Kalkriese als Ort der Varusschlacht zweifelhaft

Kalkriese wird man als den Endpunkt einer mehrtägigen Schlacht betrachten können. Frauen und Kinder werden bei den letzten Durchbruchsversuchen der verbliebenen Einheiten im Abwehrkampf nicht mehr dabei gewesen sein.

Zudem wird ein Verschrottungsplatz fast ausschließlich militärisches Material (z.B. die gefalteten Schildrandbeschläge) enthalten haben.
 
Kalkriese wird man als den Endpunkt einer mehrtägigen Schlacht betrachten können. Frauen und Kinder werden bei den letzten Durchbruchsversuchen der verbliebenen Einheiten im Abwehrkampf nicht mehr dabei gewesen sein.
Wenn dem so wäre, was ich für durchaus plausibel halte, ( ich bin auch dieser Auffassung, wenn eventuell neue Funde auftauchen wird man weiter sehen) würde ich auch keine solchen Funde erwarten. Frauen und Kinder?? werden es , wenn überhaupt, nur in sehr geringer Zahl geschafft haben bis hier zu kommen.
 
Ich habe mir das Buch von Schröder bestellt (allerdings nicht käuflich, kann daher etwas länger dauern). Die Aussage, dass man keine Gegenstände von Frauen gefunden habe, überrascht mich ein wenig, da Rost in einer Publikation von "Haarnadeln"(??? ist schon etwa 15 Jahre her, dass ich das gelesen habe, ich erinnere mich nicht genau) schrieb. Das war in demselben Text in den Xantener Beiträgen (von 2009?), in dem es auch um medizinisches Besteck und den Nachweis von Verwundeten in Kalkriese ging.
 
Das Buch habe ich schon seit einer Woche zu Hause liegen, jedoch noch nicht komplett gelesen. Frau Schröder hat ein paar Fundstücke anders angesprochen, was durchaus vertretbar ist, sowie die Fundlage versucht neu zu beurteilen. Tenor ist letztendlich, dass es sich in Kalkriese definitiv um ein militärisches Kampfereignis handelt, welches z.Zt. der Statthalterschaft des Varus oder (kurz) danach ereignet hat. Und das die 19. Legion in diese Auseinandersetzung involviert war.


Hinzuzufügen wäre noch: es wurden die Fundstücke bis Ende 2017 für diese Doktorarbeit berücksichtigt. Die Münzen wurden nicht in die Betrachtung einbezogen.

(Der Schienenpanzer, das komplette Pilum, die Dolchscheide usw. wurden erst bei der Grabung 2018 entdeckt)
 
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Nein. Kalkriese ist sicherlich nicht in Größe und Lage der kuscheligste Platz für ein römisches Lager, und Dichte und Art der Funde sprechen gegen den Überfall auf ein Nachschublager.

Beim Überfall auf ein schon länger bestehendes Nachschublager hätte ich außerdem mit mehr Scherben an Gebrauchskeramik und Scherben von Vorratsgefäßen gerechnet: Genau die fehlen in Kalkriese.

Und "das Lager des Varus", wie andere Verfechter der "Lager-Überfall-Theorie" meinen, wird es dort schon gar nicht gewesen sein. Das mit Gras gestopfte Glöckchen des Maultiers allein wäre schon ein gewisses Indiz dagegen.
 
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Jetzt habe ich eine Verständnisfrage: Warum nimmt man dem Maultier das Glöckchen nicht einfach ab?
Dann scheppert es auf dem Maultiergepann weiter. Nur ein gestopftes Glöckchen ist ein stilles Glöckchen.

Und wie @Mittelalterlager angedeutet hat, wir harren der Wiederentdeckung der diesbezüglichen Dienstanordnung, mit Varus-Gegenstempel "VAR".
 
Wozu solche Glocken grundsätzlich da sind, ist mir bekannt.
Aber im Militäreinsatz stören sie doch fast immer.
Glaube ich so nicht. Da vermutlich vorwiegend gelagert und marschiert wurde machen die durchaus Sinn. Gibt es da nicht irgendwo in der römischen Literatur Hinweise, das auch Legionäre ab und an ihre Ausrüstung geräuschdämpfend herrichten mußten? Ich meine das hätte ich vor nicht allzulanger Zeit sogar hier im Forum gelesen!???

Ich drücke es mal anders aus.
Ich Gebieten die als befriedet galten machte das Sinn, auf Kriegszügen auch, aber nicht, wenn sich die Truppe mit kleinem Gepäck in Feindesland befand.
 
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