Kolberg der Film

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Moltke d. Ä., 31. Juli 2013.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auswandern ist nur eine Scheinlösung, denn seine Identität trägt man mit sich, je mehr, desto mehr man sie hinter sich lassen möchte (so jedenfalls mein Eindruck bei Personen, die aus solchen Gründen ausgewandert sind). Weiter sollten wir aber tagespolitische Themen nicht vertiefen und zum Threadthema oder meinetwegen auch zu den Lützower Reitern zurückkommen.
     
  2. Moltke d. Ä.

    Moltke d. Ä. Neues Mitglied

    Korrekt. Vielen Dank El Quijote. Bei nächster Gelegenheit werde ich mir den Film nochmals ansehen und hier zu den einzelnen Szenen meine jeweiligen Eindrücke, ob als historisch korrekt, politisch ausgebeutelt oder als neutral (eben ganz normaler Film) einzustufen, niederschreiben.
     
  3. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich finde den Vergleich mit amerikanischen Produktionen weniger passend. Da gibt es natürlich etliche Streifen, die vor hohlem Pathos nur so triefen, aber eben auch eine ganze Reihe, die sich sehr kritisch mit der eigenen amerikanischen Vergangenheit auseinandersetzen. An amerikanischen Streifen, die mit Förderung der US- Navy oder Army gedreht wurden, fällt mir spontan nur "Die Caine war ihr Schicksal" mit Humphrey Bogart in der Rolle des neurotischen Kapitäns Queeg.
    Gegen diese Darstellung bestanden auf Seiten der Navy erhebliche Bedenken. Im Spin off wird daher auch ausdrücklich erwähnt, dass es niemals eine Meuterei auf einem amerikanischen Schiff gab und nie ein Kapitän seines Kommandos enthoben wurde. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn im Unabhängigkeitskrieg gab es eine Meuterei.

    Um aber auf Kolberg zurückzukommen, musste ich dabei weniger an US- Produktionen wie "Green Baretts" oder "The Alamo" denken, als an die Kriegsfilme die in den 50er, 60er Jahren im Ostblock gedreht wurden.

    Bei einigen Szenen aus Veit Harlan Filmen habe ich oft den Eindruck, dass da Sergej Eisenstein oder D. W. Griffith Pate gestanden haben. Francis Ford Coppola sagte einmal, ein guter Regisseur müsse "steal from the best", und Harlan scheint dieses Motto verinnerlicht zu haben. Freund und Feind sind in Schwarz Weiß Filmen manchmal schwer auseinanderzuhalten. Eisenstein verwendete musikalische Ldeitmotive, und Harlan ließ in "Der Große König" die Preußen immer von links nach rechts angreifen. Ob Zufall oder nicht, die gleiche Konzeption findet man auch auf antiken Malereien z. B. auf dem Fresko aus Pompeji, das Alexander und Dareios bei Issos oder Gaugamela zeigt.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Diese Filme wurden ja auch später gedreht.
    Wie üblich waren denn staatlich gelenkte Filme in den USA?


    2.
    Ich fand auch recht viele Parallelen zwischen sowjetischen Filmen der Zeit und dem deutschen Propagandafilm.
    Vielleicht auch eben weil die Sowjetunion teilweise seltsam mit der Vergangenheit umging, ging sie doch immer dabei auch die Gefahr ein, das Zarentum auf irgendeine Weise zu verherrlichen.

    Die gleiche Frage könnte man sich aber auch bei den Fridericus-Rex-Filmen stellen - hätten sie nicht auch den Monarchisten Auftrieb verschaffen können? Hat man diese Gefahr erkannt?
    Für "Kolberg" spielt das keine so große Rolle. Da steht ja das Militär im Vordergrund und der Heldenmut.

    Generell ist es doch so, dass man Körner von der Seite der Nationalsozialisten nicht extra verbiegen musste. ( Körner Superstar | ZEIT ONLINE )

    Ich habe jetzt mal seine Gedichte auf Zeno überflogen und frage mich eh, wie man sowas am Stück mit immer derselben Beschwörungsformel hat verfassen können. :S

    Dass seine Werke für die Nationalsozialisten Pate stehen würden, konnte er freilich nicht wissen.

    Man muss ihn sicher aus seiner Zeit heraus betrachten. Sein Umfeld mit Arendt und ähnlichen Freunden im Geiste wird sein übriges getan haben. :S Uns wurde zumindest im Schulunterricht zwar ein Gedicht von ihm vorgestellt, aber auch verdeutlicht, dass seine Werke wegen der nationalistischen Sichtweise mit Vorsicht zu genießen sind.

    Die Dichtung der französischen Revolution war ja auch sehr nationalistisch geprägt. Triefenden Patriotismus findet man auch schon bei Kleist (Ewald Christian von Kleist). Aber ich überlege gerade emsig, ob mir ein französisches Lied aus den Revolutionskriegen einfällt, welches so explizit einen bestimmten Feind verteufelt.:grübel:

    Hier ein alter Film zu Vordenkern des Nationalismus (oder auch nicht): http://www.geschichtsforum.de/f66/v...lstaats-als-vordenker-der-ns-ideologie-35441/ Passt hier v.a. wegen des Beginns vom Film "Kolberg" in die Thematik.
     
  5. Party Crasher

    Party Crasher Gesperrt

    Wobei sich mir die Frage stellt, wie sich die Murnau Stiftung die Rechte gesichert hat. Die "Allierte Hohe Kommission" beschlagnahmte 1945 alles "reichseigene" Filmmaterial. Rechteinhaber gab es von daher nicht. Wie ist diese Stiftung in den Besitz des Materials gelangt?
     
  6. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Besitz von Filmmaterial ist nicht gleich Urheberrecht.

    Das vorhandene Material befindet sich in verschiedenen Archiven:
    Filmarchiv
    Bundesarchiv - Abteilung Filmarchiv (Abt. FA)
    http://www.deutsche-kinemathek.de/de/archive/filmarchiv/allgemein
    http://www.murnau-stiftung.de/filmbestand

    Die Rechte der UFA-Produktionen werden von der Murnau-Stiftung verwaltet.

    Für Verwertung (Lizenzen und Verleih) ist die Transit Film GmbH zuständig:
    Transit Film | Das Unternehmen
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. August 2013
  7. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    aus Theodor Körner (Schriftsteller) ? Wikipedia
    :winke:
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Im Dritten Reich ist die Konzentration sämtlicher Filmgesellschaften und damit wirtschaftlich der in den Filmgesellschaften liegenden Filmrechte unter der "UFI" 1942 erfolgt.

    Mit Zustimmung der Allierten wurde 1953 das UFI-Abwicklungsgesetz beschlossen:
    Gesetzes zur Abwicklung und Entflechtung des ehemaligen reichseigenen
    Filmvermögens vom 5. Juni 1953 (Bundesgesetzblatt I S. 276)

    Das sah einerseits die Reprivatisierung der Filmgesellschaften im Bundesgebiet vor (wie zB Bavaria), andererseits die Übertragung der reichsdeutschen Filmrechte aus der Zeit 1933/45 in eine dafür zu gründende Stiftung (Murnau). Mit dem Entflechtungsgesetz waren also einerseits die Gesellschaften aus dem alten UFI-Konzern "entlassen", während alte Filmrechte durch die Stiftung verwaltet werden sollten. Hierfür wurden zwischen den aus dem UFI-Konzern "entlassenen" Filmgesellschaften und der Murnau-Stiftung im Verlauf mehrerer Jahrzehnte privatrechtliche Übertragungsverträge geschlossen, wobei es naturgemäß viele Unklarheiten und Rechtstreitigkeiten gab.
    UFA ? Wikipedia

    Siehe auch

    "Nach dem Gesetz zur Abwicklung und Entflechtung des ehemaligen reichseigenen Filmvermögens vom 05.06.1953 sei die Treuhandgesellschaft für öffentliche und private Unternehmen AG »Treuko« zur Verwalterin und Verwerterin des unmittelbar im Eigentum des Reiches befindlichen Filmvermögens sowie zur Liquidatorin der Deutschen Wochenschau GmbH, welche wenigstens alle nach dem 21.11.1940 hergestellten Kriegs- wochenschauen produziert habe, und der UFA Film GmbH bestellt worden. Unter das UFI-Abwicklungsgesetz fielen sämtliche Wochenschau-Produktionen vor 1945. In Vollzug dieses Gesetzes habe die Treuko mit Vertrag vom 28./30.06.1966 sämtliche Eigentums- und Auswertungsrechte an die Bundesrepublik Deutschland abgetreten. Damit seien alle urheberrechtlichen Nutzungsrechte auf den Bund übergegangen. Dieser habe seinerseits mit der Klägerin mehrere Auswertungsverträge, zuletzt vom 22.06./06.07.1990, geschlossen, aufgrund derer der Bund der Klägerin sämtliche ausschließlichen Nutzungsrechte übertragen habe. Die Klägerin sei somit Rechtsnachfolgerin der Deutschen Wochenschau GmbH und Inhaberin des damaligen reichseigenen Filmvermögens."
    Urteil des Landgerichts München I vom 19. Februar 1997 – 21 O 11471/95

    Mit den Maßnahmen der Militärregierung waren im Übrigen keine (schon gar keine endgültigen) Eigentumsregelungen, sondern lediglich Sicherungsmaßnahmen bzw. Sequestration verbunden (darüber wurden zB auch Mitte der 1950er Jahre Steuerprozesse geführt, weil fraglich war, wer die Filmrechte überhaupt zu bilanzieren hatte).
     
  9. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Wer wie ich diesen Film noch nie gesehen hat, hat heute abend auf arte um 23:35 Uhr die Gelegenheit dazu: Kolberg
     
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  10. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das stimmt nicht ganz. In der DDR galt, auch noch in meiner Schulzeit das Preußentum nicht als positiv. Anders verhielt es sich aber mit den preußischen Widerständlern gegen Napoleon. Die wurden durchaus gewürdigt. In fast jeder größeren DDR-Stadt gab es eine Scharnhorst,-Gneisenau -und Schillstraße. Im damaligen Karl-Marx-Stadt war ein ganzes Neubauviertel "Yorckgebiet" nach dem gleichnamigen Feldmarschall und die Straßen in diesem Gebiet nach preußischen Offizieren aus den Napoleonkriegen getauft worden. Das Viertel heißt heute noch ebenso aber offenbar weiß kaum noch jemand wer Yorck war ,sonst wäre man nicht auf die absurde Idee gekommen, das dazugehörige Einkauszentrum in "New Yorck-Center" zu benennen.
    Auch einen Plücher-Platz und eine Plücherstraße gab es.
     
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  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Da hast du wirklich nichts verpasst.
     
  12. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Vielleicht schaue ich mir die ersten Minuten an...aber ich bin relativ müde. Ich versuche ihn aufzunehmen, denn das ist ja wohl eine seltene Gelegenheit, ihn zu sehen. Als DVD bekommt ihn wohl nur in einer US-Version (Deutsch mit nicht ausblendbaren englischen Untertiteln) zu relativ hohen Preisen.

    Irgendwie muß ich gerade an Das Leben des Brian denken. Zitat: "Schmeißt ihn zu Poden, den Purschen, den Prian".

    Ist hier Blücher gemeint oder gab es auch noch einen Plücher?:)
     
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  13. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Wenn ich mir den Film ansehe, dann in den nächsten sieben Tage in der arte Mediathek. Der Schinken mag ja filmhistorisch interessant sein, allerdings weiß ich noch nicht, ob ich mir dafür Rhetorik und Aussagen der NS-Zeit in voller Filmlänge geben möchte. Luis Trenkers "Der Rebell" (1932) ist für mich schon kein Vergnügen gewesen - Harlan fand ihn bestimmt Bombe.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Dezember 2017
  14. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Wenn ich das auf der arte Homepage (Kolberg ) richtig verstehe, ist der Film wohl nicht in der Mediathek verfügbar.

    Ich habe gerade gesucht, wann der Film überhaupt im TV gesendet wurde. Laut dieser Seite wurde der Film zum letzten Mal 1998 ausgestrahlt: Kolberg
     
  15. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Natürlich ist der Blücher gemeint. Bei uns Sachsen sind B und P vollkommen identische Konsonanten;).
     

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