Haben sich nicht deutsche Soldaten/Offiziere zu Anfang ihre Zielfernrohre privat beschafft, bzw. wurde da nicht die
Jägerschaft in die Pflicht genommen (Ablieferung)!?
Ein preußischer Aristokrat, der Herzog von Ratibor ließ 1914 20.000 Jagd- und Sportgewehre mit Zielfernrohren ausstatten und spendete sie der Westfront.
Über das deutsche Scharfschützenwesen im Weltkrieg ist leider sehr viel Quellenmaterial verloren gegangen das Militärarchiv in Potsdam wurde 1945 zerstört, glücklicherweise überdauerte das bayrische alle Wirren des Krieges.
Leider wird man auch dort nicht viel Schriftliches finden. Im 1. Weltkrieg wurde zwar so gut wie alles was technisch möglich war auch praktiziert, selektiv aber Gegner durch gezielten Schuss auszuschalten, war zwar sehr effektiv, aber es gab im Grabenkrieg viele Scheußlichkeiten, die man zwar praktizierte, über die man sich als Offizier dann aber lieber nicht allzu deutlich schriftlich äußerte, weil vieles als unehrenhaft galt.
Die Effektivität von leichter Infanterie, von Jägern hatte sich schon im Siebenjährigen Krieg erwiesen, es kam aber vor, dass Scharfschützen, die gezielt Offiziere abschossen getötet wurden, wenn man sie erwischte.
Die deutsche optische Industrie war auf einem hohen Niveau, und in D gab es seit dem Mittelalter zahlreiche Vereine, Bruderschaften, die den Schießsport pflegten.
Die Jagd war sehr populär und auch die Wilderei. In Deutschland war Ansitzjagd weiter verbreitet als in F oder GB, und bei Gebirgsjagden hatten sich Zielfernrohre bewährt, und sie hatten sich schon vor dem Weltkrieg in der Jägerschaft durchgesetzt. August Stukenbrok, ein Jagdversand bot in seinem Katalog schon 1909 gut ein Dutzend von Zielfernrohr-Modellen mit 2,5 facher bis sechsfacher Vergrößerung und verschiedenen Absehen.
Scharfschützen waren im Grabenkrieg sehr effektiv. Durch gezielte Schüsse kann man ganze Grabenabschnitte terrorisieren, kann den Angriffsschwung einer zahlenmäßig überlegenen Truppe verzögern. An der Ostfront setzten die Russen Scharfschützen aus Sibirien ein, die sehr treffgenau schossen und sich sehr geschickt im Gelände tarnten. Diese Scharfschützen wurden schon 1914 durch eigene Scharfschützen gezielt bekämpft. Für den Karabiner 98 wurde schon vor dem Krieg ein Zielfernrohr mit 4,5 facher Vergrößerung entwickelt. Es fehlte nur an einer geeigneteren Montage.
Leider wird man zum Scharfschützen im 1. Weltkrieg nicht allzuviel an schriftlichen Quellen finden, keine "Dicta Boelcke" für Scharfschützen.
Es war effektiv, aber es verstieß in vielen Punkten gegen Kriegsgesetze und Kriegsethik. Man tat es, aber man hinterließ über so etwas nicht viel schriftliches Material. Es gehörte zu den Grausamkeiten und unfairen Kriegspraktiken über die man sich schriftlich nicht so ausließ wie im 2. Weltkrieg.
"Scharfschützen", "Heckenschützen" Franctireurs, Nettoyeur de tranches, das war ein Kapitel darüber wurde eher hinter vorgehaltener Hand gesprochen, da begab man sich leicht in die Grauzone, die nicht mehr von der Haager Landkriegsordnung oder der Genfer Konvention gedeckt war, in die Grauzone, wo man von Vorgesetzten nicht gedeckt wurde.
Die Frage, ob es im 1. Weltkrieg Einsatz von Scharfschützen gab muss man mit einem eindeutigen Ja! beantworten. Im Grabenkrieg lag das nahe, technisch war da einiges möglich, nur wird man kaum erwarten können, dass man dazu auf einen reichen Fundus schriftlicher Quellen zurückgreifen kann.