Sah ein Knab' ein Röslein steh'n, Röslein in Laurins Garten

Den Merowingern dürfte das noch nicht gelungen sein, sonst hätten sie das Langobardenreich in den 150 Jahren Eroberungsversuchen geschafft, wie gesagt, zuletzt auch nicht mit byzantinischer Unterstützung. Den Karolingern aber ist es dann definitiv gelungen, was wahrscheinlich zu einem ersten kürzeren ahd. Rosengarten-Kampflied führte, ähnlich dem kürzeren älteren ahd. Hildebrandslied aus diesem Raum. Dieses Thema dürfte später in der mhd. DE aufgegriffen und weiterentwickelt worden sein. Da Brandsätze etc. in diesem Kontext nicht vorkommen, gehe ich von einer anderen (direkteren) Überwindung des Rosengartens aus.
Was hat "König Laurins Rosengarten" mit den Feldzügen der Merowinger gegen das Langobardenreich zu tun? Habe ich etwas verpasst? Quellen?
„Die Hagbefestigungen waren auch bei den Sarazenen bekannt, welche unter Anderem im Golf von St. Tropez in der Provence (Mitte des 10. Jahrhunderts) einen Berg mit dornigem Gebüsch derartig fest machten, dass sie von da aus ungestraft ihre Räubereien verüben konnten.“ (A. Demmin: Leipzig 1877, 299/300: Germanische Wälle. Hage, Gebücke). Damit sind solche Festungsanlagen schon längst bewiesen, die hier bislang von den Experten für Festungsbau bestritten wurden. Und was den Sarazenen gelang, konnten die Langobarden bereits zwei bis drei Jahrhunderte zuvor ebenfalls adaptiert und eingesetzt haben. In der mhd. DE wird dieser um 1200 als uneinnehmbare Feste mit Rosengarten dargestellt und soll 400 Jahre alt gewesen sein. Da solche Infos meistens von einem älteren Dokument abgeschrieben wurden, kann man auch von 450-500 Jahren ausgehen.
Du meinst das Fraxinetum? Die Festung oberhalb von La Garde-Freinet, Fort Freinet, wurde nach den archäologischen Ausgrabungen in den 1960er Jahren und 1980er ins 12. bis 16. Jahrhundert datiert, also nach der Rückeroberung des sarazenischen Fraxinetum durch die Grafen der Provence.
Philippe Sénac, Muslime und Sarazenen in Südgallien vom 8. bis zum 11. Jahrhundert , Sycomore, 1980, S. 47 , und „ Muslime in der Provence im 10. Jahrhundert “ in Geschichte des Islam und der Muslime in Frankreich vom Mittelalter bis zur Gegenwart , Albin Michel, 2006, S. 26

Aus einem Werk von 1877 zu zitieren, um etwas zu belegen, kann zu falschen Ergebnissen und großen Irrtümern führen. Doch da ein Rosengarten kein Gebück und keine Festung ist, ist es auch unerheblich, ob die Nervier, Römer, die Sarazenen, Provencalen, Franken oder die Langobarden ihre Festungen mit Annäherungshindernissen verstärkten.
Im dabei historisch-topographisch erwähnten Fall Castelfeder kommen natürlich nicht nur Brombeere und Heckenrosen vor, sondern auch Weißdorn, Schlehdorn, Mäusedorn, Felsenkreuzdorn, Felsenbirne, Felsenkirche, Hainbuche, Eiche, Esche etc. (aber keine Gartenrosen). Darauf geht die mhd. DE jedoch nicht eigens ein und würde in diesem Kontext wieder zu weit führen
Wenn du dich bei deiner Argumentation einerseits auf die Botanik stützen willst, sie andererseits als nebensächlich abtust und ignorierst, verwickelst du dich immer weiter in Widersprüche und Irrtümer. Wie du von der Gartenrose zum Dorngebüsch kommen willst, bleibt dein Geheimnis. Umberto Eco hat seinen Roman "Im Namen der Rose" genannt, genau in der Wortbedeutung, mit der vielfältige (historische, religiöse) Bedeutungen verknüpft sind, und nicht "Im Namen der Heckenrose".

"Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus (Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen)" letzter Satz von "Im Namen der Rose" - Variation eines Hexameters aus Bernhard von Clunys De contemptu mundi (Von der Verachtung der Welt), 1.Hälfte des 12.Jahrhunderts.

"Während es Bernhard um die Vergänglichkeit aller irdischen Größe geht, bezieht der Schreiber in Ecos Roman sich auf die Flüchtigkeit menschlicher Existenz und das unaufhaltsame Verschwinden der realen Gegenwart in die nur noch erinnerte Vergangenheit. Zugleich spielt Eco auf ein Thema der mittelalterlichen Philosophie an: die Frage, ob sprachliche Begriffe (Universalien) eine eigenständige Realität haben, wenn es keine physisch existierenden Exemplare der von ihnen bezeichneten Gattung gibt. Der mittelalterliche Philosoph Abaelard benutzte das Beispiel, dass die „Rose“, auch wenn es keine Rosen gibt, weiterbestehe, aber nur als Name, das heißt als Wortbedeutung in der Sprache, nicht als Realität." wikipedia, Eintrag zum letzten Satz in Ecos Roman)

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Die älteste literarische Erwähnung dieser Verteidigungshecken ist jene von Caesar, gefolgt von den erwähnten Darstellungen in der mhd. DE als "Rosengarten" (Virginal, 1. H., 13. Jh.). Plinius könnte ebenfalls noch darauf eingegangen sein, was aber nicht überliefert ist. Vielleicht kennt jemand noch Quellen zwischen den ziemlich weit auseinander liegenden (1250 Jahre) beiden Quellen?
Was hat eigentlich das Goethe Gedicht mit jenen Rosengärten als Verteidigungshecken zu tun?

Gar nix, mein ich.
 
Den Merowingern dürfte das noch nicht gelungen sein,
Weil sie zu blöd waren, Hecken in Brand zu setzen?
Den Karolingern aber ist es dann definitiv gelungen,
Glaubst Du wirklich, dass Städte wie Pavia und Verona lediglich mit Rosen- oder Brombeerhecken befestigt waren? Und dass die fränkische Armee monatelang brauchte, um damit fertig zu werden?
was wahrscheinlich zu einem ersten kürzeren ahd. Rosengarten-Kampflied führte
Für das es nicht den geringsten Beleg gibt.
 
Nach Loslösung von den Awaren und Einzug in Italien haben sie diese an den neuen Bedingungen angepasst. Ein Reflexbogen ist meistens günstiger und effektiver als ein Schwert, insbesondere wenn man von den einst berüchtigten langobardischen Festungen und Klausen (betreffend südlicher Alpenraum) auf herannahende Infanterie herab kicken kann.
Zu den berüchtigten Festungen der Langobarden: bei Paulus Diaconus finde ich zum Feldzug der Franken in Italien (Liber III, 31) dass Gebinus und dreizehn weitere Herzöge nach der "linken" Seite Italiens zogen, fünf Burgen /Castella eroberte, und dann bis Verona weiterzog. Die meisten Burgen (castra) hätten sich ergeben, und viele wurden zerstört, bis ins Tridentinerland, diese zählt Paulus Diakonus auch auf:
Tesana (Tisens), Maletum (Mölten), Sermiana (Sirmian), Appianum (Eppan), Fagitana (Faedo), Cimbra (Cembra), Vitianum (Vezzano), Bremtonicum (Brentonico), Volaenes (Volano), Ennemase (ungeklärt), zwei Befestigungen im Alsuca (Valsugana) und eine in Verona. Die Burg Ferruga (Verruca) konnte sich loskaufen.

Von Hecken um Burgen und Bogenschützen, die sich dahinter verschanzen, fand ich bei Paulus Diaconus nichts. Im unten verlinkten Bericht der Ausgrabungen der Festung (Castra) von San Martino wurden immerhin mehrere Pfelispitzen gefunden. Siehe Bild im Anhang.

 

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und im "Abstract" finden wir da statt Brombeeren:

Ja, richtig, die in Mörteltechnik gebaute innere Umfassungsmauer von 1,4 Kilometern Länge schließt einen Bereich von ca. einem Hektar ein. Sie ist nur ca. 80 cm stark. Verwendet wurden nur Materialien, die vor Ort vorhanden waren. Das Nordtor war mit zwei Türmen und zwei Stockwerken ein auffallender Komplex, zu dem die Ausgräber sagen:"Wer diese Toranlage entworfen hat, kannte sich bestens mit den fortifikatorischen Anforderungen an eine Toranlage der Zeit aus."

Gefunden wurden verkohlte Vorräte, die sich ausgezeichnet für 14C-Analysen eignen, wurden mehrfach beprobt , und erbrachten alle Daten der Zeit um 600. Daher wurde versucht ein 14C-Datum für das historische Datum 590 zu simulieren, dem Jahr des oben erwähnten fränkischen Kriegszugs. Eine sichere Datierung konnte statistisch nicht ermittelt werden, das Feuer kann auch etwas später ausgebrochen sein.

Die Autoren Enrico Cavada und Marcus Zagermann erwähnen in einer Fußnote, dass W.Landi die Festung von San Marino mit der Paulus Diaconus erwähnten Festung Ennemase verbindet.
Landi 2003, 134 ff. mit Anm. 130 (mittelalterliche Formen des Ortsnamens Lomaso: [de] Nomass[o] von 1210 und aus dem 13.
Jahrhundert Nomas[o], Nomas und Nomasc); ders. 2013. – Vgl. nun aber Brogiolo 2013, 96; 98 (Nomesino, Vallagarina).

Literatur: Alpine Festungen 400-1000. Chronologie, Räume und Funktionen, Netzwerke, Interpretationen: Akten des Kolloquiums in München am 13. und 14. September 2018 = Fortezze alpine (secoli V-X): cronologia, spazi e funzioni, sistemi, interpretazioni
BAdW · 046998415 mit Link zur PDF (120 MB), Verlag C.H. Beck, 2020

Unten links, LIDAR-Aufnahme des Geländes der Ausgrabung, rechts Standorte der bei Paulus Diaconus erwähnten langobardischen Festungen
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Was hat "König Laurins Rosengarten" mit den Feldzügen der Merowinger gegen das Langobardenreich zu tun? Habe ich etwas verpasst? Quellen?
Der historische Hintergrund von Laurins Rosengarten (damals im Fürstbistum Trient gelegen) lag ursprünglich im Langobardenreich, dann zum Hzm. Bayern. Belege/Quellen dazu kann ich mir hoffentlich ersparen.
Du meinst das Fraxinetum? Die Festung oberhalb von La Garde-Freinet, Fort Freinet, wurde nach den archäologischen Ausgrabungen in den 1960er Jahren und 1980er ins 12. bis 16. Jahrhundert datiert, also nach der Rückeroberung des sarazenischen Fraxinetum durch die Grafen der Provence.
Philippe Sénac, Muslime und Sarazenen in Südgallien vom 8. bis zum 11. Jahrhundert , Sycomore, 1980, S. 47 , und „ Muslime in der Provence im 10. Jahrhundert “ in Geschichte des Islam und der Muslime in Frankreich vom Mittelalter bis zur Gegenwart , Albin Michel, 2006, S. 26

Aus einem Werk von 1877 zu zitieren, um etwas zu belegen, kann zu falschen Ergebnissen und großen Irrtümern führen. Doch da ein Rosengarten kein Gebück und keine Festung ist, ist es auch unerheblich, ob die Nervier, Römer, die Sarazenen, Provencalen, Franken oder die Langobarden ihre Festungen mit Annäherungshindernissen verstärkten.
Die archäologischen Ausgrabungen in den 1960er Jahren und 1980er würden nur an der Zeitstellung was ändern. Es ändert nichts daran, dass Gebück- oder Hagformen auch zu Annäherungshindernissen bei früh-hochmittelalterlichen Höhenburgen (Castra) zum Einsatz gekommen sein können und die mhd. Epiker dies noch im 12./13. Jh. wussten und in ihrer Dichtung berücksichtigten. Außerdem beschäftigt sich die Archäologie mit kaum 5% Überresten des ursprünglichen Bestandes. Im Fall Endidae etwa ignorierten dabei die modernen italienischen Archäologen in den Jahren 1979-2004 das Werk von Pallhausen über die Heerstraße von Verona.... nach Augsburg (1816), der die Position der Römerstation Endide relativ genau lokalisierte, vermutlich aufgrund Insiderwissen ortskundiger Schatzsucher. Diese moderne archäologische Ignoranz kostete dem Steuerzahler bestimmt 1-2 Millionen Projektkosten und eine falsche Villa-Endidae-Ausstellung anstelle der richtigen Kastell-Position, gefolgt von einem falschen Villa-Pons-Drusi-Museum anstelle der richtigen Kastell-Position etc.

Kurz zur Logik: Allein schon die Größenangaben (eine Meile lang, eine halbe Meile breit) deuten nicht auf einen üblichen Garten mit Gartenrosen hin, sondern auf eine ebensolche große strategisch bedeutende Burganlage, um die damals zuletzt im 13. Jh. noch nachweislich gekämpft wurde (s.u.). Um einen Garten mit Gartenrosen hätte man sich damals kaum Jahrzehnte lang so gestritten.:D Dieses Narrativ gehört zu späteren, neuzeitlichen Nachdichtungen, als der historische Kontext dazu bereits längst in Vergessenheit geraten ist.
Wenn du dich bei deiner Argumentation einerseits auf die Botanik stützen willst, sie andererseits als nebensächlich abtust und ignorierst, verwickelst du dich immer weiter in Widersprüche und Irrtümer. Wie du von der Gartenrose zum Dorngebüsch kommen willst, bleibt dein Geheimnis. Umberto Eco hat seinen Roman "Im Namen der Rose" genannt, genau in der Wortbedeutung, mit der vielfältige (historische, religiöse) Bedeutungen verknüpft sind, und nicht "Im Namen der Heckenrose".
Die fünfblättrige Wappen-Rose ist eine Heckenrose wird aber auch einfach nur Rose oder Rosenwappen genannt und nicht Heckenrosenwappen... ;) Außerdem, warum sollte man bei einer Argumentation gewisse botanische Nebenaspekte zur Thematik verschweigen? Allerdings kann man dabei nur soweit gehen, wie sie die mhd. Epiker damals verstanden haben. Dazu muss nicht ein eigenes botanisches Kapitel aufgeschlagen werden - es sei denn, man will das vor Ort unbedingt botanisch beweisen. Die Grundlagen hierfür wären vorhanden, das Interesse aber zu gering.
"Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus (Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen)" letzter Satz von "Im Namen der Rose" - Variation eines Hexameters aus Bernhard von Clunys De contemptu mundi (Von der Verachtung der Welt), 1.Hälfte des 12.Jahrhunderts.

"Während es Bernhard um die Vergänglichkeit aller irdischen Größe geht, bezieht der Schreiber in Ecos Roman sich auf die Flüchtigkeit menschlicher Existenz und das unaufhaltsame Verschwinden der realen Gegenwart in die nur noch erinnerte Vergangenheit. Zugleich spielt Eco auf ein Thema der mittelalterlichen Philosophie an: die Frage, ob sprachliche Begriffe (Universalien) eine eigenständige Realität haben, wenn es keine physisch existierenden Exemplare der von ihnen bezeichneten Gattung gibt. Der mittelalterliche Philosoph Abaelard benutzte das Beispiel, dass die „Rose“, auch wenn es keine Rosen gibt, weiterbestehe, aber nur als Name, das heißt als Wortbedeutung in der Sprache, nicht als Realität." wikipedia, Eintrag zum letzten Satz in Ecos Roman)
So ähnlich hätte auch der Laurin enden können ("Der Rosengarten von einst steht nur noch als Name/Vorstellung, uns bleibt nur die nackte Erinnerung"), wenn es um einen philosophischen Disput gegangen wäre und die mhd. Epiker Romantiker gewesen wären. In diese Kerbe schlägt z.B. die romantische Nachdichtung: "Die Rose des Gedenkens" (Sage aus dem Fassatal). Laurins letzter historischer Hintergrund bildeten jedoch mit voller Härte ausgetragene Rechtsstreitigkeiten zwischen der Tiroler Grafschaft und dem Fürstbistums Trient bzw. den Edelfreien von Enn, denen die genannte Burganlage damals gehörte (Lehensmänner aus dem Fassa- und Fleimstal u.a. waren darin ebenfalls involviert). Landi W.: Die Edelfreien von Enn. In: Montan, Band I, 2003, S. 157-272. Die Stachelhecken und die Helden der Frühzeit standen hier nur "Pate". Btw.: Übrigens habe ich u.a. auch noch einen Rechtsstreit gg. ein großes Unternehmen auszutragen, das dem des Laurin-Musterfall erinnert. Daher werde ich hier künftig nur mehr gelegentlich kurz reinschauen können. Die Sachlage ist ja inzwischen ausreichend sondiert, die Positionen abgesteckt. Weiteres Hin und Her würde in diesem anonymen Umfeld ohnehin nicht wirklich weiterführen.
Glaubst Du wirklich, dass Städte wie Pavia und Verona lediglich mit Rosen- oder Brombeerhecken befestigt waren? Und dass die fränkische Armee monatelang brauchte, um damit fertig zu werden?
Wer spricht von Städten? Es geht hier im Speziellen um eine befestigte Höhensiedlung (Castrum) in einer Bergregion.
Für das es nicht den geringsten Beleg gibt.
Das ahd. Hildebrand(kampf)lied fand später ebenfalls in der mhd. DE eine Weiterentwicklung. Einige Themen in der DE/TS mussten bereits im Frühmittelalter in kurzer Liedform behandelt worden sein. Die Epiker des 12./13. Jh. haben sich diese bestimmt nicht aus den Fingern gesogen. Dafür gab es beispielsweise in den Klosterbibliotheken noch ausreichend historisch-literarische Grundlagen.
Zu den berüchtigten Festungen der Langobarden: bei Paulus Diaconus finde ich zum Feldzug der Franken in Italien (Liber III, 31) dass Gebinus und dreizehn weitere Herzöge nach der "linken" Seite Italiens zogen, fünf Burgen /Castella eroberte, und dann bis Verona weiterzog. Die meisten Burgen (castra) hätten sich ergeben, und viele wurden zerstört, bis ins Tridentinerland, diese zählt Paulus Diakonus auch auf:
Tesana (Tisens), Maletum (Mölten), Sermiana (Sirmian), Appianum (Eppan), Fagitana (Faedo), Cimbra (Cembra), Vitianum (Vezzano), Bremtonicum (Brentonico), Volaenes (Volano), Ennemase (ungeklärt), zwei Befestigungen im Alsuca (Valsugana) und eine in Verona. Die Burg Ferruga (Verruca) konnte sich loskaufen.
Ich wiederhole mich nur ungern: P. Diaconus musste unter Druck Karl d. Gr. Franken-freundlich schreiben - im Sinne von: die Sieger schreiben die Geschichte. Das waren am Ende die Karolinger. Solche Überlieferungen sind mit besonderer Vorsicht zu genießen. Wenn die Franken mit einer derartigen Übermacht von rund 14 Heeren und zusätzlichen byzantinischen Heeren so siegreich gewesen wären, warum haben dann die Merowinger das Langobardenreich nicht gleich kassiert? Am Ende zogen die Byzantiner aufgrund der hohen merowingischen Verluste ab, die großteils aufs Konto von Herzog Evin ging. Es kam zum Waffenstillstand, Friedensverhandlungen und Gefangenenaustausch, die Evin mit Brunihild führte. Die "ausdrücklich" genannten trentinischen Castra (davon 4-5 unbedeutend kleine) entsprechen nur einem Bruchteil der tatsächlich über 80 vorhandenen, um die Schmach auf diese Weise besser kaschieren zu können, die ihnen die "Trentiner" unter Evin zufügten. Bedeutende wie Tridento, Castelfeder (damals vermutlich Eninga) oder Formigar (Kaiserkogel/Sigmundskron) wurden beispielsweise nicht erwähnt.
 
Dass Brombeerhecken als Annäherungshindernisse an Wälle und Mauern vielleicht gar nicht so ungern gesehen waren, ist durchaus plausibel. Sie sind nicht unüberwindbar, aber man muss sie erst mal aus dem Weg schaffen und jeder, der im Garten schon mal Brombeeren hatte, weiß wie hartnäckig die sein können. Aber warum Laurins Rosengarten davon Zeugnis ablegen soll, ist bislang noch nicht wirklich plausibel gemacht worden. Zumal ja auch Witege mit Leichtigkeit den Rosengarten zerstört. Laurins Rosengarten wäre also wenn, dann eher ein Zeugnis für die Unwirksamkeit der Pflanzen als Schutzwall. Aber darum geht es ja in Laurins Rosengarten überhaupt nicht.
 
Dass Brombeerhecken als Annäherungshindernisse an Wälle und Mauern vielleicht gar nicht so ungern gesehen waren
...das dicke vielleicht ändert nichts daran, dass die Quellen partout keine Brombeeren enthalten.
Soweit ich @Sternbach hier verstehe, meint er mit "damals" die Entstehungszeit der mittelalterlichen Gedichtfassungen, nicht die Langobardenzeit.
...warum erzählt er dann lang und breit von langobardischen Brombeerfestungen und Scharfschützen?
 
Im Fall Endidae etwa ignorierten dabei die modernen italienischen Archäologen in den Jahren 1979-2004 das Werk von Pallhausen über die Heerstraße von Verona.... nach Augsburg (1816), der die Position der Römerstation Endide relativ genau lokalisierte, vermutlich aufgrund Insiderwissen ortskundiger Schatzsucher.

Pall von Pallhausens Buch ist am Schreibtisch entstanden; er stützt sich auf Bücher, Landkarten und (insbesondere bei Etymologien) auf seine reichlich sprudelnde Phantasie.
Im Rahmen seiner Recherchen ist er nicht einmal in die Nähe der fraglichen Gegend gekommen ("... ich kam aber nicht weiter, als bis nach Mittenwald oder an die Scharnitz.") und kann demzufolge auch kaum Kontakte zu ortskundigen Schatzsuchern geknüpft haben.

 
Wobei ich nach nochmaliger genauer Lektüre zur Auffassung komme, dass Pallhausen Endidae an derselben Stelle lokalisiert wie die modernen Archäologen.

Zur Lokalisierung schreibt Pallhausen: "Endide, jetzt ein Dorf Ennye, auch Enn genannt. [...] Ober Endide ist noch ein Ort, Villa genannt."
Das lässt sich nur dadurch erklären, dass er nicht bemerkt hat, dass Egna/"Ennye" lediglich ein anderer Name für Neumarkt ist.

 
Die fünfblättrige Wappen-Rose ist eine Heckenrose wird aber auch einfach nur Rose oder Rosenwappen genannt und nicht Heckenrosenwappen... ;) Außerdem,
Auch hier liegt Wikipedia falsch: Rose (Heraldik) – Wikipedia . Die Heckenrose ist weiß bis zartrosa, und nicht rot.

Beispiel: Die rote Rose von Lancaster war sehr wahrscheinlich abgeleitet vom Vorbild einer Sorte der Rosa gallica, der Rosa Gallica officinalis (Apothekerrose). Die Weiße Rose von York hatte die Rosa Alba Semiplena zum Vorbild, eine Kreuzung aus Rosa canina var. froebelii und Rosa damascena. Die Heraldische Tudor-Rose war eine Kombination der beiden Wappenrosen von York und Lancaster, die die Vereinigung der Häuser Tudor (ein Zweig des Lancaster-Hauses) und des Hauses von York symbolisierte (Heirat von Henry VII Tudor und Elizabeth of York) 1485.

Die fünfblättrige heraldische Rose hat meiner Ansicht nach Rosa Gallica zum Vorbild, die schon von den Römern kultiviert wurde.

links Rosa Alba Semiplena (White Rose of York) , Mitte Wappen der Tudor-Rose, rechts Rosa Gallica officinalis, (Red Rose of Lancaster)

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Der historische Hintergrund von Laurins Rosengarten (damals im Fürstbistum Trient gelegen) lag ursprünglich im Langobardenreich, dann zum Hzm. Bayern. Belege/Quellen dazu kann ich mir hoffentlich ersparen.
Belege ersparen? Dies widerspricht dem Sinn dieses Forums.

Ulrike Kindl sieht drei Quellen, aus denen durch die moderne Verknüpfung (sie nennt es Klitterung) eine neue Version der Laurins-Sage entstanden ist:

1. das mittelalterliche Spielmannslied um Laurín, auch als der sogenannte “Kleine Rosengarten” (um 1250) bekannt;
2. das ätiologische Sagenmotiv des Alpenglühens der deutschtirolerischen Sagentradition;
3. Sagenmotive um das Alpenglühen aus der ladinischen Überlieferung;
4. das Dolomitenmassiv des Rosengarten, wo Laurins Zaubergarten (heute) lokalisiert wird.

Märe – Sage – Marketing -
König Laurins Rosengarten zwischen mittelhochdeutscher Spielmannsdichtung und ladinischer Sagentradition, Ulrike Kindl,

https://www.micura.it/upload-ladinia/files/567.pdf

Das mittelalterliche Spielmannslied entstand im bairisch-mitteldeutschen Sprachraum und gehört zur Dietrich-Epik. Der Autor ist unbekannt. Wo das Abenteuer spielt bleibt ungenau, Laurin wird jedoch als Kühnster aller Männer "ze Tirol in dem tanne" (Vers 304) beschrieben. Zwischen Rosengarten und Laurins Kristallpalast im Berg liegt eine weite Reise., die die von Laurin eingeladenen Ritter zurücklegen müssen.

Das Sagenmotiv des Alpenglühens im deutschtirolerischen Sprachraum zählt Kindl zu den Untergangssagen, einfache Sagen von Frevel und Sühne, wie im Rosenstreit, in der zwei Königssöhne um eine Rose stritten und sich gegenseitig töteten. Die Rosen und Zaunstäbe versteinerten zu Felsnadeln und Wänden, nur das Alpenglühen am Abend erinnert an die brudermordende Leidenschaft. Die Volkssage wurde im 19./20. Jahrhundert mit dem Dolomitenmassiv Rosengarten (östlich von Bozen) verknüpft. Der Name "Rosengarten" hat etymologisch nichts mit einem Rosengarten und auch nicht mit dem Alpenglühen zu tun, sondern mit dem Wort ruza, mit dem eine Geröllhalde bezeichnet wird - die ladinische Bezeichnung eines Rosengartengipfels Ciadenac bedeutet einfach Geröllkessel. Das Massiv selbst hieß auf ladinisch Vaiolón oder Vaiolét.


"Zudem gibt es im ganzen Alpenraum zahlreiche Bergnamen, die mit <ros-> oder <rosa-> gebildet werden. In näherer Umgebung des Dolomitenberges: im Rittner Gebiet (der “Rosengarten” ist eine unwegsame Schlucht bei Dreikirchen); bei Imst (auch da ist der “Rosengarten” eine Schlucht), südöstlich von Innsbruck liegt das “Rosenjoch” (eine steile, mit felsigen Schrofen durchsetzte und früher vereiste Rinne); cf. zingerle 1918. Beispiele aus dem gesamten Alpenraum: Monte Rosa (Zentralalpen), Piz Roséc und Piz Rosátsch (Engadin), Plan de Roses (Wallis). Etymologisch liegt all diesen Namen vermutlich eine vorrömische Wurzel *ros- oder *ruza- zugrunde, mit der Bedeutung “Felsgeröll, Mure, Gletschermoräne” (cf. dazu den ladinischen Ausdruck roa für “Felsrinne, Geröllhalde”)." Ulrike Kindl, s.o.

In den verzeichneten mündlichen Sagen aus Tirol erscheint auch ein verzauberter Rosengarten, und in einer Erzählung auch ein kleiner “König Lorein”, der den entrückten Liebenden im Schlaf bewacht, doch lässt sich nicht mehr erschließen, ob der spätromantische Autor des 19.Jahrunderts das Motiv eingeflochten hat, ob es ein ursprüngliches Sagenmotiv ist, oder z.B. in der frühen Neuzeit nach der schriftlichen Verbreitung des Spielmannslieds der König Laurin in mündliche Erzählungen um den "Rosengarten" transformiert wurde, das mit dem ursprünglichen höfischen Aventure - und Minne-Epos des 13.Jahrhunderts nichts mehr zu tun hatte. Im "Kleinen Rosengarten Laurins" gibt es auch kein Alpenglühen, und keine Versteinerung des Rosengartens, der Rosengarten wird nicht einmal auf einem Berg verortet. Der Name "Rosengarten" für das Dolomitenmassiv ist erst um 1500 (1506) urkundlich im deutschsprachigen Alpenraum belegt.

In der ladinischen Sagentradition, so Kindl, gibt es eine Sage “Rey de Nyès”, die in der Tradition der Erzählungen um das Alpenglühen eine Untergangssage mit dem Thema "verlorenes Paradies" - einer vormals guten alten Zeit - verband. Erst K.F.Wolff habe in dieser Sage Anfang des 20.Jahrhunderts eine Schwundstufe des Laurin-Stoffs gesehen.
"
Auf Anhieb interpretierte Wolff die kurze Erzählung als ladinische Variante des Laurin-Stoffes, obwohl er, wie er selbst offen zugab, den Namen “Laurin” nie direkt von einer Gewährsperson gehört hatte. Die Verbindung des mittelalterlichen Spielmannsliedes mit dem ätiologischen Sagenmotiv des Alpenglühens passte gar zu wundervoll ins Konzept der Fremdenverkehrswerbung, die damals gerade das soeben entdeckte Dolomitengebiet für den gehobenen Tourismus lancierte." Kindl, s.o.

Wolf war beruflich in Tirol unterwegs, er arbeitete an einem Reiseführer entlang der gerade erbauten Dolomitenstraße, die 1909 fertiggestellt wurde, und verortet in seiner Monographie der Dolomitenstraße (1908) mit Blick vom Karner Pass auf das Rosengartenmassiv (zufällig am Standort eines luxuriösen Grand Hotels) den Epos um den König Laurin und den Rosengarten: “Hier ist der Schauplatz der deutschen Heldensage” beginnt er das Kapitel “Von Bozen auf den Karer Pass”. 1947 schrieb Wolf selbst in seinen Anmerkungen:
“Niemals habe ich bei meinen Nachforschungen den Namen ‘Laurin’ aus dem Munde des Volkes vernommen. Seitdem ich tätig bin [also etwa seit 1900], ist dieser Name dem Volke unbekannt.” (Wolff 1947, 119).

Kindl weist darauf hin, dass die ladinische Sage vom Alpenglühen “Rey de Nyès” sich nicht auf die Rosengartengruppe beziehen kann, da das abendliche Naturphänomen nur von der deutschsprachigen Seite in diesem Dolomitenmassiv zu sehen ist, im ladinischen Fassatal jedoch am Vernel oder der Marmolata-Wand. Und das ladinische Wort für Alpenglühen Enrosadira meint nur, dass die Sonne untergeht, und ist keine Blumen-Metapher: "fioresc soreie (wörtlich: “die Sonne blüht”) meint nichts anderes als “die Sonne geht unter”. Und die Bezeichnung “enrosa-
dira” beschreibt ebenso schlicht die “Einrosung” der angestrahlten Felswände, das “Rot-werden”, und hat nichts mit “Rosen” zu tun, denn das Sprachspiel zwischen der Blume namens “Rose” und der Farbe namens “rosa” funktioniert wieder nur im Deutschen; die ladinischen Alpenrosen, die zondres, reimen sich weder auf “rot” (rosc, chécen) noch auf “rosa”. Kindl, s.o.


Im 19.Jahrhundert war die Verortung von Laurins Rosengarten noch offen ,Zingerle schreibt von einer Zwergensage bei Meran,
"wo sich ob Plarsch am Fuße des Berges riesige Felsblöcke abgelagert haben, soll der Rosengarten des Königs Laurin gestanden sein. Im Inneren des Berges soll sich seine Krystallburg befinden, in der er noch wohnt" und erwähnt im gleichen Zug auch eine andere Verortung "Nach anderen soll der Rosengarten in Gratsch am Fuße des Schlosses Tirol geblüht haben. Noch heutzutage nennt das Volk einen Teil jener fruchtbaren Gegend den Rosengarten.” I.V. Zingerle (1850).

Zingerle, der "Tiroler Grimm", wie in Kindl nennt, bevorzugt als Standort der Sage jedoch das Schloss Tirol bei Meran, dass dem Land und der Grafschaft auch den Namen gab: "Wir finden in Südtirol drei Rosengärten, die sich um Laurin streiten sollen wie die sieben kleinasiatischen Städte um Homer. Diese sind: ein Rosengarten in Lana, der nichts als den Namen für sich hat, ein Rosengarten bei Algund und der auf dem Schlern. Der Rosengarten bei Algund ist ein Weinberg in der angenehmsten Lage und hat den Bestätigungs-Brief von der herrlichen Natur, wie das Zeugniß der Volkssage für sich [...]." (Algund liegt in der Nähe von Schloss Tirol, Schlern ist ein Berg in der Schlern-Rosengartengruppe).

Heute hat sich die Version Wolffs durchgesetzt, ein literarisch und touristisch erfolgreiches "cross-over aus mittelhochdeutscher Maere und ladinischer Sage: mit der Geschichte vom Alpenglühen als Wahrzeichen des Rosengartens" (U.Kindl), die das Dolomitenmassiv mit Naturgenuß, "Geschichtlichkeit" und "Volkstradition" für ein reiselustiges bürgerliches Publikum erschloss und vermarktete, das noch im 19.Jahrhundert eine bettelarme, einsame und abgeschiedene raue Bergwelt war.

Möchtest du der Geschichtsklitterung des beginnenden 20.Jahrhunderts eine weitere hinzufügen? Ja dann, dann benötigst du keine Belege.

Literatur: "Kritische Lektüre der Dolomitensagen Bd. III: König Laurin und sein Rosengarten" (San Martin de Tor: Istitut Ladin "Micurá de Rü", 2025) em. Univ. Prof. Dr. Ulrike Kindl
 
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