Rezeption der Thermopylen

Dieses Thema im Forum "Antikes Griechenland" wurde erstellt von Radetzky, 22. Januar 2010.

  1. Radetzky

    Radetzky Gesperrt

    Die von Leonidas von Sparta geführte Thermophylen-Schlacht wurde ja immer wieder beschworen, als Beispiel für den tapferen Kampf bis zum letzten Mann. Allerdings von sehr unterschiedlichen polit. Systemen, unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen.
    Als Beispiel könnte man hier Görings Stalingrad-Rede aufführen (Wanderer kommst du nach Stalingrad....) oder auch das Kanaltal, das oftmals als Thermophylen Österreichs bezeichnet wurde.
    Im Kanaltal verteidigten sich 290 österr. Pioniere 1809 unter Hpt. Hensel gegen rund 150.000 Franzosen und auch im 1. Weltkrieg wurde wieder Kampfstätte.
    Friedrich Hensel (Hauptmann) – Wikipedia
    Weiß jemand noch weitere Beispiele, für die Verklärung dieser Schlacht?
     
  2. tela

    tela Aktives Mitglied

    Das passt nicht ganz, aber ist andererseits auch nicht zu weit entfernt.

    In der Antike nimmt z.B. Pausanias massiv Bezug auf die Schlacht und vergleicht sie mit der Schlacht der vereinigten Griechen gegen die Kelten um 280 v. Chr., wobei Athen besonders hervorgehoben wird, die Leistung Athens in dieser Schlacht an den Thermophylen über die der Spartaner gehoben wird.
     
  3. floxx78

    floxx78 Aktives Mitglied

    Stefan Rebenich hat hier etwas dazu veröffentlicht: Das frühe Sparta - Google Bücher

    Auf S. 194 findet sich auch der Göring-Ausspruch, der übrigens "Wanderer, kommst du nach Deutschland" war.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht zu vergessen die Weltkriegsgeschichte von Heinrich Böll, Wanderer, kommst du nach Spa... in der im inneren Monolog eines Schülers im Lazarett (nach Kampfeinsatz, in seiner ehemaligen Schule, seine Kreideschrift steht noch an der Tafel!) den Heldenmythos und die Nazpropaganda konterkariert.
     
  5. Kalojan

    Kalojan Neues Mitglied

    Es gibt so viele Beispiele für die Verwendung der Schlacht bei den Thermopylen...

    Ein andres Beispiel ist die Beschreibung der Schlacht am Shipka-Pass durch Ivan Vazov, wo er oft den Kampf der Freiwilligen auf dem Shipka-Pass gegen die Osmanen mit dem Kampf der Spartaner gegen die Perser "vergleicht".
     
  6. philistion

    philistion Neues Mitglied

    Hallo,

    @tela: Sprichst du von dem Kelteneinfall durch "Brennos"?
    Haben die damals nicht die Thermopylen umgangen? Inwiefern bezieht sich Pausanias darauf, dass es (im Vergleich zum Kelteneinfall) geklappt hat den Persern in der Engstelle entgegenzutreten?
     
  7. tela

    tela Aktives Mitglied

    Wir sprechen ja nicht unbedingt davon, was damals wirklich passiert ist, sondern wie die Geschichte rezipiert wurde.

    Dazu zwei Stellen aus Pausanias:
    'Man erkannte, dass es bei diesem Kampf (gegen die Kelten an den Thermyphylen) nicht nur um die Freiheit Griechenlands ging, wie damals bei den Medern. [...] Dass es hier nur um Untergang oder Sieg ging, war jedem einzelnen Mann wie auch der Gesamtheit klar.' (Paus., 10,20,1).

    Die Bedeutung des Kampfes an den Thermophylen wird hier also nicht nur mit den Perserkriegen verglichen, sondern noch in seinen Konsequenzen über diese hinausgehoben.

    Und die Rolle Athens bei diesen Kämpfen wird mehrfach von Pausanias betont:
    Der Befehlshaber des athenischen Aufgebots wird bei Pausanias zum Oberbefehlshaber über alle griechischen Truppen. Die Flotte Athens nimmt nicht nur teil, sondern rettet die Eingeschlossenen, als die Thermophylen durch Verrat umgangen werden können.

    Schließlich schreibt Pausanias: 'Die Thermophylen [...], wo doch die Lakedaimonier ihre Großtat gegen die Meder und danach die Athener ihre nicht geringere gegen die Galater vollbrachten. (Paus. 7,15,3)
     
  8. Hetairos

    Hetairos Neues Mitglied

    Bei der Lektüre von Die Perserkriege von Wolfgang Will hat sich mir gerade die Frage aufgedrängt, wieso Leonidas schließlich mit den Spartiaten zurückgeblieben ist, um weiter zu kämpfen?

    Militärisch war dies, wie sich denke ich auch alle einig sind, mit Sicherheit nicht sinnvoll. Die griechische Flotte bei Chalkis zu decken scheidet auch aus, da die Niederlage bei Beginn des Rückzuges der Flotte bereits besiegelt war.
    Am naheliegensten ist wohl, dass man den Rückzug der Phoker, Lokrer und restlichen Peleponnesier sicher wollte, aber interessant erscheint mir auch die Frage, ob Leonidas vielleicht bewusst einen spartanischen Mythos schaffen wollte, der von den Lakedaimoniern später stillisiert werden und ihnen nutzen konnte?
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das wäre schon äußerst selbstlos gewesen.
     
  10. Hetairos

    Hetairos Neues Mitglied

    Die Alternative wäre wahrscheinlich gewesen sich zurückzuziehen und von der persischen Reiterei niedergemacht zu werden.
    Vor diesem Hintergrund erscheint es mir durchaus plausibel.
     
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Da hat sich dann aber die Begründung für das Aushalten wieder verschoben: Nicht der Wunsch zum Mythos zu werden, sondern den Rückzug zu decken und sich nicht, ohne sich zu wehren, ins Unvermeidliche zu fügen.
    Wir werden immer bei den Quellen stehen bleiben. Wir können die darin angegeben Gründe für das Aushalten glauben oder es sein lassen bzw. allenfalls noch aus anderen zeitgenössischen Quellen Gründe heranziehen, die plausibler erscheinen, weil wir der Auffassung sind, dass Herodot als Hauptquelle uns die wahren Gründe nicht verraten hat. Aber letztlich bewegen wir uns da mit wackligen Beinen im trügerischen Sumpf der Spekulation.
     
  12. Aretas

    Aretas Mitglied

    Ich denke, du meinst (wie auch von einigen meiner Vorredner richtig in Ihren Antworten verwendet) die Thermopylen ... also die "heißen Tore". Thermophylen wären "heiße Stämme" ... also z.B. Amazonen :rofl:
     
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