Mythos spartanische Überlegenheit

Im deutschen Mittelalter war es sogar eine Ehre, von einer Qelle abzuschreiben.
Und wenn es keine gab, erfand man eine.
Meinst Du damit die Praxis zu behaupten, das (in Wahrheit originale) eigene Werk sei nur eine Bearbeitung oder Übersetzung eines (in Wahrheit fiktiven) älteren Werkes? Das zieht sich durch die halbe Literaturgeschichte.
 
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Von meinem Studium des Mittelhochdeutschen
Dass abgeschrieben wurde, ist klar, auch das Quellen genannt wurden, aber dein kurzer Einwurf beantwortet mir nicht die Frage, wie du darauf kommst, dass es "eine Ehre" war, abzuschreiben. Man tat es, man markierte es manchmal - nicht immer - und natürlich galt im akademischen Kontext die scholastische Regel, nos esse quasi nanos gigantum umeris insidentes, - das hat im Übrigen ein Franzose* formuliert und ein englischer Schüler** von ihm überliefert. Aber wieso es eine Ehre war, abzuschreiben, erschließt sich daraus nicht.
Teilweise wird ja sogar behauptet, dass die Geschichte bislang ganz falsch erzählt worden sei und die jetzt folgende Variante, die richtige. Da war es sicher keine Ehre. Und mhd-Texte sind ja auch i.d.R. keine wissenschaftlichen Werke im Sinne der Scholastik, sondern Literatur.

*Bernardus Carnotensis - Bernhard von Chartres
**Joannes Saresberiensis - Johann von Salisbury
 
Ich kenne das eher aus der Antike, zumindest wird der "Historia Augusta" unterstellt, etliche der dort genannten Quellen seien fiktiv.

Fürs Mittelalter fällt mir auf die Schnelle Kyot ein, den Wolfram von Eschenbach als seine Quelle für den Parzival bezeichnet, der von der heutigen Forschung vielfach jedoch für eine Erfindung Wolframs gehalten wird.
 
Fürs Mittelalter fällt mir auf die Schnelle Kyot ein, den Wolfram von Eschenbach als seine Quelle für den Parzival bezeichnet, der von der heutigen Forschung vielfach jedoch für eine Erfindung Wolframs gehalten wird.

dô disiu rede was getân,
dô stuont dâ einer sküneges man,
der was geheizen Liddamus.
Kyôt in selbe nennet sus.
Kyôt la schantiure hiez,
den sîn kunst des niht erliez,
er ensunge und spræche sô
dês noch genuoge werdent frô.
Kyôt ist ein Provenzâl,
der dise âventiur von Parzivâl
heidensch geschriben sach.
swaz er en franzoys dâ von gesprach,
bin ich niht der witze laz,
dez sage ich tiuschen fürbaz.

Wolfram spricht von Kyôt dem Provenzalen, aber vermutlich war Guiot von Provins gemeint. Das wird angefochten, aber eine gewisse Plausibilität hat es schon. Wolfram könnte Guiot auf dem Hoftag von Mainz kennengelernt haben. Guiot war dort zumindetens anwesend. Wolfram dürfte zu diesem Zeitpunkt noch recht jung gewesen sein.
 
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