Römische Außenwirtschaftspolitik: zwischen Klientelstaaten und militärischer Expansion

Bockstein

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@Pardela_cenicienta , ich hatte nicht vor, Dir zu nah zu treten.
Was ich damit meinte: den privaten Klüngel mitzuführen, heißt für mich Kostensteigerung. Die Wirtschaftlichkeit spielt sicher auch eine Rolle.

Falls Varus Bogenschützen mitführte, (glaube ich aber nicht),hat er sie in Aliso belassen. Wie sollte man auch an ein Distanzscharmützel denken?
Die Bogenschützen werden zur regulären Besatzung Alisos gehört haben. Und Auxiliareinheiten waren den Legionen in etwa gleicher Personenstärke zugeteilt.

Daß die Römer mit Geld umgehen konnten, ist mir schon klar. es wird aber wohl kaum über vereinfachte Buchhaltung(Überschußrechnung)oder einfache Kalkulation hinausgegangen sein.
 
Ganz entschieden nein! Es gab ein Wirtschaftssystem des Augustus:

Eine eroberte oder befriedete Provinz sollte und musste Ertrag bringen, und das möglichst bald. Das waren Steuern, Zölle, aber auch Lizenzen z.B. für Bergbau oder Naturstoffe (Stein, Metalle).

Dem voran gingen große Leistungen im Ausbau der Infrastruktur, die zunächst vom römischen Militär geleistet, später auch von der Bevölkerung der Civitates finanziert wurden.

Das germanische Blei, Plumbum Germanicum, des Lizenznehmers Pudendus ist das berühmteste Beispiel. Aber auch die schon im Neuen Testament als verhasste Vertreter des Systems geschilderten Steuereintreiber und Zöllner, dienten diesem Wirtschaftssystem. Sie waren selbständig, wirtschafteten aber gut in die eigene Tasche.

Aber das Militär musste finanziert werden, und das vor allem auch von Augustus. Am Aufstand oder Meutern der Soldaten unter Germanicus merkt man die Risiken und Schwachpunkte dieses Systems. Oder genau so gut die Machtbasis des Feldherrn.

Die Römer hatten sehr wohl klare Vorstellungen von Einnahmen und Ausgaben. Vor allem über die Strategie geplanter Investitionen.

Tiberius hatte allen Grund Germanicus abzulösen und ihn mit dem Triumphzug in Rom kaltzustellen.
 
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@Pardela_cenicienta ,
natürlich hatte Rom ein Wirtschaftssystem.Diese Weisheit wurde mir durch dekumatlands Link zuteil.
Eben ein vereinfachtes, und da der Kaiser seine Hand auf den Finanzen hielt, auch ein sehr zentrales. Investition oder Sparen war noch nicht geboren.
In dem Bereich sind wir wohl verschiedener Ansicht.

Deinem letzten Satz unterschreibe ich, die Feldzüge 14-16 waren ökonomischer Blödsinn.
 
Eben ein vereinfachtes, und da der Kaiser seine Hand auf den Finanzen hielt, auch ein sehr zentrales. Investition oder Sparen war noch nicht geboren.

Ich wollte so etwas ja eigentlich nicht mehr kommentieren, kann es aber auch nicht stehenlassen.

Die Römer hatten ein hochentwickeltes Wirtschaftssystem, basierend auf den Unternehmungen der oligarchischen, senatorischen Oberschicht.
Durchaus vergleichbar mit den heutigen Tech-Milliardären in den USA.

Da wurden eben auch große Summen in den wirtschaftlichen Aufbau der Provinzen investiert, wenn dieser entsprechenden Profit versprach.
Die Landgüter Galliens sind da Paradebeispiele, aber auch die Minen etwa Spaniens *. Die Gesamte Expansion Roms könnte man als wirtschaftliche Expansion ansehen, welche natürlich durch das vorpreschende Heer erst möglich gemacht werden musste.
Einfacher Handel mit den Nachbarn war nicht profitabel genug, erst die Kontrolle der Produktionstätten und der Rohstoffe versprachen den größtmöglichen Gewinn. Zudem konnte man nur in dieser Form die technologische Überlegenheit ausspielen.
Ermöglicht wurde das durch ein hochentwickeltes Kreditwesen und eine (die meiste Zeit) funktionierende Geldwirtschaft.

* Oder Garum in Lusitanien!
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich wollte so etwas ja eigentlich nicht mehr kommentieren, kann es aber auch nicht stehenlassen.
geht mir ebenso.
...aber ich weiß nicht, ob es genau hier nützt, den Kaiser Vespasian und sein "fortleben" im Pariser Slang (Vespasiennes) zu erwähnen, könnte ja sein, dass pecunia non olet nichts mit Wirtschaft, Finanzen, investieren, sparen zu tun hat, sondern nur mit der Überlieferung schöngeistiger Bonmots...

U. Fellmeth: Pecunia non olet. Die Wirtschaft der antiken Welt. WBG, Darmstadt 2008
A. M. Fleckner: Antike Kapitalvereinigungen. Ein Beitrag zu den konzeptionellen und historischen Grundlagen der Aktiengesellschaft Böhlau, Köln 2010
...vielleicht bringen die grimmen kostspieligen Amazonen diese und weitere Lektüre ins Lesestübchen von @Bockstein ;)
 
Da wurden eben auch große Summen in den wirtschaftlichen Aufbau der Provinzen investiert, wenn dieser entsprechenden Profit versprach.
Die Landgüter Galliens sind da Paradebeispiele, aber auch die Minen etwa Spaniens *. Die Gesamte Expansion Roms könnte man als wirtschaftliche Expansion ansehen, welche natürlich durch das vorpreschende Heer erst möglich gemacht werden musste.
Einfacher Handel mit den Nachbarn war nicht profitabel genug, erst die Kontrolle der Produktionstätten und der Rohstoffe versprachen den größtmöglichen Gewinn. Zudem konnte man nur in dieser Form die technologische Überlegenheit ausspielen.
Man sollte nicht übersehen, dass Rom in der Zeit der späten Republik - der Zeit, als Teile der Oberschicht sagenhaft reich zu werden begannen und im Wesentlichen noch die reale Macht ausübten - primär auf eine Form der indirekten Kontrolle setzte: Diverse Klientelstaaten blieben formal eigenständig, wurden also nicht besetzt. (Somit gerieten auch die Produktionsstätten nicht unter direkte römische Kontrolle.) Wichtig war Rom nur, dass Römer dort ungestört und sicher Handel treiben durften. Erst wenn das nicht gewährleistet war, wurde militärisch interveniert. Tatsächliche großräumige Unterwerfungen wie durch Caesar wurden von großen Teilen der senatorischen Oberschicht recht kritisch gesehen.
 
Tatsächliche großräumige Unterwerfungen wie durch Caesar wurden von großen Teilen der senatorischen Oberschicht recht kritisch gesehen.

Auch ein Teil der wirtschaftlichen Denkweise. Armeen waren teuer, da musste die Aktion auch gelingen.
Bei Klientelstaaten war das Risiko natürlich deutlich kleiner. Das klappte besonders gut bei den hochentwickelten Staaten im Osten.
In anderen Regionen musste man besetzen, da die Einheimischen technisch gar nicht in der Lage waren, etwa Minen effektiv zu betreiben.
 
Die Diskussion um den Stand des Wirtschaftssystems wird zwischen Modernisten und Primitivisten seit Jahrzehnten geführt.
 
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