Science Fiction und Zukunftsvisionen vor 100+ Jahren

michaell hat ja schon eine beeindruckende Literaturliste aufgestellt - da bleiben mir nur noch Ergänzungen übrig:
Karel Capek (R.U.R.; Krakatit; der Krieg mit den Molchen) und seine Werke aus den 20er Jahren, mit Robotern (der Begriff soll auf seinen Bruder zurückgehen), Atomkraft u.v.a.
Alfred Döblin [sic] "Berge, Meere, Giganten", utopischer Roman

in der russ. Literatur hatte sich der Begriff "technische Fantastik" eingebürgert, bezeichnet Science Fiction mit speziellem Interesse an technischem Fortschritt.
 
Bisher ganz vergessen von mir:
ein Beispiel für ganz frühe "Science Fiction" von Edgar Allan Poe ist die Geschichte "Das unglaubliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall" aus dem Jahr 1835, in der ebenfalls die Mondreise thematisiert wird.
Hier eine Interpretation:
epilog.de - Edgar Allan Poes »Das unvergleichliche Abenteuer eines gewissen Hans Pfaall«

Natürlich kann man darüber streiten, inwieweit das "Science Fiction" ist, denn in der Pointe entlarvt Poe die Erzählung seiner Figur Pfaall augenzwinkernd als Schwindelei. Der "Science"-Teil ist dafür sehr umfangreich, denn Poe "errechnet" in der Geschichte unter anderem die Entfernung zum Mond.
 
Ein noch viel früheres Beispiel einer Geschichte über eine Reise zum Mond gibt es sogar schon aus der Antike: Lukian von Samosata schrieb den satirischen Dialog "Ikaromenippos e Hypernephelos", in dem er u. a. die antiken Reiseberichte sowie diverse wissenschaftliche Spekulationen über das Universum parodiert. Auch in seinem zweiteiligen satirischen Roman "Wahre Geschichte" ("Alethon Diegematon"), ebenfalls eine Parodie auf unglaubwürdige Reiseromane, ging es u. a. um eine Reise ins Weltall mitsamt einem dort stattfindenden Krieg.
Im "Ikaromenippos" gab er die Entfernung Erde-Mond mit gerade einmal 3.000 Stadien (also ca. 540 km) an, die Entfernung Mond-Sonne mit 500 Parasangen (ca. 2.700 km). Aber natürlich meinte er diese Angaben nicht wissenschaftlich-ernst.
 
kurios auch:
Wilhelm von Meyern Dya Na Sore
Karl May Ardistan und Dschinnistan
beides utopische Romane (allerdings keine Science Fiction)
 
Was für Zukunftsvisionen hatten unsere Vorfahren noch? Ab wann gab es Science Fiction Literatur und wie sah die aus?
Mercier hat 1769 - also zwanzig Jahre vor der Frz. Revolution - einen Roman verfasst, wie er sich das nachrevolutionäre Paris vorstellte. Dieses allerdings verlegte er weit in die Zukunft, in das Jahr 2440. Die erste deutsche Übersetzung davon erschien bereits 1772.
 
Vorläufer des Science-Fiction sind Utopien und Robinsonaden. Die Handlung beginnt meistens mit einem Schiffsbrüchigen, den aus auf eine ferne Insel der Glückseligen verschlägt, auf der alles besser oder wenigstens ist. Frühste Vertreter sind die Humanisten Thomas Morus mit "Utopia" und Francis Bacon mit "Neu-Atlantis" im 16. Jahrhundert.

Eine interessante Variante findet sich in Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer". Hier beginnt die Handlung auch mit einem Schiffbruch, aber der Schiffsbrüchige landet hier auf einem phantastischen U-Boot, die zum Ort der Utopie oder Dystopie wird.

Wenn die Flecken auf der Landkarte immer kleiner wurden, funktionieren diese Varianten des Reiseromans oder der Robinsonade nicht mehr und es muss den Protagonisten auf ferne Planeten oder in ferne Zeiten verschlagen.
 
Vorläufer des Science-Fiction sind Utopien und Robinsonaden. Die Handlung beginnt meistens mit einem Schiffsbrüchigen, den aus auf eine ferne Insel der Glückseligen verschlägt, auf der alles besser oder wenigstens ist. Frühste Vertreter sind die Humanisten Thomas Morus mit "Utopia" und Francis Bacon mit "Neu-Atlantis" im 16. Jahrhundert.
Das gab es schon in der Antike: Ein gewisser Iambulos (der oder dessen Werk sich nicht näher datieren lassen, außer dass sie aus der Zeit vor Diodor, der es wiedergibt, stammen müssen; möglicherweise war Iambulos auch nur der Protagonist eines von einem anderen Autor stammenden Textes) schrieb über seine Reise zu einer Insel, die eine Art Utopia war, im Indischen Ozean.

Auch Platons Atlantis-Beschreibung hat etwas von einer Art Utopia.
 
1910 erschien das Buch "Die Welt in 100 Jahren".
Daran haben sich viele Autoren beteiligt. Von der Bertha von Suttner bis zum Carl Peters (der Sadist "Hängepeters" der einen entsprechend blödsinnigen Beitrag verfasst).
Es gibt da m.E. zwei Autoren die unsere gegenwärtige Welt gut treffen.

Der eine ist Robert Sloss, von dem keiner recht weiß wer er eigentlich war. Ein amerikanischer Journalist? Jedenfalls beschreibt er die Welt der Handys. Egal wo du bist, Bus, Bahn oder Flugmaschine, immer kannst du dich mit einem beliebigen Teilnehmer eines beliebigen Ortes der Welt mit einem kleinen Handgerät verbinden.

Der andere ist der Sozialdemokrat Eduard Goldstein der das soziale Miteinander unserer Gegenwart erstaunlich genau beschreibt.

Die Welt in hundert Jahren : Lübbert, Ernst, 1879-1915 : Free Download, Borrow, and Streaming : Internet Archive
 
Letztens sah ich Die Zeitmaschine (die Verfilmung von 1960). Da ich das Buch (1895) nie gelesen habe, kann ich mir die Veränderungen des Films gegenüber seiner Vorlage nur zusammenreimen (WKI und II kommen vor). Auf jeden Fall geht unsere Welt in dem Film in einem Atomkrieg unter, der irgendwann bald nach 1960 passiert* und eine vulkanische Kettenreaktion auslöst. Im Jahr 8xxxx erlebt der Protagonist dann zunächst eine Utopie mit den Eloi, die sich dann aber allmählich als Dystopie herausstellt, denn die scheinbar im Paradies/Schlaraffenland lebenden Eloi sind gegenüber dem Tod gleichgültig und letztlich nur noch das Vieh der Morlocks, welche sich von ihnen ernähren. Sie sind die Nachfahren der Jetztmenschen, wobei die Eloi uns (zumindest im Film) äußerlich sehr ähnlich sind, die lichtempfindlichen Morlocks aber gedrungen und häßlich.

*Das ist gewissermaßen der Kommentar von Drehbuchautoren und Regisseuren zu ihrer Zeit, und das zwei Jahre vor der Kubakrise, später erfahren wir, dass der Krieg zwischen Ost und West dreihundertpiependeckel Jahre währte.
 
Kernkraft-SciFi vor hundert Jahren

Anfang 1914
wird „A World Set Free“ von H.G. Wells veröffentlicht.
Wells beschreibt die Entwicklung der Menschheit von deren kargen Beginn zu immer höherer Erkenntnis und Fähigkeit im Stil einer populärwissenschaftlichen Geschichtsschreibung.
Fließend geht er davon über die Gegenwart in die Fiktion der Zukunft über.
Der radioaktive Zerfall war bereits bekannt, und Wells fantasiert, dass es technologisch möglich sein werde diesen nahezu nach Belieben zu beschleunigen. 1943 gelingt der Durchbruch und alsbald revolutioniert diese Methode die Energiegewinnung.
Selbst Automobile und Flugzeuge werden von der Atomkraft vorangetrieben.
1956 bricht ein Krieg aus und auch das Militär hat nun Atomwaffen („atomic bomb“ das nennt er wirklich so). 1959 sind die Hauptstädte der Welt im Atomfeuer verglüht und mit ihnen hundert andere Metropolen.
Die gesamte Infrastruktur ist international zusammengebrochen und eine neue Weltordnung muss geschaffen werden.
Das ist schon eine geile Story, geschrieben 1913. (Deutscher Titel: „Befreite Welt“)
Doch leicht liest sich das nicht.
Denn aus jeder Seite, ja manchmal fast aus jedem Satz, fließt der schwere Pathos des Bedeutsamen.
Aber wie gesagt eine echt geile Story (nur Scheiße geschrieben, wenn ich mir diese subjektive Bemerkung erlauben darf).

1922 (lassen wir es gelten im Sinne der Hundert Jahre, denn geschrieben wurde der Roman ja schon vorher) erscheint von Carel Capek „Das Absolutum oder die Gottesfabrik“
Und das ist nun wirklich skurril hintergründig und lustig. Der Ansatz ist pantheistisch:
Wenn Gott in allem gebunden ist, dann doch insbesondere auch in der Materie.
Wandelt man diese Materie gänzlich in Energie um (E = mc^2, Einstein 1915) dann entsteht Gott, das Absolutum.
https://deutsch.radio.cz/das-absolu...k-karel-capeks-albtraum-vom-befreiten-8574120
Solche Maschinen für die Energiegewinnung werden nun erfunden und zahlreich gebaut.
In deren Umgebung bricht eine Heiligkeit unter den Menschen aus, die alles in Frage stellt.

Vergleiche ich Capek mit Wells, so finde ich Capek weit vergnüglicher und gewiss nicht weniger tiefgründig.
Tolle SciFis haben beide geschrieben zum Thema Kernkraft vor 100+ Jahren.
 
Letztens sah ich Die Zeitmaschine (die Verfilmung von 1960). Da ich das Buch (1895) nie gelesen habe, kann ich mir die Veränderungen des Films gegenüber seiner Vorlage nur zusammenreimen (WKI und II kommen vor). Auf jeden Fall geht unsere Welt in dem Film in einem Atomkrieg unter, der irgendwann bald nach 1960 passiert* und eine vulkanische Kettenreaktion auslöst. Im Jahr 8xxxx erlebt der Protagonist dann zunächst eine Utopie mit den Eloi, die sich dann aber allmählich als Dystopie herausstellt, denn die scheinbar im Paradies/Schlaraffenland lebenden Eloi sind gegenüber dem Tod gleichgültig und letztlich nur noch das Vieh der Morlocks, welche sich von ihnen ernähren. Sie sind die Nachfahren der Jetztmenschen, wobei die Eloi uns (zumindest im Film) äußerlich sehr ähnlich sind, die lichtempfindlichen Morlocks aber gedrungen und häßlich.
Den Film habe ich als Kind gesehen, ich war total beeindruckt. Der Zeitreisende fragt nach Büchern, ihm wird ein verstaubtes Regal gezeigt, die Bücher zerfallen, als er mit der Hand durchs Regal streift.
Am Filmende kommt der Held noch mal in seine Gegenwart, zieht drei Bücher aus seinem Regal, und verschwindet wieder zu den Eloi. Die Zurückgeblieben fragen sich, welche drei er wohl mitgenommen hat. Darüber habe ich vor kurzem noch mal nachgedacht.
 
1744 veröffentlichte der Astronom Eberhard Christian Kindermann:
Die Geschwinde Reise auf dem Lufft-Schiff nach der obern Welt, welche jüngsthin fünff Personen angestellet, um zu erfahren, ob es eine Wahrheit sey, daß der Planet Mars den 10. Jul. dieses Jahrs das erste mahl, so lange die Welt stehet, mit einem Trabanten oder Mond erschienen?

1783 führten die Montgolfiers den ersten Ballonflug durch, 1790 erschien Carl Ignaz Geigers Reise eines Erdbewohners in den Mars (mit dem Ballon), dort findet er eine Zivilisation in 4 Nationen gespalten, unterschiedliche Ebenbilder von Erdengesellschaften, etwa Preußen oder ein frühsozisliatischer Staat.

Auch Kepler ersann 1644 in Somnium/Der Traum die Mondreise.

Lukian von Samosatas Parodie Wahre Geschichten aus dem 2. Jh n. soll Mond und Planetenreisen beschreiben.

Von Braun produzierte ja echte Sciene Fiction, also wissenschaftlich, eine detailliert geplante Marsmission als Comic. Aufblasbare Ballons sollten im Erdorbit zusammengebaut werden, etwa 3-monatige Reise zum Mars, ganz schön winzige Kammern für die Astronauten, jeder alleine pro Vehikel, darin aber Gerät zur körpl. Bewegung, damit sollten sie dann am Mars sanft absteigen könnten. Fatale Fehlannahme dabei, dass der Mars eine erdähnliche Atmosphäre habe, obendrein solle sie als mit Übung atembbar sein und am Mars irdische Pflanzen anbaubar oder sogar vorhanden. Die Comics waren wegen der Wissenschaftlichkeit nicht sehr beliebt.

Zuvor hatten die USA außerhalb von Kriegszeiten ja keine Mobilmachung und nur sehr geringes Budget für Militär, von Braun sprach deshalb immer wieder beim Kongress vor was seine Forschung erbringen könne (aber fand kein Gehör damit, erst als Gargarin aus dem Orbit funkte war über Nacht alles Geld der Welt da und Kennedy hielt seine Rede). In erster Linie militärisches, darunter bereits Orbitalkriegsführung. Von 1989 gibt es dann bereits bekannte Aufzeichnung vom "Exoatmospheric Kill Vehicle", Flugkörper für die Schwerelosigkeit.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vorläufer des Science-Fiction sind Utopien und Robinsonaden
Sehe ich irgendwie nicht ganz so:
"Utopien" sind hauptsächlich Schilderungen einer anderen oder alternativen, gesellschaftlichen oder sozialen Anordnung: Sowohl Moores "Utopia" als auch Compostellas "Sonnenstaat" sind Hauptvertreter davon. Die Verfremdung, nämlich das Geschehen auf fremden und kaum bekannten Inseln spielen zu lassen, diente wahrscheinlich einem doppelten Zweck: Einerseits literarisch eine fiktive Realität zu schaffen, in der solche sozialen Verhältnisse normal sein konnten, andererseits sich selbst als Autor von den geäußerten Gedanken zu distanzieren und nicht in den Verdacht zu geraten, sie in Europa heraufbeschwören zu wollen (als Hochverräter, Aufrührer oder Ketzer war man schlecht dran...).

Den selben literarischen Verfremdungs-Trick verwendet dann auch Swift in seiner beißenden Gesellschaftssatire "Gulliver".
Mit der (fast) vollständigen Karthographierung der Welt spätestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts war diese literarische Form allerdings obsolet: Ferne und unbekannte Inseln gab es nicht mehr und - wer ähnliches in Angriff nehmen wollte - mußte andere fiktive Handlungsräume suchen: Die nahe oder fernere Zukunft oder gleich andere Planeten.

"Science fiction" findet ihre Wurzeln in der Technik- und Fortschrittsgläubigkeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, einer Zeit also, in der die Menschheit Riesensprünge im technologischen Fortschritt zu verzeichnen hatte. Glaube an eine grandiose Zukunft, die ihre Versprechnungen teils schon in der Gegenwart fast verwirklicht sah, heherrschte diese neue literarische Gattung. Vernes "In 80 Tagen um die Welt", um nur ein Beispiel zu nennen, ist ja eigentlich keine "Science fiction", da die Geschichte auf den damals schon vorhandenen technologischen Möglichkeiten beruhte (ja, vielleicht hätte die Weltreise 20 oder 40 Tage länger gedauert, wenn man die zur Entstehungszeit existierenden historischen Fahrpläne genau analysiert, aber was solls).
Auch Vernes andere Romane zeigen eigentlich hauptsächlich das technologisch schon Mögliche und voraussehbar Absehbare auf. (Auch wenn "20.000 Meilen" für die zu dieser Zeit existierenden Unterwassefahrzeuge noch jenseits aller Vorstellung war).
Extrapoliert und wirklich zur "Science Fiction" wird das Genre später. Dominik - um hier nur ein Beispiel zu nennen - strickt seine Romane nach dem folgenden Motto: Genialer und - zu seiner Lebenszeit opportun - deutscher Wissenschafter macht eine bedeutende weltverändernde Entdeckung, die im Laufe der Erzählung von den "Guten" gegen erbitterten Widerstand der jeweils Bösen die Menschheit entscheidend voranbringt (etwa "Atomgewicht 500"). Dabei lassen sowohl Verne wie auch Dominik sozial, politisch und ökonomische Verhältnisse auf dem jeweils vorgefundenen Niveau: Was interessiert und sich bewegt sind Technik und Naturwissenschaft, aber nicht die gesellschaftlichen Verhältnisse an sich.

Damit unterscheidet sich diese - wie ich sie nenne - pure oder vielleicht sogar "platte" "Science Fiction, die durchaus weitergedeiht, von einer anderen Richtung, die ihre Mittel nur nutzt, um - Moore oder Compostella eingedenk - sozialpolitische Vorstellungen oder auch nur Gesellschaftskritik in dieses Genre zu packen.

Wells zu Beispiel verwendet durchaus unbekannte und zu seiner Zeit neuartige technologische Erungenschaften (Zeitmaschinen, Fluggeräte uä.) um seine Geschichten zu speisen, hält aber seiner Gegenwartsgesellschaft immer auch einen Spiegel vor: In "Der Schläfer" erwacht der Proponent nach 200 Jahren, um festzustellen, dass die kleine Reklamefirma, die er kurz vor seinem "Einschlafen" gegründet hat, mittlerweile zum Weltmonopol herangewachsen ist und er jetzt eigentlich der Eigentümer der Welt ist. Eine Vorstellung, die dem Vorstand seiner Firma - der bisher in seinem Namen die Weltherrschaft ausgeübt hat- natürlich überhaupt nicht paßt...

Orwells "1984" ist technologisch vergleichsweise ganz schwach. Außer dem wandfüllenden Fernseher (heute würden wir eher an ein handelsübliches LCD-Display denken) finden sich kaum technologische Aspekte in seiner Erzählung, die auf Zukunft deuten (Zur Entstehungszeit des Romans, war Fernsehen übrigens schon erfunden, aber noch nicht verbreitet): Die Dynamik der Geschichte gründet im sozialen und psychologischen Spannungsaufbau.
Ähnlich Bradburys Fahrenheit 451: Ja auch hier sind technologische Neuerungen nicht tabu (die geschickte Wiederbelebung etc.), aber nicht handlungsleitend. Die Dynamik des Geschehens beruht wiederum auf sozialen und psychologischen Elementen.

Reich an futuristischen Konzepten ist natürlich Lem: Aber umso genauer man hinter seine Konzept schaute, desto mehr stehen auch hier gegenwartspolitische Sachthemen im Vordergrund, die nur im "Science Fiction"-Gewand geschildert werden. In einer seiner Geschichten (Name leider entfallen) landet sein Raumfahrer auf einer Welt, die mit schweren Umweltproblemen zu kämpfen hat. Überrascht stellt er fest, dass noch während seiner Ankunftspresse-Konferenz mehrfach Arbeiter auftauchen, die die gesamte Einrichtung des Raums austauschen. Auch sein Hotelbett sowie das komplette Mobiliar - stellt er fest - wurde während seines Schlafes komplett erneuert und ausgetauscht. Auf Nachfrage erfährt er, die Einwohner hätten zur Erledigung "niedriger" Arbeiten genetisch eigene Wesen gezüchtet, die aber nun immerzu arbeiten müssen, ansonsten würden sie sterben. Leider führe das zu den genannten Umweltproblemen, denn sie produzierten viel zu viel ("Zauberlehrling" läßt grüßen), aber: Soll man sie sterben lassen.
Gottseidank weiß der Raumfahrer dann eine einfache Antwort...

Insofern ist für mich "Science Fiction" nur ein Element von "Zukunftsromanen" (seien sie positiv als "Utopie" oder negativ als "Dystopie" gewendet), das den technologischem Fortschritt allein ins Zentrum stellt. Selbiges hat mich zwar als Jugendlichen fasziniert, ist mit aber mittlerweile zu wenig (haben ja mittlerweile die meisten sog. "Science Fiction"-Autoren selbst erkannt). M.M.n. ist SciFi heutzutags ein Unterthema des utopischen/dystopischen Romans - und nicht mal das interessanteste daran...

Edit: Typos, grammatikalische Wortergänzungen
 
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