Das ist eine fiktive Gestalt für einen Roman?
Scheint wohl so.
Allerdings: Kann jemand in dieser Zeit über Jahre hinweg in Frankreich leben, von einem Ort, von Hotel zu Hotel zum anderen ziehen, ohne dass dies auffällt, ohne dass Behörden auf ihn aufmerksam werden ....
Sagen wir es mal so: Wenn er die finanziellen Möglichkeiten dazu hat, würde er sicherlich auch keine Schwierigkeiten gehabt haben, an gefälschte Ausweis- /Reisedokumentedokumente heran zu kommen.
Ich weiß ja nicht, wie du dir eine Geschichte genau denkst und ob deine fiktive Figur ihr Verbrechen in Bayern und ihre Flucht von vorn herein geplant hat oder zunächst mal nicht in den Kreis der Verdächtigen gehört und sich vorher absetzt.
Wenn er die Gelegenheit die Flucht zu planen hatte und nicht sofort gesucht wird und wir über die Zeit zur Jahrhundertwende oder das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts reden und außerdem über eine einigermaßen gut betuchte Person, wäre eine Einreise nach Frankreich ganz einfach gewesen, wenn der Zweck eine Weiterreise nach Großbritannien z.B. in Geschäfts- oder Bildungsangelegenheiten gewesen wäre.
Theoretisch hätte sich deine Person einfach völlig legal in München in den Orientexpress setzen und in Richtung Englischer Kanal oder Paris durchfahren können.
de.wikipedia.org
Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Person Zeit hatte das vorher zu planen und dass sie nicht sofort gesucht wird, für sich genommen kein Problem, sie würde sich dann irgendwo in Frankreich oder eben schon vor der Abreise irgendwo falsche Dokumente beschaffen müssen, um in Frankreich einmal eingereist abzutauchen.
Da vor dem 1. Weltkrieg im besonderen politische Dissidentengruppen und nationalistische Bewegungen oft illegale Aktivitäten über Grenzen hinweg unterhielten und wegen politischer Delikte gesuchte Mitglieder ihrer Organisationen beim Leben in der Illegalität unterstützten unterhielten solche Gruppierungen oft auch Werkstätten in denen ganz gut Ausweis- und Reisedokumente gefälscht werden konnten.
Sowas wäre also eine logische Anlaufstelle für die Beschaffung falscher Papiere gewesen.
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Für den Fall, dass deine Figur bei ihrem Verbrechen auffällt und spontan aus Bayern fliehen muss, wäre der direkte Weg über die deutsch-französische Grenze keine gute Idee gewesen, weil die erstmal im Elsass über weite Teile eine Gebirgsgrenze war, wo die Überwachung der Wege aus den Vogesen heraus relativ einfach war und wo natürlich beide Seiten auch gezielt nach Spionen suchten, die die jeweligen Verteidigungsanlagen ausspähen könnten.
Das war ja hochmilitarisiertes Gebiet, wo mit verstärkten Grenzpatroullien und Verdächtigungen von Fremden als potentiellen Spionen zu rechnen war.
Da wäre jemand mit komischem bayerischen Dialekt, der dort nicht hingehört ziemlich schnell aufgefallen und mit einiger Wahrscheinlichkeit den Behörden als potentieller deutscher Spion gemeldet worden.
Bei einer spontanen Flucht aus Bayern hätte es sich vermutlich angeboten zunächst über die grüne Grenze nach Österreich zu gehen. Das wäre relativ eingach gewesen und ein Bayer, der sich dort herumtrieb, wäre auch kaum aufgefallen.
Bei den diversen Gruppen politischer Dissidenten in der Habsburgermonarchie wäre es wahrscheinlich reltiv einfach gewesen sich an eine davon drann zu hängen (Sagen wir z.B. an irgendwelche anarchistischen Gruppen, radikale Sozialisten oder Sympathisanten der tschechischen Nationalbewegung) und sich österreichische Dokumente zu beschaffen und dann, um Bayern und Deutschland sicherheitshalber zu umgehen, via Schweiz oder Italien einfach legal nach Frankreich zu reisen.
(Das, ohne dir in deinen Plot reinreden zu wollen einfach mal als Idee).
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Das größere Problem bei der Idee für deine Geschichte dürften die Geldangelegenheiten sein, denn wenn deine Figur als Verbrecher gesucht wird (also ihre bekannten Bankkonten wahrscheinlich gesperrt werden und die Banken angewiesen werden Hinweis zu geben, wenn jemand dort heran möchte), sich aber leisten kann von Hotel zu Hotel zu ziehen, müsste die Figur größere Mengen Bargeld mit sich führen.
Sowas fällt aber natürlich auf, im Besonderen dann, wenn es größere Mengen ausländischen Geldes sind, die regelmäßig gewechselt werden müssten.
Jemand, der alle paar Tage bei einem Geldinstitut oder einer Wechselstube erscheint um in Bar Mark in Franc umzutauschen, fällt natürlich früher oder später genau so auf, wie jemand, der in einer Wechselstube mit einem mal einen Koffer voller Geld auf den Tisch knallt.
Da würden früher oder Später Fragen nach dem Grund des Aufenthalts oder der Herkunft des Geldes gestellt, denn man würde ja annehmen, dass jemand der einen längeren Aufenthalt im Ausland geplant hat, sich zuvor mit passender Währung eingedeckt und/oder Geld bei einer entsprechenden Bank deponiert hätte, um größere oder immer wiederkehrende Rechnungen (Zimmermieten, bei längeren Aufenthalten) bequemer per Geldanweisung zahlen und nicht einfach ausgeraubt werden zu können.
Und wenn jemand mit einem großen Sack voll Geld in ausländischer Währung in einer Wechselstube oder Bank aufschlägt, ohne dass irgendwelche plausiblen Geschäftszwecke, Herkunft des Geldes aus einer Erbschaft o.ä. nachgewiesen werden könnten, riecht das natürlich sofort nach Kriminalität und Geldwäsche.