Ist die Eroberung Südamerikas durch die Spanier ein humanistischer Eingriff gewesen?

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Entdeckungen (15. - 18. Jhd.)" wurde erstellt von msecure, 22. Januar 2011.

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War die Eroberung Südamerikas ein Humanistischer Eingriff?

Diese Umfrage wurde geschlossen: 21. Februar 2011
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  1. Dimas

    Dimas Gesperrt

    Nein nein so sage ich das nicht. Vielleicht habe ich es falsch gesagt. Ich habe gesagt sie feiern die Christentum das wir gebracht haben. Aber sehen vieles auch schlecht. Wir gelten als eingebildet, arrogant und narzisstisch. Meine Kamerad aus Peru hat es mir so erklärt. Egal wie mein Charakter ist die erste Eindruck dort ist zuerst kritisch. Die Art wie ich rede hört sich dort arrogant an. Die Position wie ich Haltung habe wirkt "spanisch". Die Schultern zurück, Brust hervor etwas und meine Augen im Gespräch. Es wird zuerst negativ gesehen als Spanier dort. Aber nicht "böse negativ". Verstehst du meine Idee?
     
  2. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Mit Verlaub: Die große Mehrheit in Lateinamerika feiert die Spanier überhaupt nicht. Das tun nur wenige Leute hauptsächlich aus sehr konservativen, katholischen Umfeld. Die Mehrheit sieht sie als räuberische Invasoren.

    EQ hat schon einige abwertende Begriffe aufgeführt, ich könnte noch einige andere erwähnen..



    Geheiratet haben sie diese nur gelegentlich, viel häufiger war es Menschenraub und Vergewaltigung.

    Dazu ein Begriff als Beleg: Das in Lateinamerika übliche Wort für "F...n" ist "coger."
    Eigentlich heisst das "nehmen, greifen, fassen". In Spanien benutzt man es nur in diesem Sinne, in Lateinamerika werden dagegen dafür Synonime wie "agarrar" , "prender" "empuñar" oder "tomar" verwendet, da "coger" diesen obszönen Sinn hat. Der Grund stammt aus der Kolonialzeit, als die spanischen Conquistadores sich zum Feierabend gegenseitig sagten: "Vamos a coger unas indias.". (Last uns ein paar Indianerinnen greifen).

    Und dass z.B. Briten und Holländer noch schlimmere Kolonialherren waren, bedeutet noch lange nicht, dass Spanier und Portugiesen "gut" waren, wie man es in Spanien (und Portugal) oft zu hören bekommt.

    Mag sein, dass die Taten der Seeleute und Eroberer erstaunlich und sogar in gewissen Sinne bewundernswert waren, ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass es nichts als Räuber und Piraten waren. Die Spanier beklagen sich heute noch gerne darüber, dass die Briten, Holländer und Franzosen sie auf den Rückweg aus Amerika überfielen und ihnen "ihr" Gold und Silber abknüpften. Ihres? Das hatten sie gerade anderen Menschen geklaut bzw. sie in den Bergwerken von Potosi zu Tode schuften lassen um es ihnen abzuknüpfen.

    Christoph Kolumbus (oder Cristobal Colon) war gerade erst vor der amerikanischen Küste aufgetaucht, als eine seiner ersten Taten darin bestand, eine große Piragua zu kapern und die dort mitgeführten Sachen (darunter ein wenig Goldschmuck) und die Besatzung nach Spanien zu verschleppen.

    Letzten Endes hat es jedoch zum Untergang Spaniens geführt, da dadurch keine bürgerliche Kultur der Arbeit entstehen konnte. Reichtum erwarb man besser in Amerika, entweder durch Raub oder in dem man Indianer und Afrikaner als Sklaven arbeiten liess, als selbst zu buckeln.

    Lies bei Gelegenheit mal "Las venas abiertas de America Latina" von Galeano.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. November 2014
  3. Dimas

    Dimas Gesperrt

    Ich kenne keinen menschen in Peru oder Argentina der mich als Pirat oder Invasor sehen. Ich bin stolz. Spanien hat die Welt getan wie sie ist.

    Um etwas neues zu erschaffen muss immer altes zerstört werden. creation through destruction.

    Was war denn alternative? Immer wenn eine starke Volk auf ein schwaches trifft passirt das.

    In Spanien sehen wir stolz auf die geschichte. es ist wie es ist.
     
  4. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Nicht dich, sondern deine Vorfahren. Oder besser gesagt einiger deren Eigenen. Deine sind ja letzten Endes in Spanien geblieben.

    Und anscheinend hast Du dort nicht all zu viele Leute getroffen, denn ich habe so etwas sehr häufig zu hören bekommen, obwohl ich gar kein Spanier bin.

    Muss es dass? Gibt es nicht etwa auch synkretische Kulturen, wie z.B. die der Araber in Al Andalus?

    Man kann auch zuhause bleiben und arbeiten. Oder in die Ferne reisen und handeln.

    Stolz sollte man sein auf das was man selber geschaffen hat. Nicht auf irgendwelche Geschichten aus ferner Vergangenheit. Wie schon erwähnt, war die Eroberung Amerikas auch die Ursache für die Dekadenz Spaniens.

    Das und der rückwärts gerichtete Blick. Nicht umsonst hat die "Generation del 98" schon gefordert, man müsse das Grab des Cid mit zehn schlössern versehen, um endlich mal in Richtung Zukunft zu gehen.

    Es ist mir schon aufgefallen, dass in den letzten Jahren in Spaniens Bücherläden alle möglichen unkritischen Bücher über Geschichtsthemen auftauchen. In Zeiten der Krise sucht man Trost in der vermeintlich großartigen Vergangenheit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. November 2014
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Wenn die Spanier nicht (mehr) einen so schlechten Ruf in Lateinamerika haben sollten*, dann kann das doch auch daran liegen, dass die Kolonialvergangenheit dort vor knapp 200 Jahren zu Ende ging. In den USA hingegen liegen die Konflikte deutlich weniger weit in der Vergangenheit.

    *Ich kann dies selber nicht einschätzen.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Lassen wir doch mal bzgl. der Opfer die Conquistadoren selber sprechen. Cortés zeigt sich in seinen Berichten immer wieder über die Praktiken der Indigenen entsetzt. Nennt aber die Tlatztalteken gleichzeitig treue Verbündete. Ein Massaker an Frauen und Kindern Tenochtitláns durch die Tlatztalteken habe er nicht verhindern können schreibt er in seinem zweiten oder dritten Berichta an Karl V. Habgier und Missionseifer waren auch kein Widerspruch.
    Díaz del Castillo, dessen Verhältnis zu Cortés als ambivalent zu beschreiben ist - zum einen greift er Francisco López de Gómara an, der war in México nicht dabei, aber in Cortés' späteren Leben dessen Hauskaplan und Sekretär und widerspricht diesem, zum anderen schreibt er seine Verdadera Crónica ja, um die Leistungen der Ungenannten (also auch seiner selbst) hervorzuheben - beschreibt immer wieder, wie Cortés den Frieden mit den Indigenen gesucht habe und dass er ihnen die Jungfrau Maria zur Anbetung empfahl, wohingegen er das Opfern in den Tempeln verbot. Teilweise hätten die Priester ihre von altem Blut verklebten Umhänge getragen und die abgezogenen Häute haben in den Tempeln auf den "Türmen" (den Pyramiden) zur Schau gestellt gestanden.
    Der Aufforderung, die Tempel zu säubern seien manche Indigene unverzüglich nachgekommen, andere gar nicht. Wiederum andere hätten den Spaniern gesagt, sie trauten sich nicht das zu tun, um die Götter nicht zu erzürnen, die Spanier sollten das selber tun, was jeweils andere Reaktionen hervorrief. Auf Cozumel hätten die dortigen Maya den Spaniern den Untergang ihrer Schiffe vorausgesagt, aber nichts gegen die Säuberung der Tempel unternommen (Cozumel wird als eine Art Pilgerstätte beschrieben, zu der auch regelmäßig Maya aus Yucatán kamen), ich weiß nicht mehr ob es in Cemp(o)ala oder Quiahuiztlán war, in einem dieser beiden Orte (die Tenochtitlán untertan waren) wäre es fast zum Kampf zwischen Indigenen und Spaniern gekommen, als die Indigenen sich geweigert hatten, die Tempel zu säubern und die Stadtvorsteher den Spaniern gesagt hatten, sie wollten zusehen, was den Spaniern passiere, wenn sie die Tempel säuberten, sie selber trauten sich nicht. Nur durch die Vermittlung der Fürsten konnten da Kämpfe verhindert werden.

    Die Habgier Cortés - der trotzdem ein Fünftel der erworbenen Schätze nach Spanien schickte (allerdings wurde seine Erste Sendung von französischen Freibeutern aufgebracht und landete anstatt am spanischen am französischen Königshof) - widersprach also nicht seinem missionarischen Eifer. Cortés schreibt auch an den Kaiser in seinem zwieten Bericht, dass es nach dem Sieg über Tenochtitlán zu unschönen Szenen seitens der Spanier gekommen sei, die sich während der Siegesfeier sexuell danebenbenommen hätten und so ein wenig christliches Vorbild gegeben hätten, er hätte die Betreffenden bestraft, weil es der Missionierung der indigenen Bevölkerung wneig zuträglich sei, wenn man sich so daneben benehme...

    Natürlich verfolgte Cortés bei seinen Berichten und auch Bernal Díaz bei seiner Verdadera Historia ein Mitteilungsziel und das war, neben dem Erhalt der Deutungshoheit über die Ereignisse natürlich, sich selbst ins positivst mögliche Licht zu rücken und auch Bischof Fonseca, der in Sevilla über die Casa de Contratación wachte und damit einen erheblichen Einfluss darauf hatte, wer oder was nach Südamerika kam und welche Informationen an den zum damaligen zeitpunkt in Flandern sitzenden Kaiser weitergeleitet wurden.
     
    Carolus gefällt das.

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