Kult des Mithra

Dieses Thema im Forum "Das Reich der Perser" wurde erstellt von Quintus Fabius, 11. Dezember 2005.

  1. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Engel bzw. geflügelte überirdische Wesen waren den Juden schon lange vor einer möglichen zoroastrischen Beeinflussung bekannt, man denke nur an die Cherubim-Skulpturen auf der Bundeslade.
    Das Konzept einer Art Hölle als eines Ortes, an dem Frevler nach dem Tod bestraft werden, scheint dem Judentum zwar tatsächlich lange Zeit unbekannt gewesen zu sein, existierte aber in vielen Kulturen, z. B. auch bei den Griechen (Tartaros) und Ägypten, muss also auch nicht ausgerechnet aus dem Zoroastrismus übernommen worden sein.

    Bloß dass man Zarathustra nicht einmal ansatzweise zuverlässig datieren kann. Die verschiedenen Ansätze tummeln sich in einem Zeitraum von fast anderthalbtausend (!) Jahren.

    EIN Soldatengott sicherlich, aber DER? Auch Iupiter Dolichenus wurde von den Soldaten reichsweit verehrt. Nicht vergessen sollte man auch die zahlreichen durch Inschriften und Weihgaben an Rhein und Donau belegten Identifikationen keltischer und germanischer Gottheiten mit Hercules, Mars oder Apollo, die ebenfalls vor allem auch von Soldaten verehrt wurden.
     
  2. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Gut. Dann einigen wir uns darauf, das der Mithraskult eine gänzlich unerhebliche Religion war.
     
  3. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das habe ich doch gar nicht gesagt. Natürlich spielte er eine Rolle. Ich bin nur nicht der Ansicht, dass er die bedeutendste Rolle spielte, weder im ganzen Reich noch bei den Soldaten.

    Generell glaube ich nicht, dass man für die Zeit zwischen dem Niedergang des traditionellen römischen Kultus und dem Durchbruch des Christentums so etwas wie einen bedeutendsten Kult konstatieren kann. Es gab einfach zu viele, manche wurden öffentlich gefördert (was nichts über ihre private Akzeptanz aussagt), die Kaiser hatten unterschiedliche Vorlieben, und manchen war ohnehin alles egal. Offiziell hochgehalten wurde zumindest bis ins 2. Jhdt. n. Chr. der alte Staatskultus, aber auch danach hatte er noch seine Förderer (auch an der Staatsspitze) und Anhänger. (Der Kaiser blieb schließlich bis zu Gratian Pontifex maximus, also oberster Hüter des traditionellen Staatskultus.) Dann gibt es natürlich noch Abgrenzungsfragen: Soll man den Neuplatonismus als eine Art Religion betrachten oder nicht? (Ein Massenphänomen war er allerdings ohnehin nicht.) Für viele Gebiete ist auch gar nicht wirklich bekannt, wie lebendig zu welcher Zeit die Religionen aus vorrömischer Zeit noch waren. Weiters waren die meisten antiken Kulte nicht exklusiv, man konnte also durchaus verschiedenen parellel anhängen. (Ob das auch für den Mithraismus galt, weiß ich nicht.)
     
  4. Chan

    Chan Aktives Mitglied



    In der Tat waren Engelwesen schon Bestandteile der mesopotamischen und auch ägyptischen Mythologie schon lange vor der persischen Beeinflussung des Judentums (auf die Exilanten in Babylon). Assyrische Keilschriften aus der Zeit Tukulti-Ninurtas (um 1200 vuZ) und das Enuma-Elish-Epos etwa aus der gleichen Zeit enthalten Erwähnungen von Engeln, im Epos z.B. als ´strahlende´ und ´dunkle´ Engel.

    Was die Cherubimdarstellungen auf der Bundeslade betrifft, so haben wir als Anhaltspunkt nur die Beschreibungen in der Tora. Das ist keine sehr solide Basis, da diese Texte im ganzen wenig historisch zuverlässig erscheinen. Die Existenz einer Bundeslade gilt nicht einmal als historisch gesichert, siehe

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeslade#Biblische_.C3.9Cberlieferung

    Nebukadnezar II. eroberte im Jahr 587/586 v. Chr. Jerusalem und verschleppte einen Teil der Bewohnerschaft in das Babylonische Exil. Damit einher ging die Plünderung des Jerusalemer Tempels. Seitdem gelten - ihre vorherige Anwesenheit vorausgesetzt - große Teile des Tempelschatzes einschließlich der Bundeslade als verschollen. Sofern überhaupt historisch, wird anzunehmen sein, dass die Lade in diesem Zusammenhang zerstört worden ist.



    Im Römischen Reich spielten bis in 4. Jh. fünf Kulte eine wichtige Rolle:

    + Kaiserkult

    + Isiskult

    + Gnosis (diverse Schulen)

    + Christentum

    + Mithraskult

    Die Gnosis soll wesentlich mehr Anhänger gehabt haben als die katholische Kirche, aber auch die Isis-Religion war qualitativ und quantitativ sehr bedeutend (rund ums Mittelmeer verbreitet und auch in Rom sehr beliebt). Ab 391, als das Christentum Staatsreligion wurde, wurden „heidnische“ Religionen verboten und gewaltsam unterdrückt. Isistempel wurden in Marientempel umfunktioniert, wobei der Marienkult ohnehin eine christliche Fortführung des altorientalischen und speziell ägyptischen Muttergöttin-Kultes darstellte. Bischof Nestorius war Anfang des 5. Jh. ein erbitterter Gegner des Marienkultes, da er darin – zu Recht - eine Übernahme der „heidnischen“ Verehrung einer Muttergottheit sah.

    Jüdische Psychoanalytiker haben in der Nachfolge Freuds die spätantike Entwicklung der Christologie (im Kontext der niceanischen Homousios-Formel – „der Sohn ist wesenseins mit dem Vater“ - und des Marienkultes) sehr überzeugend als unbewusste Hinwendung zu einer Muttergottheit-Verehrung gedeutet. Man darf auch nicht vergessen, dass die Marienverehrung sich zur herausragendsten Form des christlichen Glaubens im Mittelalter entwickelte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Juli 2014
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Geht das etwas präziser: Wer sind die jüdischen Psychoanalytiker in der Nachfolge Freuds?
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Marienverehrung ist eigentlich etwas, was erst im Mittelalter in Europa so richtig Fahrt aufnimmt.
     
  7. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Und warum sind nichtjüdische Psychoanalytiker nicht auf die Idee gekommen.:pfeif:

    Wobei mir auch nicht klar ist was die Wesensgleichheit Jesus mit einer Muttergottheit zu tun hat.

    Chan wie kommt es immer das du mich mit den meisten Frage zurücklässt von allen Usern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juli 2014
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Man sollte aber auch nicht die zahlreichen regionalen und lokalen Kulte vergessen, z. B. den der "Syrischen Göttin" in Hierapolis oder gar den eher kurzlebigen der Schlange Glykon, die wenigstens regional zumindest wirtschaftlich, teilweise auch politisch, von Bedeutung waren.

    Mal abgesehen davon, dass es, wie Du selbst schon richtig angedeutet hast, keine "gnostische Kirche" gab, ein Vergleich mit der "katholischen Kirche" (die es in dieser Form aber zumindest bis ins 4. Jhdt. auch noch nicht gab) somit schief ist, halte ich sämtliche Spekulationen darüber, welcher Kult wie viele Anhänger hatte und wer mehr hatte als andere, für ziemlich sinnlos und unseriös. Uns fehlt schlicht das entsprechende Datenmaterial. Das sieht man schon daran, dass es nicht einmal ansatzweise zuverlässige Schätzungen gibt, wie viele Christen es Anfang des 4. Jhdts. eigentlich gab. Außerdem weise ich noch einmal darauf hin, dass die meisten antiken Kulte nicht-exklusiv waren, sich ihre Anhängerzahlen also überschneiden konnten (so wie auch heute noch die meisten Japaner sowohl Shintoisten als auch Buddhisten sind). Und natürlich sagt die (vom Staat oder reichen Wohltätern finanzierte) Errichtung von öffentlichen Kultstätten nur sehr bedingt etwas darüber aus, wie viele ernsthafte Anhänger der entsprechende Kult tatsächlich hatte.
     
  9. ViraspaGandhara

    ViraspaGandhara Neues Mitglied

    Der Mithraskult wird bei dem militärischen Personal und der männlichen römischen Elite auf jeden Fall zeitweise der bedeutendste oder zumindest ein bedeutender Kult gewesen sein.Da aber im Mithraskult Frauen und anderen nicht möglich war teilzunehmen ist es unwahrscheinlich dass die Mehrheit im römischen Reich jemals Anhänger des Mithras war.Dennoch zeigt allein die Zuneigung einiger Kaiser zu diesem Kult wie wichtig er zeitweise war.Das Christentum setzte sich letztendlich gegen alle Kulte durch weil es eine relativ einfach zu verstehende und populäre Religion der Massen war
     
  10. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Welche Kaiser außer Commodus sollen das gewesen sein?
     
  11. ViraspaGandhara

    ViraspaGandhara Neues Mitglied

    Aurelian zum Beispiel welcher ein Anhänger von Sol Invictus war .Der Kult des Sol Invictus war damals eng mit dem Mithraskult verbunden.Auch der junge Konstantin stand dem Mithraskult nah

    mithraskult | fremdwort.de - Was ist mithraskult - Definition, Bedeutung, Herkunft
     
  12. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Mit dieser Antwort hatte ich schon gerechnet. Allerdings war Sol invictus nicht einfach Mithras. Aurelians Sol invictus hatte seine Wurzeln im in Palmyra verehrten Sonnengott, aber auch vom Elagabal-Kult in Emesa und dem Gott Baal dürfte er beeinflusst gewesen sein.
    Auch Konstantin verehrte in seiner Jugend den zu seiner Zeit schon etablierten Sol invictus.
     

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