Klimageschichte

Dieses Thema im Forum "Geschichte der Naturwissenschaften" wurde erstellt von steffen04, 22. April 2013.

  1. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    Ich denke man muss bei Der Reaktion einer Kultur unterscheiden. Entweder es ist eine tatsächliche reaktion im Sinne die Veränderung wird erkannt und sich eine Lösung überlegt oder die Kultur reagiert quasi nicht und die verschlechternden Bedingungen erzwingen eine reaktion, bspw, den Untergang der Kultur. Letzteres zähle ich nicht als Kulturelle Reaktion dazu auch wenn sie logischerweise ihren Niederschalg in der Geschichte findet.
    Wie treffend von ZaphodB bemerkt ist die menge an Publikationen die heute zu dem Thema Geschichte und Klima erscheint eine unmittelbare Folge der aktuellen Diskussion zum Klimawandel. Sonst hätte auch SPON kaum dazu eine zeile verloren.
    Und damit verhält es sich wie bei alen Werken über geschichte, sie geben ebensoviel Auskunfr über ihre Entsstehungszeit als über die dargestellte Epoche.
    Unser zeitgeist ist es auf einen kimawandel reagieren zu müssen und durch die Verdeutlichung des enormen Einflusses des Klimas auf Wohlstand einer Kultur den Leidensdruck zu erhöhen. Ich will das nicht kritisieren. Ist einfach nur eine Feststellung.
    Ich persönlich glaube das der heutige Klimawandel und die Energiewende eine der größten Wenden der Menschheit in den letzten 1000 Jahren wird. Aber das hier ist ja ein Geschichtsforum und ob ich recht aheb können dann die enkel diskutieren.
     
  2. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    ich versteh dich schon und deine Meinung ist ja auch ok. Die Betrachtung vom Klimaeinflüssen auf die menschliche Kultur ist aber halt auch bei der Erklärung der Folgen von Nicht-Reaktion nützlich. Wahrscheinlich sogar vor allem da.

    Das Wetter kräht auf dem Mist, dann die Zivilisation sich ändert oder bleibt wie sie ist. Sozusagen.

    Ogottogottogott ich muss dringend wieder weiterarbeiten...
     
  3. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    @steffen
    ich hoffe du hast noch weitergearbeitet? :winke:
    Deine theorie mit der nicht-Reaktion würde mich mal interessieren. Inwiefern denkst du kann man am Klima ablesen ob eine Gesellschaft reagiert oder nicht?
     
  4. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Verwirr mich nicht. Hier geht es doch um die Reaktion der Gesellschaft auf das Klima und nicht andersrum?

    Und das Gesellschaften auf Klimaänderungen auch nicht reagieren können war doch eher deine Theorie?
     
  5. Carsten

    Carsten Neues Mitglied

    @steffen04
    Äh ja zugegeben, habe ich gestern deinen vorherigen Post falsch interpretiert.
    Du wolltets wohl darauf hinaus, das es aufschlussreich ist zu schauen was mit einer Kultur passiert wenn sie sich nicht an Klimaänderungen anpasst.
    Das fällt dann bei mir ja auch unter Nicht-Reaktion.
     
  6. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    so war`s gemeint
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Äh möglicherweise hab ich das jetzt falsch verstanden, aber die Inka gingen m.W, nicht unter weil sich das Klima änderte sondern weil sie in Folge innerer Unruhen geschwächt, von den Spaniern erobert wurden.
    Aber zurück zum eigentlichen Thema.
    Gesellschaften und Kulturen haben so lange Bestand, wie sie in Aufbau und Organisation homogen und gleichzeitig flexibel genug sind um auf Veränderungs- und Bedrohungsszenarien gleich welcher Art zu reagieren,ohne das es zu Verteilungskämpfen kommt,die die Kultur auseinander brechen lassen.Dazu zählen neben Klimaveränderungen soziale und politische Unruhen,miöitärische Bedohung,Seuchen,etc.
    Die Ursache für den Niedergang einer Kultur liegt also primär in Ihrer inneren Struktur, nicht im Bedrohungsszenario-
     
  8. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    "miöitärische Bedohung"
    upps -meinte naürlich "militärische Bedrohung"

    Im Prinzip waren bis ins 19.Jahrhundert alle Gesellschaften agrarisch orientiert, trotzdem wurden Klimawechsel mehrheitlich überstanden,ohne daß diese Gesellschaften und Kulturen auseinander brachen.
    So führte z.B. der Übergang von frühmittelalterlichem Klimaoptimum zur kleinen Eiszeit keineswegs zum Untergang der europäischen Kultur oder zum Auseinanderbrechen der Gesellschaft im mittelalterlichen Europa und die großen Auseinandersetzungen der Europäischen Geschichte hatten andere (religiöse,machtpolitische,soziale) Hintergründe.
     
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  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    So schnell geht das beim Spiegel der gern erklärt was er selber nicht versteht..
    Der Artikel auf den sich der Spiegel beziehen will, wurde im Dez. 2012 eingereicht, und nach Prüfung, (wie es bei Fachzeitschriften, aber nicht bei Gazetten, üblich ist) im März 2013 akzeptiert und schließlich am 21. April 2013 veröffentlicht.
    Noch am gleichen Tag haut der Spiegel seine Story raus und erklärt uns gleich seine geschichtliche Weltsicht..

    Man kann sich fragen ob die Geschichte einzelner Kulturen und Regionen klimageschichtlich wesentlich beinflusst waren.
    Nachdem aber die lokalen Datenerhebungen hierzu jung sind, wird es wohl noch ein bisserl dauern, bis sie sinnvoll im sonstigen Kontext eingebunden werden können.

    Betrachtet man wesentlich größere Zeiträume, wie etwa den Beginn der Polvereisung, in erdgeschichtlich junger Zeit, vor ca. 4,5 Mio Jahren,
    oder das Ende der letzten Eiszeit, in menschlich kulturgeschichtlich alter Zeit, vor ca. 13.000 Jahren,
    kann man weit eher zu vernünftigen Schlussfolgerungen kommen.

    P.S.:

    Leider erklärt uns das nicht, warum die Mayas untergingen (oder Ludwig der 16. geköpft wurde)...
    Gottlob aber haben wir den Spiegel und seine tagesaktuelle Wissenschaftsabteilung.
     
  10. hatl

    hatl Premiummitglied

    Klimageschichte und das Römische Reich und Anderes auch..

    Die Wissenschaft der Klimarekonstruktion ist sehr jung, macht aber rasche Fortschritte.
    Getriggert wird das nicht zuletzt durch den gegenwärtigen Klimawandel

    Die Verbindung von Klimarekonstruktion und Geschichtswissenschaft beginnt wohl erst Ende der 70er des 20. Jhds.

    Sehr lesenswert finde ich hierzu einen Artikel von McCormick, und anderen, von der Harvard University:
    Climate Change during and after the Roman
    Empire: Reconstructing the Past from Scientific
    and Historical Evidence


    Es geht um den Zeitraum von 100 B.C. – 900 A.D.
    Wer sich mit der Geschichte des römischen Reiches, oder der römischen Reiche, befasst, wird diesen Artikel des „Journal of Interdisciplinary History“ vielleicht verschlingen und als wertvolle Ergänzung des Bekannten nehmen.

    Mich selber reizt eher was Anderes:
    Es ist, um es salopp zu sagen, 'das volle Programm'.
    Baumringanalysen, Pollenerhebung, Rekonstruktion der Sonnenaktivität (wie geht denn sowas?), Tropfstein-Untersuchungen, SO4-Konzentrationen, Sauerstoffisotopenverhältnisse, Cl-Konzentrationen, Gletschergeschichte, Sedimentuntersuchungen, Binnenseeausdehnungen, Nil-Überschwemmungen,
    und vergleichend dazu historische Berichte und Aufzeichnungen über Hungersnöte, Dürren, harte Winter, ect..

    Nun bin ich ja weit davon entfernt alles zu verstehen was der McCormick und Kollegen dazu schreiben.
    Eine bessere Einführung ins Thema wird m. E. jedoch nicht leicht zu finden sein.


    Und ist es nicht so, dass die Schönheit einer Kunst im Erstaunen des Betrachters liegt?
     
  11. hatl

    hatl Premiummitglied

    1. Wie, zum Teufel, kann man denn wissen wie hoch die Intensität der Sonnenstrahlung vor z.B. 2000 Jahren war?

    2. Wieso hat das historische Relevanz?

    Zu 1.:
    Zunächst ist es ja so, dass es hierzu Satelittenmessungen gibt seit jüngster Zeit.
    Die Aufzeichnungen hierzu schauen so aus: http://science.nasa.gov/media/medialibrary/2013/01/08/tsi_composite_strip.jpg
    Das sind harte Daten und es stellt sich die Frage, ob sich diese irgendwie in die davorliegende Zeit extrapolieren lassen.
    Nun gibt es einen Zusammenhang zwischen C14-Produktion, die in der oberen Atmosphäre stattfindet, und der Intensität der Sonnenstrahlung.
    (C14, was war das gleich wieder? Richtig, das ist das instabile Kohlenstoffisotop auf das die Altersbestimmung von Lebewesen oder deren Überreste, wie etwa das „Grabtuch Jesu“, mit der Radicarbonmethode basiert)
    Hat man eine Probe bekannten Alters, am besten Holz, dass sich über einige tausend Jahre anhand der Wachstumsmuster jahrgenau bestimmen lässt und vergleicht dann den Erwartungswert nach der Radiocarbonmethode findet man typische Abweichungen, die darauf schließen lassen, dass derC14-Gehalt der Atmosphäre nicht konstant sein kann. Siehe C14-Kalibrierung: Datei:Radiokarbon-Kalibrationskurve.png ? Wikipedia
    Zurück zu den Satelittenmessungen..
    Es zeigt sich, dass die Intensität der Sonnenstrahlung mit der C14-Produktion korreliert.
    Daraus:
    Nun schaun wir uns mal Bild 1 auf PDF-Seite 8 im eingestellten Link meines letzten Beitrags hierzu an:
    Stimmt net ganz überein, denn die Strahlungsintensität der Sonne ist nicht der einzige Faktor des Prozesses der C14-Produktion.

    Zu 2.:
    Es kommt schon mal vor, dass die Sonne einen kleinen Aussetzer hat (Maunderminimum), was dazu führen kann, dass etwa die Themse vereist.

    Das Faszinierende an der Sache ist, dass es neuerdings Möglichkeiten gibt, ein nicht gekanntes Licht auf noch unbeleuchtete Puzzlesteinchen der Geschichte zu werfen.
    Und ebenso faszinierend finde ich, dass diese Möglichkeit noch am Anfang ihrer raschen Entwicklung steht.

    Die Geschichte wird dadurch nicht neu geschrieben werden,
    aber in manchen Bildern wird eine neue Gestalt erscheinen.

    hatl

    P.S.
    ich find es einfach geil zu sehen, wie ein Schlüssel ausschauen kann, mit dem man die Tür zu einem Teil der Vergangenheit aufsperren kann.
     

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