Spielfilme angesiedelt im 16.Jhd.

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Legat, 13. Oktober 2014.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ja, von daher war der Film wieder - leider, muss man sagen - recht typisch niederländisch wie bei dem Film über Ruyter mit dem Epochenmix bei der Ausstattung.
    Wieso man Schiffen aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande als Seemacht den Vorzug gab, ist auch von daher nicht nachvollziehbar, weil das meiste eh PC-animiert war...
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich hab jetzt auch mal "Kenau" gesehen. Das mit "300" ist offenbar ein typischer alberner Marketinggag. Kann mir nicht vorstellen, dass deswegen einer mehr ins Kino geht. In NL ist Kenau als Figur eh berühmt, da braucht man dafür nicht so ein Vehikel.

    "Kenau" NL 2014 (Regie: Maarten Treurniet)

    Handlung: Die Witwe Kenau (Monic Hendrickx) muss erleben wie ihre verblendete Tochter Gertruide (Lisa Smit) zusammen mit anderen Kalvinisten eine katholische Kirche demoliert und dafür verbrannt wird. Darum schlägt die Haltung der Katholikin Kenau völlig um und sie beginnt die Spanier zu hassen. Denen wurden von dem Haarlemer Bürger Cornelis Duyff (Jaap Spijkers) die Pläne der Befestigungen zugespielt. Als dessen Frau Magdalena (Sophie van Winden) Duyffs Verrat publik macht wird dieser gemeuchelt. Die Stadtbevölkerung steht schlagartig auf der Seite der Radikalen, die den Spaniern die Tore der Stadt verwehren wollen. In einer zermürbenden Belagerung gelingt es monatelang den Spaniern unter Don Fadrique (Paul Cólera) zu widerstehen. Vor allem Kenau spielt bei der Verteidigung eine wichtige Rolle, da ihre Frauen immer wieder Ausfälle unternehmen und beispielsweise das Pulverlager der Spanier in die Luft sprengen. Doch schließlich gelingt den Spaniern das Vertrümmern der Verteidigungsanlage durch eine Miene und nun dringen sie in die Stadt ein und schlachten die Verteidiger ab. Kenaus Tochter Kathelijne (Sallie Harmsen) und ihr Geliebter, der Söldner Dominique (Thomas Ryckewaert) schaffen die Flucht.

    Für einen niederländischen Film war die Ausstattung ganz ordentlich. Einiges fand ich anachronistisch. Warum man die Steinschlosspistole, die der Ratsherr Ripperda einmal Kenau schenkt, dann auch noch volle Kanne in die Kamera halten muss, war mir ein Rätsel.
    Die Handlung stellt die Verteidigung Haarlems als eine Art One-Man d.h. One-Woman-Show dar, wobei Kenau beinahe im Alleingang durch Zufall oder Geschick zahlreiche Pläne des Feindes vereitelt, während ihre hist. Rolle wenn überhaupt doch zumindest nur recht bescheiden war. Die Schauspielerin Monic Hendrickx schafft dieses Bild der verbitterten Werftbetreiberin und Kämpferin immerhin überzeugend rüber zu bringen und ansonsten ist der Cast auch durchaus brauchbar und bis in die kleineren Nebenrollen gut besetzt. Die Spanier sind durchweg Karikaturen, fies und gewissenlos.
    Was mir gut gefiel ist, dass die Belagerung tatsächlich im Mittelpunkt der Handlung steht und nicht wie bei vielen Hollywood-Klassikern als zwar namensgebender Bestandteil nur am Ende. So ergab sich doch eine gewisse Spannung.
    Die Rachestory am Anfang erinnerte doch stark an "Braveheart" bzw. "Mel Gibson - Der Patriot".
    Schön war der Versuch die Stadt darzustellen.
    Die Kämpfe hingegen waren teilweise schlecht gefilmt. Gerade die Artillerie hätte man besser darstellen können mit Tricktechnik Anno 2014. Teilweise wurde es auch komplett unsinnig, wenn bspw. die Artillerie immernoch in die Stadt schoss, als bereits die ersten Spanier die Mauern erstiegen hatten.
    Immerhin ist der Film insgesamt unterhaltsam und funktioniert als Film.

    7 von 10 Kanonenkugeln.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Weil es sich um einen Anachronismus handelt oder wieso?* Oder war dir das zu unnatürlich-ostentativ, also die Kamera, deren Existenz der Schauspieler ja im Normalfall leugnen sollte (abgesehen von Kunstgriffen, wo der Schauspieler aus der Handlung raustritt und mit dem Publikum spricht), zu sehr miteinbeziehend?

    *Ich bin ja weder modisch noch waffentechnisch bewandert, aber passt das Steinschlossgerät nicht genau in die Zeit des 80jährigen Krieges?
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Dieses kleine Terzerol sah einfach nach einem Terzerol von etwa 1800 aus.
    Es gab im 16.Jh. schon ein Spanischen Schnappschloss, das klassische Steinschloss des 18.Jh. kam erst im 17. Jh. auf und da traten auch noch lange daneben bis ca. 1700 Luntenschlossmusketen auf. Radschlosspistolen wären für die Zeit um 1600 noch typischer, aber galten als schwer zu bedienen und anfällig.
    Schloss für die Zeit: Steinschloss – Wikipedia
    Miquelet-Schloss (sehr passend, weil spanisch): Miquelet lock - Wikipedia
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Verrat in Venedig"/"Secret Passage" I, P, Luxemburg 2004 (Regie: Ademir Kenović)

    Handlung: Spanien im späten 15. Jahrhundert. Eine jüdische Familie muss zum Katholizismus konvertieren. Um weiteren Verfolgungen zu entgehen flieht sie in die Spanischen Niederlande. Die Eltern schicken ihre Töchter voraus und sterben wohl. Isabel (Katherine Borowitz) soll auf ihre jüngere Schwester Clara (Tara Fitzgerald) aufpassen und bekommt nach dem Tod von Claras Gatten auch die Aufsicht über Claras Kind und ihr gesamtes Vermögen. Die beiden reichen Schwestern kommen 1518 nach Venedig. Eigentlich wollen sie nur nach Konstantinopel weiter, aber die Türken verlangen dafür eine Gegenleistung. Derweil setzt der venezianische Rat Foscari (Anton Rodgers) die beiden Schwestern unter Druck. Sie sollen ihren guten Willen demonstrieren indem sie 150.000 Gulden in 5 venezianischen Schiffen investieren. Erzwungenermaßen geht Isabel darauf ein, plant aber insgeheim einen venezianischen Glasmacher zu entführen, dessen Geheimnisse die Türken haben wollen. Clara lernt den angesehenen aber verschuldeten venezianischen Adligen Paolo Zane (John Turtorro) kennen, der seinen Sohn Andrea (Marc Picering) gern mit Claras Tochter Victoria (Hannah Taylor Gordon) vermählen möchte, auch um an Victorias Aussteuer zu kommen. In der Nacht von Andreas und Victorias Verlobungstag versuchen Isabels Vertraute Da Monte (Ronald Pickup) und Joseph (Richard Harrington), die bereits das Schleusen von zahlreichen Juden ins Osmanische Reich bewerkstelligt haben, den Glasmacher zu entführen. Doch wird Da Monte geschnappt. Zu allem Unglück verrät die von ihrer Schwester enttäuschte Clara, die eigentlich in Venedig bleiben wollte, ihre Schwester und ihr Geheimjudentum fliegt auf...

    Der Film ist für die meisten Leute wahrscheinlich recht dröge. Vom Zeitgeschehen kommt nicht viel rüber. Aber das Thema ist ansonsten recht interessant. Die Vielschichtigkeit der verschiedenen Interessen kommt in meiner Inhaltsangabe nicht ganz rüber - z.B. Victorias insgeheime Neugier auf das Leben im Ghetto von Venedig.
    Was äußerst verwirrend ist, ist dass die Kleidung von um 1492 bis 1518 immer die gleiche ist und überhaupt nicht in den Zeitschnitt passt, sondern eher nach 1560er-1580er ausschaut, weshalb die ganze Handlung schwer einzuordnen ist.
    Die Schauspieler fand ich durchweg gut bis sehr gut. Tara Fitzgerald ist wieder wie in "Frenchman's Creek" die selbstbewusste, eigensinnige Dame, die sich wieder ein bisschen zwischen Familie und eigenem Herzen entscheiden muss und den etwas undurchsichtigen und zugleich emotionalen Charakter bekommt sie auch hier wieder gut hin.
    Wovon der Film lebt ist, dass die Drehorte einfach sehr schön sind, ob nun die Paläste in die Handlungszeit passen oder nicht.
    Anachronistisch in den Dialogen z.B. der Prinz Ruperts Tropfen (Prinz Rupert ist 100 Jahre nach der Handlungszeit geboren worden), dann die Bezeichnung Istanbul für Konstantinopel.

    Dennoch etwa 6 Gondeln.
     
  6. LucaS

    LucaS Neues Mitglied

    Mir fallen da noch Henry VIII Henry VIII (2003) – Wikipedia

    Oder auch Elizabeth I mit Helen Mirren Elizabeth I – Wikipedia

    und auch Maria Stuart gunpowder, treason & plot Maria Stuart – Blut, Terror und Verrat – Wikipedia ein.
    Abgesehen von ein paar nicht ganz so korrekten historischen Fakten, sind sie allesamt sehenswert.

    Wobei auch die Verfilmung von Maria Stuart mit Vanessa Redgrave und Timothy Dalton von 1971 sehenswert ist. Maria Stuart, Königin von Schottland (1971) – Wikipedia

    Es gibt auch noch ein paar ältere Verfilmungen, bei denen allerdings auf die geschichtliche Tatsachen kaum bis gar kein Wert gelegt wurde. Hauptsache, die Darsteller hatten "große" Namen und die Handlung war denn auch dementsprechend.
    Aber auch sie hatten ihren Reiz, wenn ich da an die alten Schinken mit Errol Flynn denke.

    Gruß

    Luca
     

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