Leni Riefenstahl - warum immer noch tabu?

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von balticbirdy, 23. Januar 2008.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    @flo meint garantiert nicht vor 30 Jahren, sondern vor 70. Frau Riefenstahl wurde auch im Zusammenhang mit ihren Afrikabildern ans Bein gepinkelt (Körperkult...).
    Ihre Antwort war: "Die Nubas sind halt so...".
    Mit 79 machte sie ihren Tauchschein und blieb aktiv noch mit 100.
    Ob sie Hitler mochte??? Dummerweise mochte Hitler SIE.

    Im Übrigen, ich halte die Diskussionen über dieses Thema für überfällig, auch wenn bitter als Rotbommel abgestraft...
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Januar 2008
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  3. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Wie sich auch aus Ursis Link ergibt, war sie eigentlich nie tabuisiert, was auch meiner persönlichen Erinnerung entspricht.

    Ob sie Hitler mochte oder nicht, werden wir nie erfahren. Vor 44 wird sie behautet haben gar sehr, ab 45 hat sie ihn gar sehr gehasst.

    Sie war Opportunistin wie gar viele andere auch. Und schlecht gelebt hat sie durch ihre "braune Bekanntheit" garantiert nicht.
     
  4. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Eine Erschiessungs- oder Massenmordszene werden auch nur die "ästhetisch" finden, bei denen sowieso Hopfen und Malz verloren ist; Riefenstahls Filme zeigen schöne Menschen in schöner Umgebung, was wohl weniger Menschen abstößt als Massenmord.

    Aus! Nich fragen! Man könnte kaum einen Hollywood-Film mehr genießen, wenn man sich zu sehr mit dieser Frage auseinandersetzt...
    ;)
     
  5. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Dummerweise war sie halt auch nie bereit, sich damit auseinanderzusetzen und hat sich stattdessen hinter "Ästhetik" verschanzt....sorry, aber die Frau war ja nicht doof und hätte (wegen mir gern hinterher) durchaus merken können, was sie gedreht hat....


    Yep. Sindse....so weit ich weiß, hat sie diese Überblenden als erste gebracht (kennste? Das eine Bild langsam ausblenden und das andere schon drauflegen....weg vom harten cut) und auch manche Perspektiven sind in Film- und Fotohandwerk heute Standard (Aufnahmen von schräg unten etwa)
     
  6. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied

    Triumph des Willes wird als Meisterwerk von Propaganda-Kino allgemeinbekannt. Der beste Propaganda-Film der Welt. Und das ist die Ursache, dass ein ausgebildeter Mensch dieser Film zu sehen soll.

    Reni Riefenstahl war wirklich von Hitler fasziniert. Sie war in Polen in 1939, hat zerstorte Warschau verfilmt und hat selbe gesehen, was die Nazi-Besatzung in Tat bedeutet. Endlich hat aber ihre Hitler-Liebe genau am 28. September 1939 gestorben. In diesem Tag hat sie den Massenmord in Końskie, wojewod. Świętokrzyskie gesehen. Dort wurde auch die Photographie gemacht, die Reni direkt nach diesem Mord in dem tiefen Verzweiflung-Stand zeugt. Ich habe das leider nicht gefunden.
    Sie wurde aber auch nach dem Krieg angeklagt, dass sie die KL-Haftlingen bei dem Dreharbeiten von Tiefland (1940 - 42) ausgenutzt hat. Riefenstahls Prozess hat aber nichts erklart.
     
  7. Tekker

    Tekker Gast

    Das ist aber keineswegs dasselbe. Eingebettet in einen Themenabend bei arte kann ich mir die Ausstrhlung schon vorstellen, dann aber original und ungeschnitten usw. Die Werke als "normale" Filme zu zeigen, da wird sicher keiner drauf kommen. Was ich viel wichtiger finde, ist die freie Verfügbarkeit auch solcher Filme, denn sonst kann man sich das Gerede vom mündigen Bürger auch sparen.

    Darüber hinaus kann man noch einen Blick werfen, wie der Umgang mit einem der Filme ist, bzw. der mit jemandem, welcher diese gesehen hat. Wenn jemand die Bilder faszinierend findet, bedeutet dies nicht zwangsläufig, daß er das Regime toll findet. Das wird leider oft und gern in einen Topf geworfen.

    Ebenso können die Filme imho vielleicht dazu beitragen, einer auch hier immer wieder auftauchende Frage näherzukommen. 'Wie konnte all das passieren?' Ein Teil der Antwort mag in den Bildern und Filmen liegen, wenn die Menschen damals ebenfalls die von mir oben kritisierte Gleichsetzung vornahmen: 'Toller Film - tolles Regime.'

    Soweit erstmal. :)
     
  8. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Da ich jetzt hier schon wenigstens drei mal zitiert wurde.

    Ich muss das mal klarstellen

    Es ist immer leicht zu sagen, unsere Vorfahren hätten es anders machen müssen. Aber die Zeit brachte es eben mit sich. Hat einmal jemand Traudl Junge angeklagt, weil sie Adolfs Sekretärin war? Quatsch.
    Und wenn Leni heute Filme machen könnte, wären das Bestseller.
    Fragt euch doch mal, wie ihr euch zu jener Zeit verhalten hättet.
    Ich habe für mich diese Frage schon beantwortet.
    Ich wäre garantiert kein Held und Wiederstandskämpfer gewesen.
     
  9. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Zustimmung, ich wäre mit Sicherheit auch kein Attentäter geworden.

    Wenn ich das aber richtig sehe, (siehe Ursis link) hat sie Urheberrechtsansprüche, wenn Schnipsel aus den kritisierten Filmen verwendet wurden, geltend gemacht, was dann doch etwas anderes ist. ´

    Ich weiß nicht so recht, ob das üblich ist.
     
  10. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Merk dir:
    die jeweilige vorherrschende Geschichtsschreibung macht aus ehemals "Bösen" und dann "Guten" keine Opportunisten. Zum Beispiel Stauffenberg oder der neutestamentarische Paulus.
     
  11. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Ich habe diese Diskussion angestoßen, weil es um die Filme geht und warum sie der breiten Masse vorenthalten werden. Ein Vergleich mit Veit Harlans Machwerken ist nicht angebracht.
     
  12. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Die Wandlung vom Saulus zum Paulus kann ich nun bei der Riefenstahl überhaupt nicht entdecken.
     
  13. Bartek

    Bartek Aktives Mitglied


    Da es vielleicht keine Philosophie hier gibt, lieber Repo...
    Wenn man hort, dass jemand von Hitler fasziniert war, dass jemand seine Regime personlich gebildet hat - sofort glauben wir, dass diese Person nur einige sehr tiefe, seriose Ursachen dazu haben musste :

    - bei Manner - eine metaphisische Faszination von charismatischer Personlichkeit,
    - bei Frauen - personliche Liebe zu Hitler als Mann,
    - fur jemand, der sein Leben verspielt hat - die eizige Moglichkeit, um das Leben wieder von Null anzufangen.
    -etc., etc., etc....

    Und am heufigsten haben wir leider kein Recht...

    In 1933 war Leni nur 29 Jahre alt. Und vielleicht war sie einfach eine junge dumme Gans, die nur die Karriere sehr schnell machen wollte. Nazismus hat fur sie die neuen, unbegrenzten Moglicheiten wie nie bevor aufgemacht. Und nur das war dann wichtig. Bis diesem Moment, als sie endlich verstanden hat, dass JEDER, der in dieses System eingekommen ist - einfach MUSS in Scheisse tauchen. Jeder ohne Ausnahme. Es gab doch tausende solcher Leute wie Riefenstahl in allen Regiemen. Knut Hammsun - der grosste moraliche Autoritat Norwegiens... und hat sich auch Hitler verkauft. Feliks Dzierżyński, "der Henker der Revolution 1917" ("die Laufe meines Walthers ist nie kalt"; "es gibt keine Unschuldige, es gibt nur die schlecht verhorten"; "gab mir nur Mensch - Schuld finde ich selber") - polnischer Adelinge, der Millionen Leute nur fur Karriere gemordet hat.
    Und darum glaube ich, das Leni Riefenstahl nicht einzigartich war - in sehr traurigem Sinn.
     
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, warum denn auch nicht?
    Jeder Schauspieler bekommt Geld dafür, wenn mal ein Film mit ihm gezeigt wird.(ausser die, die noch in der DDR gedreht worden)
    Das nennt man Tantiemen.
     
  15. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Dann haben sie den Veit Harlan aber schön beschissen:winke:
    einfach den Süss verbieten.

    Mag ja sein, dass das legal ist. Aber "a Gschmäckle" hat das natürlich schon.

    Die sind in den 60ern alle noch rumgerannt, haben von der unter Adolfen gewonnen Bekanntheit profitiert, und eine große Klappe gehabt. Politik hat mich nie interesseirt..., nur meine Kunst..., von den Juden und so nie was gewusst...
    KZ´s waren doch mehr oder weniger Erziehungsheime....

    Verlogene Bande.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ich habe mich in meinem Leben so oft getäuscht, wurde getäuscht, habe aufs falsche Pferd gesetzt.

    Ich wäre der letzte der das nicht annehmen würde, hätte sie irgendwann gesagt:
    "Ja, ich bin dem Gasmann auch auf den Leim gekrochen."
    Hat sie aber nicht.

    In Polen wurde sie doch zufällig Zeuge einer Massen-Erschießung. Schon im September 1939. Das ist doch irgendwo der Punkt, wo zumindest Überlegungen einsetzen sollten.

    Und dies alles scheint mir bei der Dame doch sehr zu fehlen.

    Aber OK. Friede ihrer Asche.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Januar 2008
  17. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Du sprichst da einen entscheidenden Punkt an. Jeder Regisseur, Schauspieler oder Autor ist per definitionem ein Narziss, und die Möglichkeiten, die systemkonformen Künstlern, aber natürlich auch Militärs geboten wurden, waren ja auch verführerisch. Wem gefiele es nicht, als Regisseurin gefeiert zu werden und über praktisch unbegrenzte Mittel, Kameraleute und Komparsen verfügen zu können. Es sind viele dem Privatmann Hitler, der durchaus charmant sein konnte, auf den Leim gegangen, reflektiert haben ihr Verhältnis zu Hitler leider nur wenige. Traudl Junge gehörte zu ihnen. Winifred Wagner und Leni Riefenstahl haben sich gelegentlich für Kollegen eingesetzt und homosexuelle Tenöre oder Kameramänner aus dem KZ losgeeist. Dass die Existenz von Konzentrationslagern samt der deutschen Besatzungspolitik verbrecherisch war und der Privatmann Hitler, "Onkel Wolf", der schäferhunde und Kinder liebte, seine Sekretärinnen mit Handkuss begrüßte und alle Theater zwischen Wieland und Wolfgang Wagner aufteilen wollte, der Verursacher dieser Greuel war, haben sie verdrängt, ebenso wie sie auch ihre eigene Verstrickung verdrängt haben, und sich als Opfer von "Siegerjustiz" fühlten. In Talkshows der 70er Jahre gab sich Riefenstahl sehr aggressiv und behauptete, sie sei "wie eine Hexe im Mittelalter verfolgt worden."


    Ich denke, dass Leni Riefenstahl und Winifred Wagner durchaus viel für Hitler übrighatten, die letztere wohl auch im erotischen Sinne und dass sie Hitler im tiefsten Inneren eine Art Treueid geleistet haben, von dem sie sich auch dann nicht gelöst haben, als sie den kriminellen und menschenverachtenden Charakter dieses Mannes und seines Regimes eigentlich durch eigene Erfahrungen erkennen mussten.


    Sie wisse, dass "gewisse dunkle Seiten" vorhanden seien, trotzdem würde sie sich heute (um ca.1980) genauso freuen, wenn "Wolf" zur Tür reinkäme, hat Winifred Wagner gesagt.

    Tabuisierung und Verdrängung, was fällt einem dazu noch ein!
     
  18. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ist ja alles richtig, was du schreibst.
    Aber hast du dir mal überlegt, was du in dieser Zeit gemacht hättest?
    Ich habe das mal für mich durchgespielt.
    Ich kam zu dem Ergebniss, das ich nicht anders gewesen wäre, wie jene, die heute verteufelt werden, weil sie angeblich wegguckten.
     
  19. Ingeborg

    Ingeborg Moderator Mitarbeiter

    Es liegt ja auf der Hand, daß nicht alle immer das Zeug zum 'Helden' haben müssen. Wichtig ist jedoch bei Riefenstahl, daß sie es auch und gerade in den nach 45 folgenden Jahrzehnten nie geschafft hat, sich und ihre Rolle zwischen 33 und 45 zu reflektieren und es nie für nötig erachtete, sich - wenn auch im Nachhinein - zu distanzieren oder kritisch zu betrachten.

    Man wird sicherlich niemand für 'Jugendsünden' oder eingeschlagene Irrwege verurteilen - aber wenn es auch hinterher an Einsichten mangelt, sieht es mE ganz anders aus, als wenn jemand bekennt, etwas falsch gemacht zu haben und falschen Idealen nachgerannt zu sein.
     
  20. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Ein schweres Thema.
    Was nützt denn eine angebliche Distanzierung hinterher?
    Das sind doch leere Worte.
    Wenn ich hier etwas über die Stränge schlage, entschuldige ich mich nach aussen und bei mir denke ich, ihr könnt mich alle mal.
    Nicht persönlich nehmen.
     

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