Militärischer Widerstand

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von ursi, 17. August 2004.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Im März 1943 ereignete sich an der Ostfront der seltene Fall, dass die SS Hitler den Gehorsam verweigerte. Nach dem Debakel bei Stalingrad schien sich die Ostfront aufzulösen, und Hitler fiel nichts besseres ein, als "Halten bis zum letzten Mann" zu befehlen, doch der Gruppenführer Paul Hauser verweigerte den Gehorsam und zog sich mit seinen Einheiten zurück, wobei er Mansteins Truppen verstärken konnte, so dass den Deutschen noch einmal ein bedeutender Defensiverfolg an der Ostfront gelang. Sepp Dietrichs Leibstandarte eroberte schließlich sogar Charkow zurück und in der Euphorie des Erfolges wurde diese Befehlsverweigerung übergangen. In einem ähnlichen Fall hatte ein Graf Sponnek 1941/42 eigenmächtig den Rückzug befohlen, was schließlich zu einem Vorteil für die Deutschen wurde. Dennoch wurde Sponnek vor ein Kriegsgericht gestellt und inhaftiert. nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurde er erschossen.
     
  2. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Der Graf Sponeck befand sich aber im Unterschied zum Obergruppenführer Hausser mit seiner Lagebeurteilung im Gegensatz zu seinen Vorgesetzten den Chef der Heeresgruppe Süd Reichenau und den Chef der 11.Armee Manstein.

    Der Vorgesetzte von Hausser Lanz hat das Verhalten seines Untergebenen im Februar 1943 ausdrücklich gebilligt und auch Manstein befand die Entscheidung für korrekt. (1)

    Manstein schrieb später dazu , "Wäre die Räumung con Charkow durch einen General des Heeres befohlen worden, so hätte zweifelslos Hitler diesen vor einen Kriegsgericht gestellt. (2)

    Hausser Karriere hingegen ging weiter und er wurde noch Oberstgruppenführer.


    (1) Schwarz, Die Stabilisierung der Ostfront nach Stalingrad, S.118f, Göttingen 1985

    (2) Manstein, Verlorene Siege, S.453
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. November 2008
  3. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied


    Der Reichskanzler Hitler hat doch, wenn ich mich richtig erinnere, bei seiner Vereidigung doch auf die Verfassung der Republik schwören müssen. Und diese Verfassung hat er ja dann in der Reichstagsbrandverordnung teilweise außer Kraft gesetzt. Ich bin kein Jurist, aber hätte die Reichswehr aufgrund ihres Eides an dieser Stelle nicht einschreiten müssen?
     
  4. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Manstein hat den Krieg sehr sportlich genommen. Aber der Krieg war/ist kein Schachspiel. Im ersten Weltkrieg hätte man dem Ganzen noch mit ein wenig bösem Willen etwas Sportlichkeit abgewinnen können. Im zweiten ging es dann um Ideologien und Völkermord. Manstein, wie viele aus der alten Reichswehr, dachte aber noch in "feudalen" Dimensionen. Um mal nicht zu viele Worte zu machen, für ihn war es "nur" ein "Spiel". Der intelligentere oder trickreichere gewinnt. Kriege wurden aber schon im ersten Weltkrieg an den Werkbänken und nicht in den Schützengräben gewonnen. Das hatte man in der Reichswehr und später Wehrmacht nicht realisiert und erfand den Blitzkrieg.
    Ich habe mal zur Person von Manstein gelesen, die Engländer haben ein auf Hitler erwogenes Attentat verworfen, weil sie befürchteten, Personen mit Sachverstand, wie Manstein, könnten die Führung übernehmen und der Krieg würde so noch länger dauern.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Sponecks Rückzug von der Halbinsel Kertsch im Osten der Krim war erzwungen. Das war sicher auch Manstein klar, der aber unangenehm mit seiner 11. Armee vor Sewastopol im Rücken betroffen war.

    Es gibt hier die Besonderheit, dass an Sponeck der erste größere Fall war, der Hitlers unbedingten "Haltebefehl" in der Winterschlacht 1941/42 durchbrochen hatte, und insofern wohl ein Exempel statuiert werden sollte. Hoepner befahl wenige Tage später Ähnliches (Rückzug eines Armeekorps im Bereich seiner Armee). Hier "beschränkte" sich Hitler auf die Forderung der unehrenhaften Entlassung.

    Vor Sponeck zogen sich deutsche Verbände aus Rostow zurück, darunter auch Dietrichs "Leibstandarte". Das kostete Rundstedt den Posten als OB der Heeresgruppe Süd, für Dietrich ergaben sich keine Folgen, er wurde vielmehr zur Erklärung bei Hitler "vorgeschoben". Reichenau teilte dann wohl die Lagebeurteilungen.
     
  6. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Es auch Probleme mit fehlenden Fernmeldeverbindungen. Und Hitler bestand, ihm war die Lageentwicklung auf der Halbinsel Kertsch vollkommen egal, auf Fortführung des Angriffs gegen Sewastopol. Als Heusinger dies der 11. Armee durchgab, merkte Sodenstern lediglich an, das der Befehl durchgeführt wird, dass das dann aber das Ende für die 11.Armee ist.
     
  7. Köbis17

    Köbis17 Gast

    Die Reichswehr war doch Reaktionär gegenüber der Weimarer Republik. Hinzu kommen Aktivitäten von Reichswehroffizieren in den 30iger Jahren im Bereich der NSDAP (Ulmer Reichswehrprozess, Harzburger Front).
    Außerdem erwartete doch die Reichswehr endlich eine Politik mit Hinsicht auf die Revision des Versailler Vertrags.
    Als dann nach der Machtergreifung von Hitler die Reichswehr als Armee gegen die SA bevorzugt wurde, bekam die Reichswehr doch die Möglichkeit wieder als starke Armee aufgebaut zu werden. Die Mehrheit in der Reichswehr waren somit für dieses Neue.
     
  8. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    @Köbis17, das ist schon klar. Mir ging es rein um den juristischen Aspekt. Es lag eine verpflichtende Eidesleistung auf die Verfassung vor und die Verfassung wurde von Hitler ausgehöhlt. Hätte die Reichswehr, juristisch betrachtet, nicht einschreiten müssen. Gerade der ganz große Teil der Wehrmachtsspitze hat sich doch später immer auf dem Eid auf Hitler zurückgezogen. Den Eid auf die Verfassung hat man wohl vergessen oder sehe ich das falsch?
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Vielleicht lag es auch daran, dass es Hitler selbst mit der Angst bekam. Die Lage war so kritisch, dass er sich entschloss, selbst an die Front zu fliegen. Er besuchte Manstein in Saporoschje, ein Ort, der im tiefsten Hinterland lag, doch eine sowjetische Panzerbrigade war durchgebrochen und kam bis auf 50 km an das Hauptquartier heran, wo nur noch eine Wachkompanie zur Verfügung stand, sich den Rotarmisten entgegen zu stellen. Daraufhin haute Hitler nach 48 Stunden wieder ab und ließ Manstein freie Hand, der seine Truppen wie bei einer Rochade umgruppierte. Die Russen waren zu optimistisch gewesen, als sie glaubten, im schnellen Nachstoßen der Wehrmacht den Rest geben zu können. Die weit auseinandergezogenen Truppen stießen, mit Munitionsvoräten fast am Ende auf einen gut organisierten Gegenangriff, wobei ein deutscher Horchtrupp Funksprüche von Watunin an Popov abfangen konnte.
     
  10. Turgot

    Turgot Aktives Mitglied

    Ein wichtiger Grund für Hitlers Besuch war das Drängen Zeitzlers im Hintergrund gewesen. Zeitzler versprach sich davon, wenn Hitler in aller Deutlichkeit die Lage vorgestellt bekäme, denn würde er den Befehlshaber, hier von Manstein, und dessen Truppenführer endlich die dringend gebotenen Handlungsspielräume gewähren.

    Ansonsten kann man noch anmerken, das bereits in der Winterkrise 1941 einige hervorragende Befehlshaber gehen "durften". Rundstedt wollte sich am Mius eingraben doch Hitler zwang ihm weiter auf Rostow vorzustoßen. Daraufhin reichte Rundstedt seinen Rücktritt ein, der aber nicht bewilligt wurde. Ende Dezember musste die Heeresgruppen unter dem Druck der Roten Armee wieder zurückweichen. Rndstedt bekam ein Herzanfall und wurde abgelöst. Sein Nachfolger von Reichenau starb am 15.Januar 1942 an einem Gehirnschlag.

    Der Oberbefehlshaber der Heersgruppe Mitte Bock trat zurück. Nachfolger wurde Bock. Guderian wurde wegen Zurücknahme seiner Truppen abgelöst. Das gleiche galt für Hoepner.

    Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Nord von Leeb nahm nach Meinungsverschiedenheiten über die Zurücknahme des II. und X. Armeekorps seinen Abschied.

    So verlor die Wehrmacht auf den östlichen Kriegsschauplatzlle die Oberbefehlshaber aller drei Heeresgruppen zuzüglich zwei fähiger Panzergenerale, Das hat sicher auf den "Mut" anderer Generale ,Hitler die ungeschminkte Warheit zu sagen, Foglen gehabt.

    Bei Sponneck war für Hitler im Februar 42 wohl dann das Faß voll und er wolte unbedingt ein Exempel statuieren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. November 2008
  11. Gandolf

    Gandolf Neues Mitglied

    Die Offiziere der Reichswehr wollten die Verfassung der Weimarer Republik nicht schützen. Also ignorierten sie ihren Eid. Hitler hingegen leisteten sie 1934 gerne den rechtswidrigen persönlichen Eid, an den sie sich häufig bis zum bitteren Ende gebunden fühlten.

    Allerdings muss man wohl auch berücksichtigen, dass Hitler und diesen unterstützend auch Hindenburg 1933 alles taten, um dem stufenweisen Abriss der Verfassung einen legalistischen Anstrich zu geben: Abschaffung der Grundrechte durch Reichstagsbrand-Notverordnung und Abschaffung des Staatsorganisationsrechtes durch Ermächtigungs-Gesetz. Auch die Reichswehr wurde in das Geschehen eingebunden (Tag von Potsdam).
     
  12. für_referat

    für_referat Neues Mitglied

    Stauffenberg Attentat

    hallo liebe nutzer...

    ..also ich bin total neu hier und hab auch gar keine ahnung, wie das hier alles abläuft und ob ich hier überhaupt eine antwort auf meine frage bekomme.

    Aber vielleicht habe ich ja glück und es findet sich hier jemand, der mir helfen kann =)

    also es geht um folgendes:

    morgen muss ich ein geschichtsreferat über claus schenk graf von stauffenberg bzw. über die operation walküre/das attentat halten. Meine schwerpunkt soll ich dabei auf die frage setzen, warum der militärische widerstand erst so spät erfolgte.

    und dabei sind wir bei meinem problem. bisher habe ich noch keine konkreten informationen gefunden, die mir darüber aufschluss geben können und da ich das referat MORGEN halten muss, hoffe ich, dass sich hier irgendjemand findet, der mir hilft =)

    also wenn ihr links habt oder die frage beantworten könnt, dann wäre es nett, wenn ihr das hier postet =)

    schonmal danke im vorraus
     
  13. Mummius Picius

    Mummius Picius Premiummitglied

    Hallo für_referat,

    Wie hier alles abläuft ist schnell verlinkt: http://www.geschichtsforum.de/regeln.php

    Zu deiner Frage: eine ähnliche Frage ist auch, weshalb du dich so spät für deine Aufgabe interessierst. Wenn man den drohenden Misserfolg nahe vor Augen hat, neigt man dazu, verzweifelte Mittel zu ergreifen ... dazu muss er (der Misserfolg) aber unmissverständlich nahe vor Augen sein; unmissverständliche Wahrnehmung ist allerdings auch abhängig von der Sehkapazität. Stauffenberg hatte nur noch ein Auge, er hatte deswegen keine räumliche Wahrnehmung. Georg Elser hatte zwei und sah alles viel früher. Okay?

    Im Bereich "2. Weltkrieg" findest du übrigens sicher auch die eine oder andere Diskussion zu deinem Referatsthema.
     
  14. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Na schauen wir mal

    Wenn du noch nichts gefunden hast wird das aber sehr schwer werden bis morgen. Wie lange weisst du denn schon, dass du am 27. März ein Referat halten musst?


    Bevor ich mich deiner Frage annehme, möchte ich doch wissen, was du über das Attentat und über Stauffenberg (inkl. den Mitverschwöhrer) schon weisst.
     
  15. für_referat

    für_referat Neues Mitglied

    hallo ursi

    also das ich das referat morgen halten muss, weiß ich seit montag, allerdings stehe ich vor den zentralen abschlussprüfungen und meine schule sieht für alle zehner vor, dass selbige vor den abschlussprüfungen in deutsch englisch und mathe eine parallelarbeit schreiben müssen. montag musste ich für eine wp-arbeit lernen, die ich am dienstag geschrieben habe. dienstag habe ich für die englisch-parallelarbeit gelernt, welche ich gestern geschrieben habe. Gestern habe ich mich dann mit einer klassenkammeradin getroffen, mit der ich die sv-stunde, die auch morgen ist organisieren musste, da ich klassensprecher und hauptorganisatorin der anstehenden abschlussfahrt bin. Aber genug der Verteidigung ;) Ich hatte zar die Möglichkeit das Referat erst am Montag zu halten, aber da ich jetzt am Wochenende für Mathe lernen muss, wollte ich das lieber "weg" haben.

    also kurze info ich werde mein referat so struckturieren, dass ich zuerst etwas über stauffenberg sage (geb. datum, schule, studium werdegang beim militär etc) und dann werde ich den plan der operation walküre erläutern, etwas über das attentat sagen und schließlich die hauptfrage beantworten, warum der militärische widerstand erst so spät kam.

    was ich schon weiß....(ich hab aber erst eben mit meiner recherche begonnen:

    also...die operation walküre...

    die ermordung hilters sollte parteifunktionären "in die schuhe geschoben werden" damit ein grund für die verhaftung von NSDAP und SS angehörigen vorlag.
    --> das militär sollte dann die ausführende gewalt übernehmen
    stauffenberg sollte staatssekretär werden
    die ermordung sollte durch stauffenberg ausgeführt werden
    1. und 2. versuch schlugen fehl
    --> dann 20. Juli, weil stauffeberg ins führerhauptquartier um Bericht zu erstatten

    --> die namen der mitschwörer sind ja überall zu finden, bisher habe ich nur die folie mit den allgmeinen lebensdaten angefertig, aber im laufe des nachmittags werd ich mich noch durch die themen durcharbeiten...

    über die operation walküre und die ausführung des attentats gibt es ja reichlich informationen, aber die frage, warum der widerstand erst so spät erfolgte, interessiert mich mittlerweile auch persönlich...auch wenn ich nich so der "geschichtsverehrer" bin ;)

    danke für jede weiter hilfe
     
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

  17. für_referat

    für_referat Neues Mitglied

    bisher habe ich da noch nich so den durchblick, weil am anfang war stauffenberg doch für hilter und er begrüßte doch sogar dessen antritt als reichskanzler, oder??
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Den sog. "militärischen Widerstand" gab es auch bereits 1938,
    die Gründe für verschobene Attentate und verstrichene Gelegenheiten sind vielfältig.

    Hier zum Weitersuchen:
    Der militärische Widerstand - Verfolgung und Widerstand
    Auf dem Weg zum 20. Juli 1944 - Verfolgung und Widerstand
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Da war er erst 25 - wer will daraus einen Vorwurf ableiten?
     
  20. für_referat

    für_referat Neues Mitglied

    niemand...?!

    damit wollte ich doch "ursi" nur klar machen, dass ich bisher noch nich viel über den anfang des widerstandes weiß....ich weiß vom plan der operation walküre und ich weiß von der tatsache, dass stauffenberg mal für hilter war....--> damit wollte ich lediglich ausdrücken, dass ich eine wissenslücke habe und nich weiß was zwischen den zwei sachen war...
     

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