Kinder, der Rücken der Industrialisierung?

Dieses Thema im Forum "Die Industrielle Revolution" wurde erstellt von Marschl, 6. Januar 2010.

  1. Marschl

    Marschl Neues Mitglied

    Hallo,

    ich soll ein Referat über Kinderarbeit in der Industriellen Revolution halten und dabei spezifisch auf die Fragestellung "Kinder, der Rücken der Industrialisierung?" eingehen. Deshalb würde ich mal gerne eure Meinung einbeziehen, in welcher Form die Industrielle Revolution möglich gewesen wäre, wenn es keine Kinderarbeit gegeben hätte und welche Folgen oder Nachteile bzw. Vorteile dies mit sich gebracht hätte.

    Gruß Marschl :winke:
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Was sind denn die Vorteile der Kinderarbeit? Für wen?
    Was sind die Nachteile der Kinderarbeit? Für wen?

    Welche Folgen hat die Kinderarbeit für
    - den Unternehmer?
    - die Familie des Kindes kurzfristig?
    - die Familie des Kindes langfristig?
    - das Kind?
    - für die Gesellschaft?
     
  3. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Vorweg noch eine Frage: Wie definierst du bzw. dein Lehrer "Kinderarbeit"? Selbst nach heutigem Verständnis gibt es unterschiedliche Definitionen des Begriffes "Kind". Die UNO sagt dass jeder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ein Kind ist, das deutsche Recht spricht von einem Kind bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. Bis zu welchem Alter würdest du von Kinderarbeit sprechen? Ab wann nicht mehr?
     
  4. Marschl

    Marschl Neues Mitglied

    Also, ich versuche jetzt mal deine Fragen zu beantworten, korrigiert mich bitte wenn was falsch ist.

    Weniger Kosten für die Arbeitgeber und eine höhere Produktivität, da Erwachsene die Arbeiten ja nur beschränkt ausführen können (aufgrund von Körpergrösse, etc.).

    Die Kinder haben schlechte Lebensbedingungen (Todesrate höher), keine bzw. kaum Bildung und praktisch keine Zukunft, also gibt es keine allgemeine Bildung der Gesellschaft in späteren Generationen.

    Wie schon gesagt; Kinder sind billige Arbeitskräfte und so bleibt mehr Geld für andere Investitionen.

    Die Familie hat etwas mehr Geld um über die Runden zu kommen, aber nur so lange bis das Kind ausgewachsen ist (vorrausgesetzt es stirbt nicht vorher) und somit zu groß ist für die Arbeiten.

    Ich wiederhole mich schon wieder...
    Das Kind hat keine Möglichkeit zur Bildung und muss in Armut leben und noch dazu schwer schuften.

    Die Gesellschaft entwickelt sich nicht weiter, da die neue Generation für die alte Arbeiten muss.


    Das ist vielleicht jetzt alles etwas lückenhaft beantwortet und deshalb würde ich mich auchs ehr über Ergänzungen freuen, jedenfalls schonmal Danke!

    EDIT zu Lilis Post:

    Ich denke man kann bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres von einem Kind sprechen, denn bis dahin wäre die grundlegende Bildung eines Kindes, zu dieser Zeit, abgeschlossen gewesen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2010
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Den zweiten Punkt würde ich auf den Bergbau beschränken.

    Bei den langfristigen Folgen hatte ich eher an den Teufelskreis gedacht, dass die Kinder ohne die erforderliche Bildung nicht aus dem Milieu, dem sie entstammen herauskommen, sich die familiäre Lage über die Generationen also fortsetzt, ohne wirkliche Aussicht auf Verbesserung.
     
  6. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Das verstehe ich nicht Marschl.
    Wieso können Erwachsene Arbeiten nur beschränkt ausführen?
    Auf Grund der Körpergrösse und Kraft sollten sie doch alles besser machen können.
    Die Mähr von den sieben Zwergen im Bergwerk ist ja auch schon ziemlich alt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2010
  7. Mercy

    Mercy unvergessen

  8. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Hmmmm. Klar, Kinder erhalten niedrigere Löhne als erwachsene Arbeiter. Aber was bedeutet dies zb für die Profite des Unternehmers?

    Kinder wurden an einigen Arbeitsplätzen auch gezielt eingesetzt, zb in Bergwerken oder an Maschinen (zb Textilindustrie), wo sie aufgrund der geringeren Größe Erwachsenen gegenüber 'Vorteile' hatten. Dh Flöze mußten nicht so ausgebaut werden, daß Erwachsene dort arbeiten konnten; Maschinen mußten nicht entsprechend verändert werden. Was bedeutet dies für Innovation und Investitionen? Gab es diese bzw inwieweit, und läßt sich beides überhaupt mit heutigen Verhältnissen vergleichen?
     
  9. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Auch in der Industrie (Bsp Textilindustrie) wurden gerne Kinder beschäftigt, die mit ihren kleinen Händen besser in der Lage waren, verhedderte Spinn- oder Webfäden zu entwirren etc. Ich würde den Punk für nicht besonders zentral halten, aber das Argument zieht nicht nur in der Montanindustrie.

    Ist das jetzt ein Vor- oder ein Nachteil? Ein Reservoir ungelernter Arbeitskräft ("Niedriglohnsektor"), die durch ihre soziale Lage zu jedweden Bedingungen zur Arbeit gezwungen werden können, sind für die Unternehmen doch toll.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Unbestritten. Hier ging es aber um die langfristigen Folgen für die Familie des Kindes.
     
  11. Marschl

    Marschl Neues Mitglied

    Erstmal danke für eure zahlreichen Antworten.

    Okay, Innovationen wird es dadurch nur beschränkt gegeben haben, aber das Geld welches eingespart wurde konnte doch sicherlich der Ausweitung des Fabriksystems dienen?
    Zusätzlich bin ich der Meinung, dass sich das Ganze nur schwer mit den heutigen Verhältnissen vergleichen lässt.

    Kann man jetzt aber allgemein sagen, dass ohne die Kinder als Arbeitskräfte die Industrialisierung schleppender voran gegangen wäre?
     
  12. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Marschl

    "Kann man jetzt aber allgemein sagen, dass ohne die Kinder als Arbeitskräfte die Industrialisierung schleppender voran gegangen wäre?"

    Kinderarbeit war vor der Zeit der Industrialisierung überhaupt kein Problem. Kinder haben immer z.B. in der elterlichen Landwirtschaft mitgearbeitet oder auch in der elterlichen Werkstatt. Erst in der Zeit der Industrialisierung wurde Kinderarbeit als Problem wahrgenommen.

    Deine gestellte Frage, ist schwer, wenn überhaupt, beantwortbar. Hierzu würde man historische Statistiken über den Umfang von Kinderarbeit in den einzelnen Branchen, die Akkumulationsraten der Branchen sowie Profitraten benötigen und diese in vernünftige Korrelationen bringen müssen. Dieses würde den Umfang eines Referates bei weiten sprengen. Stell die Frage und laß sie mit Hinweis auf den Rahmen eines Referates unbeantwortet, es sei denn, Du findest Literatur hierzu oder ein geneigter Mitdiskutant kann Dir Literatur empfehlen.


    M.
     
    1 Person gefällt das.
  13. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Kommt darauf an, wie man das "Pferd" gedanklich aufzäumt. In meinen Augen nicht wirklich. Voraussetzung für die Industrialierung waren ja z.B. die Maschinen, an denen vor allem in Bereichen der Feinmotorik lieber Frauen und Kinder eingesetzt wurden.
    Es wurden jede Menge neuer Maschinen entwickelt und die Erfinder dachten dabei nicht erster Linie daran (wenn überhaupt) Maschinen zu entwickeln, die von Kindern oder Frauen bedient werden sollten. Es hat sich nur im Alltag erwiesen, dass grobere Männerhände eben für bestimmte Arbeiten nicht geschaffen waren, ebenso wie Gruben und Bergwerke einfacher und kostengünstiger zu unterhalten waren, wenn man Material und Aufwand sparte, weil Kinder durch kleinere Gänge kriechen konnten, man nicht soviel abstützen musste, zumal kleinere Gänge kurzfristig auch sicherer waren (jedenfalls solange sie nicht einstürzten).

    Ein unbestreitbar günstiger Nebeneffekt waren die günstigeren Löhne und dadurch eine kostengünstigere Produktion. Wären Kinder und Frauen für die Maschinerie weniger geeignet gewesen als Männer, hätte man sie allerdings dennoch nicht großflächig eingesetzt. Niedrigere Löhne bringen nämlich nichts, zumindest nicht viel, wenn die Produktionsmenge nicht gleichzeitg wenigstens gleich bleibt oder sogar steigt!
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Januar 2010
  14. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Voraussetzung war des weiteren das irgendeiner das Geld hat das Zeug zu kaufen.

    Die Industrialisierung begann zuerst am Land und dann erst in den Städten.
     
  15. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

    Aber die Preise für industriell hergestellte Erzeugnisse liegen doch unter denen, die handwerklich hergestellt sind. Das ist doch der Sinn der Industrialisierung. Oder bring ich jetzt was durcheinander?

    Könntest du das bitte noch mal genauer erläutern?
     
  16. Caro1

    Caro1 Neues Mitglied

    Zoki hat nicht ganz Unrecht. Allein dass Preise sinken bedeutet nicht automatisch, dass die breite Masse sie zahlen kann. Voraussetzung ist doch auch mehr "income". Auch wenn gerne gesagt wird, man arbeitete für Dumpinglöhne, waren es die Fabrikarbeiter/innen, die sich mehr leisten konnten, als eine kleine Wäscherin oder Weißnäherin. Man könnte sie fast als neue Gesellschaftsschicht bezeichnen. Andererseits etablierten sich wieder neue Geschäftszweige bzw. wurden ausgebaut um die Bedürfnisse der Fabrikarbeiter/innen zu befriedigen.
     
  17. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    GB war ein Hochpreisland für die damalige Zeit neue Produktionswege waren unumgänglich geworden.

    Allerdings was immer vergessen wird sind die Produktionssteigerungen in der Landwirtschaft. Die es ermöglichte eine riesige Menge Leute freizusetzen.

    Desweiteren dominierten in der Preindustrialisierung Mischformen. Mutter Tochter arbeiten in einer Fabrik und führen mit Vater und Sohn einen Bauernhof. Solche konstelationen waren noch sehr lange prägend.

    Allerdings wäre es umdenkbar gewesen das ein einfacher Bauer noch vor dem 19 Jahrhundert ein Baumwollhemd trägt made in einer Fabrik.

    Die Kleidung muste notgedrungen zuhause prdouziert werden. Die Industrialisierung ist eine Mischung aus Handwerk verdrängen und einer allgemein höheren Kaufkraft auf dem Lande.
     
  18. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

    Danke dir.
     
  19. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Welcher Zeitraum ist hier gemeint?


    Sicher gab es Produktivitätssteigerungen. Die reichten jedoch nur in guten Jahren zur Deckung.
    Entscheidend für die britischen Konjunkturkrisen in der ersten Hälfte des 19. JH waren die Mißernten, die für die Landbevölkerung drastische Folgen hatten:
    1836/39
    1845/47
    Das Ausmaß ist ablesbar an den britischen Getreideeinfuhren.

    Die Landwirtschaft konnte die Familien in den genannten Zeiträumen nicht ernähren. Die Abwanderungen waren existentiell bedingt.

    Vorausgegangen waren "gute Jahre" 1833/35. Diese führten zu reichlich Geld im Markt, den Gründungen der ersten Aktienbanken auch in der Provinz (Voraussetzung für kapitalintensive Produktion), ersten Erfolgen der Eisenbahnen, denen Spekulationswellen folgten. Die Spekulationen brachen etwa zeitgleich mit den Mißernten zusammen.
     
    1 Person gefällt das.
  20. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Das unterscheidet sich schon deutlich von den Verhältnissen in der Landwirtschaft, z.B. was die Rachitis angeht:
    engels
     
    1 Person gefällt das.

Diese Seite empfehlen