Seetüchtigkeit von Galeeren

Ich muss sagen, ich liebe diesen Galeerenthread, auch wenn ich leider nicht viel beizutragen habe..... weshalb ich wieder in den Schatten verschwinde und mich auf weitere tolle Beiträge freue!
 
Weswegen wurden denn dann die 4 Schiffe in Howes Flotte gesondert und getrennt vom übrigen Bestand als "galleys" ausgewiesen?


Eigentlich nicht meine Art, mich in Spekulationen zu ergehen, zumal Marinegeschichte nicht gerade zu meinen Forschungs- und Interessengebieten zählt. Ich vermute, dass in der Howeschen Flotte nur Vollschiffe, also rahgetakelte Dreimaster mit einer gewissen Mindesttonnage und artilleristischen Bestückung geführt wurden, also Ships of the Line, Fregatten und evtl Korvetten aufgeführt wurden.

Es gab in der Royal Navy aber auch vereinzelte Kriegsbriggs, -Brigantinen und Schoner nach dem Vorbild der amerikanischen Baltimoreklipper, die mit Schratsegeln viel höher am Wind segeln konnten, als Rahsegler und in flachen Küstengewässern oder auf Binnengewässern vorteilhafter eingesetzt werden konnten.

Diese Galleys dürften in der Bauart eher Fahrzeugen wie William Kidds Adventure Galley entsprochen haben, als den Galeeren, die auf dem Mittelmeer verkehrten. Kidds Schiff, das 1699(?) gebaut wurde, machte 14 Knoten Fahrt, und wenn es in eine Kalme geriet, konnte es mit Rudern angetrieben immerhin noch 3-5 Knoten Fahrt machen.

Von der Bauweise und Takelung hatte die Adventure Galley mehr Ähnlichkeit mit einer Fleute oder Fregatte, und ihre Mission war es Piratenschiffe zu jagen. Entgegen üblichen Klischees nutzten Piraten eher kleine, schnelle Segler wie Briggs, Schoner, Brigantinen oder Schaluppen, die wendig waren, in Küstengewässern operieren konnten und hoch am Wind segeln konnten. Blackbeards Queen Anne´s Revenge eine Art Fleute/Pinasse und "Black Barty" Roberts Flagschiff, die Royal Fortune (Fregatte) waren geradezu riesige Piratenschiffe.

James Cooks Endeavour war ein Kohlenschiff, bevor es zum Forschungsschiff umgerüstet wurde. Ausschlaggebend für die Wahl dieses Schiffs war der relativ geringe Tiefgang. Obwohl relativ langsam, war das Schiff gut geeignet, in Küstengewässern eingesetzt zu werden, und nachdem sie 1775 verkauft wurde, diente sie als Blockadeschiff in der Narragansett Bay vor der Küste Rhode Islands gegen französische Schiffe. Für ähnliche Zwecke werden wohl auch Howes Galleys eingesetzt worden sein.
 
Beim Staunen über die technische Perfektion und Schönheit einer Galeere in Aktion sollte ein besonderer Blick auf den „Motor“ dieser Schiffe - die Galeerensträflinge - nicht fehlen.
Aus einer französischen Rezension des Buches LA CHAINE DES FORCATS 1792-1836 von Sylvain Rappaport (Die Kette der Zwangsarbeiter):

Immer wieder auf diese endlose, ritualisierte, nationale Tournee geschickt. Menschen als Ausgestoßene verurteilt in schwere Eisen geschlagen, gezeichnet, gefesselt, ausgestellt, nackt kontrolliert und zur Schau gestellt. Während der gesamten Überführung kein Waschen, kein Kleiderwechsel, während des Marschierens Verrichten ihrer Notdurft, beschmutzt mit Exkrementen und ständig gefilzt und abgesucht. Man stelle sich diesen Zug schrecklichen Gestanks vor, die Landschaften durchquerend im ohrenbetäubenden Lärm der Eisenketten. Man kann verstehen, daß sich viele Menschen versteckten bei der Passage. Andere kamen um das Gelichter zu beleidigen, sie anzuschreien als Kriminelle, Diebe, Fälscher, Vergewaltiger, Räuber, Mörder, Verdammte auf immer. Neben dem Geschrei wurden die Sträflinge angespuckt und mit Steinen beworfen.

Aber die Forcats, die Zwangsarbeiter, lachten. Ja, sie lachten! Priester, Richter, Offiziere, die gutsituierten Leute erwarteten ein Vorwärtsbewegen in Stille, leidend die Augen niedergeschlagen, Demut der Schuldigen, Schweigen der Reue, Niedergeschlagenheit und Gewissensbisse. - Eh bien, pas du tout! - Nicht im geringsten! Anstatt gebrochen zu sein, widerstanden diese düsteren Helden. Sie kehrten das Spektakel um, zeigten, diese Demütigungen sind nur Zeitverschwendung. Auf die Verurteilungen der angetretenen braven Leute antworteten sie mit Obszönitäten, Provokationen und Spott jeder Sorte. Auf öffentlichen Plätzen unterhielten sie das Publikum, nahmen ein Kettenglied vor die Augen und parodierten mit einem Lorgnon den Bourgois. Andere bekundeten ihre Freude da zu sein, oder ihr Mißfallen, oder ihre Entschlossenheit. Viele tanzten herum, so als wögen die eisernen Ketten nichts, äfften die Zuschauer nach und sangen ordinäre Lieder.

Das war eine Wirklichkeit, außergewöhnlich und sehr bewegend. Ein Blick in längst vergangene Verhältnisse. Das Lachen der Forcats verwandelte diesen makabren Karneval, diese schändliche Parade der triumphierenden Kraft der Sittenlosigkeit in einen Schutz menschlicher Würde. Ihr Widerstand nutzte sicherlich nicht groß, aber er blieb, auf seine Weise, mutig und außergewöhnlich. - Man halte inne und ehre das Andenken der verschwundenen Rebellen.


Warum ließ man den Forcats mit ihren vulgären Manifestationen so freien Lauf? So lieferten die Forcats selber für die „guten Bürger“ die Rechtfertigung für den Ausschluß dieser Menschen aus der Gesellschaft.
 
Naja, ihre Situation hat sich dadurch ja nicht sonderlich verschlechtert.... Warum also nicht noch ein bisschen Spaß haben bevors an Bord geht?
 
Warum ließ man den Forcats mit ihren vulgären Manifestationen so freien Lauf? So lieferten die Forcats selber für die „guten Bürger“ die Rechtfertigung für den Ausschluß dieser Menschen aus der Gesellschaft.

Ist natürlich nur eine Vermutung, aber alle Schreier hätte man vor den Augen der Öffentlichkeit kaum mundtot machen können, ohne brutale Gewalt anwenden zu müssen- und das vor möglicherweise Hunderten von Zeugen zu tun, war wohl etwas heikel. Es hätte möglicherweise zu unerwünschten Reaktionen wie Solidarisierung und Mitgefühl der Menge führen können oder schlimmer noch, es hätte sich die Staatsmacht womöglich lächerlich gemacht. Da war es vielleicht klüger und souveräner, solches Verhalten zu dulden und es den Forcats dann später heimzuzahlen, wenn keine Zeugen dabei waren.

Der Bürgerrechtler und ehemalige Sklave Frederick Douglass schrieb in seiner Autobiographie, dass es das Größte für Sklaven war, wenn sie von ihrer Herrschaft nach Baltimore mitgenommen wurden. Die Verpflegung und Behandlung war dort wesentlich besser, als auf einer Plantage, weil es dort mehr soziale Kontrolle gab und die Sklavenhalter, selbst die brutalsten und bigottesten von ihnen vor der Öffentlichkeit und den Nachbarn als "kind Masters", als gütige Herren erscheinen wollten. All die fast surrealistischen Beispiele von Grausamkeit und Sadismus, die auf den Plantagen keiner mitbekam, hätten ein schlechtes Licht auf die Herrschaft geworfen, wenn man das vor Zeugen getan hätte. So galt es unter Sklavenhaltern als unfein, Sklaven hungern zu lassen. Die Verpflegung konnte der letzte Schweinefraß sein, aber es sollte wenigstens genug sein. Auf den Plantagen konnte man unmenschliche Grausamkeiten begehen, die in der Stadt für Gerede unter den Nachbarn sorgten.

Es kamen trotzdem äußerst brutale Misshandlungen in Baltimore vor. Douglass berichtete von einer Nachbarin von Douglass Herrschaft die eine Sklavin mit einem Hickoryknüppel erschlug, weil sie tagelang arbeiten musste, ohne wenigstens ein paar Stunden schlafen zu können und eingeschlafen war, als sie auf ein Kind aufpassen sollte.
 
Ist natürlich nur eine Vermutung, aber alle Schreier hätte man vor den Augen der Öffentlichkeit kaum mundtot machen können, ohne brutale Gewalt anwenden zu müssen- und das vor möglicherweise Hunderten von Zeugen zu tun, war wohl etwas heikel. Es hätte möglicherweise zu unerwünschten Reaktionen wie Solidarisierung und Mitgefühl der Menge führen können oder schlimmer noch, es hätte sich die Staatsmacht womöglich lächerlich gemacht.
Nachdem, was Jean Marteilhe berichtet, war es mit der Solidarität der südfranzösischen Bevölkerung nicht weit her. Wenn die, vom Marsch erschöpften Sträflinge die provencialischen Frauen, an denen sie vorbeizogen um etwas Wasser anflehten, bekamen sie zur Antwort: " Lauf nur zu, dort wo du hingehst, wird es dir nicht an Wasser fehlen."
Ein ganz anderes Verhalten der ägyptischen Bevölkerung , gegenüber den Galeerensklaven schildert Michael Heberer . Sie erhielten Wasser von den meisten Menschen ,an denen sie vorbeikamen und auch einige Lebensmittelhändler schauten weg, wenn die Sklaven bei ihnen etwas Nahrung stahlen.
 
Nachdem, was Jean Marteilhe berichtet, war es mit der Solidarität der südfranzösischen Bevölkerung nicht weit her. Wenn die, vom Marsch erschöpften Sträflinge die provencialischen Frauen, an denen sie vorbeizogen um etwas Wasser anflehten, bekamen sie zur Antwort: " Lauf nur zu, dort wo du hingehst, wird es dir nicht an Wasser fehlen."
Ein ganz anderes Verhalten der ägyptischen Bevölkerung , gegenüber den Galeerensklaven schildert Michael Heberer . Sie erhielten Wasser von den meisten Menschen ,an denen sie vorbeikamen und auch einige Lebensmittelhändler schauten weg, wenn die Sklaven bei ihnen etwas Nahrung stahlen.

Das hattest du in einem früheren Beitrag geschrieben, und es erscheint als absolut glaubhaft. Irgendwie erscheint es psychologisch noch einigermaßen plausibel, dass Menschen, die Zeugen werden, wie anderen Unrecht angetan wird, dagegen aber nichts tun können, wegschauen. Wenn dazu aber noch Profitgier kommt, liegt es in der Natur der Sache, dass Menschen das Menschsein abgesprochen wird.
 
Ist natürlich nur eine Vermutung, aber alle Schreier hätte man vor den Augen der Öffentlichkeit kaum mundtot machen können, ohne brutale Gewalt anwenden zu müssen - und das vor möglicherweise Hunderten von Zeugen zu tun, war wohl etwas heikel. Es hätte möglicherweise zu unerwünschten Reaktionen wie Solidarisierung und Mitgefühl der Menge führen können oder schlimmer noch, es hätte sich die Staatsmacht womöglich lächerlich gemacht. Da war es vielleicht klüger und souveräner, solches Verhalten zu dulden und es den Forcats dann später heimzuzahlen, wenn keine Zeugen dabei waren.

https://fr.wikipedia.org/wiki/Bagne_de_Toulon

https://fr.wikipedia.org/wiki/Bagne_de_Brest

Wenn man sich die Zustände in den großen Zuchthäusern vor Augen führt, kann man die Forcats verstehen, wenn sie auf ihrer „Reise“ lachten, tanzten und mit der Bevölkerung ihren Schabernack trieben. Trotz Ankettung empfanden sie dieses Unterwegssein sicher als eine Abwechslung und sie spürten einen Hauch von Freiheit. Sie konnten auch anders. Oft wurde die Bevölkerung unterwegs auch brutal angegangen und die Argousins, das Wachpersonal, steckte oft mit den Forcats unter einer Decke, wenn Händler und Läden ausgeraubt wurden.

Während der gesamten Nutzungsdauer z.B. von Brest sah das Zuchthaus 60.000 Deliquenten zwischen 11 und 70 Jahren. Nach der Verurteilung zur Zwangsarbeit bekamen sie ein Brandzeichen mit rotem Eisen auf die rechte Schulter gebrannt: TP für lebenslang, T für begrenzte Zeit, ein Fälscher bekam zusätzlich ein F. Dann kamen sie für einen ganzen Tag an den öffentlichen Pranger. Der Sträfling verlor alle zivilen Rechte und seine Kinder erbten das von ihm.

Dann wurde ihm eine 7 bis 11 Kilo schwere Kette angeschmiedet und mit einem zweiten Sträfling zusammengeschlossen. In der Gaunersprache nannte man das Verheiraten. Immer ein Langjähriger mit einem Neuen. Zwei Forcats, so zusammengeschlossen, nannte man die Ritter der Girlande.
Das Zuchthaus beherbergte 3500 bis 4000 Insassen aufgeteilt auf 9 Säle, 98 m lang, 15 m breit, 6 m hoch mit je 28 „Betten“ aus Holz für 600 Mann dicht an dicht. Jeder wurde abends mit seiner Kette unter dem Bett angeschlossen.
Im Saal gab es Latrinen und Waschgelegenheit. Erst 1837 erging eine Anordnung, die den Forcat verpflichtete sich morgens Gesicht und Hände zu waschen und einmal im Monat die Füße.

Das Zuchthaus sollte die Forcats gefügig und brauchbar machen. Zur Rehabilitation gehörte auch religiöse Disziplin. Priester waren präsent und kamen mit einem Altar auf Rädern sonntags hinter das Gitter an der Treppe zu den Sälen. Die Sträflinge blieben angekettet auf ihren Holzliegen.
 
@Gangflow, in Brest waren aber keine Galeeren stationiert. Die Franzosen hatten nur während des spanischen Erbfolgekrieges ein Galeerengeschwader außerhalb des Mittelmeeres und das hatte seinen Heimathafen in Dünkirchen. Dort gab es keine ausreichende Unterkunft für die Forcats, so dass diese selbst im Winter, auf den abgerüsteten Galeeren ,unter einem doppelten Zelt verbringen mussten.
Das Bagno von Toulon war aber für Galeerensträflinge gebaut worden.
Was die Sterblichkeit auf den französischen Galeeren betrifft, so finden sich im marseiller Galeerenmatrikel die Zahlen zwischen 1685 und 1708. In diesem Zeitraum starb ca die Hälfte der Sträflinge in der Gefangenschaft. Von den zwischen 1685 und 1787 auf die Galeeren geschickten 2000 Hugenotten überlebten nur 2 Fünftel. Die meisten starben bereits in den ersten 3 Jahren ihrer Strafarbeit.
 
In der Seeschlacht von Cesme 1770 hatten die Türken laut Wikipedia immerhin noch 13 Galeeren mobilisiert, während die Russen auschließlich Linienschiffe und Fregatten einsetzten. Neben diesen Fahrzeugen setzten sie 4 Feuerschiffe ein.

Hätte man eigentlich auch Galeeren als Feuerschiffe verwenden können? Wenn ich nicht falsch liege, wären die dafür geeignet gewesen. Man konnte zum Bau billiges Kiefernholz nehmen, der Tiefgang war gering, und sie waren vermutlich auch leichter, als andere Fahrzeuge. Marinetechnisch handelte es sich um Auslaufmodelle, da hättee sich doch eine Verwendung als Feuerschiff angeboten.
 
@Scorpio, als Brander verwendete man Galeeren, meines Wissens nach nicht. Sie wären wohl einfach zu lang dafür gewesen ,um sie ohne ihre Ruderer ,brennend auf den Feind zuzubugsieren. In der Regel verwendete man dafür kleinere, kurze Schiffe. Man sollte auch nicht vergessen, dass Galeeren Prestige-Objekte waren. Die galten nicht als billig. Immerhin waren sie in ihrer Unterhaltung viel teurer als Segler und bestanden auch nur in einigen Teilen (Ausleger, Mast ) aus billigen Nadelhölzern. Die Rümpfe waren aus Harthölzern wie Eiche gebaut.
 
Im Oktober 1562 zog Phillip II. Galeerenflotte , bestehend aus gerade fertiggestellten Schiffen und einer Galeereneinheit aus Neapel bei Malaga zusammen. Sie sollten die, von den Osmanen bedrängten spanischen Truppen in Oran verstärken. Von der Levante her begann ein mäßiger Wind zu wehen, der den Oberbefehlshaber veranlasste in der Bucht Namens la Herradura Schutz mit seiner Flotte zu suchen. Die Entscheidung erwies sich aber als folgenschwer, weil der Wind plötzlich drehte und sich zu einem ausgewachsenen Herbststurm entwickelte und genau in die Bucht hineinblies. Der Grund in der Herradura war aber überhaupt nicht geeignet Anker zu halten, weshalb die Galeeren gegeneinander gedrückt wurden und teils kenterten, teils von den anderen gerammt wurden, andere wurden gegen die vorgelagerten Felsen geschleudert und sanken. Das Desaster war vollkommen, Phillip verlor damals seine gesamte Mittelmeerflotte , die nach Verlusten bei den Kämpfen um die Insel Djerba gerade wieder durch Neubauten ersetzt worden war. 5000 Menschen sollen damals ums Leben gekommen sein ,auch der Befehlshaber Mendoza und zahlreiche Kapitäne. Einige der gekauften Rudersklaven, die in spanischen Gewässern keine Ketten trugen, schafften es, schwimmend an Land. Sie wurden aber in den darauffolgenden Tagen alle wieder eingefangen. Von den angeketteten Sträflingen dürfte keiner überlebt haben. An der nordafrikanischen Berberküste sprach sich das Ereignis rasch herum und sie suchten die wehrlosen spanischen Küstenorte mit ihren Überfällen heim. Keine einzige spanische Galeere gab es zu dieser Zeit mehr im ganzen Mittelmeerraum, die sich ihnen in den Weg stellen konnte. Es dauerte lange, bis der stets klamme Phillip wieder eine schlagkräftige Mittelmeerflotte bauen ließ.

Ein anderes Ereignis dieser Art war Jahre zuvor im Hafen von Malta eigetreten. Am 24.Oktober 1555 brach über die Insel ein Unwetter los, wie man es die damals lebenden Malteser noch nie erlebt hatten. Da die Ritter befürchten mussten, dass ihre Galeeren, in dem ziemlich schmalen Galeerenhafen gegeneinander gepresst würden, bemannte sie die Schiffe schnell und fuhren in den großen Hafen der Insel. Genau in diesen, sonst so gut geschützten Bereich rollte eine gewaltige Flutwelle hinein, welche die gesamte Galeerenflotte, nebst aller kleineren Fahrzeuge teils zerschlug, teils kentern ließ. Der Sturm tobte noch die ganze Nacht, sodass erst am Morgen die ganze Katastrophe ersichtlich wurde. Einige der Galeeren trieben kieloben im Hafen herum , darunter auch die Capitana, das Flaggschiff. Die Rettungsmannschaften hörten Klopfgeräusche aus dem gekenterten Rumpf der Capitana. Nachdem sie ein Loch hineigeschlagen hatten kletterte ihr Kapitän de Lescout, genannt Romegas, mit seinem Berberaffen aus dem Schiff . Er hatte in einer Luftblase überlebt. Weniger Glück hatten die Rudersklaven, die alle an ihren Ketten ertranken. Über 600 Todesopfer hatte das Ereignis gefordert. Drei der gekenterten Galeeren konnten geborgen und wieder repariert werden, vier Galeeren waren so zerstört, dass sie aufgegeben werden mussten. Für die ,ohnehin kleine Ordensflotte war das ein großer Verlust.
Romegas galt im ganzen Mittelmeer als der wagemutigste Draufgänger und war das christliche Gegenstück zu den osmanischen Korsaren Dragut, Chasse Diable und Ochialli. Er lieferte später auch den Anlass für die große osmanische Belagerung als er das Schiff des Obereunuchen des Sultans kaperte.[/ATTACH]
 

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Die Katastrophe von "la Herradura" war offenbar noch lange Zeit in Erinnerung der Spanier denn sie fand auch Erwähnung in Don Quijote von Cervantes, Buch2 Kapitel 31: "Ein Junker aus meinem Dorfe, ein sehr reicher und angesehener Mann, denn er stammte von den Alamos aus Medina del Campo und war verheiratet mit Doña Mencia de Quiñones, welche eine Tochter war von Don Alonso de Marañón, einem Ritter des Ordens von Santiago, der im Hafen La Herradura ertrank,..."
 
ich bin geneigt, bdaian zuzustimmen, was die verhältnisse der ruderer betraf.
wenn detailierte aufzeichnungen über zugang und abgang existieren, ist denen mehr zu glauben, als geschichten und memoiren.

aus meiner gegend (tiroler inntal) gibt es auch einen derartigen fall. ein arzt nach paracelsischer richtung hatte mehr erfolg, als der stadtphysikus von hall, der nach der klassischen vier-säfte lehre kurierte. aus eifersucht wurde er von diesem bei der inquisition angeschwärzt und schlussendlich 1612 zu fünf jahren galeerendienst verurteilt.

zur abbüßung dieser strafe wurde er nach genua überführt, ruderte dort, wurde aber pünktlich nach fünf jahren wieder entlassen.
ganz arg kann es ihm nicht geschadet haben, denn danach zog er nach augsburg und komponierte dort chorwerke.

Adam Haslmayr – Wikipedia
 
zur abbüßung dieser strafe wurde er nach genua überführt, ruderte dort, wurde aber pünktlich nach fünf jahren wieder entlassen.
ganz arg kann es ihm nicht geschadet haben, denn danach zog er nach augsburg und komponierte dort chorwerke.
Dass er noch Chorwerke komponieren konnte, sagt wenig über seine Zeit auf den Galeeren aus. Zunächst waren die Menschen vergangener Jahrhunderte um einiger härter im nehmen als wir verweichlichten Wohlstandsbürger. Ein Künstler verliert doch nicht automatisch sein Talent, wenn er eine schwere Arbeit verrichten muss. Wenn er Musiker war, kann es auch durchaus sein, dass er bei der Bordkapelle eingesetzt wurde und überhaupt nicht oder selten gerudert hat. Sicher war eine zeitlich begrenzte Galeerenstrafe weniger unmenschlich als Körperstrafen( Handabhacken) oder dergleichen und wer die Galeere überlebte , hatte eine Chance wieder ein normales Leben zu führen. Man muss auch Unterschiede in den Besitzverhältnissen der verschiedenen Mittelmeermächte sehen. In Genua befanden die Galeeren im Privatbesitz der jeweiligen Reeder, die ihre Schiffe, samt Besatzung vermieteten(häufig an Spanien). Die genuesischen Besitzer hatten keinerlei Interesse ihre Schiffe großen Risiken auszusetzen, denn diese stellten bares Geld dar. Folglich kamen die Ruderer seltener in gefährliche Situationen, als die auf Galeeren der Malteserritter, die in ständigen Kampfeinsätzen waren ,was auch die Verletzungsrisiken der Ruderer stark erhöhte. Verwundete Ruderer wurden aber bei den Rittern vorbildlich im Hospital gepflegt, was in Frankreich und im osmanischen Reich eher nicht der Fall war. Bei fast allen anderen galeerenbesitzenden Staaten waren die Schiffe staatseigen, was zu weniger schonendem Umgang des Personals und der Schiffe führen konnte. Jean Martheilhe, wurde nicht von der Galeere entlassen, nachdem er im Kampfeinsatz schwer verletzt worden war, obwohl es das Gesetz vorschrieb, sondern musste als Verantwortlicher für den Proviant weiter auf dem Schiff bleiben. In Frankreich ging man sehr willkürlich mit der Dauer der Strafe um. Da ständiger Mangel an guten Ruderern auf Ludwig XIV. riesiger Galeerenflotte herrschte, wurden diese häufig, nach Verbüßung der Strafe nicht entlassen.
 
zur abbüßung dieser strafe wurde er nach genua überführt, ruderte dort, wurde aber pünktlich nach fünf jahren wieder entlassen.
ganz arg kann es ihm nicht geschadet haben, denn danach zog er nach augsburg und komponierte dort chorwerke.
Es gab auch Leute, die ein KZ überlebt haben und im späteren Leben noch große Leistungen vollbrachten und auch teilweise sehr alt wurden. Ist dann die Schlußfolgerung auch, so schlimm kanns nicht gewesen sein ? Wohl kaum und ebenso gab es Menschen, welche die Galeeren überlebten und danach vollkommen normal weiterlebten.
 
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