Reste des Heidentums in der Folklore

Dieses Thema im Forum "Religionsgeschichte" wurde erstellt von Haerangil, 28. Dezember 2015.

  1. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    ... und auch nicht implizit. Von irgendeinem Bezug zur Sonne, geschweige zu Sol Invictus, ist da noch nicht einmal andeutungsweise die Rede.
     
  2. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Ich habe nichts anderes anzubieten als das, was der Hieronymus gesagt und seine Übersetzer dazu als Vermutung bemerkten. Beides habe ich bereits am Dienstag um 20:45 Uhr zitiert.

    Manches ergibt sich eben aus dem Zusammenhang. Hieronymus wendet sich da gegen die Ansicht, dass die Epiphanie und Geburt Jesu zusammen (am 6. Januar) stattfanden und führt als „Beweis“ für die Geburt Jesu die Wintersonnenwende am 25. Dezember an, weil da „Das Licht wächst, die Finsternis schwindet. Der helle Tag nimmt zu, der Irrtum weicht, die Wahrheit rückt vor. Heute wird uns die Sonne der Gerechtigkeit geboren.“

    Das wird zurecht als Versuch gewertet, Jesus anstelle von Mithras als Sonne darzustellen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das hat der Übersetzer der Stelle 1914 so gesehen. Du solltest ihm nicht ganz so kritiklos folgen, denn Hieronymus kannte natürlich seine Bibel, er hat sie schließlich übersetzt und ausgiebig kommentiert. Er zitiert die alttestamentarische Bibelstelle שֶׁ֣מֶשׁ צְדָקָ֔ה Šämäš Ṣedaqah (Maleachi 3,20; Septuaginta: ἥλιος δικαιοσύνης), die er in der Vulgata (hier aufgrund einer anderen Kapiteleinteilung - bie Hieronymus endet Maleachi 3 mit Vers 18 - 4, 2) mit sol justitiae übersetzt, heran.

    hebr.: Sonne der Wohlfahrt/Solidarität
    gr./lat.: Sonne der Gerechtigkeit

    Im Evangelium bezeichnet sich Jesus als Licht der Welt.
    Es war einfach um die Jahrhundertwende en vogue, Bezüge zum Mithras-Kult zu vermuten. Das ist wissenschaftsgeschichtlich ganz interessant, das war's dann aber auch, denn am Ende hat der Kommentator einfach eine Bibelstelle, auf die Hieronymus sich bezieht, übersehen.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das ist natürlich wenig bzw. nichts, denn Hieronymus hat nichts über Mithras geschrieben oder auch nur angedeutet.

    ... eine Vermutung, die ihrerseits auf einer neuzeitlichen Erfindung basiert.
    "... the notion that Mithraists celebrated December 25th in some fashion is a modern invention for which there is simply no evidence."
    (Steven Hijmans: Usener's Christmas: A Contribution to the Modern Construct of Late Antique Solar Syncretism, in: M. Espagne & P. Rabault-Feuerhahn (edd.), Hermann Usener und die Metamorphosen der Philologie. Wiesbaden, Harrassowitz, 2011. 139-152 )

    Es handelt sich übrigens nur um einen Übersetzer, den katholischen Priester Dr. Ludwig Schade (1879-1937), seinerzeit Religions- und Oberlehrer in Rheinbach.
     

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