Spielfilme angesiedelt im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Brissotin, 26. September 2006.

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Was ist der beste Film zum Thema 18.Jahrhundert?

  1. Barry Lyndon (1975)

    17 Stimme(n)
    22,7%
  2. Gefährliche Liebschaften (1988)

    14 Stimme(n)
    18,7%
  3. Jefferson in Paris (1995)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  4. Der letzte Mohikaner (1992)

    18 Stimme(n)
    24,0%
  5. Rob Roy (1995)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  6. King George - Ein Königreich für mehr Verstand (1995)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  7. Revolution (1985)

    4 Stimme(n)
    5,3%
  8. Farinelli (1994)

    2 Stimme(n)
    2,7%
  9. Marie Antoinette (2006)

    1 Stimme(n)
    1,3%
  10. Amadeus (1984)

    12 Stimme(n)
    16,0%
  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Dick Turpin" (1979-1982)

    Die Serie "Dick Turpin" (Richard Carpenter) schlägt gefühlt in die selbe Kerbe. Überwiegend billig gemachte Klamotten (nur die Perücken sind zumeist etwas besser), wenige Statisten und bemüht witzige Episoden in einem "irgendwie 18. Jh.". Ähnlich wie in "Der Kurier der Kaiserin" hat auch Dick Turpin keine wirklich ernstzunehmenden Gegenspieler.

    Am besten gefiel mir Christopher Benjamin als der hochnäsige und selbstgefällige Gesetzeshüter, Sir John Glutton, der einfach nach Gutdünken Strafen verhängt. Typisch eine vagabundierende Schauspielerin, die auf seinem Land zwei Äpfel gestohlen hat. Die kriegt 2 Jahre aufgebrummt - als sie widerspricht, macht er gleich mal 3 daraus. Die Rolle war nicht unbedingt komplett glaubhaft, aber Benjamin hat sie wunderbar verkörpert und passte genauso gut rein wie eineinhalb Jahrzehnte später in die des Sir William in "P&P" (1995).

    Dummerweise haben die Filmmacher offenbar keine Ahnung wie "Polizisten" im 18.Jh. aussahen. Hier im Film hat ein gewisser Captain Spiker (David Daker) nen Degen und nen Anzug an, während ihm seine Handlanger in Westen, d.h. hemdsärmelig auf ihren Gäulen mehr oder minder bewaffnet folgen. Da scheint man sich zu sehr an den Westernfilmen der 1950er/60er mit den Cowboys in ihren Lederwestchen orientiert zu haben. Dabei sieht man gerade aus der Zeit von Dick Turpin (1730er) auf einigen zeitgenössischen Abbildungen, v.a. von Hogarth, ganz schön das Erscheinungsbild der Häscher.
     
  2. Monika

    Monika Gesperrt

    - Der Patriot

    - Sachsens Glanz und Preußens Gloria

    - Napoleon (den 4-Teiler mit Christian Clavier, Isabella Rosselini u.a.)
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Was soll mir die Auflistung sagen? Sind das die Filme, die im 18.Jh. spielen, die Du mal gesehen hast? :grübel:
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Me and Marlborough" UK (1935) Victor Seville

    Sehr spannend fand ich gestern, als ich "Me and Marlborough" angeschaut habe, wie verhältnismäßig gut doch da recherchiert war. Statt wie in den Nazi-Propagandafilmen wie "Der große König", wo auf Ausstattung kaum Wert gelegt wurde (Frauen tragen teilw. einfach damals moderne Kleidung), erkennt man hier sogar grob die Uniformen des Spanischen Erbfolgekrieges und die Musketen sehen sogar nach Steinschlossmusketen und die Degen sogar ganz gut aus. Die Perücken wirken sogar richtig gut. Ein bisschen wird freilich das Soldatenleben romantisiert, v.a. durch das immer wieder auftauchende Lied, das die Heldin (Cicely Courtneidge) mal singt. Aber der Krieg hat auch böse Facetten und anders als in den Nazifilmen wird der Feind auch nicht herabgewürdigt, auch wenn die Franzosen natürlich als intrigant und verschlagen dargestellt werden. Die Kutschen und Fuhrwerke wirken sogar sehr stimmig und das einmal gezeigte Modellschiffchen von der Form her besser als in vielen Dokus heute. Natürlich wurde 100 % offensichtlich im Studio gedreht. Aber unterhaltsam war es allemal.

    Die Handlung ist sogar für 80 min. Laufzeit recht komplex. Kit Ross ist eine Wirtin, die einen Deserteur versteckt. Als sie sich gegen die Auslieferung desselben wehrt, beschließt der Recrutingseargent sich an ihr zu rächen, was er auch tut indem er ihren Gatten, Dick Welch (Berry MacKay), zum Kriegsdienst presst. Kurzerhand meldet sich Kit freiwillig bei den Greys. Erst nach einer Weile bekommt sie heraus, dass ihr Mann im Queen's Regiment dient. Allerdings kommt sie ihm auf die Schliche, dass er mit einer Einheimischen anbändelt. Daraus entwickeln sich allerhand Turbulenzen. Mal soll sie mal er füseliert werden, wobei sie sich durch ihre Kochkünste aus der Schlinge ziehen kann. Ein gewisser Sergeant Cummings (Ivor McLaren) agiert als Verräter und liefert damit den Duke of Marlborough (Tom Walls) in die Hände der Franzosen. Durch ihr Geschick schafft sie es den Duke zu befreien und erfüllt noch eine wichtige Mission, wofür ihr verurteilter Gemahl frei gegeben wird.

    Sehr cool fand ich die Szene, wo der eine fiese Franzose zum Duke sagte, dass er ihn nach Versailles brächte, worauf Marlborough antwortet, dass er da eh schon seit 10 Jahren hinwollte. Der Film spielt ja 1710/11. [​IMG]

    Das Lied in dem Film kann man sich gut bei der Truppenunterhaltung der britischen Streitkräfte in den 1930ern vorstellen.
     
    Teresa C. gefällt das.
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  6. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Habe heute das dänische Hisotriendrama "Die Königin und der Leibarzt" von 2012 gesehen, der vor allem durch seine herausragende Darstellerriege um Alicia Vikander (Ex Machina :hoch:) und Matts Mikkelsen zu glänzen weis. Auch der Darsteller des Königs Christian VII. und einige andere Nebenrollen waren wirklich gut.
     
  7. Teresa C.

    Teresa C. Aktives Mitglied

    Danke für den Filmtipp:winke:.
    Recht interessant auch das Gender-Crossing, wobei für die Entstehungszeit schon alle Klischees beachtet wurden.
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Der Choral von Leuthen" (1933) Carl Froelich

    Ich habe mir an den Feiertagen gegönnt mehr oder minder ausschnittweise die NS-Propagandafilme der Fridericus-Rex-Reihe anzuschauen. "Der Choral von Leuthen" steht gewissermaßen am Anfang und weist auch viele Unterschiede zu den späteren Filmen auf, in denen überwiegend Otto Gebühr als Friedrich II. auftrat.

    Das Augenscheinlichste für mich an dem Film war, dass der Ton und die Ausleuchtung anders als bei den späteren Filmen wie "Der große König" noch eher an die 1920er erinnerten, auch das Schauspiel war eher altmodischer. Interessant gerade im Vergleich mit obiger britischer Produktion aus dem Jahr 1933, dass schon die mittleren Fridericus-Rex-Filme so ziemlich spaßbefreit waren.

    Die Handlung ist recht simpel. Ein preußischer Rittmeister der Husaren (Harry Frank), der nebenbei bemerkt komischerweise eine andere Uniform als die ihm unterstehenden Mannschaften trägt (?), verliebt sich in eine Comtesse. Obwohl die Schwester der Auserwählten ganz und gar pro habsburgisch eingestellt ist, verhindert diese doch nicht die Hochzeit, die ein Soldat anstatt eines Pfarrers (Werner Finck) zelebriert. Eventuelle konfessionelle Probleme scheint es nicht zu geben, bzw. werden ignoriert. Bei einem ähnlichen Stelldichein erfährt der Rittmeister von seiner Braut (Elga Brink), dass der gesamte Generalstab der Österreicher unter Prinz Karl von Lothringen (Paul Richter) und Daun (Walter Janssen) im Schloss der beiden Schwestern untergebracht ist. Dies meldet der Rittmeister dem König weiter. Dieser siegt über die überraschten Österreicher, deren Oberkommandierender Prinz Karl laufend trotz Dauns Zureden den Feind unterschätzt hat. Der Höhepunkt ist der Kampf auf dem Friedhof von Leuthen, wo auch der Kandidat der Theologie, der die Hochzeit geleitet hatte, den Tod findet. Später trifft Friedrich II. unerschrocken einige noch immer im Schloss untergebrachten österr. Offiziere. Rittmeister Wustrow vertreibt einige lästige feindliche Reiter und kann seine Geliebte retten, die von Daun vor einem Kriegsgericht wegen Verrats verurteilt hatte.

    Anders als in den späteren Filmen wird Deutschland praktisch garnicht thematisiert. Es geht vor allem um den seinen kleinmütigen Generälen gegenüber wackeren König, der allen Ratschlägen zum Trotz weiterkämpfen will, während andere Frieden fordern. Der König ist jemand, der weder schläft, noch nachgibt. Sich wie seinen Soldaten verlangt er das Letzte ab. Friedrichs "Kerle, wollt ihr ewig leben", was man im Zusammenhang mit der Schlacht bei Kolin kennt, wird hier auf Leuthen gemünzt, als Friedrich II. Soldaten begegnet, die sich zur Flucht wenden.
    Erstaunlich für mich war die überaus religiöse Note. Nicht nur, dass immer wieder Kreuze ins Bild gesetzt werden und "Nun danket alle Gott" lang und breit (und sehr langsam und gezogen) gesungen wird - auch der Kandidat der Theologie tritt sogar als ein Charakter auf, der in einem Zwiegespräch mit dem König als der Überlegene erscheint. Ob diese Aussage so beabsichtig war, weiß ich freilich nicht zu sagen.

    Die Uniformen haben freilich bis auf die des Königs, die an das Original im DHM erinnert, kaum etwas mit der Zeit zu tun. V.a. die Österreicher sind schlecht recherchiert, wenn man sich denn so eine Mühe machte. Bei den österr. Infanteristen erkennt man bspw. Kopfbedeckungen, die erst deutlich nach dem Krieg eingeführt wurden. Die österr. Kavalleristen tragen sowas wie Fantasieuniformen (oder sollen das franz. Reiter sein?).
    Der Schlachtverlauf wird im Grunde übergangen. Einzig der mehrfache Ansturm auf den Kirchhof von Leuthen ist als Reminiszenz an die historische Schlacht erkennbar. Am Auffälligsten ist freilich, dass die Schlacht hier im Film garnicht im Dezember sondern irgendwann in einer wärmeren Jahreszeit spielt, so dass man weder Schnee noch Matsch oder dergleichen in irgendeiner Szene erkennen kann!

    Inhaltlich noch weit von den späteren Propagandafilmen entfernt, historisch als Schilderung der Schlacht von 1757 aber fast ebenso frei erfunden. Die langweilige, prüde Liebesgeschichte ändert wenig daran, dass der Film komplett ohne Spannung oder Spaß auskommen muss.
     
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wenn's Dich interessiert, hier meinen Überblick dazu:
    http://www.geschichtsforum.de/633764-post176.html

    In dieser Zeit ist auch eine ähnlich aufwendige oder wenig aufwendige Dokumentation zur selben Thematik erschienen.
     
  10. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "Der große König" (1942) Veit Harlan

    Dieser Film ist der letzte der Friedericus-Rex-Filme mit Otto Gebühr und scheinbar der propagandistischte.

    Friedrich II. (Otto Gebühr) findet nach der Schlacht bei Kunersdorf im Haus bei einer brennenden Mühle Unterschlupf, wo Luise (Kristina Söderbaum) wohnt. Sie schimpft nichtsahnend auf den König, der an allem schuld sei. Später schließt sie sich den Soldaten an, die sie nach der Schlacht versorgt. Einer von ihnen, Feldwebel Treskow (Gustav Fröhlich), wird später ihr Mann. Sie erfährt das Schicksal seines Regiments, IR Bernburg, das für Feigheit vor dem Feind nicht nur Tressen sondern auch Knöpfe (?) verliert - der Oberst Bernburg (Franz Schafheitlin) begeht wegen der Schmach Selbstmord.
    Als nächstes müssen die Preußen bei Torgau ran. Friedrich plant Daun (Anton Pointer) in die Zange zu nehmen. Doch der entscheidende Bote mit dem Angriffsbefehl an Zieten (Hans Hermann Schaufuß) kommt nicht durch und Treskow gibt eigenmächtig das Signal zum Angriff, der zum Sieg führt.
    Als der König von der Eigenmächtigkeit Treskows erfährt, wird dieser an der Kanone zur Schau gestellt. Die Strafe kann Treskows Ehrgefühl nicht verwinden und er will sogar fast vor der Schlacht bei Burkersdorf desertieren.
    Zwischendrin gibt es noch allerhand Streitgespräche Friedrichs mit seinem Bruder Heinrich, den er laufend zusammenschreit - und in seinem Toben an Adolf Hitler selber erinnert. Auch werden die Russen in Person General Tschernyschows (Paul Wegener) und Saltykows (Walther Suessenguth) als niederträchtig und intrigant geschildert indem sie dem nichtsahnenden Friedrich plötzlich in den Rücken fallen wollen.
    Doch natürlich geht alles "gut" und Treskow erleidet den Heldentod in der Schlacht bei Burkersdorf. Rechtzeitig erreicht der König, der die Unterredung mit dem Feldwebel sucht, den sterbenden Treskow.
    Nach dem Krieg enttäuscht Friedrich die Königin (Hilde Körber) und das Volk indem er beide mit einer leeren Kutsche konfrontiert.

    Ich habe mich immer gefragt, was die Faszination dieser Filme ausmachen soll. Im Vergleich mit den epischen Produktionen wie "Napoléon" von Abel Gance (1927) fehlt es völlig an künstlerischem Tiefgang oder aufwändiger Kameraarbeit und Technik.
    Die Preußen werden nicht als disziplinierte Militärmaschinerie, sondern als wild herumrennender Haufen, egal ob bei der Infanterie oder der Kavallerie gezeigt. Kein Peletonfeuer oder sonst eine zeitgenössische Taktik, sondern nur wildes Rumgerenne und Rumgeballer. Da Trommeln offenbar wenig martialisch wären, haben die Truppen für Signale und praktisch alles laufend Trompeter, die allerdings Hornisten genannt werden (?). Auf dem Marsch sind die Preußen ein bunt durcheinander wuselnder Haufen, wo jeder machen kann, was er mag. In Schlachten wie v.a. bei Burkersdorf werden bspw. alle Fahnen in einer Art Einheit zusammen vorgetragen, statt auf die Bataillone verteilt zu werden (womit sie zur Orientierung vielmehr Sinn hatten). Überhaupt sehen die Schlachten ebenso wie die Rückkehr der Preußen aus dem Krieg eher wie SA-Aufmärsche aus, v.a. was die Präsentierung der falsch geführten (und z.B. von Grenadieren getragenen!) Fahnen anbelangt.
    Friedrich II. wird als knallharter Nationalist präsentiert, der mit allem ausländischen nichts anfangen kann. Gerade in seinem wütenden Rumgezeter gegenüber Prinz Heinrich tritt seine Ähnlichkeit zu Hitler in den Vordergrund. Harlans Friedrich schwebt bereits ein deutsches Reich unter preußischer Führung vor, weil die Habsburger sich zur Führung des Reiches als unfähig erwiesen hätten, da sie sich mit Ausländern (gegen ihn freilich :D) einließen.
    Sowohl biographisch als auch was den Verlauf der Schlachten anbelangt hat der Film fast nichts mit der Geschichte zu tun. Der Plot ist komplett der Propaganda unterworfen. Da Frankreich 1942, bei Erscheinen des Filmes, als Feind keine Rolle mehr spielte, kommt es im Film praktisch nicht vor - mit Frkr. hätte man allerdings vielleicht auch das engl.-pr. Bündnis erwähnen müssen. Der junge Prinz Heinrich stirbt hier im Film mitten im Krieg und nicht erst 1767, um Friedrichs Verzicht auf seine privaten Gefühle - statt ans Sterbebett zu eilen, beäugt er lieber die "bösen" Russen - nochmals hervor zu kehren. Außerdem wird er sogar als "Prinz von Preußen" bezeichnet, was natürlich Unsinn ist. Die Bezeichnung "Prinz von Preußen" bezog sich in Preußen auf den Thronnachfolger, also Prinz Friedrich Wilhelm (1744-1797), der hier in dem Film in den Augen des Königs sehr negativ wegkommt (in zeitgenössischen Anekdoten erscheint ein ganz anderes Verhältnis zwischen König und Nachfolger). Die Rolle der Russen 1762 wird völlig entstellt, um der Tagespolitik zu entsprechen.
    Trotz der zahlreichen Statisten kommen die Schlachten sehr lahm und statisch herüber. Überwiegend bestehen sie nur in einem Vorstürmen der einen und der anderen Seite und es fehlt jegliche Spannung. Während in "Der Choral von Leuthen" die Schlacht in die wärmere Jahreszeit verlegt wurde, wird die Schlacht bei Burkersdorf, wobei die Russen eine Rolle spielten, vom 21. Juli 1762 in den Winter verlegt. Es liegt sogar Schnee(!).

    Einzig als Zeitzeugnis der menschenverachtenden Sichtweise der Nazis ist der Film eventuell sehenswert, da er wenig mit den hist. Ereignissen um Friedrich II. zu tun hat, der sehr verzerrt dargestellt wird (ausgenommen vielleicht seine Zuneigung zu Prinz Heinrich und seine eigenwillige Engstirnigkeit).
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2016
  11. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der "Große König" wurde im Gegensatz zu "Kolberg" in Schwarz-Weiß gedreht. Schwarzweiß (und tiefbraun) sind auch die Feindbilder. Damit auch die geistig schlichtesten Volksgenossen kapierten, wer die Guten und die Bösen sind, greifen die Preußen immer von links nach rechts an fast wie Alexander auf dem bekannten Mosaik aus Pompeji, das die Schlacht von Issos oder Gaugamela zeigt.

    Die Sprüche wirken manchmal fast unfreiwillig komisch. Zu Beginn der Schlacht von Kunersdorf hält Friedericus Rex erstmal eine markige Rede im Goebbelschen Stil. Dass eigentlich er selbst die Schlacht vergeigt hat, weil die Preußen wie Prinz Heinrich zutreffend sagt, "am Unmöglichen gescheitert sind" und Friedrich wie er zugibt "die Gegner unterschätzt hat" bringt Friedrich zur Weißglut, schuld sind die Bernburger, die so unverschämt waren, sich nicht für Führer und Volk, pardon für Gott König und Vaterland in Stücke hauen zu lassen und eine "Mauer aus Leibern" zu bilden. Darüber kommt der "Große König" nicht hinweg. Das "beste" oder makaberste Zitat ist für mich Friedrichs Spruch "Schenkendorff, ich habe Rückenwunden gesehen...Rückenwunden! Das gab es bei den Preußen bisher noch nie!" Das Kanonenfutter war so dreist, sich auf der Flucht erschießen zu lassen.
    Die Schlacht ist verloren, Friedrich denkt an Selbstmord und Rücktritt, nimmt aber nach der Aussprache mit Heinrich und nachdem auch die Treuesten der Treuen, alle Generale einschließlich Zieten und Seydlitz den Krieg für verloren halten wieder Haltung an und das Heft in die Hand. Die "Vorsehung" sorgt dann dafür, dass der "Große König" am Leben bleibt, weil er vergiftete Schokolade vom "Haus Habsburg" großzügig einem Domestiken überlässt mit den Worten "Nimm er das für sich!" Intellektuell ist der Preußenkönig seinen Gegnern voraus und schmiedet an einem Plan für eine Vernichtungsschlacht (1760 bei Torgau) Aus der Handlung wird nicht so recht klar, weshalb Fridericus seinen Gegnern überlegen ist- es ist einfach so. Aus Jud Süß wird dann eine Weisheit von Harlan recycelt: "Die Juden/die Russen sind ja gar nicht klug, sie sind bloß schlau". Noch aber ist nicht alles verloren, denn die Bernburger haben ja noch ihre Fahne. Die will Söderbaum, die eine Sympathie für den Feldwebel Treskow entwickelt, als Verbandsmaterial nutzen, aber die angehende Soldatenfrau und spätere Mutter weiß es eben nicht besser, denn sie "ist ja nur ein Mädchen". Die Fahne (die bekanntlich mehr als der Tod ist), wird aber eingezogen. Wirklich schlimm ist auch nicht der Verlust der Schlacht und der Armee, sondern der Glaube an den Endsieg.

    Der Große König überblickt nicht nur das Große Ganze, sondern auch die Details, die der simple Volksgenosse nicht durchschaut, auch wenn er wie der Feldwebel Treskow treu zum König/Führer steht.

    Wie erwähnt, wendet Treskows Einsatz das Blatt, und die Preußen siegen bei Torgau. Wegen seiner Eigenmächtigkeit wird er an eine Kanone gebunden, soll aber, ohne es zu wissen, auf Befehl des Königs zum Offizier befördert werden.

    Treskow stirbt den Heldentod, die Müllerstochter Luise (Kristina Söderbaum), die anfangs nicht viel vom König hält, erkennt aber-inzwischen Kriegswitwe und Mutter die Größe von König Friedrich. Die Botschaft des Films lässt sich folgendermaßen auf den Punkt bringen:

    1.Die Führung hat immer recht und den Überblick.
    2. Die Führung weiß um die Opfer des Volkes.
    3. Der Befehl ist heilig, selbst wenn er sinnlos ist.
    4. Du bist nichts, dein Volk ist alles.
    5. Der simple Volksgenosse ist zwar nur ein Rädchen im, Getriebe, u.U, aber kriegs- und schlachtentscheidend.
    6. Süß ist der Heldentod
    7. Rückenwunden sind das Letzte
    8.Die Russen/Juden sind nicht klug, sondern bloß schlau.
     
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  12. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Scorpio
    Danke für die Einschätzung. Komisch, dass solche menschenverachtenden Filme dann auf DVD etc. erschienen sind. Können da nicht formbare Leute verführt werden - noch heute?

    Andererseits wird auch sowas wie "Feith 1453" gezeigt in dt. Kinos. Hm. :grübel:

    Hm, aber vielleicht sind die alten Filme technisch einfach zu schlecht gemacht.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Januar 2016
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Manches wirkt auf uns, die wir nach dem 2. Weltkrieg geboren sind und durch ganz andere cineastische Prägungen, Sehgewohnheiten und politische Einstellungen geprägt wurden fast grotesk. Aber, und das ist ja das Perfide, die Propagandafilme der Nazizeit waren handwerklich durchaus gut gemacht. Die UFA konnte auf gute, teilweise hervorragende Schauspieler zurückgreifen, die wie Werner Krauß, Kurt George, Ferdinand Marian, Gustav Gründgens und viele andere ihr Handwerk gut verstanden. Der Ewige Jude, Jud Süß, Kolberg und der Große König waren holzschnittartig in ihrem Schwarz-Weiß- Denken, aber sie erfüllten ihren Zweck. Immer wieder das Gleiche zu behaupten, Feindbilder zu erzeugen, funktioniert, umso mehr, wenn Regisseure an ihre eigene Propaganda glauben. Leni Riefenstahls "Dokumentarfilme" wie "Triumph des Willens" waren gut gemacht. Die Generation unserer Großeltern war nicht klüger oder dümmer, als unsere Generation, und die meisten waren in autoritären Strukturen großgeworden. Viele waren noch Kinder und Jugendliche als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, und die ständige Berieselung durch Propaganda geht fast niemals spurlos vorüber. Mal Hand aufs Herz, wer hinterfragt, wie über die Ukraine, Griechenland, die "Flüchtlingskrise" und den islamistischen Terror berichtet wird. Über manche Aussagen von "besorgten Bürgern", die sich bei Pegida einreihen, kann man den Kopf schütteln, aber es funktioniert.
     
    Teresa C. gefällt das.
  14. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Scorpio
    Das hatte ich mich auch schon gefragt, ob z.B. Otto Gebühr selber den Wandel des Friedrich-Bildes in "seinen" Filmen mitbekam oder ob die Wortwahl und Betonung der Filme dermaßen in den Zeitgeist passte, dass z.B. der Unterschied zwischen "Der Choral von Leuthen" und "Der große König" selbst den Darstellern nicht klar war.
    Da "Nun danket alle Gott" auch in "Der Choral von Leuthen" gut funktioniert hat, wird es auch ganz kurz in "Der große König" angestimmt, aber dann recht zeitig, d.h. sehr rasch abgebrochen. "Der große König" ist ja regelrecht antireligiös. Von den positiv dargestellten Charkteren wird nur Zieten als frommer Mensch dargestellt, der allerdings außer seinem Feldherrengeschick nicht viel taugt und seinem König gegenüber eher als beschränkt gezeigt wird.
    Dass es sich um Kabinettskriege, folgend einzig den Interessen von Monarchen handelt, wird möglichst ausgeblendet. Sinnigerweise wird der Überfall auf Sachsen und alle übrigen unrühmlichen Facetten von Friedrichs Tun verschwiegen. Dass just der Siebenjährige Krieg, ein Konflikt von Deutschen gegen Deutsche aus überhauptnicht "völkischen" Gründen war, passt nicht in die Welt der Nazis. Von daher erstaunt mich eh immer, dass man den Krieg der Österreicher gegen die Preußen sosehr in den Vordergrund rückte. Zahlreiche andere Themen wie die Kriege am Rhein gegen Frankreich im 17. und 18.Jh. hätten sich doch aus nationalistischer Sicht besser für monumentale Propagandastreifen angeboten. Gut, da mag dann die zweifelhafte Rolle Brandenburgs in der Bündnispolitik des Großen Kurfürsten hinderlich gewesen sein.

    Zur Lineartaktik, die in den Filmen der Fridericus-Rex-Reihe nicht vorkommt ein neuerer Artikel: https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/index/index/docId/5986
     
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Wer Augen zu sehen und Ohren zu hören hat, der konnte sich keine Illusionen machen. Gebühr, Krauß, George und Marian waren ja keine dummen Menschen. Andererseits wurden konforme Künstler gehätschelt oder aber knallhart geschnitten. Nur wenige hatten soviel Rückgrat wie Hans Moser, der sich nicht von seiner jüdischen Frau trennen wollte und bei Hitler persönlich vorsprach, der ihn und seinen Humor übrigens schätzte. Was sollten Künstler, die nicht rechtzeitig Deutschland verlassen hatten oder in Hollywood nicht gefragt waren tun? Werner Finck bekam jahrelang nur kleine Rollen, ein Berufsverbot war schnell verhängt und Goebbels überaus nachtragend. Selbst Winifred Wagner, die nun wirklich linientreu war und bei einem Interview Ende der 1970er noch von Hitler schwärmte, musste gelegentlich einen schwulen Tenor aus dem KZ loseisen.
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Von den Fridericus Rex Filmen mit Otto Gebühr finde ich, dass der Preußenkönig in Veit Harlans "Der Große König" trotz Verherrlichung (auf mich zumindest) den unsympathischsten Eindruck macht. Kennst du Fridericus Rex? Der Streifen muss nicht lange nach "Der Choral von Leuthen" gedreht worden sein und spielt im gleichen historischen Zeitfenster wie der "Große König" etwa zwischen 1759-1761. Auch hier spielt Gebühr wieder seine Paraderolle, kommt aber weit sympathischer rüber. Er hält keine Propagandareden, ist aber gewitzt und behält stets die Contenance. Die Dialoge sind weitaus besser, als in Harlans "Durchhalteepos". Solange die Propagandatendenz nicht gar zu dick aufgetragen ist, muss ich gestehen, dass ich eine gewisse Schwäche für einige UFA- Stars habe. Gebühr spielt in Bismarck von 1940 den König von Sachsen. Allerdings ist "Die Entlassung" mit Emil Jannings als Bismarck, Werner Krauß als Friedrich von Holstein und Werner Hinz als Wilhelm II. wegen diesen drei Schauspielern weitaus sehenswerter. Die Propagandaanspielungen auf die Nazis sind weniger aufdringlich. Die Rolle des intriganten Gesinnungslumpen ist geradezu auf Krauß zugeschnitten, der in Jud Süß gleich mehrere (mindestens drei) Nebenrollen spielt.

    Von den Fridericus Streifen ist meiner Meinung nach "Der alte und der junge König" der schauspielerisch überzeugendste. Der Streifen muss ebenfalls 1935 gedreht worden sein. Emil Jannings spielt den Soldatenkönig, Werner Hinz Friedrich II. Überzeugend finde ich auch Georg Alexander als Markgraf Friedrich III. von Ansbach Bayreuth.

    Jannings überzeugt total als cholerischer Soldatenkönig und zeigt in der Tabakregie auch sein komisches Talent, dass er virtuos auch als Dorfrichter Adam bewies.

    Als ein totaler Langweiler erweist sich leider die Figur des Hermann Katte, der propagandagerecht als Sprachrohr der militärischen Pflichterfüllung fungiert. Die homoerotische Beziehung zu Friedrich kann aus naheliegenden ideologischen Gründen nicht angerissen werden, und die Freundschaft der beiden wirkt streckenweise etwas hölzern.
     
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    "The First Churchills" (1969) BBC

    The first Churchills" (1969) BBC

    Vom Umfang her ist diese typische alte BBC-Serie beeindruckend. Über 12 Folgen in insgesamt etwa 6 Stunden wird das Leben von John Churchill, dem späteren Duke of Marlborough porträtiert. Die damals hochkarätigsten Schauspieler Großbritanniens wurden entsprechend von der BBC aufgeboten. John Neville (Marlborough), James Villiers (Charles II) und John Standing (Godolphin) sieht man bspw. in den Hauptrollen. Ich bin jetzt durch die ersten beiden Folgen durch und positiv überrascht. Natürlich ist das Meiste eher ein Kammerspiel in mehr oder minder hübschen Bühnenlandschaften, was manchmal ulkig wirkt, wenn der etwas zu groß geratene Charles II wegen zu niedriger Türen laufend den Kopf einziehen muss. :D Die Uniformen oder die Herrenkleidung wirkt aber durchaus akzeptabel und im Vergleich zu zeitnahen deutschen oder österr. Produktionen wie "Der Kurier der Kaiserin" (68/69) sogar richtig gut. Zum Nebenbeianschauen, wenn man näht oder nicht arg konzentriert bastelt, ist das ganz ansehnlich. Dankbarerweise wird ein sehr sauberes Englisch gesprochen (eine echte Entspannung nachdem ich neulich "This is England" gesehen habe ). Ich werde wahrscheinlich weiter berichten, wenn ich mehr gesehen habe. :fs:
     
  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich bin jetzt bei der Folge 12 von "The first Churchills".

    Während Sedgemoor nur durch den Umstand charakterisiert wurde, dass ein Nachtangriff gezeigt wird, werden die übrigen Feldzüge aus dem Feldherrenzelt erzählt. Das heißt, dass z.B. der Duke einen Adjudanten trifft und mit dem über das Geschehene spricht. Blenheim wird in ein paar Schlachtszenen widergegeben, wobei allerdings das Meiste sehr fragwürdig ist und damit qualitativ vom Rest der Serie abbbricht. So befindet sich Prinz Eugen praktisch laufend in der Gegenwart des Dukes, obwohl er ja seinen Flügel gegen die Bayern und Franzosen kommandierte und primär durch Schriftwechsel anwesend wäre. Der Angriff auf Blindheim wird völlig falsch dargestellt. Statt einem vollgepfropften Ort, sind die Straßen völlig leer, durch welche die Rotröcke rennen und Marschall Tallard wird nur noch von einem Häuflein der Seinen umgeben, als er gefangen genommen wird. Ramillies und die anderen Schlachten in Flandern werden nur angedeutet indem Ausschnitte aus den berühmten Wandteppichen ins Bild gerückt werden und man über die politischen Auswirkungen im Umfeld der Königin spricht.

    Gut gefällt mir bei Queen Anne, dem Prinzen von Dänemark, King William und einigen anderen Rollen wie die Charaktere äußerlich und auch charakterlich getroffen wurden. Sarah, die Duchess of Marlborough, wirkt sehr nervig auf die Dauer, mag sie aber auch gewesen sein. In einer Szene wirkt es ulkig, wo eine ihrer Töchter auftritt und die Schauspielerin der Tochter locker genauso alt aussieht wie ihre Mutter. Diese wurde erst im Laufe der Serie ab ca. 1700 auf Alt geschminkt.

    Bis jetzt dennoch eine sehenswerte Reihe. Leider nur wenig spannend und auch ziemlich humorfrei. Von daher heute vielleicht nicht so die ansprechende TV-Kost.
     
  19. Fulcher

    Fulcher Aktives Mitglied

  20. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

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