Reste des Heidentums in der Folklore

Das Wort lent für Frühjahr gibt es auch im Deutschen: Lenz. Spricht nicht gerade für einen keltischen Ursprung.
Die Darstellung ist Frau Fasten - wie du auf Perchta/Frau Holle kommst, weißt wieder einmal nur du selbst - die in einem "Turnier" mit Prinz Karneval steht. Sie ist eine der namensgebenden Figuren des Bildes.
 
der 40-tägigen (exkl. Sonntage) vorösterlichen Fastenzeit statt
Also Sonntag ist dann ein Tag ohne fasten?
Und 40 Tage fasten nach den protestantischen Glauben heisst dann kein Fleisch und Alkohol ?

Das frühe Christentum war da aber strikter und ähnelte eher dem fasten im Ramadan bei den Muslimen.


Ps: Kalendarisch beginnen die meisten Muslime Morgen also zusammen mit den Christen "das Fasten"
 
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Und 40 Tage fasten nach den protestantischen Glauben heisst dann kein Fleisch und Alkohol ?
Zumindest im evangelisch-lutherischen Bereich ist das Fasten eine individuelle Angelegenheit und rein freiwillig, da nach Luther die Erlösung nicht durch gute Taten, sondern einzig und allein durch den Glauben an Jesus Christus erreicht werden kann. Insofern kann ein evangelisch-lutherischer Christ selbst entscheiden, ob er überhaupt fastet und wenn ja, auf was er verzichtet.

Insgesamt umfasst das protestantische Christentum ja aber ein sehr weiter Spektrum. Da gibt es sicher viele Gruppen, für die das Fasten so wichtig ist wie für die Katholiken oder sogar noch wichtiger.
 
Der Karneval findet vor dem Beginn der 40-tägigen (exkl. Sonntage) vorösterlichen Fastenzeit statt. Ostern wird am Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling gefeiert, sein Datum ändert sich also von Jahr zu Jahr (innerhalb einer Zeitspanne von über einem Monat). Somit hängt die Zeit des Karnevals vom Osterdatum ab und variiert ebenfalls von Jahr zu Jahr beträchtlich.

Das hatte ich @Mfelix auch schon zu erklären versucht:

Soweit wir Belege zum Karneval haben, hatte er immer mit dem Beginn der Fastenzeit zu tun (auch der Name des Karneval stammt daher).
Und die Fastenzeit orientiert sich immer am Osterfest, und dieses hängt mit dem Mond zusammen und nur indirekt mit der Tag-und-Nachtgleiche. Was der Jahreswechsel damit zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht.

Also Sonntag ist dann ein Tag ohne fasten?
Und 40 Tage fasten nach den protestantischen Glauben heisst dann kein Fleisch und Alkohol ?

Das frühe Christentum war da aber strikter und ähnelte eher dem fasten im Ramadan bei den Muslimen.


Ps: Kalendarisch beginnen die meisten Muslime Morgen also zusammen mit den Christen "das Fasten"

Und bevor wir zu den Protestanten, den frühen Christen und den Muslimen abschweifen und uns nach den Kanarischen Inseln, den Kelten und den Schneeglöckchen mit neuen blödsinnige Thesen auseinandersetzen, möchte ich noch einmal in Erinnerung rufen, dass der Ursprung des Karnevals im westeuropäischen (katholischen) Mittelalter zu suchen ist.

Nicht alles, was bei Wiki steht, ist falsch:

Anderes ist freilich Blödsinn:
Ein Karnevalsfest (pullus carnisbrivialis) in Venedig wird erstmals in der Chronik des Dogen Vitale Falier für 1094 erwähnt.

Ein pullus ist kein Fest, sondern ein Hühnchen (ital. pollo).
 
Da die Christen kein Schneeglöckchen über dem Altar haben…...

Jesus war wegen Pessach in Jerusalem. Darum steht der christliche Computist vor der komplexe Aufgabe Sonne, Mond und Wochentage zu synchronisieren und es muss noch im Frühjahr wegen Pessach liegen. Deshalb wandert Ostern nicht durch das Jahr wie der Ramadan.

Verkleidung? Die Larven und Kostüme der alemannische Fastnacht sind fast noch die niedliche Version des Perchtenlaufs in den Alpen. Da muss man nicht extra die Kelten bemühen….. Therianthropen finden wir von der ersten narrativen Malerei vor 54k Jahren in Sundaland bis zum 15k Jahre jüngeren Löwenmenschen der jungpaläolithischen Kunst. Diese jungpaläolithische Mischwesen kann man als Götter, Totem, Schamanen, Priester usw. interpretieren. Da es mit hoher Wahrscheinlichkeit keine solche Mischwesen gab, muss man davon Ausgehen das es Menschen sind die sich verkleiden. Sie schlüpfen in eine Rolle, in eine Figur. Sie sind jetzt kein Bestandteil des Alltages mehr…. Sie nehmen Kontakt zu einer anderen Welt auf, als Vermittler, als Vertreter der anderen Welt in deiner, oder gar zu dem Naturgott oder Naturgeist selber, oder zu dem Tier das er darstellt. Ob wie bei EQ zu den Kanaren und dem Tausch der Rollen von Ziegen und Hirten, bis zu LARP Festen und der Furry Szene in all ihren Spielarten. Und der Gedanken an einen Naturgott, Schöpfung steht noch nicht mal am Anfang, vorher muss man erkennen das man sterblich ist. Wenn ich sterblich bin? Wohin gehe ich, was mache ich hier und woher komme ich?

Man kann heidnische Feste tolerieren und sogar ganz praktisch integrieren und sogar was ganz neues schaffen. Ein strenger Katholizismus und mesoamerikanische Kulturen erschaffen das immaterielles Welterbe Día de Muertos. Huh! Skelette tanzen durch die Straßen… Erinnert doch irgendwie an den Totentanz, oder? Memneto mori. Chronos tötet Eros. Vanitas. Sogar das Buch Kohelet funktioniert auch ohne Jesus, Bibel oder Rabbi.

Und das fasten? In vielen Kulturen wird gefastet, aber längst nicht in allen. Meist geht es dabei um Selbstkontrolle, Askese und manchmal auch um spirituelle Erfahrungen – nur eben je nach Kultur anders betont.
 
Ein pullus ist kein Fest, sondern ein Hühnchen (ital. pollo).

Bin auf der Suche nach der Quelle fündig geworden: 1084 forderte der Doge Vitale Falier als Gegenleistung für Festungsbauarbeiten in Loreo von jedem Haushalt eine jährliche Abgabe von drei Hühnern und drei Denaren, die zu den Terminen Weihnachten, Fastnacht und Ostern zu entrichten waren.

Durch ein groteskes Missverständnis wird aus dem Abgabenbescheid in der Literatur ein "Edikt, welches das Recht garantiert, Karneval zu feiern" ("edict granting the right to celebrate carnival"), und dieser Blödsinn wird fleißig im Internet reproduziert.

Vgl.
'codex italiæ diplomaticus : quo non solum multifariæ investiturarum literæ, ab augustissimis romanorum imperatoribus italiæ principibus & proceribus concessæ atque traditæ; verum etiam alia insignia varii generis diplomata, tam edita, quam multa anecdota, ipsos concernentia continentur. tomus quartus' - Digitalisat | MDZ (das komplette Dokument in etwas anderer Lesart)
 
Bin auf der Suche nach der Quelle fündig geworden: 1084 forderte der Doge Vitale Falier als Gegenleistung für Festungsbauarbeiten in Loreo von jedem Haushalt eine jährliche Abgabe von drei Hühnern und drei Denaren, die zu den Terminen Weihnachten, Fastnacht und Ostern zu entrichten waren.

Durch ein groteskes Missverständnis wird aus dem Abgabenbescheid in der Literatur ein "Edikt, welches das Recht garantiert, Karneval zu feiern" ("edict granting the right to celebrate carnival"), und dieser Blödsinn wird fleißig im Internet reproduziert.
Ist Fastnacht nicht dasselbe wie Karneval? Wenn Fastnacht als Abgabetermin für eine Abgabe festgelegt wurde, muss es Fastnacht bzw. Karneval ja zumindest in irgendeiner Form gegeben haben. Wenn nicht als Fest, dann irgendwie anders. Und wenn die Fastnacht in einer Reihe mit Weihnachten und Ostern genannt wird, kann man zumindest vermuten, dass sie auch eine gewisse Bedeutung gehabt haben wird.
 
Ist Fastnacht nicht dasselbe wie Karneval?

Ja, die Wörter bedeuten sogar annähernd dasselbe, wie ich oben schon geschrieben habe: Karneval = 'Die Enthaltsamkeit von Fleisch auf sich nehmen', Fastnacht = 'Nacht, mit der die Fastenzeit beginnt'.

Der Ausdruck "de carne levare ieiunium" lässt sich wohl bis bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen:
82. Greci autem a LXma de carne levant ieiunium ; monachi vero et Romani devoti vel boni christiani a Lma levant;
https://caeremonialeromanum.com/wp-content/uploads/2025/03/Andrieu_Ordines_Romani_vol_3.pdf (S. 115)
 
Also Sonntag ist dann ein Tag ohne fasten?
Und 40 Tage fasten nach den protestantischen Glauben heisst dann kein Fleisch und Alkohol ?

Das frühe Christentum war da aber strikter und ähnelte eher dem fasten im Ramadan bei den Muslimen.


Ps: Kalendarisch beginnen die meisten Muslime Morgen also zusammen mit den Christen "das Fasten"
Wie Nikias schon sagte, ist das Fasten zumindest in den "traditionellen" reformatorischen Kirchen nicht reguliert. "Sieben Wochen ohne" ist nur eine Einladung an die Menschen, auf etwas frei Ausgewähltes zu verzichten.

Die mittelalterlichen Fastenregeln in der lateinischen Christenheit waren hingegen deutlich strenger und wurden meist auch durch staatliche Gesetze geschützt. Bei Weltchristen bezogen sie sich normalerweise auf Fleischspeisen, zudem mussten an einigen Tagen wie Aschermittwoch und Karfreitag weitere Regeln beachtet werden. Die verschiedenen Orden kannten außerdem eigene, strengere Fastenregeln. So mussten und müssen Karthäuser sich beispielsweise an Freitagen und in der Fastenzeit mit Wasser und Brot begnügen, zwischen Kreuzerhöhung und dem Osterfest besteht das Abendessen auch außerhalb der Fasttage aus Brot und Wasser.

Einige reformatorische Gemeinschaften grenzten sich in der Zeit der Teilung sogar ganz bewusst durch den Verzicht auf und den Bruch von Fastenregeln von den "Altgläubigen" ab. In Zürich kam es etwa zu einem öffentlichen Wurstessen verschiedener Honorationen in Anwesenheit mehrerer Geistlicher (darunter auch Zwingli persönlich) am ersten Fastensonntag.

Um also zum Thema zurückzukommen: Es handelte sich beim Aschermittwoch um einen außerordentlich einschneidenden Tag für alle Stände, so dass es nicht überraschen kann, dass der Vorabend im jeweiligen Volksamund einen eigenen, regional gebräuchlichen Namen erhielt.
 
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