Ortsnamenkunde

Dieses Thema im Forum "Historische Hilfswissenschaften mit Genealogie" wurde erstellt von Sepiola, 9. November 2018.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Der Vokal scheint in dieser "vorrömischen Sprache" eine wundersame Wandlungsfähigkeit zu haben: Kühebacher erklärt Melaun (990 Millun) und sogar Mauls (985-993 Mules, mit langem -u-!!!) mit demselben Etymon.
    Dazu kommt noch das obenerwähnte Mols (1178 Mols). Ich habe ja immer Respekt vor den Ortsnamenforschern, aber manchmal könnte man vom Glauben abfallen...
     
  2. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

     
  3. Pardela_cenicienta

    Pardela_cenicienta Aktives Mitglied

    Im Langtauferer Tal, das nichts anderes als die Fortsetzung der Malser Heide in Richtung des österreichischen Kaunertals ist, gibt's ja auch die Weiler Malsau und Melag. Und Münstertal wie auch oberer Vinschgau waren kulturell rätisch und später sprachlich rätoromanisch geprägt. Vielleicht ist die Namensgebung von Mals durch von der Landschafts- und Nutzungsstruktur abgeleitet, ich denke an das italienische "Malga" für Alm und Almhütte.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ein schönes Beispiel ist Xanten, der einzige deutsche Ortsname mit dem Anfangsbuchstaben X.

    Diese Schreibung kam im Mittelalter auf, eigentlich hieß der Ort (Ad) Sanctos 'zu den Heiligen'. Im örtlichen Dialekt (Santes Platt) wird er nach wie vor mit anlautendem S gesprochen. Ebenso im Niederländischen.

    In der deutschen Standardsprache führte die X-Schreibung mit zur Aussprache "Ksanten".
     
  5. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ein weiteres skurriles Beispiel der auf den Wiki-Seiten wuchernden Ortsnamen-Keltomanie:

    Apfeltrang – Wikipedia

    "Ein keltischer Name des Ortes lautet Aphaltarwanc, den man etwa mit Apfelbaumebene übersetzen kann, auch das ein Hinweis auf die sehr frühe Besiedlung."
    :D

    Affaltar ist das althochdeutsche Wort für den Apfelbaum, und wang bedeutet auf althochdeutsch 'Feld'.
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    So ähnlich, wie bei Ceuta. lateinisch Septem > arab. (Bis heute) Sabta, port.-span. Schreibweise Cevta/Ceuta, daraus sie dann der heutige Name „θe‘uta“. Wobei die Umwandlung von b in u im Spanischen nicht einmalig ist. Vgl. auch caudillo (‚Führer‘) < cabdiello < capitellum oder ciudad < cibdad < civitas.
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Etwas näher gelegen wäre Carolinensiel in Ostfriesland (1730 nach Sophie Karoline von Brandenburg-Kulmbach, Fürstin von Ostfriesland, benannt).

    Eine kleine Auswahl weiterer "Karolinger"-Orte:

    Karlsbad/Tschechien (1370 nach Kaiser Karl IV.)

    Karlsbad bei Karlsruhe ist dagegen ein 1971 entstandener Kunstname für die Vereinigung von fünf bis dahin selbständigen Gemeinden.

    Ebenfalls ein moderner Kunstname ist Karlstein am Main; hier gibt es eine Lokalsage, die einen Grenzstein mit Karl dem Großen in Verbindung bringen möchte. Der Ortsname Karlstein wurde aber erst 1975 vergeben: Geschichte | Gemeinde Karlstein

    Karlsdorf: 1686 gegründet von Landgraf Karl von Hessen-Kassel (Hugenottensiedlung).
    Historisches Ortslexikon : Registersuche : LAGIS Hessen
    Auf denselben Gründer geht auch Karlshafen (1699, Umbenennung 1717) zurück : Historisches Ortslexikon : Erweiterte Suche : LAGIS Hessen

    Wiki kennt noch viel mehr Karlsdörfer. Soweit Informationen geliefert werden, sind es überwiegend neuzeitliche Siedlungen; für Karlsdorf in Thüringen gibt es eine mittelalterliche Nennung, je nach Wiki-Artikel am 21. Januar 1214 oder am 19. August 1300 (beide Artikel berufen sich auf ein und dieselbe Literaturstelle...)

    Karlsruhe: 1715 gegründet von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach.

    Karlsfeld: 1802 gegründet und nach Karl, einem Sohn des Kurfürsten Max Joseph von Bayern benannt. Nach den Geschwistern dieses Karl sind weitere zu dieser Zeit gegründete Siedlungen benannt, nämlich Augustenfeld und Ludwigsfeld.

    Bis in karolingische Zeit lässt sich (die) Karlburg am Main urkundlich zurückverfolgen; es handelt sich aber nicht um eine Karlsburg, d. h. hier war ausnahmsweise nicht der Personenname Karl namengebend, sondern die (damals gleichlautenden) 'Kerle' (Alte Schreibweisen: Charlaburc, Karleburc, Karloburg). Von diesem Namen ist auch der Name der naheliegenden Stadt Karlstadt abzuleiten.

    Karlskirchen, ab 1270 urkundlich erwähnt: Historisches Ortslexikon : Erweiterte Suche : LAGIS Hessen

    Karl-Marx-Stadt (1953 umbenannt) trägt seit 1990 wieder wie seit alters her den slawischen Namen Chemnitz.

    Nicht auf den ersten Blick sieht man den Karl in den Ortsnamen Kaarst (1218 erstmals erwähnt als Karlesvorst, also 'Karls Forst'), Kellinghusen (1148 erstmals erwähnt als Kerleggehuse - aus Karl+ing+hausen, also von der Namenbildung ein echter "Karolinger")

    (Niemeyer, Deutsches Ortsnamenbuch; Reitzenstein, Lexikon fränkischer Ortsnamen)
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Da wir in anderen Threads gerade die Agilolfinger öfter erwähnt haben:

    Einen Ortsnamen gibt es, der auf dem Personennamen Agilolf beruht, das ist Egloffstein in Oberfranken. Der hat mit den Agilolfingern allerdings nichts zu tun.

    In Südtirol gibt es um Bruneck herum einige Ortsnamen, die auf Personennamen basieren, die von Promis der Agilolfinger-Dynastie bekannt sind:

    Uttenheim - von Uota
    Greinwalden - von Grimoald
    Dietenheim - von Theodo
    Tesselberg - von Tassilo

    Ob diese Siedlungen von Mitgliedern der Agilolfinger-Sippe gegründet wurden, oder ob die Namen damals halt Mode waren, ist heute schwer zu sagen.
     

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