemfahrern vorbehalten waren. Deshalb spricht man heute vom Albigenserkreuzzug. Später versuchten die Päpste sogar Kreuzzüge gegen Kaiser Friedrich II. und die Tataren zu iniziieren.
 
Interessante Fragestellung, aber kaum handlich einzugrenzen—selbst wenn Du mit "deutsche Grafengeschlechter" bloß solche meinst, die innerhalb der Grenzen des heutigen Deutschland begütert waren, und nicht auch die deutschsprachigen und/oder dem römisch-deutschen König lehnspflichtigen Grafen jenseits der heutigen deutschen Grenzen (zu denken wäre bspw. an die Grafen von Cili im heutigen Slowenien oder die Urslinger, die das italienische Herzogtum Spoleto erlangten).

Allein im deutschen Reichsteil existierten fast zweihundert Grafschaften, zwar nicht alle zeitgleich, aber dafür mit wechselnden Inhabern, und da sind die Burg-, Pfalz-, Mark- und Landgrafschaften nicht einmal eingerechnet. Die Gesamtzahl der Häuser, die zu irgendeinem Zeitpunkt im Mittelalter dem Grafenstand angehörten, könnte durchaus hoch dreistellig sein.

Spontan als besonders nennenswert fallen mir ein:
  • die Babenberger, auf dem Gipfel ihrer Macht Herzöge von Österreich; Leopold V. ließ den heimkehrenden Richard Löwenherz gefangennehmen und baute mit dem Lösegeld von 23 Tonnen Silber Wiener Neustadt
  • die Vögte von Plauen, zeitweise Burggrafen von Meißen, stellten zwei Hochmeister des Deutschen Ordens und zahlreiche Deutschordensritter; außerdem heißen in dieser Familie bis heute praktisch alle Männer Heinrich
  • die Waldburg-Zeil, ab dem Spätmittelalter Grafen von Sonnenberg, 1525 maßgeblich an der Niederschlagung der Bauenheere beteiligt
  • die Dohna (ebd. Burggrafen), nahmen an den Hussitenkriegen teil, zuvor (1385-1402) lieferten sie sich mit dem Markgrafen von Meißen eine blutige Fehde
  • die Hanauer, ab 1429 Grafen von Hanau, lieferten sich einen fast fünfzigjährigen Kleinkrieg mit der Reichsstadt Frankfurt, 1389 schlugen sie die Frankfurter und den Rheinischen Städtebund in der Kronberger Fehde
  • die Sponheimer (sog. Hintere und Vordere Grafschaft Sponheim), die sich lange erfolgreich der Territorialisierung ihrer mächtigen Nachbarn widersetzten und so interessante Köpfe hervorbrachten wie Loretta von Sponheim, die 1328 den Kurfürsten von Trier gefangen und ausnahm wie eine Weihnachtsgans
An Deiner Stelle würde ich nicht nur auf die Grafengeschlechter blicken. Es gibt viele interessante Familien auch aus dem übrigen niederen Adel, teilweise sogar mächtiger als manche Grafen. Hier zu nennen wären bspw. die Biberstein, die zeitweise die mächtigste Familie im heutigen Sachsen und Böhmen waren; die Kauffunger, die 1455 die kursächsischen Prinzen entführten; oder die Herren von Eltz (die erst in der Neuzeit Grafen wurden, aber trotzdem eine bewegte Geschichte vorweisen können.)

Bereits bei den von Muck aufgelisteten Grafenfamilien findet sich zwei Familien, die nicht einfach nur Grafen (also ursprünglich Verwaltungsbeamte eines Reichsfürstentums) waren.

Die Familie, die als Babenberger (oder auch jüngere Zweig der Babenberger) in die Geschichte eingegangen ist, waren nie wirklich nur einfache Grafen. Zu Beginn bestanden sie aus zwei Babenberger-Familienzweigen: der eine war mit dem Herzogtum Schwaben belegt und der andere verwaltete die Mark Österreich als Untergebene der Herzöge von Bayern, wobei sie allerdings von Anfang aus politischen und praktischen Gründen viel Selbständigkeit hatten und vom den bairischen Herzögen recht unabhängig waren.
(Politisch: Selbständige Markgrafen konnte der König / Kaiser nutzen, um die Macht der bairischen Herzöge einzuschränken. Praktisch: um die Grenze gegen die Ungarn und Böhmen erfolgreich verteidigen zu können, war es einfach eine Notwendigkeit, dass der Markgraf von Österreich nicht erst noch die Erlaubnis des Herzogs von Bayern einholen musste.)

Aufschlussreich sind auch die Ehen der Babenberger. So finden sich unter den Ehemänner der Kaiserin Gisela ein Babenberger. Die Markgrafen von Österreich schlossen Ehen mit dem ungarischen Königshaus und den böhmischen Herzögen, und das nicht erst, nachdem ein Markgraf Leopold III. eine Kaiserstochter und Kaisersschwester mit Namen Agnes heiratete.
Der genannte Leopold V. war seit seinem Herrschaftsantritt bereits Herzog von Österreich, zum Zeitpunkt der Lösegeldgeschichte war er außerdem bereits Herzog von Steier(mark). Sein Bruder Heinrich führte den Titel eines Herzogs (von Mödling), was zeigt, dass die Herzogswürde der Babenberger nicht an ihre Landesherrschaft gebunden war, sondern auch der Stand der Familie. Leopold VI. war ebenfalls, als er auf Kreuzzug war, bereits Herzog von Österreich und Steier.

Die Sponheimer waren trotz ihres Grafentitels auch nie nur einfache Grafen, sondern besaßen als solche einen reichsfürstlichen Rang. Eine Linie von ihnen waren Herzöge von Kärnten.

Die Grafen von Tirol waren spätestens im 13. Jahrhundert gefürstete Grafen, das bedeutet, sie hatten trotz ihres Grafentitels den Rang eines Reichsfürsten, und da waren sie nicht die einzige Familie. Die Grafen von Andechs stiegen nach dem Sturz von Heinrich dem Löwen zu Herzögen auf, ebenso die Markgrafen von Steier.

Die Markgrafen von Brandenburg, ohnehin keine einfachen Grafen, behaupteten sich als Königswähler und gehörten im Spätmittelalter zu den Kurfürsten.

Der Babenberger Heinrich II. war ein jüngerer Sohn seiner Familie und zunächst Pfalzgraf bei Rhein. Als er seinem Bruder als Herzog von Bayern nachfolge wurde, musste er auf die Pfalzgrafschaft bei Rhein verzichten. (Zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht erlaubt, dass jemand in Personalunion zwei Reichsfürstentümer hatte. Was zeigt, dass die Pfalzgrafschaft bei Rhein wie auch das Herzogtum Bayern damals beide als Reichsfürstentümer galten.)
Es war dann Heinrich der Löwe, der als Herzog von Sachsen und Bayern sozusagen mit königlich-kaiserlichem Konsens den ersten Präventivfall diesbezüglich setzte.

Im Spätmittelalter versuchten die Herrscher des Heiligen Römischen Reichs ihre Macht auszubauen, indem sie Grafenfamilien fürsteten. Damit versuchten sie gleichzeitig ihre eigenen Macht zu mehren und die Macht von etablierten Familien (meistens Konkurrenten) zu mindern. Ob das erfolgreich war, hing allerdings gewöhnlich davon ab, ob dieses gefürsteten Grafenfamilien sich gegenüber ihren bisherigen Lehnsherrn und ihren Nachbarn behaupten konnten. (Die Grafen von Arco wurden mindestens ein zweites Mal gefürstet, da sie beim ersten Mal letztlich auf diese Fürstung wieder verzichteten, konnten sie sich doch aus eigener Kraft nicht gegenüber dem Hochstift Trient und der Republik Venedig zu behaupten.

Geht es dir eher um einfache Grafenfamilien, um Landgrafen, Burggrafen, Markgrafen oder um erfolgreiche und gescheiterte Aufsteigerfamilien oder um gefürstete Grafen? Ich würde da weniger am Titel orientierten.
 
Und zeitweise (nicht alles zugleich) auch Herzöge von Schwaben und Bayern sowie Pfalzgrafen am Rhein sowie später Herzöge der Steiermark.

Von den Babenbergern nahm Heinrich II. Jasomirgott am Zweiten Kreuzzug teil, Leopold V. am Dritten Kreuzzug. Friedrich I. war beim von Kaiser Heinrich VI. initiierten Kreuzzug dabei. Leopold VI. war gemeinsam mit dem ungarischen König Andreas der Anführer des Fünften Kreuzzugs.
Zu ergänzen wäre außerdem:
Judith, eine Schwester von Heinrich II. Jasomirgott, war mit Markgraf Wilhelm V. von Montferrat verheiratet. Heinrich II. Jasomirgott war also der Onkel von Konrad von Montferrat. Der wiederum war kurz König von Jerusalem und über seine Nachkommen (weibliche Linie) blieb zumindest der Titel des Königs von Jerusalem.
 
Es gibt aber auch ein paar deutsche Familien, die eine gewisse "Tradition" an Kreuzzugsteilnahmen aufweisen können.

Etwas herausstechen dabei die Grafenfamilien von Andechs und Bogen in Baiern, von den Burggrafen von Regensburg sind zwei (Heinrich II. und Heinrich III.), von den Sponheimern sind vier bekannt. Dann noch am Rhein die Grafen von Berg, oder die Ministerialen von Bolanden, von denen einer ja Meister des Deutschritterordens wurde.
 
Der Babenberger Heinrich II. war ein jüngerer Sohn seiner Familie und zunächst Pfalzgraf bei Rhein. Als er seinem Bruder als Herzog von Bayern nachfolge wurde, musste er auf die Pfalzgrafschaft bei Rhein verzichten. (Zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht erlaubt, dass jemand in Personalunion zwei Reichsfürstentümer hatte. Was zeigt, dass die Pfalzgrafschaft bei Rhein wie auch das Herzogtum Bayern damals beide als Reichsfürstentümer galten.)
Es war dann Heinrich der Löwe, der als Herzog von Sachsen und Bayern sozusagen mit königlich-kaiserlichem Konsens den ersten Präventivfall diesbezüglich setzte.
Dennoch kam das vor. So war Otto 976-982 gleichzeitig Herzog von Bayern und von Schwaben. Und auch Heinrichs des Löwen Vater Heinrich der Stolze war bereits parallel Herzog von Bayern und von Sachsen gewesen.
 
Bei Heinrich dem Stolzen ist sich neuere Forschung jedenfalls nicht sicher, ob nicht eine interne Teilung geplant gewesen wäre: Heinrich ist Herzog von Sachsen, sein Bruder ist Herzog von Bayern. Die Personalunion bei Otto war nur einige Jahre und wurde auch nicht wiederholt. Jedenfalls fällt auf, dass erst nach Heinrich dem Stolzen plötzlich eine ganze Reihe von Personalunionen da ist.
 
Die Grafen von Virneburg (13. Jahrhundert) sind auch nicht uninteressant. Sie dürften zwar nur von lokaler Bedeutung gewesen sein, stellten aber immerhin zwei (geistliche) Kurfürsten.
 
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