Gewiss umfasst Volksfrömmigkeit mehr als Gottesdienstbesuch. Mein Vorschlag war lediglich der Versuch, eine Messgröße zu erfassen, die so etwas Ausuferndes wie die V.F. anschaulicher macht. Die Vermutung dahinter lautet sehr einfach: vergleicht man 2 Dörfer A und B hinsichtlich der V.F., dann wird man annehmen, dass Dorf A mit einem höheren Gottesdienstbesuch auch eine stärkere V.F. aufweisen wird als Dorf B."Volksfrömmigkeit" scheint mir die Art von Religiösität zu sein, die sich ohne allgemeine Mitwirkung des Klerus entlädt. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer wäre dann keine aussagekräftige Kennziffer.
Gottesdienstbesuch ist nichts anderes als eine Operationalisierung, ein Indikator, mehr nicht. Als Indikator für V.F. sollte sollte der Gottesdienstbesuch relational verwendet werden, d.h. Vergleich von Dorf A mit Dorf B, nicht absolut.
Nur unter eigenartigen Verhältnissen kann es vorkommen, dass sich die V.F. völlig jenseits der offiziellen Religionen auslebt. Z.B. könnte es sein, dass die V.F. heidnische Elemente umfasst wie der Glaube an Hexen, Dämonen etc. Solche Vermutungen müssten jedoch erst einmal nachgewiesen werden. Bei den Marienerscheinungen sehe ich allerdings solche "Entgleisungen" nicht.