Sozialdarwinismus und Rassenlehre

Dieses Thema im Forum "Das Dritte Reich" wurde erstellt von diabi, 16. Mai 2008.

Schlagworte:
  1. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Wiki begründet die Begriffe "totalitär" und "autoritär" so:

     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Ich kenne mich mit der "faschistischen Internationale" nicht aus, aber April 45, quasi am Kriegsende, erscheint mir unrealistisch. Ist das eventuell ein "Zahlendreher" und sollte April 35 heißen?
    :winke:
     
  3. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Definitionsversuch

    Wenn ich die Worte "autoritär" und "totalitär" betrachte, fällt mir zuerst die schliche Wortableitung auf. Ich erlaube mir mal, hier das so ganz naiv zu definieren: /// Autoritär von Autorität. Da ist also jemand, der bestimmt und nicht duldet, dass seinen Anweisungen zuwider gehandelt wird. Das Gegenteil wäre liberal (im eigentlichen Sinne), also freiheitlich. Da dürfte dann jeder tun, was er will, un die Regierung mischt sich nur ein, wo es nicht anders geht. Das Nicht-Dulden der Zuwiderhandlung wäre für mein Gefühl der Kern der Aussage "autoritär". /// Totalitär von total. Das setzt bereits eine autoritäre Regierung voraus, denn was sollte sonst zum Totalen hin ausgebaut werden, wenn nicht die Autorität der Regierung? Darüber hinaus, keine Zuwiderhandlung zu dulden, will diese Regierung demnach einfach alles regeln. Es werden also Fragen dem Regierungshandeln unterworfen, deren Regelungsbedürftigkeit zweifelhaft ist. /// In der praktischen Anwendung würde ich nach dieser Definition eine Regierung, die die Beachtung relativ unwichtiger Regeln zur Not auch mit drakonischen Maßnahmen zu erzwingen sucht, als autoritär bezeichnen. Z.B. wäre es demnach ein autoritärer Zug unseres heute herschenden Systems, wenn man für ungefährliche Parkverstöße oder Schwarzfahren sogar ins Gefängnis kommen kann. Derartige Verstöße würde ich als lästig aber nicht als gemeingefährlich bezeichnen. Deshalb ist es unangemessen sie mit der Härte von Gefängnisstrafen zu verfolgen. In Spanien /in den 1990ern) haben sich meine damaligen Mitbewohner sehr gewundert, als ich ihnen berichtete, dass Schwarzfahren in Deutschland als Straftat mit Haftstrafen bedroht ist. /// Als totalitär würde ich bezeichnen, wenn sich eine Regierung bis in die Meinungen, die innerhalb der Familie ausgetauscht werden vorpirscht, so wie dies unter Hitler oder Stalin war, wo Kinder dazu angehalten wurden, ihre Eltern ans Messer zu liefern. Selbst wenn eine Regierung meint, ihre Vorschriften hart durchsetzen zu müssen, kann sie ja trotzdem einen Privatbereich unangetastet lassen, was schon deshalb auch klug sein mag, weil damit ein Ventil offen bleibt. /// Die genannten Beispiele sind mehr als Szenario gemeint, als dass ich sicher sagen will, dass sie real stimmen, obwohl ich meine, dass dem so ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dezember 2013
  4. louisa

    louisa Gesperrt

    Danke für die Antworten!
    Also ist der Unterschied zwischen totalitärer Diktatur und autoritärer Diktatur der, dass man beim autoritären einfach nur versucht, die Diktatur bei zu behalten also die Macht.
    Und beim totalitären geht man weiter, dass man das Volk völlig für sich nimmt.. und jeder strikt beobachtet wird etc.?

    Zum totalitären kann man die NS-Zeit oder Stalinismus bezeichnen, aber mir fallen keine konkreten Länder zu Diktatur ein?

    Waren in der Zeit von 1920-1945 nicht alle faschistischen Länder die eine Diktatur hatten, eine totalitäre?
    Weil da doch das Volk völlig für sich genommen wurde....?

    Und was sind die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Stalinismus und Nationalsozialismus? ( Gemeinsamkeit, beide einen Diktatot, totalitär)????

    Und wie berechtigt ist der Begriff des Totalitarismus?
    Bin mit dem Begriff Totalitarismus verzweifelt...


    Danke!

    LG

    Louisa
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Vielleicht statt beobachtet eher eingebunden. Diese Einbindung fungiert über die Partei, die zur Staatspartei wird (und damit eigentlich die Funktion einer politischen Partei verliert und gewissermaßen zu einem zweiten Beamtenapparat wird) und über die der Partei angegliederten Organisationen, wie etwa einer Jugendorganisation, einer Frauenorganisation und diversen anderen Organisationen wie Gewerkschaften (die hier nicht horizontal nach Klasse/Milieu sondern vertikal nach Berufszweig organisiert sind, die klassischen Opponenten des Arbeitskampfes, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen integrierend) oder Sportbünden etc. Es wird dann zunächst informeller, später formeller Druck ausgeübt, dass die Leute in diese Organisationen eintreten, wer sich weigert muss mit Karriereknick, Entlassung oder schlimmerem rechnen.
     
  6. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Die wenigsten Diktaturen sind totalitär, zumindest wenn man entsprechende (politik)wissenschaftliche Maßstäbe anlegt. Nach Juan Linz gibt es vier Kategorien in denen man autoritäre und totalitäre Systeme unterschieden kann. Davon werde ich zwei zuammen ziehen:

    1.) Ideologie: Totalitäre Staaten haben ausgearbeitete und abgeschlossene Ideologien, die sich auf konkrete (messianische) Vordenker berufen (z.B. Hitlers "Mein Kampf"). Autoritäre Staaten hingegen berufen sich auf etwas, dass Linz "Mentalitäten" nennt (z.B. Antikommunismus, Ruhe und Ordnung, Gleichheit).

    2.) Massenmobilisierung: Totalitäre Regime mobilisieren ständig und unausweichlich ihre Bürger. Es gibt keine Möglichkeit sich den Massenorganisationen zu entziehen. Parallelorganisationen werden in keiner Weise geduldet (z.B. Hitlerjugend). Autoritäre Regime bieten hingegen häufig für Unzufriedene Ventile. Es gibt Organisationen, die nicht direkt vom Staat gelenkt, sondern nur überwacht werden, zum Teil scheindemokratische Wahlen mit einer art loyalen Opposition. Die Beteiligung am politischen Leben ist keine Pflicht.

    3.) Führerkult und Machtzentrum: In totalitären Regimen gibt es genau ein Machtzentrum. Vom Führer des Landes geht alle politische Macht aus. Er wird ab und an per Plebeszit bestätigt, es kann aber keine Zweifel an seinem Führungsanspruch geben und es entwickelt sich ein Führerkult, der bis zur göttlichen Verklärung reicht (z.B.: Hitler, Stalin, Kim Il sung, Kim Jong-il). In autoritären Systemen gibt es mehrere Machtzentren mit Politikern, die keinen sonderlich starken Personenkult haben sondern eher respektiert und gefürchtet werden. Es kommt ab und an in solchen Regimen zu Machtkämpfen.

    Beispiele für autoritäre Systeme sind die Ostblockstaaten nach dem 2. Weltkrieg (z.B. auch die DDR), die meisten Militärdiktaturen (z.B. Brasilien, Argentinien in den 70er Jahren). Als totalitäre Autokratien sieht man meistens nur Deutschland von 1933/34-1945, die Sowjetunion unter Stalin, China unter Mao und eben Nordkorea. Allerdings ist das natürlich ein Kontinuum. Man findet selten Staaten, die nur autoritär oder nur totalitär sind, sondern meist sind es mischsysteme, die mehr totalitär oder eben mehr autoritär sind.
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mich stört nach wie vor die Darstellung als Gegensatzpaar. Totalitäre Staaten sind autoritär, umgekehrt muss aber ein autoritärer Staat nicht totalitär sein.
     
  8. louisa

    louisa Gesperrt

    Danke für die Antworten!
    Aber sieht man Nordkorea wirklich als Diktatur?
    Die Merkmale würden ja zutreffen.. (Führerkult...)

    Jetzt sind ja fast alle meine Fragen verständlich beantwortet, aber wenn ich so nachdenke, finde ich, dass es zwischen dem Stalinismus und Nationalsozialismus keine Unterschiede gibt?
    Natürlich Ideologie etc. aber so vom Staat... ist doch beides ähnlich, oder?
    Ich verstehe nicht, wie man die beiden vergleichen könnte....

    Und wie berechtigt ist der Begriff Totalitarismus?


    ...

    Vielen Dank für die verständlichen und hilfsreichen Antworten!

    LG

    Louisa
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Als was würdest du Nordkorea denn sonst bezeichnen wollen?

    :nono: Nur weil es sich bei beiden um totalitäre Regime handelt, siehst du keinen Unterschied?

    Wie meinst du die Frage? Als eigenständige Defintion oder angewandt auf Nationalsozialismus und Sowjetunion?
    Du hast doch mittlerweile mehr als ausreichend Hilfestellung erhalten, überleg dir die Antwort also mal selbst.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Sie lassen sich ähnlich beschreiben und weisen ähnliche Merkmale auf. Das ist durchaus richtig. Und es gab auch den Versuch, sie im Rahmen von "Totalitarismus-Theorien" (vgl. Arendt, Friedrich & Brzezinski etc.) gemeinsam zu beschreiben.

    Diesen Ansatz unterzog beispielsweise Gleason einer kritischen Bewertung.

    Totalitarianism: The Inner History of the Cold War - Abbott Gleason - Google Books

    Wenn man tiefer in die Problamtik eindringt, dann ergeben sich zwischen diesen beiden Staaten jedoch deutliche Unterschiede. So zumindest der aktuelle Forschungsstand.

    Stalinism and Nazism: Dictatorships in Comparison - Google Books

    Beyond Totalitarianism: Stalinism and Nazism Compared - Michael Geyer - Google Books
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Januar 2014
    1 Person gefällt das.
  11. hatl

    hatl Premiummitglied

    louisa,

    im Umgang mit Systemfremden, oder auch Jenen die verdächtig waren dies zu sein, sind beide Systeme durchaus vergleichbar.
    Das Recht wurde nicht als absolutes und verankertes (Menschen)Recht definiert,
    sondern als ein solches, welches sich aus der Unausweichlichkeit einer geschichtlichen Entwicklung ergibt.
    Die Interpretation dieser und des daraus folgenden "Rechts" wurde zum Monopol eines Einparteiensystem mit einem unangefochtenen "Führer" oder "Woschd".
    Damit wurde der Bürger zum Objekt beliebiger Willkür und keiner konnte sich mehr sicher fühlen, wie rein auch sein "Gewissen" sein mochte, und wie gut auch seine Begründung seiner "Unschuld".
    In beiden Systemen wurde die "Analogie" als Anschuldigung zugelassen:
    'wir wissen schon, dass du es nicht getan hast, aber du bist diesen Geistes, und deshalb schuldig'
    Beide Systeme häufen die Leichen Unschuldiger zu Bergen.

    Ein wesentlicher Unterschied findet sich in der propagierten Vision über das Wesen des Menschen und dessen Organisation.
    Der Nationalsozialismus geht von einem Überlebenskampf der "Rassen" aus und leitet daraus seinen 'moralischen' Anspruch auf die Ermordung ganzer Bevölkerungsanteile und Völker ab.
    Der Stalinismus beruft sich auf die unausweichliche Kulturentwicklung auf Basis des Klassenkampfes.
    Diese voranzutreiben rechtfertigt nach dieser Vorstellung ebenso jedes Mittel der Durchsetzung.

    Hier findet sich wieder die Gemeinsamkeit:
    Beide Schlüsse sind Zirkelschlüsse,
    und es ist ein besonderes Rätsel, warum beide sich so erfolgreich behaupten konnten.

    Grüße hatl
     
  12. louisa

    louisa Gesperrt

    Danke für Eure Antworten, habt mir sehr weitergeholfen und ja.. danke... verstehe es :)!

    LG

    Louisa
     
  13. Obelix

    Obelix Neues Mitglied

    Drittes Reich - Rassenwahn

    Liebe Geschichtsfreunde,
    da ich zur Zeit die Oberstufe eines Gymnasiums besuche und wir dort Referate in Bezug auf das Dritte Reich halten sollen und ich mich für das Thema: "Hitlers Rassenwahn" entschieden habe, bin ich nun auf der Suche nach einer "Rassetafel", aus der ich Werte ablesen kann, wodurch man Menschen "angeblich" ihrer Rasse zuordnen kann. Ich habe nämlich vor, eine Art Schülerexperiment durchzuführen, wobei ich einen Schüler "abmesse", um zu zeigen wie hirnrissig diese ganzen Theorien waren.
    Deswegen meine Frage:
    Hat jemand von euch eine Idee, wo ich sowas finden könnte?, weil ich habe bereits im Internet nach Bildern, Links oder Büchern (bzw. auch alten Biologiebüchern aus der Zeit) gesucht, aber leider erfolglos.

    MfG
    Obelix
     
  14. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Du musst unter dem Stichwort "Rassenhygienische Forschungstelle am Reichsgesundheitsamt" suchen.

    Sinti und Roma - Rassenideologie
     
  15. beetle

    beetle Aktives Mitglied

    1 Person gefällt das.
  16. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Eine ausführliche Studie:

    Michael Zimmermann: Rassenutopie und Genozid. Die nationalsozialistische. Lösung der Zigeunerfrage


    Inhaltsverzeichnis
     
  17. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Für diesen Zweck solltest du in eine Bibliothek gehen und dir ein zeitgenössischen Buch zur NS-Rassenkunde ausleihen. Sehr empfehlen kann ich dir das Buch von

    Hans F.K. Günther, Rassenkunde des deutschen Volkes, J.F. Lehmanns Verlag, erschienen 1922 mit zahlreichen Auflagen bis 1939

    Der Autor trägt den Spitznamen "Rassegünther", da seine rassistischen völkischen Pamphlete zu den Standardwerken der nationalsozialistischen "Rassekunde" zählen. Du findest dort Bildtafeln zu den einzelnen "Rassen", anthropologische Tabellen zu Haut-, Körper- und Kopfformen sowie Ausführungen zum Ziel dieser "Rssenkunde".

    Hans F. K. Günther ? Wikipedia
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Als Einstieg vielleicht vorher, um die "Wissenschaftlichkeit" des Rassengünther zu unterstreichen, die Filmszene aus Das Leben ist schön, in der Luigi den Schulinspektor spielt und seinen arischen Bauchnabel präsentiert.
     

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