Sachsen-Anhalt - römische Lager, Funde, Interessantes

Jetzt wird es ganz verrückt. Jahrelang findet man nichts und jetzt schießen die Dinger wie Pilze aus dem Boden…diesmal im Süden bei Merseburg.
 

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Hier ein möglicher Wachtposten. Rechts davon sieht man noch ein Teil der Via Regia mit den Straßengräbchen links und rechts.
 

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Ha, ich habe mir in den letzten Wochen oft über Merseburg Gedanken gemacht! Aus verschiedenen Gründen!
Das passt ja wie die Faust aufs Auge!
 
Richtig. Die gerade helle Linie ist die Via Regia. Und das linke helle Kästchen mit Doppelgraben knapp über der Bachböschung ist der mögliche Wachposten.
 
Ich habe leider kein Bildbearbeitungsprogramm momentan auf dem IPhone zur Hand, sonst hätte ich Pfeile angebracht.
 
Beim westlichen Grabenabschnitt der beiden obigen SW-Aufnahmen, handelt es sich um den Teil eines ausgedehnten Landgrabensystems, welches sich nach Süden und Westen fortsetzt nach Meldung und schneller Rückinfo Seitens des LDA in Halle.
 
Heute bekam ich einen interessanten Artikel vom ehemaligen Luftbildarchäologen Dr. Schwarz mitgeteilt:


Es handelt sich um einen kleinen Denarhort, welcher nur aus Republikdenaren des 2./1. Jh. v. Chr. besteht. Es wurden keine späteren Denare gefunden, sodass dieser möglicherweise mit den frühen Feldzügen in Verbindung stehen könnten.

Passt natürlich in meine Münzspurkarte der Republikdenare als weiterer Baustein.
 
Heute bekam ich einen interessanten Artikel vom ehemaligen Luftbildarchäologen Dr. Schwarz mitgeteilt:


Es handelt sich um einen kleinen Denarhort, welcher nur aus Republikdenaren des 2./1. Jh. v. Chr. besteht. Es wurden keine späteren Denare gefunden, sodass dieser möglicherweise mit den frühen Feldzügen in Verbindung stehen könnten.

Passt natürlich in meine Münzspurkarte der Republikdenare als weiterer Baustein.
Auffallend, dass es sich bei den fünf Münzen um zwei Bigati und drei Serrati handelt. Das sind genau die Münzen, von denen Tacitus schreibt, dass die Germanen sie wegen des Silbergehalts bevorzugten:

Pecuniam probant veterem et diu notam, serratos bigatosque. Argentum quoque magis quam aurum sequuntur, nulla adfectione animi, sed quia numerus argenteorum facilior usui est promiscua ac vilia mercantibus.​
Also streng genommen schreibt Tacitus nicht, dass sie diese - ausdrücklich alten (veterem) - Münzen wegen des Silbergehalts bevorzugen, sondern, dass sie diese bevorzugten UND dass sie Silber vor Gold bevorzugten und die Serrati waren "eingesägt" damit man den Münzkern sehen konnte.
 
Die Besonderheit ist, dass 4 Münzen zeitlich dicht beieinander sind.

Meiner Meinung nach ist das nicht alles. Es gibt wahrscheinlich noch andere Begleitfunde - Stichwort Eisenfunde etc. Schauen wir Mal. Im Übrigen ist Halle ein Ort, welcher bei Wilhelm als einer der Drusus Orte ausgewiesen ist.
 
Es handelt sich um einen kleinen Denarhort, welcher nur aus Republikdenaren des 2./1. Jh. v. Chr. besteht. Es wurden keine späteren Denare gefunden, sodass dieser möglicherweise mit den frühen Feldzügen in Verbindung stehen könnten.

Interessant ist, wie der Befund aussieht:
Es gibt wahrscheinlich noch andere Begleitfunde - Stichwort Eisenfunde etc. Schauen wir Mal. Im Übrigen ist Halle ein Ort, welcher bei Wilhelm als einer der Drusus Orte ausgewiesen ist.

Und auch, ob der Fund in einer Siedlung, Hofstelle o. ä. gemacht wurde. Oder sogar an einem Marschlager? Falls der Fund andererseits sozusagen mitten im Nirgendwo war, kann man nur spekulieren, ob römische Soldaten, Germanen, Kaufleute mit Verbindungen - direkt oder indirekt - in römisches Gebiet die Münzen verloren haben.
 
Die Besonderheit ist, dass 4 Münzen zeitlich dicht beieinander sind.

Meiner Meinung nach ist das nicht alles. Es gibt wahrscheinlich noch andere Begleitfunde - Stichwort Eisenfunde etc. Schauen wir Mal. Im Übrigen ist Halle ein Ort, welcher bei Wilhelm als einer der Drusus Orte ausgewiesen ist.
Vielleicht ist der Hinweis nicht angekommen. Die Münzen sind genau die, welche Tacitus als bei den Germanen besonders beliebt darstellt, wohingegen die jüngeren Münzen Substandard (und daher bei den Germanen weniger beliebt) sind.
Was nun "Wilhelm" (August Benedict Wilhelm) anbelangt: Dessen Schrift ist aus 1826! Ich bitte dich!
Der schreibt dann einen solchen Schmarren:

Nachdem Drusus durch Bezwingung der Catten und Markomannen sich in dem Rücken und auf der Flanke gesichert hatte, wendete er sich gegen die Cherusker, überschritt mit seinen Legionen die Werra, die zu jener Zeit noch Weser genannt wurde, bahnte sich einen Weg durch die damals noch von keinem Römer betretenen Thäler und Schluchten des Thüringerwaldes, eines Theiles der alten Hercynia, ging, nach siegreichen Kämpfen über die Saale und drang, das Land weit und breit verheerend bis zum fernen Ufer der Elbe vor. Schrecken und Furcht war vor den Legionen vorhergegangen und mehrere germanische Völkerstämme hatten sich auf das entgegengesetzte Elbufer hinüber geflüchtet. Auch hierhin, in die innersten Einöden eines unwirthbaren Landes, wollte ihnen Drusus nachfolgen; aber er versuchte vergebens den Elbstrom zu überscrhreiten. In übermenschlicher Größe trat ein weiblisches Wesen vor ihn hin und wehrte ihm in lateinischer Sprache den Uebergang: "Wohin noch, sprach sie drohend, willst du endlich du unersättlicher Drusus? Nicht vergönnt dir das Schicksal, dies alles zu schauen., Darum eile hinweg; denn schon nahe ist dir sowohl deiner Thaten, als auch deines Lebens Ziel!" Wunderbar mag allerdings, sagt Dio, solch eine Götterwarnung scheinen, aber ich mag sie nicht in Zweifel ziehen, da sie sobald in Erfüllung ging. Auch mir scheint diese von Sueton und Dio zugleich erzählte Geschichte kein Mährchen, und durchaus nicht wunderbar, sondern tief begründet in der Eigenthümlickeit des germanischen Volks, hauptsächlich der germanischen Weiber. Drusus mag allerdings jene hohe weibliche Gestalt für eine göttliche Erscheinung, wahrscheinlich für den Schutzgeist Germaniens gehalten haben; aber ich sehe in ihr nicht weiter ale ien deutsche Runenjungfrau, eine heilige Drude, welche, von Vaterlandsliebe begeistert, im wilden Wahnsinn dem alllzukühnen Jünglich warnend entgegentrat. Das schnelle Eintreffen jener Warnung war vielleicht eine Zufälligkeit; ganz läßt sich übrigend bei den deutschen Frauen ein gewisses prophetisches Vermögen nicht ableugnen.​
Wilhelm begründet also die Wahrheit der Erzählung zunächst damit, dass die Prophezeiung eingetroffen sei, übersieht dabei natürlich, dass die Prophezeiung ja keineswegs vorher bekannt war, sondern erst nachher... Dann nimmt er aber irgendwie seinen mystischen Wunderglauben zurück und versucht die göttliche Erscheinung zu rationalisieren, es sei lediglich eine große Frau gewesen. Ja, ja, der kleine Italiener und die große Deutsche... als habe Drusus das erste Mal eine Begegnung mit Germanen gehabt..... Und dann kehrt er von der Rationalisierung doch wieder zum Mystischen zurück. Kurz drauf "weiß" Wilhelm gar, dass die Frau eine Semnonin gewesen sei. Dass eine Semnonin von Jenseits der Elbe fließend Latein sprach, ist für Wilhelm auch völlig natürlich, daran hat er nicht den geringsten Zweifel. Vielleicht hat sie ja einen Schüleraustausch nach Rom gemacht oder ein Erasmusjahr in Lugdunum.
So ein Herumgeeiere ist auch von Historikern des frühen 19. Jhdts. nicht zu erwarten.

Halle habe ich bei Wilhelm jetzt nicht gefunden, aber ich habe natürlich auch nicht das ganze- in Halle erschienene - Buch durchgelesen.
Auf einer im Buch abgedruckten Karte ist an der Saale der Ort Calaegia dargestellt, aber wir hatten ja schon mal an anderer Stelle festgestellt, dass Calaegia bzw. korrekt Γαλαιγία (also Galaegia, nicht Calaegia) a) linguistisch nicht mit Halle gleichzusetzen ist und b) östlich der Elbe lag.
 
Halle habe ich bei Wilhelm jetzt nicht gefunden, aber ich habe natürlich auch nicht das ganze- in Halle erschienene - Buch durchgelesen.
Auf einer im Buch abgedruckten Karte ist an der Saale der Ort Calaegia dargestellt, aber wir hatten ja schon mal an anderer Stelle festgestellt, dass Calaegia bzw. korrekt Γαλαιγία (also Galaegia, nicht Calaegia) a) linguistisch nicht mit Halle gleichzusetzen ist und b) östlich der Elbe lag.
Wir hatten das vor gerade mal zwei Monaten diskutiert:

Spannender finde ich diese Karte Germaniens, welche in meinem Besitz sich befindet. Diese wurde um 1800 erstellt und zeigt die Endpunkte des Ahenobarbus und des Drusus zwischen dem Saalhorn und Elbe-Knie. Also jene Punkte unfern von Aken und Trabitz. Calaegia ist bei ihm Halle.

Klingklanglich. Die Lautverschiebung K > H fand um etliche Jahrhunderte, wenn nicht gar ein Jahrtausend früher statt. Abgesehen davon müsste man, wenn Calaegia Halle wäre (denn auf die Kontinuität spielt dein Gewährsmann aus dem frühen 19. Jhdt. ja an), eine Umlautung erwarten. Also Calaegia würde heute vielleicht Källich/Kellich (oder so ähnlich) heißen, aber sicher nicht Halle. Wenn du einen solchen Ort findest also beginnend mit K, vermutlich aufgrund regressiver i-Umlautung umgelauteten a > ä oder e, dann l bzw. ll und schließlich g wahrscheinlich spirantisert zu ch.
Letztlich ist es Kaffeesatzleserei, wie der Ort Calaegia heute tatsächlich aussähe, aber Källich/Kellich oder so ähnlich wäre eine daraus nach germanistischen Kriterien erwartbare Fassung. Evtl., wenn man die zweite, schwere Silbe berücksichtigt [kaLAEgia], dann könnte man vielleicht auch einen Ausfall des -a- in der ersten Silbe mutmaßen, dann käme so etwas wie Klach oder Kläch/Klech heraus.
Also, solltst du einen Ort finden, der ähnlich wie Källich/Kellich/Klach/Kläch/Klech lautet und in der richtigen Region ist, dann solltest du einen Artikel zu Klaudios Ptolemaios schreiben. Aber Calaegia > Halle? Sicher nicht!
 
Sonderbar finde ich, dass es heißt, die Münzen wurden IN Halle gefunden und nicht bei.
Man will den genauen Fundort wohl noch nicht publik machen, oder?
 
Sonderbar finde ich, dass es heißt, die Münzen wurden IN Halle gefunden und nicht bei.
Man will den genauen Fundort wohl noch nicht publik machen, oder?
Vermutlich auf dem Stadtgebiet, aber einer landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Die Verteilung der Münzen zum Fundzeitpunkt dürfte auf den Pflug, Erosionsprozesse oder Tieraktivität zurückzuführen.​
heißt es in der Pressemitteilung des Landesamtes. Wobei der Satz streng genommen offen lässt, wann die Pflügerei stattgefunden haben soll. Das kann natürlich auch [random] 300 Jahre her sein.
 
Noch mal zurück zu den Münzen:

Silbermünzen aus der Zeit der römischen Republik sind in Mitteldeutschland eine Seltenheit. [...] in Sachsen-Anhalt bisher nur als Einzelfunde [...] bekannt. Nun wurde in Halle [...] ein Hortfund mit fünf Silberdenaren entdeckt. Das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen deutet darauf hin, dass das Ensemble bereits um das Jahr 0 nach Halle kam. [...​
Die Münzen wurden auf eng begrenztem Raum geborgen. Einstmals dürften sie zusammen gelegen haben. Denkbar ist beispielsweise der Inhalt einer kleinen Börse, die im Boden deponiert wurde oder verloren ging.​
[...] stellt der Neufund in Halle nach derzeitigem Kenntnisstand den ersten kleinen Hortfund republikanischer Denare in Sachsen-Anhalt dar.​
[...]​
Die fünf Münzen selbst weisen deutliche Gebrauchsspuren auf und waren offenbar lange im Umlauf. Republikanische Denare blieben auch innerhalb des Römischen Reiches über einen langen Zeitraum gültig und waren selbst bis zum Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus noch Bestandteil des Geldverkehrs. Die Zusammensetzung des kleinen Hortes entspricht einem plausiblen Umlaufverband, wie er auch innerhalb des Römischen Reiches zu erwarten wäre. Auffällig ist, dass vier der fünf Münzen innerhalb eines sehr kurzen Prägezeitraums (82 bis 79 vor Christus) entstanden. Ebenso erwähnenswert ist das Vorkommen von drei sogenannten Serrati, also Denaren mit gezähntem Rand – in zwei Fällen sogar mit Graffiti. [....] Der Historiker Tacitus beschreibt für die Germanen eine Vorliebe für solche Münzen. Dies erscheint mit Blick auf das gesamte bisher bekannte Fundmaterial römischer Münzen im Barbaricum aber eher unwahrscheinlich.​
Unter der Annahme, dass die Münzen als geschlossenes Ensemble, möglicherweise sogar auch als Teil eines ursprünglich größeren Denarhortes, nach Halle gelangten, könnte das Fehlen kaiserzeitlicher Münzen darauf hindeuten, dass der Zufluss bereits um die Zeitenwende oder wenig später erfolgte. Wären die Münzen erst deutlich später in die Region gelangt, wäre eher das gemeinsame Auftreten mit kaiserzeitlichen Prägungen zu erwarten, wenngleich diese Interpretation hypothetisch bleibt.​
Methodisch ist bei Münzhorten zu beobachten, dass die jüngste Münze (Schlussmünze) meist häufiger vorkommt bzw. dass die Münzen deren Prägejahre nah an der Schlussmünze liegen, sich auffällig häufen, wohingegen je älter sie Münzen werden, desto weniger Exemplare in einem Hort sind. Hier liegen zwischen den vier jüngeren Münzen 3 Jahre und der Abstand zum Ausreißer beträgt 69 Jahre. So weit, so typisch für Münzhorte.
Die Münzen sind sichtbar abgegriffen, eine längere Umlaufzeit kann man also unterstellen, sie sind sicher nicht kurz nach der Prägung der Schlussmünze 79 in den Boden gekommen.
Nun übergeht der Artikel aber ein klein wenig ein Problem: Die geringe Größe (gewissermaßen die Kleine) des Horts!!! Es sind nur 5 (fünf, cinco, cinc, خمسة, cinq, five, pięć, п’ять) Stück. Um daraus also weitreichende Schlussfolgerungen zu ziehen, ist die Anzahl der Münzen sehr klein!

In der Regel müssen wir davon ausgehen, wenn die Münzprägung nicht über Jahre ausgesetzt hat, dass die Schlussmünze einen tpq angibt, der relativ nah am Verlust bzw. Verbergungsdatum liegt. Bei Einzelmünzen lässt sich das natürlich nicht feststellen.
Hier haben wir es nun, ich habe es bereits erwähnt, mit abgegriffenen Münzen zu tun, wir müssen also entgegen dem Üblichen feststellen, dass trotz der Häufung der Prägejahre der Fundmünzen um die Schlussmünze die Münzen erst nach längerer Zeit in den Boden kamen.

Der Artikel schlägt nun vor, dass dies vor der Zeitwende passiert sei, weil kaiserzeitliche Münzen fehlen.
Da sind wir aber wieder bei der geringen Hortgröße, die einfach keinerlei statistische Relevanz für sich beanspruchen kann. Und das ist der große methodische Fehler, den der Verfasser des Artikels imho begeht.

Kommen wir vom Numismatischen auf das Historische: Es wird bei Tacitus ausdrücklich gesagt, dass die Germanen altes und silbernes Geld dem jüngeren vorzogen. Explizit werden die Bigati und Serrati genannt.

Hier ist nun zu fragen: erzählt Tacitus uns das, weil es stimmt oder weil er Kritik an der Geldpolitik des Kaiserhauses (Edelmetall Substandard) äußern will? Dem republikanisch gesinnten Tacitus wäre ein "früher war alles besser, auch in der Geldpolitik" zuzutrauen.

Wenn es aber stimmt, was Tacitus uns erzählt, dann verzerrt die germanische Bevorzugung älteren Geldes und der Bigati und Serrati natürlich auch das Gesamtbild dessen, was wir archäologisch erwarten dürfen. Die Frage wäre halt, in welche Richtung. Der Verfasser des Artikels sieht Tacitus ' Behauptung, die er kurz in Bezug auf die Serrati erwähnt, in den diversen Münz- und Hortfunden bislang nicht bestätigt. Das ist schön mal ein Befund.

Gedankenspiel: Tacitus erzählt uns die Wahrheit: wie ist dann zu bewerten, dass die bevorzugen Münzen in der Fundstatistik kaum prädominieren?
 
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