Reisen nach/in Frankreich vor dem WKI

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Ich bin auf der Suche nach einem Fachmann, einer Fachfrau zum Thema REISEN IN FRANKREICH VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG. Was brauchte man für Unterlagen: Reisepass, oder ähnliches? Musste man sich in einem Hotel oder bei einer Behörde ausweisen? Gab es seitens der Behörden Kontrollen, z.B. an der Grenze?
 
Ja, Grenzkontrollen gab es an den Straßen. An der grünen Grenze gab es die nicht, zumindestens nicht in dem Sinne, dass die Grenze überwachbar war. Das schließt natürlich Grenzpatrouillen nicht aus. Je nach Beschaffenheit der Grenze war es also leichter oder schwieriger über die Grüne Grenze zu kommen. Eine Behörde dafür gab es in Frankreich seit Napoleon. Das war gewissermaßen ein erster Grenzschutz, wenn eine feindliche Macht die Grenze überschreiten würde, obwohl die Grenzer, anders als die Soldaten, die vollen bürgerlichen Rechte hatten (Soldaten hatten in Frankreich, solange sie Soldaten waren, kein Wahlrecht).

Reisepässe ("Briefe" im Sinne von Passierscheinen, daher auch der Ausdruck "Brieftasche") gab es seit dem Mittelalter. Die wurden in der Regel ausgestellt, damit ein Reisender durch ein bestimmtes Gebiet reisen konnte und dabei eine gewisse Rechtssicherheit genoss - wenn sich alle an die Regeln hielten.
 
zum Thema REISEN IN FRANKREICH VOR DEM ERSTEN WELTKRIEG.
was genau meinst du damit?
a) Reisen innerhalb von Frankreich? Da gab es keinerlei Probleme. Die Pariser Upperclass pflegte sich ungehindert in die Sommerfrische zu begeben, ausführlich beschrieben in Prousts Recherche.
b) Reisen nach Frankreich (Paris; Seebäder) waren für das mondäne Publikum kein Problem, man reiste ungehindert und ohne behördliche Schikanen. Z.B. der russische Komponist Skrjabin hielt sich vor dem ersten Weltkrieg in Paris auf.
 
Mein Fall ist der: Ein Deutscher - er lebt im Königreich Bayern - flüchtet aufgrund von schweren Straftaten, er taucht unter. Das war im Jahr 1910. In Deutschland wird er steckbrieflich gesucht. Nach seinen eigenen Angaben hält er sich in den nächsten drei Jahren in Frankreich auf - sonst schweigt er über diese Zeit -, wo er im Februar 1913 in der Normandie aufgegriffen wird.
Finanziell kann sich der Flüchtige in dieser Zeit über Wasser halten.
Allerdings: Kann jemand in dieser Zeit über Jahre hinweg in Frankreich leben, von einem Ort, von Hotel zu Hotel zum anderen ziehen, ohne dass dies auffällt, ohne dass Behörden auf ihn aufmerksam werden ....
 
Allerdings: Kann jemand in dieser Zeit über Jahre hinweg in Frankreich leben, von einem Ort, von Hotel zu Hotel zum anderen ziehen, ohne dass dies auffällt, ohne dass Behörden auf ihn aufmerksam werden ....
Wenn die fiktive Figur sich als Künstler ausgibt, sehe ich da weder in der Bretagne noch in der Normandie ein Problem, denn dergleichen erzählen zahlreiche reale Künstlerbiografien. Die fiktive Figur benötigt lediglich die Mittel, um sich so inszenieren zu können (was sicher günstiger ist als das mondäne Hotelleben der Upperclass)
 
Das ist eine fiktive Gestalt für einen Roman?
Scheint wohl so.

Allerdings: Kann jemand in dieser Zeit über Jahre hinweg in Frankreich leben, von einem Ort, von Hotel zu Hotel zum anderen ziehen, ohne dass dies auffällt, ohne dass Behörden auf ihn aufmerksam werden ....
Sagen wir es mal so: Wenn er die finanziellen Möglichkeiten dazu hat, würde er sicherlich auch keine Schwierigkeiten gehabt haben, an gefälschte Ausweis- /Reisedokumentedokumente heran zu kommen.

Ich weiß ja nicht, wie du dir eine Geschichte genau denkst und ob deine fiktive Figur ihr Verbrechen in Bayern und ihre Flucht von vorn herein geplant hat oder zunächst mal nicht in den Kreis der Verdächtigen gehört und sich vorher absetzt.

Wenn er die Gelegenheit die Flucht zu planen hatte und nicht sofort gesucht wird und wir über die Zeit zur Jahrhundertwende oder das erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts reden und außerdem über eine einigermaßen gut betuchte Person, wäre eine Einreise nach Frankreich ganz einfach gewesen, wenn der Zweck eine Weiterreise nach Großbritannien z.B. in Geschäfts- oder Bildungsangelegenheiten gewesen wäre.

Theoretisch hätte sich deine Person einfach völlig legal in München in den Orientexpress setzen und in Richtung Englischer Kanal oder Paris durchfahren können.


Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Person Zeit hatte das vorher zu planen und dass sie nicht sofort gesucht wird, für sich genommen kein Problem, sie würde sich dann irgendwo in Frankreich oder eben schon vor der Abreise irgendwo falsche Dokumente beschaffen müssen, um in Frankreich einmal eingereist abzutauchen.

Da vor dem 1. Weltkrieg im besonderen politische Dissidentengruppen und nationalistische Bewegungen oft illegale Aktivitäten über Grenzen hinweg unterhielten und wegen politischer Delikte gesuchte Mitglieder ihrer Organisationen beim Leben in der Illegalität unterstützten unterhielten solche Gruppierungen oft auch Werkstätten in denen ganz gut Ausweis- und Reisedokumente gefälscht werden konnten.
Sowas wäre also eine logische Anlaufstelle für die Beschaffung falscher Papiere gewesen.

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Für den Fall, dass deine Figur bei ihrem Verbrechen auffällt und spontan aus Bayern fliehen muss, wäre der direkte Weg über die deutsch-französische Grenze keine gute Idee gewesen, weil die erstmal im Elsass über weite Teile eine Gebirgsgrenze war, wo die Überwachung der Wege aus den Vogesen heraus relativ einfach war und wo natürlich beide Seiten auch gezielt nach Spionen suchten, die die jeweligen Verteidigungsanlagen ausspähen könnten.
Das war ja hochmilitarisiertes Gebiet, wo mit verstärkten Grenzpatroullien und Verdächtigungen von Fremden als potentiellen Spionen zu rechnen war.
Da wäre jemand mit komischem bayerischen Dialekt, der dort nicht hingehört ziemlich schnell aufgefallen und mit einiger Wahrscheinlichkeit den Behörden als potentieller deutscher Spion gemeldet worden.

Bei einer spontanen Flucht aus Bayern hätte es sich vermutlich angeboten zunächst über die grüne Grenze nach Österreich zu gehen. Das wäre relativ eingach gewesen und ein Bayer, der sich dort herumtrieb, wäre auch kaum aufgefallen.

Bei den diversen Gruppen politischer Dissidenten in der Habsburgermonarchie wäre es wahrscheinlich reltiv einfach gewesen sich an eine davon drann zu hängen (Sagen wir z.B. an irgendwelche anarchistischen Gruppen, radikale Sozialisten oder Sympathisanten der tschechischen Nationalbewegung) und sich österreichische Dokumente zu beschaffen und dann, um Bayern und Deutschland sicherheitshalber zu umgehen, via Schweiz oder Italien einfach legal nach Frankreich zu reisen.

(Das, ohne dir in deinen Plot reinreden zu wollen einfach mal als Idee).

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Das größere Problem bei der Idee für deine Geschichte dürften die Geldangelegenheiten sein, denn wenn deine Figur als Verbrecher gesucht wird (also ihre bekannten Bankkonten wahrscheinlich gesperrt werden und die Banken angewiesen werden Hinweis zu geben, wenn jemand dort heran möchte), sich aber leisten kann von Hotel zu Hotel zu ziehen, müsste die Figur größere Mengen Bargeld mit sich führen.
Sowas fällt aber natürlich auf, im Besonderen dann, wenn es größere Mengen ausländischen Geldes sind, die regelmäßig gewechselt werden müssten.
Jemand, der alle paar Tage bei einem Geldinstitut oder einer Wechselstube erscheint um in Bar Mark in Franc umzutauschen, fällt natürlich früher oder später genau so auf, wie jemand, der in einer Wechselstube mit einem mal einen Koffer voller Geld auf den Tisch knallt.

Da würden früher oder Später Fragen nach dem Grund des Aufenthalts oder der Herkunft des Geldes gestellt, denn man würde ja annehmen, dass jemand der einen längeren Aufenthalt im Ausland geplant hat, sich zuvor mit passender Währung eingedeckt und/oder Geld bei einer entsprechenden Bank deponiert hätte, um größere oder immer wiederkehrende Rechnungen (Zimmermieten, bei längeren Aufenthalten) bequemer per Geldanweisung zahlen und nicht einfach ausgeraubt werden zu können.
Und wenn jemand mit einem großen Sack voll Geld in ausländischer Währung in einer Wechselstube oder Bank aufschlägt, ohne dass irgendwelche plausiblen Geschäftszwecke, Herkunft des Geldes aus einer Erbschaft o.ä. nachgewiesen werden könnten, riecht das natürlich sofort nach Kriminalität und Geldwäsche.
 
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Eure Überlegungen und Theorien sind beeindruckend. Nur:
- Der Fall, den ich schildere und die Person, um die es geht, sind nicht fiktiv!!! Es ist keine Idee für einen Roman etc., sondern ist wirklich geschehen. Ich schreibe dazu einen wissenschaftlichen Aufsatz.
- Die Person war (kath.) Pfarrer und Journalist. Vermutlich hat er die Flucht einige Tage vorher geplant und eine größere Geldsumme mitgenommen haben, die dann für einige Zeit (drei Jahre) sein Auskommen gesichert hat.
- Als er dann aufgegriffen, ausgeliefert und vor Gericht gestellt wurde, macht er über seinen Aufenthalt nur ganz knappe Aussagen; vermutlich war er die meiste Zeit in Frankreich, vielleicht am Anfang der Flucht in Italien.
- Da er in Deutschland (erstellt drei Wochen nach seiner Flucht) steckbrieflich gesucht wurde, scheidet ein längerer Aufenthalt in Deutschland aus.
- Vor Gericht und in Briefen gibt er an, dass er im Februar 1913 über keine Geldmittel mehr verfügte, irgendwo Unterschlupf suchte und sich einige Tage durchbettelte; dann wurde er wegen Vagabundierens aufgegriffen.
- Er muss, so in einem Zeitungsbericht über das Verfahren gegen ihn in der Normandie, auf großem Fuß gelebt haben (hatte auch einige Bücher bei sich). Dort hat er auch zugegeben, einen "gefälschten Personenstand" zu haben: er hieß eigentlich Münsterer, wurde aber mit dem Namen Weber aufgegriffen.
Die Grundfrage bleibt: Wie ist es möglich, sich drei Jahre auf der Flucht in einem Land aufzuhalten (primär Frankreich), ohne dass offizielle Einrichtungen (Behörden, Ämter) auf den Betreffenden aufmerksam werden, noch dazu - anfangs - mit einem größeren Geldbetrag?
 
Ich sehe da kein großes Problem, die damaligen Kontrollen lassen sich ja nicht einmal annähernd mit den heutigen vergleichen. Du schreibst es ja sogar selbst, er wurde erst aufgegriffen als er "auffällig" wurde, sprich kein Geld mehr hatte. Ich denke auch, in der Region in der er sich aufhielt, war als "Urlaubsregion" durchaus Geldwechsel normal und viele "Fremde" werden sich dort auch aufgehalten haben.
Im Gegensatz zu heute, wird es mit Geld/viel Geld, damals sicherlich einfacher gewesen sein unterzutauchen!?
 
- Der Fall, den ich schildere und die Person, um die es geht, sind nicht fiktiv!!! Es ist keine Idee für einen Roman etc., sondern ist wirklich geschehen. Ich schreibe dazu einen wissenschaftlichen Aufsatz.
Okay, dann ist das natürlich was anderes.
Wie ist es möglich, sich drei Jahre auf der Flucht in einem Land aufzuhalten (primär Frankreich), ohne dass offizielle Einrichtungen (Behörden, Ämter) auf den Betreffenden aufmerksam werden, noch dazu - anfangs - mit einem größeren Geldbetrag?
Bei einem tatsächlichen katholischen Priester läge die Vermutung nahe, dass ihm gegebenenfalls die Netzwerke der katholischen Kirche geholfen haben könnten.

Welcher Art war denn das Delikt, wegen dem die Person aus Deutschland flüchtete? War das irgendwas, was geeignet war die katholische Kirche in Misskredit zu bringen, so dass diese ein Interesse daran gehabt haben könnte, dass die Person nicht in einem öffentlichen Prozess entsprechende Aussagen macht?
 
Im Gegensatz zu heute, wird es mit Geld/viel Geld, damals sicherlich einfacher gewesen sein unterzutauchen!?
Naja:

Es gab damals, zummindest was Münzgeld (und viel Geldverkehr lief damals ja wegen der relativ kleinen nominalen Preise durchaus noch in Münzwährung) angeht ja die "lateinische Münzunion"


Das heißt, dass Personen, die aus Belgien, der Schweiz und Italien kamen möglicherweise nicht unbedingt Geld wechseln mussten, wenn sie sich in Nordfrankreich aufhielten.

Die meisten Geldwechsel dürften dürften den Personen- und Güterverkehr mit England, in erster Linie also das britische Pfund betroffen haben.

Ich könnte mir vorstellen, dass jemand, der immer wieder Mark in Franc umtauschte oder das mit einer größeren Summe tat, möglicherweise schon auffiel.
Aber da müsste man wissen, wie viele Deutsche sich in dieser Region zum Urlauben für gewöhnlich aufhielten.

Es gab sicherlich grundsätzlich Geschäftskontakte aus der Normandie nach Deutschland, weil nämlich teile der westdeutschen Montanindustrie vor dem 1. Weltkrieg auch in die Erschließung von Erzfeldern in der Normandie investiert hatten (dazu habe ich mal ein paar Aktenauszüge gesehen) insofern wären deutsche Geschäftsleute, die in die Normandie reisten wahrscheinlich nicht etwas völlig ungewöhnliches gewesen, aber eine Person, die drei Jahre immer wieder zum Geldwechseln auftaucht, wäre vielleicht eine andere Nummer.

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Stellt sich aber auch die Frage: Wäre gesichert, dass die Person mit einem entsprechenden Geldbetrag aus Deutschland geflohen ist oder könnte sie möglicherweise irgendwelche Gönner/Unterstützer in Frankreich gehabt haben? Denn dann wäre Geldwechsel ggf. nicht nötig gewesen.
 
Naja:



Ich könnte mir vorstellen, dass jemand, der immer wieder Mark in Franc umtauschte oder das mit einer größeren Summe tat, möglicherweise schon auffiel.
Aber da müsste man wissen, wie viele Deutsche sich in dieser Region zum Urlauben für gewöhnlich aufhielten.

Es gab sicherlich grundsätzlich Geschäftskontakte aus der Normandie nach Deutschland, weil nämlich teile der westdeutschen Montanindustrie vor dem 1. Weltkrieg auch in die Erschließung von Erzfeldern in der Normandie investiert hatten (dazu habe ich mal ein paar Aktenauszüge gesehen) insofern wären deutsche Geschäftsleute, die in die Normandie reisten wahrscheinlich nicht etwas völlig ungewöhnliches gewesen, aber eine Person, die drei Jahre immer wieder zum Geldwechseln auftaucht, wäre vielleicht eine andere Nummer.

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Es wäre da eventuell wichtig zu wissen, als welche "Vita" er sich "versteckte". Als Künstler, Literat, Sohn reicher Eltern oder anderes in dieser Richtung würde auch ein Geldwechsel ab und an nicht so auffällig sein, obwohl hier wahrscheinlich Bankanweisungen sinnvoller waren.
Ich sehe in dieser "Touristenregion" auch in drei Jahren kein großes Problem.
 
Es wäre da eventuell wichtig zu wissen, als welche "Vita" er sich "versteckte".
Das und welcher Art das Delikt war.
Als Künstler, Literat, Sohn reicher Eltern oder anderes in dieser Richtung würde auch ein Geldwechsel ab und an nicht so auffällig sein, obwohl hier wahrscheinlich Bankanweisungen sinnvoller waren.
Möglicherweise würde er sich gar nicht in einer anderen Vita versteckt haben müssen.
Es gab ja in Deutschland noch die Reste der Kulturkampfgesetzgebung, unter anderem den "Kanzel-Paragraphen". Wenn er tatsächlich katholischer Priester war, könnte er den Leuten auch einfach Geschichten aufgetischt haben, dass er in irgendeiner Form mit den Behörden in Deutschland deswegen aneinander geraten sei und außer Landes hätte gehen müssen, um einem Prozess zu entgehen und das die Kirche ihn offiziell nicht unterstützen könne, weil dass dann zur Verschärfung der antikatholischen Gesetzgebung in Deutschland führen könnte, wenn es auffiele.

Konservative, nationalistische Kreise in Frankreich, für die der Katholizismus identitätsstiftend war und die bereit waren Deutschland und den preußischen Protestanten jede Schlechtigkeit zuzutrauen, wären für einen Schwindel dieser Art vielleicht empfänglich gewesen und bereit finanzielle Unterstützung zu leisten oder beim wechseln behilflich zu sein.

Wenn Unterstützung von solcher oder ähnlicher Seite vorhanden gewesen wäre, hätte sich die Problematik mit dem Wechseln möglicherweise erübrigt.
 
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eine größere Geldsumme mitgenommen haben, die dann für einige Zeit (drei Jahre) sein Auskommen gesichert hat.
auf großem Fuß gelebt haben
also hatte er die Mittel, um wie einer der vielen mondänen Badegäste oder Privatiers seinen Aufenthalt angenehm zu gestalten, jedenfalls für drei Jahre.
Wie ist es möglich, sich drei Jahre auf der Flucht in einem Land aufzuhalten (primär Frankreich), ohne dass offizielle Einrichtungen (Behörden, Ämter) auf den Betreffenden aufmerksam werden, noch dazu - anfangs - mit einem größeren Geldbetrag?
Genauso, wie alle anderen mondänen Badegäste. Wer wochenlang in guten Hotels und/oder mondänen Sanatorien/Kureinrichtungen lebt, mal hier, mal da (und seinerzeit waren Stippvisiten für nur eine oder zwei Wochen wie heute nicht üblich), der hat weder alle Nase lang seinen pass vorgezeigt, noch ist er von irgendwelchen Behörden kontrolliert oder gar schikaniert worden.
Beispiele aus der Weltliteratur: Cechov (die Dame mit dem Hündchen - Seebad am schwarzen Meer), Th. Mann (Zauberberg - Sanatorium Schweiz), Proust (À la recherche du temps perdu - Sommerfrische reicher Pariser), Gorki (Erinnerungen - Seebad Heringsdorf) - - da unterschied sich das Leben der oberen Zehntausend nicht, egal ob Ostsee, Alpen, schwarzes Meer, Mittelmeer, Atlantik! Und auch längere Aufenthalte als 2-3 Monate fielen nicht auf: etliche Künstler aller Couleur hielten sich teils jahrelang in Frankreich, Italien, Schweiz usw. in den großen Bädern und Kurbädern sowie deren Umgebung auf (man denke auch an diverse "Künstlerkolonien")
Der wohlhabende Kurgast beglich wöchentlich seine Rechnung ("Spesen und Sporteln" Zauberberg), und damit war alles erledigt - die Hotel- und Kurbetriebe waren übrigens auch darauf bedacht, dass ihre zahlungskräftigen Gäste nicht behelligt wurden.
 
Zudem kann ein katholischer Priester auch unter dem Vorwand oder unter der reellen Tarnung einer Pilgerreise z.B. nach Lourdes Geld eintauschen.

Das von @Shinigami vorgebrachte Argument des Kulturkampfes hätte für klerikal-konservativen Kontaktpersonen glaubwürdig gewirkt.
 
Ich schreibe dazu einen wissenschaftlichen Aufsatz.
Und welche Wissenschaft ist das? Im Fall von Geschichtswissenschaft wundert mich, dass die naheliegendste Möglichkeit nicht auf dem Schirm war: der mondäne großbürgerliche Bäder- & Kurtourismus des 19. und frühen 20. Jhs. und damit eine "Tarnung" (die Mittel für 3 Jahre waren ja vorhanden) sozusagen, die den flüchtigen Pfarrer/Journalisten als wohlhabenden Kur/Bädergast darstellt. So lange er Hotelrechnungen etc begleicht, bleibt er unbehelligt.
Gerade Anfang des 20. Jhs. waren die Bahn- und Fährwege längst gut ausgebaut, auch in Frankreich. Dort war ja nicht nur Vichy ein internationales Kurbad, der Beiname "... les-Bains" verweist in Frankreich auf die Kur- & Badeorte. Und seit Mitte des 19. Jhs. sprossen die mondänen Hotels wie Pilze aus dem Boden an solchen Orten.
 
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