Spielfilme angesiedelt im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Brissotin, 26. September 2006.

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Was ist der beste Film zum Thema 18.Jahrhundert?

  1. Barry Lyndon (1975)

    17 Stimme(n)
    22,7%
  2. Gefährliche Liebschaften (1988)

    14 Stimme(n)
    18,7%
  3. Jefferson in Paris (1995)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  4. Der letzte Mohikaner (1992)

    18 Stimme(n)
    24,0%
  5. Rob Roy (1995)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  6. King George - Ein Königreich für mehr Verstand (1995)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  7. Revolution (1985)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  8. Farinelli (1994)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  9. Marie Antoinette (2006)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  10. Amadeus (1984)

    12 Stimme(n)
    16,0%
  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Wuthering Heights" David Skynner, 1998

    Dies ist eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Emily Brontë. Eine Inhaltsangabe zum recht komplexen Roman findet man hier: Sturmhöhe ? Wikipedia

    Die Verfilmung hält sich auch, soweit ich das beurteilen kann, recht gut an die Vorlage, auch wenn vieles gerafft wurde, so dass Figuren wie die Mr. Lockwood (Peter Davison) ein bisschen anders rüber kommen.

    U.a. durch die Straffungen scheint es so, als ob die Bewohner von Thrushcross Grange und Wuthering Heights scheinbar fast nichts außer ihrem Gefühlsleben zu tun haben. Äußerst ungelungen wirkt die Besetzung. Der 33-jährige Robert Cavannah und die 37-jährige Orla Brady sollen Teenager (1784, als Catherine stirbt, soll sie laut Roman erst 19 sein!) darstellen, was nunmal vollkommen unglaubwürdig wirkt, weil man ihnen das dargestellte Alter überhaupt nicht abnimmt. Crispin Bonham-Carter wirkt inmitten dieser Hauptdarstellerriege noch am ehesten angemessen zu seiner Rolle. Wenn offensichtliche Mitdreißiger wie Kinder oder Jugendliche herumtollen und Vogelnester ausnehmen, dann fängt es bei mir an, dass ich kaum noch die Handlung nachvollziehen kann.

    Weil die Handlung so hopplahopp durch die ersten Jahre geht, kann man Heathcliffs Hass auf Hindley (Ian Shaw) auch nicht so ganz nachvollziehen. Überhaupt muss ich zugeben, dass mir die Handlung irgendwann zu unplausibel wurde. Das mag am Stoff liegen, wo ja sämtliche Konstelationen schon sehr bemüht wirken (Heathcliffs "Plan" würde ja nicht aufgehen, wenn nicht zufällig aus allen Verbindungen (Hindley/Frances, Catherine/Edgar, Heathcliff/Isabella) exakt ein Kind hervorginge). Überhaupt wirkt die Gegend um Wuthering Heights ein Raum ohne jegliche Rechtsordnung, wo die Obrigkeit nicht wegen Hindleys Trunksucht - und gegen Heathcliffs Schuld daran - und auch nicht wenn es zu Gewalt (Schlägerei zw. Hindley und Heathcliff, Schüsse) kommt oder ein Pferd durch Heathcliff gestohlen wird, eingeschritten wird.
    In gewissem Maße gibt es Parallelen zu zwischen "Wuthering Heights" und "Caleb Williams" (1980) ("Todliches Geheimnis") u.a. durch die gleiche Handlungszeit, ein überwiegend komplexes Geflecht aus Rachebeziehungen, familiären Banden - allerdings ist "Caleb Williams" deutlich spannender, psychologischer und auch von der Aussage her m.E. tiefer, zumal die Besetzung der Verfilmung intensiver spielte.

    Die Kostüme fand ich ganz gut mit der Ausnahme, dass es scheint, als würde sich die Kleidung zwischen ca. 1780 und 1801 nicht geändert haben. Ein bisschen schade ist auch, dass die Rollen oftmals keinerlei Accessoires wie Uhren, Hauben etc. haben.
    Am besten haben mir Ian Shaw und Crispin Bonham-Carter gefallen. Polly Hemingway (Callebs Mutter in "Tödliches Geheimnis) hat mir hier als Nelly Dean nicht so auffällig gespielt.
    Die Handlungsorte fand ich recht schön, vor allem die Grange, während Wuthering Heights einfach wie ein heruntergekommener Bauernhof aussah (und es damit wirkte als ob Edgar Linton eine Bäuerin heiratet... :pfeif:)

    Das laufende Rumgejammer machte den Film auf die Dauer schwer erträglich. Von daher war ich andererseits auch froh wegen der Straffungen.
    Insgesamt 4 von 10 Herzschmerztränchen... Die meisten Abzüge wohl durch die Besetzung etc..
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "The history of Tom Jones a foundling" (1997)

    In den 1990er scheint die BBC ein glückliches Händchen mit Romanadaptionen gehabt zu haben. So auch hier, wobei wie in "Pride and Prejudice" kein Aufwand gescheut wurde und ein gewaltiges Staraufgebot zusammengetrommelt wurde. Manchmal nervt so ein All-Star-Ensemble, aber lest selbst!

    Handlung
    Ich kann hier nicht die gesamte Handlung widergeben. Denn die Miniserie erstreckte sich über 5 Teile à mehr als 50 Minuten. Das sind etwa 260 Minuten Gesamtlänge. Damit wurde anders als in Richardsons Kinoadaption gewagt mehr Details reinzubringen. Allerdings sind die Schwerpunkte auch andere. So erstreckt sich Toms (Max Beesley) Jugend nur über etwa 50 Minuten und die Irrreise durch England bloß auf weitere 50 Minuten, während der Aufenthalt in London mit dem komplizierten Beziehungswirrwar den Hauptteil des Films einnimmt. Die Abweichungen bestehen daher vor allem im Weglassen. So fehlt die klassische Szene, als der als fast tot geglaubte Tom Jones die Bewohner eines Gasthofes in Angst und Schrecken versetzt. Auch wird die lange Episode mit dem Einsiedler, den Tom auf seiner Wanderung trifft, fortgelassen. Dafür erhält die Figur von Mr. Partridge (Ron Cook) weitaus mehr Facetten in all seinen Missverständnissen.

    Es wird sehr deutlich, dass sich die Verantwortlichen (Buch: Simon Burke, Regie: Metin Hüseyin) tatsächlich vor diesem Jahrhundertroman ähnlich wie kurz zuvor bei "Pride and Prejudice" (1995) und dem Autor verneigen wollten.

    Ausstattung
    Die Bauten und Kutschen sind einfach nur bombastisch! Ich habe noch nie soviele Kutschen in einem Film gesehen, von dem kleinen Karren bis zum herrschaftlichen 6-Spänner des Lords, der Mrs. Fitzpatrick zur Mätresse hat.
    Die Kostüme sind recht gut und eigentlich nie so ganz verkehrt. Vor allem Brian Blessed als Squire Western und Benjamin Withrow als Squire Allworthy sehen fantastisch stimmig darin aus. Dummerweise herrscht nur in London die Mode v.a. Haarmode der 1770er, während man sich im Rest des Films bemüht hat an Vorlagen der 1740er, also der Handlungszeit zu orientieren.

    Schauspieler
    Umwerfend! Grandios! Wer vom tobenden Brian Blessed in "Henry V" nicht genug kriegen kann, hier zeigt er sein ganzes Können. Brian Blessed als Squire Western ist eine Idealbesetzung. Benjamin Withrow als gutherziger Squire Allworthy ebenso - da passt er sogar besser als als Mr. Bennett fand ich. Der Gegensatz zwischen beiden Darstellern arbeitet den zwischen den beiden Charakteren kongenial heraus. Aber die Besetzungsliste ist durchweg grandios. Besonders aufgefallen sind mir: Ron Cook als Partridge, Frances de la Tour als Miss Western, James d'Arcy als Blifill (bekannt aus "Master and Commander"), John Sessions als Henry Fielding (er leitet als so eine Art Moderator durch die Handlung "seines" Romans), Samantha Morton als Sophia Western (bekannt aus "Emma" 1996), Peter Capaldi (bekannt aus "Dangerous Liasions" (Frears)), Kathy Burke als Honour (bekannt aus "Elizabeth"), Christopher Fulford als Mr. Square (bekannt durch die Hornblowerserie)... Bis hinein in Rollen, die in Wirtshäusern oder an Schlosstüren als Dienstboten nur 2 Sätze zu sagen hatten, wurde exquisit besetzt. Manch einem mag so ein "who is who" des britischen Films auf die Dauer zu anstrengend sein, weil man sich immer wieder fragt: Wo habe ich den schonmal gesehen? Andererseits ist es doch auch angenehm, wenn richtig famos geschauspielert wird, weil man das aus vielen historischen Filmen der letzten Jahre ("Les adieus à la reine" und v.a. deutsche Produktionen) nicht so gewohnt ist.

    Trotz gewisser Schwächen im Kostümbild kann ich diese Miniserie nur wärmstens empfehlen. 9 von 10 gebrochenen Herzen!
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Joseph Andrews" Richardson 1977

    "Joseph Andrews" Tony Richardson (Regie) 1977

    Dies ist ein zweiter Versuch Richardsons an einem Stoff von Fielding, allerdings ein meines Wissens deutlich erfolgloserer als sein "Tom Jones".

    Die Handlung ist reichlich verworren und ähnlich komplex wie in "Tom Jones".
    Joseph Andrews (Peter Firth) wird von seinen Eltern als Kind ausgesetzt. Er kommt in die Dienste von Sir Thomas (grandios: Peter Bull), gerät aber mehr und mehr ins Visier von dessen Gattin, Lady Booby (Ann-Margret). Lange gelingt es dem sittenstrengen Joseph, der eigentlich nur Fanny Goodwill (Natalie Ogle) liebt, sich der Lady und ihrer Zofe, Mrs. Slipslop (Beryl Reid) zu erwehren. Sein Mentor ist Parson Adams (Michael Hordern). Dann aber stirbt Sir Thomas auf regelrecht aberwitzige Weise in Bath im Bad - wobei ihm zugegebenermaßen keiner der Umstehenden beisteht. Er ertrinkt einfach mit seinem eingebundenen Fuß, da er offenbar nicht schwimmen kann. Weil sich Joseph noch immer taub gegenüber allen Avancen seiner Herrin zeigt, wird er entlassen. Es beginnt ähnlich in "Tom Jones" eine Odysee durch England. Nachdem er von Räubern nackt ausgezogen und verdroschen aufgefunden wurde und in einige Turbulenzen in einem Gasthaus geraten ist, begegnet er wieder Parson Adams. Über verschlungene Wege finden sie auch Fanny wieder, womit die drei sittsamsten Protagonisten vereinigt sind. Durch Zufall begegnen sie einem hilfsbereiten "Zigeuner" (Jim Dale), wobei sie das erste Mal mit der Geschichte eines entführten Kindes konfrontiert werden, die sich noch weiter fort entspinnt. Derweil hat Lady Boobys Cousin die Absicht Pamela(Karen Dotrice), Josephs Schwester, zu heiraten. Lady Booby stimmt dem zu, hofft sie doch dadurch wieder eine Chance in die Hand zu bekommen, um auf Joseph einwirken zu können. Derweil landen Joseph, Fanny und Adams bei einem boshaften Squire (Kenneth Granham), der es auf Fanny abgesehen hat...

    Man erkennt leicht, dass sich diese Geschichte in einem eigenen Universum bewegt, wo es nicht weiter stört wenn Richardsons Pamela (aus dem gleichnamigen Roman) genauso wie der Squire Western aus "Tom Jones" plötzlich auftauchen.
    Noch schwerer auf die Dauer ist allerdings Kostümbild und Musik zu ertragen. Gewiss ist dieser Film ein Gesamtkunstwerk an Bildern und Farben. Aber schon nach 20 Minuten erschlagen mich diese ganzen Klamotten, die mal mehr an Italowestern (Haarbänder bei Männern, verranzte Westen etc. v.a. bei Jim Dale) und mal mehr an Fasnet erinnern (völlig unhistorische Kostüme in schrillen Farben). Dann noch diese Tonnen an Schminke in den Gesichtern vieler Rollen und die blau, rot oder sonstwie getönten Haare... Das atmet alles sehr den Geist der 1970er. Wenn Joseph Andrews dann und wann noch kiffen würde oder es zumindest die Filmemacher getan haben, würde es nicht arg verwundern.
    Davon abgesehen ist die Dramaturgie noch deutlich überdrehter, wenn schon am Anfang Adams seinen Hintern in eine Torte setzt oder Sir Thomas Booby versehentlich vollschmiert. Neben solchen Slapstickeinlagen hat der Film aber auch gerade während der Odysee, wenn über irgendwas philosophiert wird oder auch in seiner Wiederholung von Annäherungsversuchen von Lady Booby ziemliche Längen.

    Es fällt mir ein bisschen schwer den Film einzuschätzen, da er ja hinsichtlich Ausstattung garnicht erst versucht historisch rüberzukommen. Inwiefern der Vorlage nachgeeifert wurde, vermag ich mangels Kenntnis derselben nicht zu sagen. Es mag sein, dass der Film Design-Fans sehr wohl behagt. Mir hat er auf die Dauer nicht gefallen, da ich ihn zusehends langweilig fand. Vielleicht 5 von 10 Tonnen Schminke von meiner Seite.
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Black Jack" 1979

    "Black Jack" 1979 Kenneth Loach

    Ich habe jetzt endlich mal den Film im englischen Original schauen können und fand ihn absolut faszinierend in seiner Machart.

    Handlung
    England 1750. Ein großer Mann(Jean Fraval), der später nur "Black Jack" genannt wird, soll hingerichtet werden. Da er einen Löffel geschluckt hat, übersteht er die Hinrichtung am Galgen. Auf seiner Flucht entführt er einen kleinen Jungen(Stephen Hirst), den er Tolly nennt, weil ihm der wahre Name des Jungen zu kompliziert ist.
    Um die gleiche Zeit schickt ein reicher Herr, Mr. Carter(William Moore), seine Tochter Belle (Louise Cooper), in der Obhut von Dr. Jones (Russel Waters) zu dessen Einrichtung, in welcher die psychisch Kranken unter menschenunwürdigen Bedingungen leben müssen.
    Auf der Reise läuft Belle davon, als die Kutsche von Dr. Jones in eine Falle von Black Jack gerät. Tolly soll sie einfangen. Als er mit ihr zu der Furt zurückkehrt, wo er die anderen verlassen hatte, stellt Tolly fest, dass sie auf und davon sind. Nach einer kleinen Odysee treffen sie zufällig eine Gruppe von Schaustellern und Scharlatanen, denen sich allerdings auch bereits Black Jack angeschlossen hat - Black Jack hofft durch Belle an eine Belohnung von 10 Pfund zu kommen. Nur macht ihm Tolly einen Strich durch die Rechnung, weil er Belle nicht an Dr. Jones ausliefern will.
    Ein ehemaliges Mitglied der Truppe läuft anschließend davon und beginnt nun sowohl Dr. Jones, als auch Mr. Carter unter Druck zu setzen, um an viel Geld - bspw. allein 50 Guinees von Mr. Carter - zu kommen. Nach einer Weile entschließt sich Mr. Carter nun Dr. Jones zu schreiben, dass er seine Tochter sogleich wieder zurück haben will.
    Dies bringt Dr. Jones in Schwierigkeiten und er verlangt von dem Erpresser so schnell wie möglich Belle aufzutreiben. Stattdessen ermordet der Junge aber Mr. Carter, womit Dr. Jones einer Sorge ledig ist. Dr. Jones deckt in der Folge den Mörder, da er dadurch darauf rechnen kann, dass er weiterhin das Geld für die Versorgung durch Belles Verwandte erhält, die offenbar nichts vom Brief von Mr. Carter wissen.
    Während dieser Ereignisse zieht Belle mit Tolly und den anderen durch England. Als der Tod ihres Vaters bekannt wird, überzeugt Black Jack sie, dass sie genauso verrückt sei wie ihr Vater, der angeblich Selbstmord begangen hat. Um Tolly nicht weiter zur Last zu fallen, läuft sie anschließend davon und gerät in die Fänge von Dr. Jones und seinen Mitwissern.
    Tolly verlässt Black Jack und die anderen, um Belle zu suchen. In der Stadt, wo Dr. Jones Haus ist, angekommen, bekommt er aber keinen Kontakt zu Belle. Er beginnt sich bei einem Wirt zu verdingen. Reumütig findet sich Black Jack ein und hilft nun Tolly die arme in dem Haus angekettete Belle zu befreien.
    Durch einige Recherchen finden Tolly und Black Jack heraus, dass Mr. Carter ermordet wurde und nicht Selbstmord begangen hat. Am Ende trennen sich Tolly und Belle von ihren Freunden und machen sich auf eine Reise.

    Ungewöhnlich
    Der Film ist mehr als ungewöhnlich.
    Sehr markant ist der Schluss. Normalerweise würde man erwarten, dass wie in einem Krimi die Täter überführt und entweder von der Justiz oder aber Tollys Freunden zur Rechenschaft gezogen werden. So nicht hier: es genügt ihnen, dass Belle scheinbar doch nicht so verrückt ist, für wie man sie hielt und dass ihr Vater keinen Selbstmord beging.

    Die Darsteller sprechen nicht direkt in die Kamera wie man es sonst kennt, sondern man muss immer höllisch aufpassen, wer gerade spricht, denn vieles wird wie beiläufig aufgenommen. Dies erschafft den Eindruck eines ausgeprägten Realismus.
    Manchmal läuft auch gefühlt minutenlang einfach Tolly suchend durch einen Wald oder es passieren eben so ganz kleine Szenen, die in den hektischen Abenteuerfilmen von heute rausgeschnitten würden. Aber genau das macht den Reiz des Films aus.
    Obendrein sprechen fast alle Charaktere kein lupenreines Englisch, sondern es wird genuschelt und auch einiges an Slang gesprochen. Am besten versteht man noch die Rolle von Mr. Carter und teilw. Dr. Jones und seinen Schergen. Black Jack soll ein Franzose sein, der ohnehin nur gebrochen Englisch spricht. Ich weiß nicht, ob diese Feinheiten in der Synchronfassung rüber kommen.

    Ausstattung
    Die Kostüme sind eben "typisch 1970er". Man darf nicht so genau hinschauen.
    Dafür sind die Gebäude großartig.

    Filmisch
    Die Räume werden wunderbar realistisch beleuchtet. Wenn es Dunkel ist, sieht man halt wirklich nix - oder fast nichts. Um so glaubhafter und faszinierender wirkt es, wenn Kerzen verwendet werden. Das kommt nur selten vor. Auch das ist natürlich realistisch, weil Kerzen zu teuer waren.
    Die Schauspieler sind oftmals Laien oder bemühen sich zumindest erfolgreich zurückgenommen zu schauspielern. Das führt dazu, dass man sich auch mit der Zeit besser in sie hinein versetzen kann. Denn dadurch werden die Rollen echte Menschen wie Du und ich.

    Fazit
    Für einen Kinderfilm fand ich die Handlung psychisch echt hart. V.a. wenn man die Abgründe menschlicher Neigungen (Gier) und das Haus von Mr. Jones sah. Die Brutalität kommt nicht irgendwie explizit vor, aber die Härte des Lebens und eine unter einer Decke erkennbare Brutalität ist immer spürbar.
    Charakteristisch auch eine Szene, als Belle dann Tolly fragt, ob er sie nicht heiraten will. Natürlich ist das ein Erwartungshorizont eines Mädchens in der Zeit.

    Ein toller Film, wenn auch nicht unbedingt aus historischen Aspekten. Die Vorlage ist ein Jugendbuch aus dem 20. Jh. von Leon Garfield.
    Dennoch filmisch absolut sehenswert!
    9 von 10 Dreispitze.:yes:
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. März 2015
  5. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Banished (2015)

    Bei "Banished" handelt es sich um eine BBC Drama-Serie, die sich in erster Linie mit dem Schicksal der ersten Gefangenenflotte nach Australien beschäftigt, wobei sich die Handlung bereits auf australischem Boden abspielt.

    Spannungen entstehen nicht nur dadurch das Essen knapp ist, sondern auch dadurch das von jeder Frau verlangt wird, daß sie zumindest mit zwei Männern schläft. Beides wird bereits in der ersten Folge problematisiert, und bleibt ein Problem.

    Ebenso werden die Probleme der jungen Kolonie von allen Seiten gezeigt. Mal sieht man den Gouverneur, mal sieht man die einfachen Gefangenen. Zwischendrin handeln die verbannten Straftäter, oder die Offiziere, der Priester und so weiter.

    Ausstattung:

    Der Fundus der BBC gibt einiges her, aber es ist trotzdem eher durchwachsen. Moderne Haarschnitte, kaum eine Haube in Sicht, und dann laufen die weiblichen Hauptdarstellerinnen auch gerne im Korsett umher. Mit offenen, langen Haaren. Klar, wenn ich ernst genommen werden will, dann renne ich auch in meiner Unterwäsche rum, und lasse mein Haar fliegen...


    Was ich davon halte:

    Naja, es ist interessant. Da das 18. nicht *mein* Jahrhundert ist, kann ich großzügig hinwegsehen. Die Geschichte ist spannend genug, und bietet ein paar Anreize nachzudenken, wenn man denn so will. Mich hat das Drama in erster Linie daran erinnert, daß ich Känguruh-Fleisch mag, den männlichen Hauptdarsteller "Freeman" aus "Being Human" als Werwolf kenne, und da der tote Kerl in "Game of Thrones" mitspielt. Trotzdem nicht schlecht, aber die Serie hat halt Macken. Und ich habe Hunger.
     
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  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Welcher jetzt? :pfeif:
     
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  7. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Na, komm'. Wenn ich "barbusige Dame in Game of Thrones" sage, weißt du doch auch direkt wen ich meine, oder? Es kann sich ja nur um hunderte handeln! :D

    Spaß beiseite, ich meinte Sandor Clegane, auch bekannt als "The Hound", in "Game of Thrones", der von Rory McCann dargestellt wird. In "Banished" spielt er einen Schmied, dessen Namen mir entfallen ist
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :D:D:D
    "ein gut gekämmter Moses wird sogleich zu Kitsch" (Handbuch des Kitschs, über den Historienschinken "die zehn Gebote")
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Scheinbar derzeit ein beliebtes Thema. Ist "Banished" besser als "The Incredible Journey of Mary Bryant"?

    Klingt ja von der Ausstattung ein bissel nach "Garrow's Law".:pfeif:
     
  10. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Mit "Garrow's Law" liegst du da schon ziemlich richtig. Nur, "Garrow's Law" war von der Kostümierung her besser... glaube ich mich zu erinnern :still:.

    Ob's besser oder schlechter als "Mary Bryant" ist, kann ich noch schwer abschätzen, aber von der Handlung her sind ein paar Parallelen zu erkennen. Nur gibt es aber auch mehr Handlungsstränge und handelnde Charaktere. Bis jetzt würde ich sagen, daß "Mary Bryant" geschliffener herkam, was ja auch dadurch kommt, daß eine Geschichte erzählt wurde, und nicht die Sorgen und Nöte einer Gruppe verschiedener Handlungsträger problematisiert wurden. Von der Kostümierung her fand ich "Mary Bryant" aber besser, wobei es länger her ist seit ich das gesehen habe.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich hatte "Mary Bryant" hier nicht aufgeführt d.h. rezensiert, da ich es nicht bis zum Schluss angeschaut habe, weil ich es einfach zu langweilig fand. Selbst der gute Sam Neill konnte daran nichts ändern. Die Kostüme fand ich so lala. Die Uniformen wirkten oft eher bemüht, die vom Chef vielleicht ausgenommen. Leider interessierte mich Mary Bryant über den Umweg - Boswell! - zu sehr, um so gut der Handlung zu folgen, die ja weitesgehend extrem frei mit der historischen Person umging und vor allem diese langweilige und gestelzte Liebesgeschichte mit dem englischen Offizier mit einbaute. Schon allein wegen dem Umfang (über 400 Minuten!) würde ich es mir nichtmal Dir zur Liebe nochmal antun. :pfeif:

    Schade, dass niemand "Elizabeth Belle" geschaut bzw. hier im Forum kritisiert hat.
     
  12. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Na, wenn du die gestelzte Geschichte zwischen dem Offizier und der Hauptdarstellerin in "Mary Bryant" schon schlecht fandest, dann wird dich "Banished" nicht begeistern. Noch ist es schwer abzuschätzen wie das enden soll, aber so wie es im Moment dargestellt wird läuft es auf "furchtbar schlechten Liebesroman" hinaus. Mehr kann ich dazu morgen Abend sagen, wenn die nächste Folge gelaufen ist. Falls dann noch Interesse besteht - und damit meine ich auch von meiner Seite.

    Und ja, die Kritik über "Elizabeth Belle", oder "Belle" in GB, kommt noch. Die DVD wartet geduldig auf das Osterwochenende. ;)
     
  13. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Saint-Simone
    Haben eigentlich Richardsons Fielding-Verfilmungen (echt verwirrend, wenn ein Regisseur Richardson heißt und Filme zu Fieldbing machte, der sich ja bekanntlich auf Richardson bezog) in England auch so einen Kultstatus wie "Barry Lyndon" in unserer Szene? Bei uns in Deutschland kennt irgendwie niemand diese Fielding-Verfilmungen oder überhaupt "Tom Jones". In England ist doch der Roman kult oder nicht? Immerhin mal große Literatur, die unterhaltsam ist.
     
  14. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Kultstatus würde ich nicht sagen. "Tom Jones" ist zwar als Verfilmung bekannt, aber ich würde eher sagen, daß das nicht allgemein ist. Im Gegensatz zu dem was ich von den Öffentlich Rechtlichen in Deutschland kenne, werden alte Verfilmungen in GB seltener gezeigt, und erreichen somit kein Massenpublikum.

    Auf der anderen Seite ist es aber auch so, daß "A Cock and Bull Story" (2005), eine Komödie über eine Verfilmung von "Tristram Shandy", Erfolg erzielte. Ob der Stoff eher im allgemeinen Gedächtnis geblieben ist als "Tom Jones", oder die Komödie einfacher zugänglich ist, kann ich nur mutmaßen. Was ich aus eigener Erfahrung weiß, ist das wir hier vier öffentlich zugängliche Kanäle haben. Alte Filme werden auf dreien davon so gut wie gar nicht gezeigt. Die BBC erbarmt sich hin und wieder, wenn sie die Rechte besitzt. Ansonsten muß man zusätzliche Programme kaufen, oder die DVD erwerben.

    Die einfache Antwort ist also "nein". In Liebhaberkreisen sind bestimmte Filme durchaus bekannt und beliebt, aber das erreicht keine Massen. Der Roman ist auch kein Kult an sich. Bekannt, ja, aber die breite Masse mag Jane Austen bedeutend lieber.
     
    Brissotin und dekumatland gefällt das.
  15. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Sieht man auch im Verhältnis der Verfilmungen zueinander.
    Wobei sie sich bei der 97er-Verfilmung sicher bei dem Aufgebot für ihren "Tom Jones" in ziemliche Unkosten gestürzt haben werden, die denen zum zeitnahen (95er) Versuch zu "Pride and Prejudice" in kaum was nachstehen.

    In einer Sendung vom BR (Klassiker der Weltliteratur) wurde mal betont, dass zu Recht Richardson, obwohl ja die Vorlage zu Fieldings berühmtesten Werken, im Gegensatz zu Fielding selbst, in Vergessenheit geraten wäre. Mir fällt jetzt auch nur auf Anhieb nur eine "Clarissa"-Verfilmung mit Sean Bean ein... Wobei ich auch nicht sagen könnte, was der Gesellschaft heute bei einer Unkenntnis von Richardson oder seinen Nacheiferern (wie Gellerts "Schwedische Gräfin von G.") fehlen sollte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. April 2015
  16. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Eine Freundin hat mir diese Verfilmung der "Clarissa" geliehen. Ich finde sie als Romanverfilmung gelungen, aber ich habe den Eindruck, dass die Handlung (das betrifft auch den Roman) einfach für ein heutiges Publikum nicht mehr wirklich nachvollziehbar ist. Wahrscheinlich wäre eine behutsame Modernisierung in diesem Fall notwendig, aber lässt das dieser Roman überhaupt zu?
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Gute Frage. Ich habe mir Richardson bis jetzt nur wohldosiert angetan. Wenn man die Handlung bspw. durch witzige Episoden auflockern würde, dann wäre sie nunmal nicht mehr Richardson. Ähnlich wäre es wohl auch bei "Manon Lescaut" und anderen moralisierenden Werken dieser Zeit. Von der Ausstattung her fand ich "Clarissa" etwas arg betulich, langweilig: schön aufgeräumte Zimmer und irgendwie leere große Räume. Die Kostüme erinnerten oft eher an die 1960er... Vielleicht bin ich aber auch nur zu verwöhnt. :cool: Am stimmigsten fand ich die Besetzung der Clarissa mit Saskia Wickham. Sie wirkt wirklich so tugendhaft-naiv wie ich mir die Figur vorstelle.
     
  18. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Ich könnte mir vorstellen, dass bei "Manon Lescaut" eine Verfilmung im Gegensatz zu einer "Clarissa" tatsächlich Chancen hätte.

    Zunächst einmal, zwar hat kaum jemand heute noch diesen Roman gelesen, aber er war seinerzeit wirklich populär. So entstanden nach dem Roman im 19. und 20. Jahrhundert mehrere Opern (mit unterschiedlichen Akzentsetzungen) , und zwei dieser Opern haben sich sogar bis heute im Repertoire gehalten ( "Manon" von Jules Massenet, "Manon Lescaut" von Giacomo Puccini). Auch wenn das in erster Linie der Musik zu verdankten ist, zeigt es jedenfalls, dass der Stoff für die Übertragung in ein anderes Medium durchaus Eignung hat.

    Dass die Geschichte der "Clarissa" mit komischen Episoden auflockert, halte ich für keine gute Idee. Nicht nur, weil das zu sehr von der Vorlage abweicht. Es passt auch nicht zur Leidensgeschichte einer Frau, die hier erzählt wird, und um nachvollziehen zu können, wie dieser Fall Clarissa überhaupt möglich ist, muss Zuseher/in doch einiges über die Entstehungszeit wissen, und zusätzlich noch bereit sein, sich darauf einzulassen. (Wobei ich den Eindruck habe, dass sich schon die Zeitgenossen/innen mit diesem Roman schwer getan haben dürften.)
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Teresa C.
    Richardson war aber eigentlich zumindest in der Zeit auch enorm beliebt, was die raschen Übersetzungen seiner Werke untermauern. Es gab diese Strömung zu moralisierenden, empfindsamen Werken im Grunde überall. Schon Defoe moralisierte ja enorm, wenngleich zumindest in "Roxana" meines Erachtens deutlich unterhaltsamer. Beredtes Zeugnis der Beliebtheit dieser Werke von Richardson sind Illustrationen bis hin zu Gemälden von Francis Hayman. Allerdings setzte zumindest in Deutschland (bei England kenne ich mich nicht so aus) bereits in den 1760er/1770er Jahren ein Trend ein, der sich in einer gewissen Häme über Richardson und dessen Apologeten ergoss.
    Ich frage mich auch nach den Sehwerten in deb Romanen.
    Fielding, Defoe und andere bieten ja das reinste Gemälde des 18.Jh. mit Krieg, Duellen, Liebschaften, Armut und Reichtum direkt nebeneinander. Man merkt besonders bei Fielding wie er erfolgreich wohlgemerkt versucht, dass es einem nie fad bei der Lektüre wird, indem ständig überraschende Wendungen eintreten, welche noch bei Defoe nach meinem Dafürhalten behäbig daherkommen und bei Richardson garnicht.
     
  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Le Bossu" Ph. de Broca 1997

    Frankreich, Ende 17. Jh., Lagardère (Daniel Auteuil) lernt erst als ein Gegenspieler, dann zusehends als Freund und persönlicher Leibwächter den Duc de Nevers (Vincent Perez) kennen. Der Herzog ist ein wenig gebildeter, v.a. auf die Tugenden des Adels bedachter Verschwender, der in seinem Cousin, Gonzague (Fabrice Luchini), einen Neider hat. Dummerweise ist der gerissene Gonzague nicht nur der nächste Erbe von Nevers, sondern auch ein Neider um die Gunst der Blanche de Caylus (Claire de Nebout). In einem Massaker wird die Hochzeitsgesellschaft von den Schergen Gonzagues ermordet, nachdem Nevers seine Blanche geheiratet hat. Gonzague selbst tötet hinterrücks den Herzog selbst. Lagardère ist der einzige Zeuge. Er rettet die Tochter der Blanche, Aurore de Nevers (Marie Gillain als Erwachsene).
    Nach einer langen Verfolgungsjagd gelingt es Lagardère seinen Häschern seinen und Aurores Tod vorzuspiegeln. Die beiden tauchen in einer Schauspielertruppe unter. Viele Jahre später ist Aurore bereits erwachsen, als sie in die Gegend von Paris kommen. Aurore verrät, dass sie noch leben indem sie auf einer Assamblée einen zudringlichen Adligen mit dem typischen Degenstoß ihres Vaters, den sie von Lagardère erlernt hatte, tötet. Von nun an beginnt ein Katz-und-Mausspiel. Gonzague schickt den beiden seine Männer hinterher, während sich Lagardère seinerseits verkleidet als ein Buckliger im Haushalt von Gonzague einschleust. Vor allem beim Anheizen der Stimmung der Aktionäre der Mississippi-Aktien macht sich der Bucklige zusehends Gonzague unentbehrlich. Auf einem großen Empfang soll Gonzague vom Regenten, dem Duc d'Orléans (Philippe Noiret), die Würde eines Vizekönigs von Louisiana verliehen werden. Lagardère hat nun das Vertrauen von Gonzague ausgenutzt und mit dem Geld von Blanche de Nevers, das in einem Kloster lagerte, die Mehrheit der Aktien aufgekauft, womit Gonzagues Pläne zunichte gemacht werden. Aurore wird dem Duc d'Orléans vorgestellt und Gonzague in einem finalen Duell von Lagardère mit dem besagten Stich des Duc de Nevers getötet.

    Die Kostüme bekamen zwar einen César damals, sind aber eher schlecht recherchiert bzw. bei den Statisten oder kleinen Nebenrollen Niveau Mottenkiste (also eigentlich keine richtige, d.h. funktionierende Kleidung). Auffällig ist auch, dass die Damen- und Herrenmode am Anfang (ca. 1699) und am Ende (ca. 1717/20) dieselbe ist, sogar mit Fontangen (!). Lagardère trägt meistens ein komisches Ding zwischen Wams und Weste, was vorn geschnürt ist (vielleicht animiert von ähnlichen Kostümen aus den 1960ern?).
    Sehr schön sind die Drehorte, was sowohl die Straße mit den Banken, als auch das Hôtel des Duc de Nevers und das Schloss der Familie Caylus anbelangt. Wundervoll wird die Landschaft gefilmt.
    Die Rollen sind durchweg exquisit besetzt, allen voran Vincent Pérez, Fabrice Luchini und Philippe Noiret, denen es einfach Spaß macht zuzuschauen.

    Es handelt sich um die Verfilmung eines vielfach bereits für den Film adaptierten Stoffes, nämlich des Abenteuerromans "Le Bossu" von Paul Féval (1857). Dies ist wohl die bisher gelungenste Verfilmung - zumindest die beste, die ich kenne. Anders als in den anderen nimmt die Geschichte bis zum Tod des Duc de Nevers etwa einen Drittel des Films ein. Stärker als in den anderen Adaptionen wurde der mehrfache Wandel von Lagardère thematisiert: vom unerfahrenen ungeschliffenen Herumstreicher zum verantwortungsbewussten Ziehvater, der selber seiner Schutzbefohlenen nun die Manieren des Adels angedeihen lassen will. Auch die Figur des Gonzague wurde stärker ausdifferenziert in seiner unheilbaren Unzufriedenheit in seiner unstillbaren Liebe zu Blanche und seiner geringen Anerkennung bei seinem ganz anders geschnitzten Bruder. Der Duc de Nevers ist beinahe eher der Held der Geschichte, trotz oder wegen seines frühen Todes und seiner Verkörperung eines adligen Ideals (er formuliert es auch mal gegen seinen Cousin, dass es ehrenwert ist für seinen König zu fallen).

    Die Fechtszenen sehen recht gut aus. Man sieht dem Film an, dass es das Werk eines Altmeisters des Genres ist, zeichnete sich Philippe de Broca schon für Streifen wie "Cartouche" (1962) mit Jean-Paul Belmondo und Claudia Cardinale verantwortlich. Man bemerkt, dass das Genre mit ähnlich flotten Sprüchen wie in den Abenteuerkomödien der 60er nochmals ein bisschen aufgepeppt wurde, ohne die Erzählweise mit auch einigen ruhigen Sequenzen aufzugeben. Somit hat der Film einige Ähnlichkeit mit "D'Artagnans Tochter" von Bertrand Tavernier, wenngleich "Le Bossu" ein weitaus größerer Erfolg war (ca. 3,5 Mio. Zuschauer in den franz. Kinos!).

    Als Film macht "Le Bossu" recht viel Spaß, Drehorte und gut gelaunte teilw. exzellente Schauspieler entschädigen für die kleinen Abstriche. 7 von 10 Degen.
     

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